Wscheukulsuder.
Sonntag, 6. Sept. 15. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 7. September. Vom Tage.
Dienstag, 8. Sept. Mariä Geburt. Hadrian, Mart.
Mittwoch, 9. Sept. Gorgonius, Mart.
Donnerstag, 10. Sept. Nicolaus Tolentinus, Bek.
Freitag, 11. Sept. Protus u. Gen., Mart.
Samstag, 12. Sept. Mariä Namensfest.
15. Sonntag nach Pfingsten«
Epistel. Galater 5, 25—6, 10.
Evangelium. Lukas 7, 11—16. Der Jüngling zu Naim.
In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt mit Namen Naim. Es gingen mit ihm feine Jünger und viel Volk. Als er in die Nähe des Stadttores kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn seiner Mutter, und diese war eine Witwe. Viel Volk aus der Stadt ging mit ihr. Als der Herr sie sah, ward er von Mitleid gerührt und sprach zu ihr: „Weine nicht!" Dann trat er hinzu und rührte die Bahre an. Die Träger dlièben stehen. Und er sprach: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!" Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen. Und er gab ihn seiner Mutter. Furcht ergriff alle Sie priesen Gott und sagten: „Ein großer Prophet ist^unter uns aufgestanden: Gott hat sein Volk heim-
WohlbehMele Zuuge.
Is der gewaltige König Saul sein Volk Israel von Sieg zu Sieg führte, geschah es, daß die Philister sich ihm entgegenstellten, um zum Schlage ^ auszuholen. Vor Beginn einer Schlacht wurde immer der Herr, Jehova, Israels starker Gott,, in feierlichen Opfern um einen gün- stlgsn Ausgang angefleht. Nur der Priester durfte diese Opfer darbringen. Nun wartete Saul sie- ben Tage lang auf die Ankunft Samuels, damit ,/Elsr der Ordnung gemäß das Opfer darbringe, und siehe, Samuel blieb aus. Da legte Saul sel- ver Hand an und schlachtete die Opfer.
In diesem Augenblick tauchte Samuel im La- Mr auf. „Was hast du getan?", fragte er den be- nvifenen König. Dieser griff zu Enkschuldigun- und sprach: „Weil ich sah, daß die Soldaten vavonliefen, weil das Opfer so lange nicht dar- gevracht wurde, und weil der Feind sich zum An- S ^d"b, habe ich notgedrungen das Opfer dar- Samuel aber sprach: „Töricht hast du gehandelt und die Gebote des Herrn nicht gehal- ^arum wird dein Königtum nicht von lan- Mr Dauer sein."
^'âr unbesonnene, gewalttätige Saul hat im^t unge nicht behütet, sondern zu leeren Aus- geöffnet und dadurch seine Lage noch Auf Antrieb des hl. Geistes warnt königliche Sänger vor solchen Entschuldigun
gen und fordert auf zur strengsten Bewachung der Zunge.
„Setze, o Herr, eine Wache an meinen Mun d und eine Türe des U m - stands an mejneLippen, daß ich nicht auf böse Worte verfalle und nicht zu eitlen Entschuldigungen die Zuflucht nehm e." (P s. 140.)
Auf diese Hu! der Zunge hat Elisabeth, die hl. Landgräfin von Thüringen, sich ausgezeichnet verstanden. Im sparsamen Gebrauch des Mundes war sie eine vollendete Meisterin. Nie hat sie durch Entschuldigungen einen Tadel oder eine Strafe zurückgewiesen, sondern hat lieber zu allem erlittenen Unrecht geschwiegen.
Es wird euch wohl in Erinnerung sein, daß die hl. Fürstin sich den strengen Meister Konrad zum Beichtvater und Seelenhirt erwählt hat. Welche Behandlung nun immer dieser herbe Dominikaner seiner Klientin angedeihen ließ, Elisabeth war zufrieden, dankbar und glücklich. Eine diesbezügliche interessante Einzelheit möchte ich heute erzählen.
