Sonntag. 20. September 1831
St. NiWtz-MN Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
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■n I .1 Druck ant Verlag 6er Fuldaer AcNeabrulteret. Perlageort Fulda.«—
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Ausgabe B.
Wochenkalender.
Sonntag, 20. September. 17. Sonntag nach Pfingsten.
Eustachius u. Gen., Mart.
Montag, 21. Sept. Matthäus, Apostel.
Dienstag, 22. Sept. Thomas von Villanova, Bek,
1 1553. Mauritius u. Gen., Mart.
Mittwoch, 23. Sept. Linus, Papst, Mart., Thekla, Jgfr., Mart.
Donnerstag, 24. Sept. Fest der allersel. Jungfrau Maria von der Erlösung der Gefangenen.
Freitag, 25. Sept. Vom Tage.
Samstag, 26. Sept. Cyprianus u. Justina, Mart.
NB. Heute, Sonntag ist die Ouarkalskollekke für das Priesterseminar.
17. Sonnlag nach Pfingsten.
Epistel. Epheser 4, 1—6.
Evangelium. Matthäus 22, 35—46. Das haupkgebol.
In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus. Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: „Meister, welches ist das Hauptgebot im Gesetze?" Jesus antwortete ihm: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit bei« "er ganze Seele und mit deinem ganzen Gemüte! Das ist das höchste und erste Gebot, das zweite ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten." Da die Pharisäer beisammen waren, richtete Jesus an sie die Frage: „Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?" Sie antworteten ihm: „Davids Sohn." Da sprach er zu ihnen: „Wie kann ihn dann David, vom Herrn erleuchtet, Herr nennen, da er sagt: sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Fuße mache? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie er dann sein Sohn?" Niemand konnte ihm Antwort graus geben. Und von diesem Tag an wagte niemand mehr, ihm eine Frage vorzulegen.
Schwarzkünstler.
s gibt Menschen, die sich in der Kunst verstehen, mit ihren schmutzigen, rußigen Händen die Sonne selber anzuschwärzen. Ich meine die schwarze, wahrhaft höllische Kunst böswilliger
r "'Wild und bewußter Verleumdung. So ha- fwi ^ Pharisäer mit abgefeimter Bosheit den Ank E e*nen Fresser und Säufer genannt, einen M-^rer und Aufwiegler gescholten, als einen ; und Verbrecher behandelt, ja, ihn, den j^"5n. den Sohn Gottes, als Feind Gottes und dj„i^!.ndigen Gotteslästerer hingestellt. Zu al! Aaln Anschwärzungen hat aber der Prophet aus «rety entweder geschwiegen oder sie mit aller
Ruhe zurückgewiesen oder gar für die Verleumder und Gegner gebetet. Als wundervolle, geradezu himmlische Waffe gegen die Pfeile der Verleumdung hat uns jener göttliche Lehrer das Gebet empfohlen: „3^^ sage euch, liebet eure Feinde; tut Gutes denen, die euch hassen, belel für die, welche euch verfolgen und verleumden."
Auch unsere hl. Elisabeth ist unter die Zungen der „Schwarzkünstler" geraten. Kein Wunder, da es ja den Jüngern 3efu nicht besser gehen soll als dem Meister selbst. Damit wir uns nicht entsetzen und nicht irre werden, hat es der Heiland seinen Schülern zum Voraus angekündigt. „Der Jünger ist nicht mehr als der Meister, der Knecht nicht mehr als sein Herr. Der Jünger muß zufrieden sein, wenn es chm geht wie seinem Meister, und der Knecht, wenn es ihm geht wie feinem Herrn. Hat man den Hausherrn Beelzebub gescholten, um wie viel mehr wird man seine Hausgenossen so titulieren." (Mt. 10, 24.)
