Wochenkalender.
Sonntag, 4. Oktober. 19. Sonntag nach Pfingsten. Franziskus von Assisi, Bek. Aeuhere Feier des Rosen- kranzsestes.
Montag, 5. Okt. Plazidus u. Gen., Mart.
Dienstag, 6. Oktober. Bruno, Bek.
Mittwoch, 7. Okt. Fest des hl. Rosenkranzes. Marcus,
Bek., und Sergius u. Gen., Mart.
Donnerstag, 8. Okt. Brigitta, Witwe.
Freitag, 9. Okt. Dionysius Areopagita u. Gen., Mart.
Samstag, 10. Okt. Franz Borgias, Bek.
19. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel Epheser 4, 23—28
Evangelium. Matthäus 22, 1—14. Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl.
In jener Zeit redete Jesus zu den Hohepriestern und Pharisäern in Gleichnissen und sprach: „Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der seinem Sohne Hochzeit hielt. Er sandte seine Knechte aus, die Geladenen zur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen. Da sandte er andere Knechte aus mit dem Auftrag: Sagt den Geladenen: Seht, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet; alles E bereit, kommt zur Hochzeit! Allein sie achteten nicht uf und gingen weg, der eine auf sein Landgut, der andere zu seinem Geschäfte. Die übrigen aber fielen über seine Knechte her, verhöhnten sie, ja schlugen sie tot. Als der König das hörte, ward er zornig, Er sandte feine Truppen aus, ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet; doch die Geladenen waren seiner nicht wert. So geht denn hinaus an die Straßenkreuzungen und ladet zur Hochzeit, wen ihr nur findet. Die Knechte gingen auf die Straßen hinaus und brachten alle herbei, die sie fanden, Gute und Bois. So füllte sich der Hochzeitssaal mit Gästen. Nun trat der König ein, um sich die Gäste anzusehen. Sein fiel auf einen, der kein hochzeitliches Gewand trug, w redete ihn an: Freund, wie bist du hierher gekommen hochzeitliches Gewand? Er aber schwieg. Da gebot der König den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt."
Am tsmgüche Staut im Urteil der Menschen
muß doch eine merkwürdige Hoch. M-M^A reit gewesen sein, von der im heuti- gen Sonntagsevangelium die Rede ist, daß die 'Eingeladenen nicht kom- men wollten und daß zu guter Letzt Armen, Blinden und Lahmen die Gäste waren
Unter dieser geistlichen Hochzeit verstehe ich die Wrjmbung der Seele mit unserm Herrn Jesus jUistus und die Aneignuno seiner Grundsätze und Leben danach. Nrm liebte aber unser Hei- wnd nichts mehr als die heilige Armut Er hlte sie gleichsam zu seiner Braut. Mst Adler
blicken erspähte sein göttliches Auge von der Himmelsburg herab dâs köstliche Gut der Armut. Im Stalle zu Bethlehem fand er sie in Windeln ein- gewickelt in einer Krippe. Am Kreuze hat er sich aller Herrlichkeit entäußert und selbst seine Kleider den Henkern überlassen. Einem geschenkten Grab hat er seine irdische Hülle übergeben.
Mit Staunen erkannten die heiligen die brennende Liebe des Meisters und folgten ihm nach. Zeit nicht der Heilige des heutigen Tages, der Arnie von Assist, der hl. Franziskus, ganz dieselbe Liebe zur Armut wie sein Herr und Mei-
,Der kommmöe Winter tvirö eine große Notzeit weröen. ârgen wir öafür/ öaß er eine Blütezeit wahrer/ echter/ christlicher Nächstenliebe
Weröe/
Bischof Dr. Schreiber von Berlin.
ster? An dem Tage, an welchem er sein Weltleben für immer beschließen wollte, versammelte er seine Freunde zu einem reichen Mahle. Während sie in die Freuden der Tafel versunken waren, stand er wie geistesabwesend in ihrer Mitte, von himmlischer Süßigkeit überströmt. Nachdem er wieder zu sich gekommen, neckten ihn seine Freunde: „Worüber hast du denn so schwärmerisch nachgesonnen? Kam es dir in den Sinn, eine Braut heimzuführen?" „Ganz richtig, erwiderte Franziskus, „daran habe ich gedacht. Und eine Braut wird es fein, adeliger, reicher und nAmer, als ihr je eine gesehen habt." Mit dieser Braut meinte er die Armut. Und wahrhaftig, er ist ihr treu geblieben in seinem ganzen Leben und hat die Grundsätze der Armut auch seiner Stiftung, dem Franziskanerorden, als unverletzliche Norm eingegraben. , r , ...