Einstens beschied Meister Konrad sein Beichtkind Elisabeth zum Kloster Altenberg, weil er mit dem Gedanken umging, sie der Klostergemeinde einzugliedern, wovon er indes bald wieder abkam. Elisabeth wohnte schon in Marburg, und es war für damalige Zeit eine ansehnliche und für eine so schwache Fürstin strapaziöse Reise nach Altenberg. Gleichwohl machte sie nicht die geringste Einwendung und verfügte sich zum genannten Kloster. Als sie dort angekommen war, baten die Schwestern den Meister Konrad, er möge erlauben, daß der Landgräfin das Innere des Klosters gezeigt würde. Nun war es aber ein Kirchengesetz, daß jede weltliche Person, die ohne Erlaubnis in die „Klausur" eintrete, der Exkommunikation, dem Kirchenbann, verfalle. Nun wollte wahrscheinlich der gestrenge Konrad seine Schülerin auf die Probe stellen und gebrauchte eine doppelsinnige Antwort: „Elisabeth soll nur hineingehen, wenn sie will? Elisabeth faßte diese Aeußerung als Erlaubnis auf und trat ein. Doch siehe, kaum war sie mit ihrer Magd in das Klosterinnere eingetreten, da ließ Konrad ihr ausrichten, sie möchte augenblicklich zurückkehren. Ohne auch nur einen Schritt weiter zu gehen, kehrte die gehorsame Fürstin unverweilt zurück und erschien vor dem erzürnten Mönch. Es ist untersagt, die Klausur zu betreten, sagte er, und ich habe keine Erlaubnis gegeben. Darauf befahl er seinem begleitenden Diener, Elisabeth und ihre Begleiterin mit Schlägen zu züchtigen. Dies geschah mit einer dicken, langen Gerte, während Konrad das Miserere dazu sang. Im Verhör beim geistlichen Gericht sagte Elisabeths Magd später aus, sie hätten beide noch lange Zeit Striemen auf dem Rücken gehabt Die fromme Fürstin aber sagte: „Wir müssen solche Strafen willig tragen; denn es ist mit uns wie mit dem Schilfe, das im Flusss
wächst. Schwillt der Fluß über, so beugt sich das Schilf und taucht unter, und das Wasser fließt darüber weg, ohne es zu verletzen. Hört die Ue- berschwemmung auf, so richtet sich das Schilf wieder in die Höhe und wächst weiter in fröhlicher, gedeihlicher Kraft. So müssen auch wir zuweilen gebeugt und gedemütigt werden, damit wir uns nachher mit frohem Gedeihen wieder aufrichten." —
„Setze; o Herr, eine Wache an meinen Mund, daß ich'nicht zu eitlen Entschuldigungen die Zuflucht nehme." Mit welcher Andacht mag S. Elisabeth sich dieses fromme Gebet angeeignet haben. Mit welcher Entschiedenheit, mit welchem Heroismus hat sie darnach gehandelt. Beten auch wir gerne dieses Gebet, das übrigens der Priester jedesmal bei der Händewafchung am Altare verrichtet. Damit aber das Gebet in Erfüllung gehe, müssen auch wir unser Teil beitragen durch Verdemütigung, durch Stillschweigen, durch geduldiges Hinnehmen von Unrecht. Sache der Welt- kinder ist es, so oft sie bei einem Unrecht betroffen werden, sich auszureden, sich reinzuwaschen, sich ein Mäntelchen der Beschönigung umzuhän- gen. Hast du es getan, so leugne — so lautet ein verwerflicher Grundsatz. Für einen ehrlichen Christenmenschen heißt es aber: hast du es getan, gestehe, bekenne. Ändere wieder schieben die Schuld auf dritte Personen. So hat es Adam gemacht: „Das Weib gab mir, und ich aß!" Wieder andere wollen sich rechtfertigen mit dem billigen und ungerechten Spruch: „Cosi fan tutti" — so machen es alle! Manch ein Zuchthäusler hat sogar die Frechheit zu sagen: „O die andern treiben es noch viel schlimmer; sie haben nur Glück, daß es nicht herauskommt: ich bin eben ein Pechvogel!"
Liebe Freunde, seien wir keine solche Heuchler. Seien wir aufrichtige Menschen und echte Christen, die, wenn sie Unrecht getan, vor ihrem Herrgott und im zutreffenden Fall auch vor den Mitmenschen es offen eingestehen und um Verzeihung bitten. Nur so können wir das Unrecht gutmachen.
Der Talpfarrer.
ZeiSgedcmkstr Zum Msual der fettigen Schutzengel.
Es ist etwas Eigenartiges um das Fest der heiligen Schutzengel. Schutzengel, welch lieblicher und trauter Name von den Tagen frühester Kindheit an uns lieb und vertraut. Und dann in der Messe des Schutzengeltages jenes wuchtige Evangelium über das Aergernisgeben.
1. Das Evangelium spricht von den Engeln, die immerfort das Angesicht des Vaters schauen, der im Himmel ist, spricht aber auch von den Teufeln in Menschengestalt, die ihren Beruf darin sehen, des Teufels Handwerk zu treiben und Seelenfrieden und Unschuldglück zu verderben.