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den wir aber unsere Wichten getan und der Heimat ge­dient, so sind wir auch berechtigt zu fordern, daß die Grundlagen der bäuerlichen Existenz geachtet werden, daß nämlich christlicher Glaube und christliche Sitte un­serem Volk erhalten bleiben, daß die christliche Ehe und das christliche Familienideal geschützt werden, damit durch eine christliche Erziehung ein christliches Volk er­halten bleibe und endlich auch zu einem christlichen Staatsleben gelange.

Fassen wir also den Entschluß, der Kirche und dem Vaterland zu dienen, damit von den katholischen Land­frauen einstmals gesagt werden könne: „Sie waren stark im Glauben und glühend in der Liebe."

Auch der Nachmittag gehörte neben den Ar­beiten des Vertretertages in der Hauptsachen den Frauen, die eine

Allgemeine Frauenversammlung veranstalteten, in der Frau Dr. Gerta Krabbel (Aachen), die Vorsitzende des Katholischen Frauen­bundes, über „Karitas Pirckheimer, die Aebtijsin von St. Klara in Nürnberg" sprach, die eine Ver­wandte des berühmten Dürerfreundes, Humanisten und Kommunalpolitikers Pirckheimer war und in den Tagen der Reformation durch ihren Heldenmut und den Rat ihres Bruders Willibald die Neue­rungssucht des Rates für einige Zeit in Schranken zu halten wußte.

Abends fand eine große

Elkernkundgebung der Kath. Schulorganisation

Deutschlands unter Leitung des früheren Reichs­kanzlers Dr. Wilhelm Marx statt, bei der Stadt­pfarrer Stadler (München) über das Thema: „Kindernot — Elèerngebot" sprach.

Das Beispiel der Eltern ist Brot und Not für die Kindesseeke: Nährendes Brot, wenn die zwei Moses­tafeln das große Lebensgesetz für Vater und Mutter sind; verzehrende Not, wenn grundsatzlosen Leichtsinn das Kommando im Familienleben führt.

Das schwierigste Erzichungskapital ist heute die Führung der

Heranwachsenden Knaben und Mädchen in den Reifejahren. So manche Eltern kapitulieren heute bedingungslos vor ihren der Schule entwachsenen Kindern und trösten sich mit der weitverbreiteten Mei- nung: Ja, die Jugend ist heute halt anders als zu Groß­vaters Zeiten. Ihren neuen Lebensstil können wir El­tern nicht mehr meistern. Wir müssen die Kinder auf eigene Gefahr ihren Weg gehen lassen! — Dieser Elterntrost ist fadenscheinig wie ein alter Rock; Feigheit ^igt aus allen Rissen und Flicken. Warum wagen die Eltern gegenüber ihren reisenden Kindern nicht mehr das tapfere Johanneswort: „Non licet! Es ist dir nicht erlaubt! Wir haben keinen Platz mehr für dich an unserem. Herzen und unter unserem Dach, wenn du dei­nem Gott und deinen Eltern den Gehorsam kündigst!" Die Eltern müssen ein kraftvolles Nein zu sagen wissen, wenn die jungen Menschen mit den Ideen der Kamerad- schastsehe, des Gsmeinschaftsbades und anderer nacht- dunklen Bestrebungen spielen. Die gereiften Söhne und Tochter des Hauses sollen wissen: Der Weg zur Mün- digkeit, der Weg zur Ehe und zur Familie steht unter dem Gesetze der gottgeforderten sittlichen Ordnung. — Katholische Eltern, Sie sind Brückenbauer auch für Ihre gereiften Kinder. Schwächlinge werden diese große Auf­gabe nicht schaffen. Es braucht kraftvolle Erzieher­personlichkelten. Darum bitte ich Sie, werden Sie und bleiben Sie treue Mitglieder der Katholischen Eltern­vereinigungen. Hier werden Wehr und Waffen zum Elternkampf um die Kinderseelen geschmiedet.

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Ein zweites Gebot: Auch die Schule muß in Ar­beitsgemeinschaft mit den Eltern dem Kinde die Brücke M Gott bauen. Daher: Dem

katholischen Kinde die katholische Schule!