Geben wir nun der Chronik das Wort und lauschen ihrer Erzählung. „Auch die Fürstin Elisabeth wurde von der bösen Zunge der Verleumdung getroffen. Wie sie wegen ihrer Frömmigkeit und außerordentlichen Guttätigkeit bald für eine Närrin, bald für eine Verschwenderin ausgeschrien worden war, ist früher schon berichtet. Nun sollte aber erst noch die abscheulichste Verleumdung hinzukommen, womit der Ruf einer christlichen Frau befleckt werden kann. Der bettelhaft arm gekleideten, von Fasten und Krankendienst abgehärmten Frau wurde nachqesaqt, sie stehe in einem unziemlichen Verhältnis zu ihrem Beichtvater Konrad. Dieser habe gerade deshalb die junge Witwe in seine Heimat Marburg verlockt, um deren Witwengut mit ihr gemeinsam zu verprassen. Es war auch nicht der geringste Anlaß zu einer solch schändlichen Lüge da. Aber weil die Welt selbst so schlecht isß so ist ihr nichts unerträglicher als der Anblick von Menschen, welche die Welt mit ihrer Lust gänzlich verachten und gleichsam unter die Füße 'getreten haben. Die Hölle spritzt giftigen, siedenden Tod gegen sie in die Höhe. Deshalb wurde von Christi Zeiten an bis auf den heutigen Tag allenthalben heiligmäßiger Wandel gelästert und den frömmsten Seelen oft Heuchelei und allerlei Schlechtigkeit nachgesagt. Gründlich verdorbene Menschen glauben ohnedies eher an eine Gespenstererscheinung als an die Möglichkeit, daß jemand aus reiner Liebe zu Gott auf alles angenehme verzichtet und schweres auf sich nimmt. Das schändliche Gerede kam auch dem Ritter Bargila zu Ohren. Als wahrem Freund war es ihm unerträglich, über feine ehemalige Herrin solche Abscheulichkeiten reden zu hören. Er war überzeugt von der gänzlichen Unschuld der hl. Elisabeth. Wohl aber besorgte er, daß sie in ihrer Un- schtild vielleicht zu unvorsichtig in ihrem Benehmen fei und nicht ahne, wie gelüstig die Weltnach dem Äergernis lauert. Der Ritter reiste deshalb
zur Landgräfin nach Marburg und sprach ehr- erbietig zu ihr „Erlaubt mir, Frau, offen mit euch zu reden." Elisabeth forderte ihn auf, frei ab les zu sagen, was er wisse. Da sagte Bargila: „So bitte ich euch, liebste Frau, auf euren Ruf Acht zu haben; denn eure Vertraulichkeit mit Meister Konrad gibt dem dummen und gemeinen Volke Anlaß zu boshaften und unziemlichen Reden."
Als nun Elisabeth gehört hatte, was man ihr Nachrede, da hob sie in frommer Heiterkeit die Augen zu Gott, in welchem sie all ihren Frieden hatte, und sprach: „Gelobt sei in allem unser Herr und Gott Jesus Christus, der dieses kleine Opfer von mir anzunehmen nicht verschmäht hat. Aus Liebe zu ihm habe ich meine edle Abkunft verleugnet; die Reichtümer dieser Welt habe ich verachtet und bin bettelarm geworden; auch Jugend und Schönheit habe ich nicht in Anschlag genommen und war nur darauf bedacht, mir als einzigen Schmuck des Weibes den Ruf der Ehrbarkeit zu bewahren. Aber auch dies fordert Gott, wie ich vernehme, von mir: er will meinen guten Ruf noch als besonders angenehmes Opfer von mir fordern. Ich willige darein, als verschmähtes Weib zu leben; aber, lieber Heiland, behüte wenigstens meins armen, noch unverleumdeten Kinder vor Schande, daß ihnen keine durch mich zukomme. — Dann wandte sich Elisabeth zu dem Ritterund sprach: „Damit ihr, Herr, keinen Argwohn gegen mich habt, will ich euch meine Schultern zeigen." Es waren noch blutige Striemen daran von den Geißelstreichen, die sie erst vor kurzem erhalten hatte. „Sehet", sprach sie, „von der Art ist die Liebe, womit der hl. Priester mich liebt oder vielmehr zur Liebe Gottes antreibt."
Lernen wir aus dieser Geschichte, die „Schwarzkunst" als eine ganz gemeine, abscheuliche, teuflische Kunst zu betrachten und uns davor mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit zu hüten. Oder ist es denn eine Bagatelle, dem Nebenmenschen die Ehre, die sein höchstes, vielleicht sein einziges Gut ist, zu beflecken und zu rauben? Würdest du da weniger tun als jene nichtsnutzigen Schurken, die dem reinsten Sohn der Jungfrau die Kleider vom Leibe gerissen haben? Ohnehin wirst du auch wissen, daß du mit der Verleumdung in die schwere Pflicht des Widerrufs dich verwickeln würdest. Ohne Widerruf keine Verzeihung, würdest du auch tausendmal bereuen und fünfzigmal beichten. Befolge die Mahnung des hl. Geistes: „Du sollst kein Verleumder und kein Ohrenbläser unter deinem Volke fein." Wirst du aber selber mit Verleumdung bespritzt, mache es gleich der hl. Elisabeth. Erdulde die Pfeile der üblen Nachrede mit Ruhe und Gelassenheit, schweige und verzeihe. So wirst du Gott zum Rächer haben, der deine Gerechtigkeit aufgehen lassen wird wie ein Licht und dein Recht wie den Mittag.
Der Talpfarrer.