Damit kommen wir zu unserer lieben Heiligen Elisabeth. Bereits in einer früheren Lesung haben wir erfahren, daß Elisabeth unter die Jünger des hl. Franziskus eingetreten und Terziarin des dritten Ordens geworden ist. Die ihr angebo rene Liebe zur Armut wurde dadurch noch vertiert und verklärt. Während die Durchschnittsmenschen die Armut als ein Unglück betrachten, das man
gieid) der Pest sich vom Leibe hält, erkannte Elisabeth, vom Geiste Gottes beseelt, in der Armut ein Gut, über dessen Besitz man sich freuen muß, als ein Geschenk, das von oben kommt, vom Vater der Lichter, dem man dafür dankbar sein muß, als eine Bürgschaft des göttlichen Wohlgefallens und einen Vorgeschmack des Himmels. „Ich bim es gar nicht wert", sprach sie in Demut, „daß du, o Gott, mich zur Gnade der Armut auserwählt hast."--
Auch nach der Vertreibung aus der Wartburg hätte Elisabeth die Möglichkeit gehabt, ein standes- gemäßes, sorgenfreies, wohlgepflegtes Leben führen zu können. Doch ihre Hände waren wie ein Brunnen, der nicht den geringsten Tropfen für sich behält und alles Wasser den Durstigen spendet. Von ihrem Witwengut baute die gewesene Fürstin Krankenhäuser und unterstützte so die Notleidenden und Armen. Ja, Elisabeth erkannte in der Armut Jesu Braut und ihr eigenes Glück.
Möchte doch diese Weisheit auch uns gegeben sein! Möchte doch die göttliche Gnade auch unser Herz erleuchten, daß wir in der Armut eine Wohltat erkennen und uns darin glücklich vorkommen. Welches ist aber tatsächlich das Urteil der Well und der Weltkinder über die Armut? Man betrachtet sie als eine Schmach und ein Unglück. Man jagt dem Reichtum nach wie einem bunten Schmetterling. Man beneidet die Reichen, man trachtet nach ihren Gütern, man sucht sie ihnen durch Gesetzgebung oder mit Gewalt zu entreißen. Man jammert über sein Schicksal und wird irre an Gott und der Menschheit. Man handelt wie ein Mensch, der sich durch viel Arbeit aus einem Sumpfe zu retten sucht und nur noch tiefer ein« sinkt. Man hat den Schlüssel verloren, der alleirt den Segen der Armut aufschließt, den kindlichen Glauben an Gottes weise Vorsehung, die Hoffnung auf ein unbeschreibliches, unermeßliches Glück, durch das alle Erdennot nicht bloß ausgeglichen, sondern tausendmal wett gemacht wird
Sehen wir aber einmal vom Standpunkt des Glaubens ganz ab, so werden wir dennoch der Armut ein Loblied fingen müssen. Geben wir einem Manne das Wort, der es wissen konnte, der auf der Brücke der Armut in den Palast des Reichtums einqezoqen ist, dem berühmten amerikanischen Milliardär Carnegie: „Man pflegt heute die Armut als ein Uebel anzusehen und bemitleidet den jungen Mann, der nicht mit einem silbernen Löffel im Munde geboren ist. Ich aber sage, daß das beste Erbteil, das man einem jungen Manne mitgeben kann, die Armut ist Ich mache mich keiner Torheit schuldig, wenn ich behaupte, gerade der armen Klasse entstammen die guten und großen Menschen. Nicht die Söhne der Millionäre und des Adels gaben der Welt ihre Lehrer, ihre Märtyrer, ihre Erfinder, ihre Staatsmänner und selbst ihre großen Geschäftsleute. Nichts ist so entnervend, so schädlich für Geist