Im Bund von Elternhaus und Kirche soll die Schule die wachsenden Menschen festigen gegenüber der Ansteckungs- göfwhr durch die geistige Verwirrung, moralische Willen­losigkeit und religiöse Entseelunq unserer Zeit, und da­her zu der zentralen Lebensidee und der kraftvollen Lebensauffassung hinführen und emporführen: „Regem cui omma vivunt! Gott ist der König, dem alles dient, dem ich diene!" Es ist uns Katholiken heilig-ernst mit der Forderung: Für das katholische Kind die kathol. Schule! Sie ist uns eine religiöse Forderung, an der wir so treu festhalten wie an unserem Glauben, für die wir jebes Opfer bingen.

Auch bei uns in Deutschland ist katholischer Eltern- wille katholischer Erzieherwille und katholischer Schulwille kraftvoll lebendig und hat sich in unserer Katholischen Schulorganisation eine großartige Einrich- tung geschaffen, um alle berufenen Kräfte für den Schutz und die Förderung katholischen Erziehungs- und Bildungswesens in unserem Lande zu sammeln, bereit- zustellen und einzusetzen. Sind das nicht stolze Zahlen, wenn, um nur ein Beispiel zu nennen, bei der Heurigen Schuleinschreibung in München 82,65 v. H. der Neu­eintretenden in den Konfessidnsschulen angemeldet wur­den, wenn in dieser Stadt Nürnberg, in der Hochburg des Simultanschulgedankens, die Prozentzahl der neu­angemeldeten Kinder für die Bekenntnisschulen von Jahr zu Jahr wächst und heuer 53,25 v. H. erreicht hat, wenn

bei den Elternbeiratswahlen in Sachsen km letzten FnH- jahr die christliche Schulbewegung an der Spitze mar­schierte.

Wir empfinden es schmerzlich, daß sich in unseren Städten die Schulbezirks- und Pfarrbezirksgrenzen im­mer weiter entfernen. Alljährlich bei Schulbeginn er­folgen Aus- und Umschulungen, wodurch viele Kinder von der Verbindung mit der Pfarrseelsorge losgerissen werden. Wir bitten, daß sich unsere Schulverwaltungs- behördsn bei solchen Maßnahmen von der Rücksicht leiten lassen, das wichtige Band zwischen Kind und Pfarr- familie, zwischen Schule und Pfarrkirche nicht zu lockern.

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Wir lehnen die Simultanschule ab. Wir fordern aber auch von den katholischen Bekenntnisschulen eine grund­satztreue Ausprägung ihres Wesens. Ein öffentliches Dankeswort, ein Eltèrndank sei auf der Elternversamm­lung des Nürnberger Katholikentages jenen unserer verehrten Lehrer und Lehrerinnen gesagt, die durch ihre Persönlichkeit ihrer Schule den Stempel einer katholi­schen Erziehungsstätte aufprägen, die ihre Kinder nicht bloß auf den Turnplatz und Spielplatz und in das Schul­bad führen zur körperlichen Ertüchtigung, sondern auch ins Gotteshaus, zum Kindergottesdienst und Sakramen- ten-Empfang geleiten und so die religiöse Unterweisung durch ihr persönliches Beispiel begleiten und befruchten Die Macht eines solchen Lehrerbeispiels überragt ja alle Kunst der Unterrichtsmethode.

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Noch ein drittes Gebot: Die Umwelt des Kindes, mit ihren so zahlreichen geheimen und öffentlichen Mit­erziehern darf nicht einreißen, was Familie, Kirche und Schule aufbauen!

Wir Aelteren, auf dem Lande Geborenen, haben die Kindheit unter glücklicher gelagerten- Umständen verlebt als unsere heutige Jugend. Da war noch alles auf das katholische Erziehungsziel abgestimmt: die straffe christ­liche Hausordnung, der Bienenfleiß der Werktagsarbeit, die traute dörfliche Sonntagsstille, das stramme, an Got­tes Gesetz orientierte öffentliche Gewissen. Damals wurden dem Kinde granitene Brücken zu Gott gebaut.

