6t. EWeth-AM
Sonntag, 11. Lklober 1931.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 Ä.-Pfenntg B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr epra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, ColonelzetI« tm Reklameteil 0,60 Goldmart Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osj.-Äed. 0,10 Goldmart Porto extra Anzeigen müssen spätesten» bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda fein.
—....... Druck und Verlag Der Fuldaer ArNendruckerel. Verlaguork Fulda. ............
Wochenkalender.
Sonntag, 11. Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten. Montag, 12. Oktober. Vom Tage.
Dienstag, 13. Oktober. Eduard, Bek., f 1066.
Mittwoch, 14. Okt. Kallistus, Papst Mart., f 223. Burkhard, Bisch., Bek., f 752.
Donnerstag, 15. Okt. Theresia, Jgfr., f 1582.
Freitag, 16. Okt. Lullus, Bisch., Bek., t 786. Hedwig, Witwe, t 1243.
Samstag, 17. Okt. Margaretha Maria Alacoque, Jgfr., f 1690.
20. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Epheser 5, 15—21.
Evangelium. Johannes 4, 46—53. Jesus heili den
Sohn eines königlichen Beamten.
In jener Zeit war in Kapharnaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank darniederläg. Als er vernahm, Jesus sei von Judäa nach Galiläa gekommen, ging er zu ihm und bat ihn, herabzukoMnien und seinen Sohn gesund zu machen; denn er war, dem Tode nahe. 8esus sprach zu ihm: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht." Der königliche Beamte entgegnete ihm: „Herr, komm herab, bevor mein Sohn stirbt!" Jesus erwiderte ihm: „Geh hin, dein Sohn lebt." Der Mann glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm gesprochen hatte, und ging. Aber schon unter« wegs kamen ihm seine Knechte entgegen und meldeten, -sein Sohn sei am Leben. Er erkundige sich bei ihnen nach der Stunde, in der es mit ihm besser geworden fei. Sie sagten ihm: „Gestern um die siebte Stunde verließ ihn das Fieber." Da erkannte der Vater, daß es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: »Dein Sohn lebt." Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Hause.
Lebende Denkmäler.
it Recht darf man die Kinder die lebendigen Denkmäler ihrer Eltern nennen. Könige und Künstler haben Pyramiden, Kirchen, Paläste, Statuen und Bilder
Andenken ihres Reichtums, ihrer Macht und Kunstsinns hinterlassen. Größer aber, christ- . ^vter und christliche Mutter, ist dein Werk Verdienst, wenn du nach deinem Tode £ bischer a[s jxbendige Denkmäler der Welt
Unsere gute hl. Elisabeth hat ihrem Mann« und menschlichen Gesellschaft drei Kinder geschenkt: Hermann und Gertrud. Nur mit Gertrud trmfiL Ä5 uns heute beschäftigen, die das ge- »a/^ Ebenbild ihrer Mutter gewesen ist. Eine der w weiß über diese berühmte Tochter 91 Elisabeth folgendes zu erzählen:
Magister Konrad, ein berühmter Prediger, kam oftmals in das Kloster zu Altenburg, verrichtete dort seine Andacht, beförderte es nach Vermögen bei der hl. Elisabeth, deren Beichtrater und geistlicher Zuchtmeister er war; und bei Landgraf Ludwig lobte er es so sehr, daß beide gelobten, wenn St. Elisabeth ein Mägdlein geschenkt würde, solches in dieses Kloster ausgenommen und geopfert werden sollte. Da ward ihr eine Tochter geschenkt, Gertrudis mit Namen, welche Tochter, da sie anderthalb Sahr alt geworden, die Mutter in dies Kloster schickte, in solchem heiligem Konvent dem Allerhöchsten allweg zu dienen. Wurde aber von ihren Beamten und Edelleuten mehrmals gescholten, daß sie dieses junge land- gräfliche und töniglidje Töchterlein in dies armes und weit von ihr entlegenes Ort getan hat; sie aber gab zur Antwort, daß ihr dieses Altenbergische Kloster vom Himmel für ihre Tochter sei geoffenbart worden, und sollte dieses Kloster durch sie in geistlichen und weltlichen Dingen zum herrlichsten geziert und gefördert werden. Ist also die landgrgfliche Tochter .Gertrudis in diesem Kloster Altenberg göttlich aufgezogen und unterwiesen worden, hat bei Gott und den Menschen sehr zugenommen und diesen Spruch zum beständigen Gedächtnis und Symbol gehalten: je höher und edler du bist, desto mehr erniedrige dich in allen Dingen. Christine von Biell war ihre Frau Meisterin, und dieser folgte sie in ihrer Würde nach. Während ihrer 49jährigen Regierung hat sie das Kloster bedeutend. in die Höhe gebracht.