Uebsrall macht sich das Wildbadeunwesen breit. — Zu Hause wendet man größte Sorgfalt auf, daß nichts vor das Auge des Kindes kommt, was seine Unschuld verletzten könnte. Und da draußen wird ihm alle Zügellosigkeit auf dem Präsentierteller dargebo­ten. Sollen wir Katholiken uns das weiterhin schwei­gend gefallen lassen? Wir müssen im Namen unserer Jugend protestieren. Wir dürfen unseren jungen Leu­ten nicht durch das öffentliche Wildbadewesen die Mei­nung einpeitschen lassen, als wäre sexuelle Ungeniert­heit ein großes Menschenrecht. In Westdeutschland be­ginnt eben eine große katholische Volksbewegung ge­gen die Auswüchse des Wildbadewesens. Diese Bewe­gung wird auch auf den Süden Deutschlands übergrei­sen.

Das neuzeitliche Bilderzeitschr iftenwesen wirft nicht bloß Gutes, sondern auch empörend Minder­wertiges auf den Markt. Wer als Mitglied einer be- höMjchen Prüfungsstelle manchmal diese Bilderzeitun­gen durchblättern muß, dem kommt nicht bloß der Ekel, er schüttelt sich vor Entsetzen über das Dargebotene. Mit Fäusten und Hämmern wird der Seelenadel jener Ju­gendlichen zerschlagen, denen solches Bildermaterial vor die Augen kommt. Unsere Jugend braucht den entschie­denen Helferwillèn des Gesetzgebers. Wir besitzen zwar ein Gesetz gegen Schmutz und Schund, aber es weift bedenkliche Lücken auf.

Die Sorge um das

Freizeitleben unserer Kinder muß noch viel mehr allgemeine Elternsorge und Volks­sorge werden. In unseren Vorstadtschulen sehen wir in den letzten Jahren nicht allzu selten Kinder in den Schulbänken sitzen, die an einem verwaschenen Band, das um den Hals geschlungen ist, einen großen Schlüssel tragen. Man möchte beim ersten Anblick an irgend­eine neue Form kindlichen Spieles denken. Wenn man aber nachforscht, wird man inne, daß dieser Schlüssel das Symbol einer bedrohlichen Erziehungsnot ist. Die Nachkriegszeit hat schwere Bedrängnisse über die Ar­beiterfamilien gebracht. — Unsere Zeit schreit nach allen sieben Werken leiblicher Barmherzigkeit. Auch das vierte Werk ist eine große Notwendigkeit: Fremde be­herbergen!

Verlassenen Kindern eine Heimstätte bereiten!

Werden wir in diesen sorgenvollen Zeiten keine Pes­simisten! Es ist so viel neues katholisches Leben im Land. In manchen Städten hat sich seit der Jahrhundert­wende die Zahl der Pfarreien verdoppelt. Jede neue Pfarrei ist eine neue Pflegestätte für die katholische Ju­gend. Eltern, Pfarrgeistlichkeit und Laienapostel stellen sich in williger Hingabe in den Dienst der katholischen Jugendpflege und der katholischen Kinder- Hilse. Seit neuestem schafft die Jugend selber mit. Sie hat die Sonntagskinderhilfe organisiert. Jungmän­ner und Jungfrauen sammeln am Sonntagnachmittag Kinder in Hundertzahl um sich, um sie zu betreuen und sie zu erfreuen, ihnen zu nützen und sie zu schützen. Die jungen Leute zeigen ein Geschick, als ob sie Jahre in den Schulbänken eines pädagogischen Seminars geses­sen hätten. St. Elisabeths liebevolles Erbarmen ist in ihnen lebendig.

Ferner veranstalteten die Arbeitsgemeinschaft zur religiösen Vertiefung des künstlerischen Schaf­fens und die Ausstellungskommission für katholi­

sche Gegenwartskunst einen Vortragsabend auf dem u. a. Bischof Dr. Gröber (Meißen) über „Kirche und Künstler in der Gegenwart" sprach Vom Bruder-Willram-Bund Innsbruck wurde ein Tiroler Abend veranstaltet. Außerdem fand eine Versammlung der Deuts ch.e n Karitas für Akademiker unter der Leitung des Ersten Vorsitzenden, Prälaten Professor Dr. Georg Schrei­ber, M. d. R., statt, auf der Dr. Nieten, Studenten­seelsorger in Frankfurt a. M. über „Die seelische Not unserer Jungakademiker und die Aufgaben des katholischen Akademikertums sprach, und weiter­hin Frau Ministerialrat Dr. Helene Weber und Frau Dr. Meyer über „Die katholische Akademi­kerin" sprachen.

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Die Stuttgarter Beratungen der Zentrumsfrakkion,

Hier fand am 25. August eine Sitzung der Zen­trumsfraktion des Reichstages statt, an der auch Vertreter der Zentrumsparteien von Württemberg, Baden, Hessen und der Pfalz sowie des geschäfts- führenden Vorstandes der Deutschen Zentrums­partei teilnahmen.

Reichskanzler Dr. Brüning und die Reichs­minister Dr. StegerwaIü und Dr. Wirth be­richteten über die gegenwärtige Lage. Die Ver­sammelten nahmen die Berichte in vertrauensvoller Stimmung entgegen und es ergab sich eine volle Einmütigkeit sowohl in der Auffassung der Sach­lage wie auch der besonderen Aufgaben, die gelöst werden müssen, um die Schwierigkeiten des kom­menden Winters zu überwinden.

Besondere Beachtung fanden in der Aussprache die Fragen, die mit den in Fluß geratenen Repa­rationsdebatten zusammenhängen, und Umfang und Methode von Sparmaßnahmen bei Ländern und Gemeinden sowie die Kürzung der hohen Pensionen. In letzter Frage wird von der Reichs­regierung eine beschleunigte Aktion erwartet.

Am späten Nachmittag trat die Zentrumsfrak­tion des Reichstages noch zu einer besonderen Sit­zung zusammen, die sich mit internen Fraktions- sragen befaßte.

Wirth über die Rotmaßnahmen für den Winter.

Im weiteren Verlaufe des parlamentarischen Abends der deutschen Zentrumstagung ergriff Dr. Wirth das Wort. Er erklärte, daß

die Reichseeform

zur Zeit nicht so schnell gehen werde wie man viel-, fach höre. Cs sei politische Verhetzung zu sagen, daß man mit dem Artikel 48 den Ländern den Garaus machen wolle. Die Reichsreform fei nur in einer ruhigen Atmosphäre möglich. Das kath. Volk im Zentrum wünsche, daß die konservativen Kreise des evangelischen Deutschland neben es treten, Der Redner wies dann auf die

große Gefahr des kommenden Winters

hin und sagte, daß die Regierung alles tue, um in dem kommenden schweren Winter moralisch und materiell zu helfen, aber die Regierung könne nicht alles tun.

Daher müsse

neben den Staat die karitative Hilfe

treten. In zwei bis drei Wochen werden die kari­tativen Vereine Deutschlands mit einem großen Aufruf an die Oeffentlichkeit treten und Naturalien sammeln. Es sei alles vorbereitet, daß Deutschland den kommenden schweren Winter ausstehen kann«

Ein gewaltsamer Umsturz

sei im Winter n i ch t zu befürchten, da die Regie­rung sich stark genug einer Revolution gegenüber fühle. Es werde keine Sekunde gezögert, die Ge­walt mit höchster Gewalt zu erwidern. Wer die Hand erhebe, dem werde sie abgehauen werden« Die Regierung werde sich nicht überraschen lasten«

Auf diese Ausführungen folgte stürmischer Bei­fall.

Tieferschüttert

hörten wir kürzlich eine Botschaft, die uns daran erinnert, daß in Deutschland alles anders könnte. *

„Deutschland hätte 1917 Frieden haben können! So hat Papst Benedikt XV. feierlich und be­stimmt einst dem damaligen Reichsminister Gies berts gesagt. Dieser hat es bis jetzt noch nichto > Öffentlichkeit anvertraut, aber am vorigen i tag bei der Gedächtnisfeier der Ermordung o bergers, der sterben mußte, weil er den suchte, hat Giesberts den Papst sprechen la"