Als echtes Kind ihrer heiligen Mutter zeigte und übte Gertrud besonders dieselben Tugenden, worin sich Elisabeth so sehr ausgezeichnet hatte, Liebe und Barmherzigkeit gegen den Nebenmenschen und Strenge gegen sich selbst. So war es z. B. ihre Gewohnheit, daß sie die ganze Fastenzeit bis zum Palmsonntag auf Stroh, die Karwoche hindurch aber auf Scherben schlief, um einigen Teil am Leiden Christi zu nehmen; fortwährend aber kreuzigte sie den Leib mit Fasten und Wachen. Sie richtete im Kloster ein Spital für Kranke her und leistete selbst dabei die niedrigsten Dienste als wahre Tochter der barmherzigen Christenfrau Elisabeth. Gertrud ward nämlich scbon mit dem 21 Jahr zur Aebtissin des Klosters gewählt. Da besonders Jungfrauen von Adel und den vornehmsten Familien in dieses Kloster sie aufnehmen ließen, so sagte sie ihnen oft ihren Wahlspruch: „Je vornehmer eine ist, desto mehr muß sie sich in allem verdemütigen."
Insbesondere hatte sie die Gabe, verfeindete Personen mit einander zu versöhnen. Gertrud war an die fünfzig Jahre Vorsteherin des Klosters und brachte dasselbe in allen Beziehungen zu großem Gedeihen. Sie ließ auch die große, schöne Kirche bauen, welche später ihr eigenes Grabmal wurde, indem ihr. Leib nach ihrem glücklichen Abscheiden (13. August 1297) im Chor beigesetzt, und.
nachdem sie vom Papst Klemens VI. selig gesprochen, daselbst verehrt wird. Selbst nach Jahrhunderten ist ihr Andenken noch so gesegnet, schreibt Alban Stolz, daß selbst die protestantische Fürstenfamilie von Braunfels, welche in Besitz des aufgehobenen Klosters kam, noch vor wenigen Jahren jedesmal auf Gertrudistag einen feierlichen katholischen Gottesdienst in der Kirche halten ließ und demselben anwohnte. Und so viel ist gewiß, daß Gertrud, welche als Kind schon in das Kloster gleichsam verschenkt wurde, ein so schönes, würdiges Leben gelebt hat, als nur eine Frau auf Erden zu haben vermag. Der Segen Gottes ruhte auf dem Opfer, welches die Eltern ihm darbrachten, indem sie das Kind für das Kloster bestimmt haben.---
Von den beiden andern Kindern der hl. Fürstin ist nichts besonderes zu berichten. Hermann wurde Fürst in Hessen, wurde aber in 'einem 18. Lebensjahre ermordet. Sofia, die erstgeborene, verheiratete sich mit dem Herzog von Brabant und führte viele Kämpfe um den Thron von Hessen. Beide haben sich in ein weltliches Treiben verwickelt, das ihnen mehr Dornen als Rosen, mehr Unkraut als Weizen, mehr Sorge als Friede, mehr Kummer als Freude eintrug. Alban Stolz hat Recht, wenn er diese Tatsache beschließt mit folgender Erwägung:
„Es ist ein gänzlicher Irrtum, wenn man meint, im Weltleben und hohem Rang oder im Fürstenstand sei mehr Freude und Genuß als in einem von der Welt zurückgezogenen, ausschließlich Gott zugewandten Leben. Ganz abgesehen von der Vorbereitung für die Ewigkeit, welche im Getriebe der Welt viel schwerer gelingt, hatte gewiß Gertrud in ihrem Kloster mehr wahrhaft glückliche Jahre, als die beiden Geschwister Her- mann und Sofia gehabt haben." —
O, ihr lieben Eltern, welch glückliches Los ist euch beschieden Nicht nur könnt ihr selber ewig weiterleben, sondern auch in euren Kindern. Durch eure gute Erziehung werden sie eure lebendigen Ebenbilder und Denkmäler sein. Saget nicht, was nützen alle guten Beispiele und alle guten Lehren, wenn meine Kinder oder auch nur eines derselben verloren geht! Seht, darüber habt ihr keine Verantwortung. Tut eure Pflicht in Wort, Beispiel, Gebet und Wachsamkeit, und ihr werdet eures Lohnes nicht verlustig gehen, ob nun eure Kinder gute oder böse Wege einschlagen. Sollte eines sich zum Ordensstand berufen fühlen, so steht seinem Glücke nicht im Wege. Bedenket die Worte des erfahrenen Kirchenlehrers Augustin: „So oft ich das Ordensleben lobpreisen will, diesen schönen Stand, diesen herrlichen Beruf, so finde ich keine Worte, es gebührend zu tun."
Der Talpfarer.