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Sonntag. 23. Angvfl 1831

41. Zahrg.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Prelse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzell« tw Reklametell 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofs.-Äeü. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckeret la Fulda lein.

.....- Druck und Verlag der Fuldaer Aclieadruckeret. Verlagsort Fulda. .......

Wochenkalender.

Sonntag, 23. August. 13. Sonntag nach Pfingsten. Phi­lippus Benetius, Bek., f 1285.

Montag, 24. August. Bartholomäus, Apostel.

Dienstag, 25. August. Ludwig, Bek., t 1220.

Mittwoch, 26. August. Zephyrinus, Papst, Mart, f 219. Donnerstag, 27. August. Joseph von Calasanza, Bek., t 1648.

Ureitag, 28. August. Augustinus, Kirchenlehrer, f 430. Hermes, Mart., t 132.

Samstag, 29. August. Enthauptung des hl. Johannes des Täufers. Sabina, Mart., f 126.

13. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Galater 3, 1622.

Evangelium. Lukas 17, 1119. Die zehn Aussätzigen.

In jener Zeit zog Jesus auf der Reise nach Jerusalem Zwischen Samaria und Galiläa hin. Als er in einen Flecken hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben von ferne stehen, erhoben ihre Stimme und riefen:Jesus, Meister, erbarme dich un­ser!' Ms er sie sah, sprach er:Gehet hin und zeiget euch den Priestern!" Während sie hingingen, wurden sie rein, èr nur einer von ihnen kehrte zurück, als er sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme. Er fiel vor ihm weder auf sein Angesicht und dankte ihm. Und dieser war ein Samariter. Da sprach Jesus:Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die neun? $at sich sonst pefunben, der zurückkäme und Gott die Ehre gäbe, Fremde?" Und er sprach zu ihm:Steh auf geh! Dein Glaube hat dich gesund gemacht".

. Mein und dem.

rliölT® "ter den neunWeh", die unser Hei- land den Pharisäern entgegensetzen« derte, ist besonders das zweite be- merkenswert, in welchem er die Un= Gerechtigkeit jener scheinheiligen und yabgiorigen Sekte geißelt mit folgenden Worten: rits®^ euch, ihr Schriflgelehrten und Pha- naer, die ihr unser dem Vorwand langer Gebete °e Kaufer der Witwe» verschlingt." Mt. 23, 14. wahrscheinlich ersuchten manche fromme Wit- n. M. Pharisäer um Gebete für ihre verstorbe- Banner. Um ein gutes Geschäft zu erzie- schien ihnen jene abscheulichen Heuchler ^^ bedürfe besonders großer und langfristi- ocbi,, "^te und stellten für solche Gebetsübungen dioia^ Rechnungen aus. Den Witwen, welche wo» ^ch^rungen nicht bar bezahlen konnten, nah- K» einfach ihre Häuser weg.Dafür, sagt der fallen ' wird eure Strafe um so schlimmer aus«

Herllnk^denklich und gewissenlos begingen diese ^èlro» »n,rnPt)re die dicksten Ungerechtigkeiten: Bllrwan^»."d und Diebstahl, dazu noch unter dem (bem Ev«, ^.^^mmigkeit, und führten aus sol- " ein behagliches, vergnügtes Leben.

Ganz anders die hl. Elisabeth, diese edle, hoch" herzige Fürstin der Karitas. Nicht nur hat sie gerne Werke der Liebe getan, sondern hat allen Werken vöran die Forderung der Gerechtigkeit gestellt und einen großen, feinen Unterschied zwi­schen mein und dein strengstens eingehalten und durchgeführt.

In der Legende finden wir über den Gerech­tigkeitssinn unserer Heldin manche Einzelheiten von geradezu heroischer Kraft und Strenge. Es hatte nämlich ihr Schwiegervater, Landgraf Her­mann, eine überaus kostspielige Hofhaltung ein­gerichtet, die ungeheuer viel Geld verschlang. Na­mentlich- waren es durchziehende Ritter, Dichter, Spielleute und Troubadours, denen er eine ver­schwenderische Gastfreundschaft angedeihen ließ. Walter von der Vogelweide gibt dieser Ueppigkeit folgenden Ausdruck:

Der Landgraf ist so hochgemut,

Daß er mit stolzen Helden seine Habe vertut;

Und kostete ein Fuder guten Weins tausend Pfund;

So stünde doch keines Ritters Becher leer."

Man kann sich vorstellen, daß bei solcher Ver- schwendungssuckt die Einnahmen niemals reichen. So entschloß man sich zu Erpressungen, Raubzü­gen und allerhand Ungerechtigkeiten. Güter aus solchen ungerechten Erwerbungen gingen auch an Ludwig, Elisabeths Gemahl, über.

Da war nun durch Gottes übernatürliche Mit­teilung eine Stimme von wundervoller Präzi­sion, Feinheit und Durchschlagskraft im Herzen Eli­sabeths, das Gewissen. Mit aller Deutlichkeit hörte sie eine innere Warnung zur Vorsicht gegenüber allem ungerechten Gut und Genuß. Indes ver­langte sie nach einer Entscheidung durch eine auto­ritative Persönlichkeit. Was lag da näher, als sich vertrauensvoll an ihren Gewissensführer Kon­rad von Marburg zu wenden?

Und Konrad, dieser Seelenhirt, der keine Rück­sicht und keine Menschenfurcht kannte, traf die Ent­scheidung, jene Güter ihres Mannes, über die ihr Gewissen nicht berhigt sei, nicht zu benutzen.

Mit erstaunlicher Genauigkeit, mit unerbitt­licher Grausamkeit gegen sich selbst befolgte Eli­sabeth diesen Rat. Sie enthielt sich bei Tische al­ler Speisen und Getränke, von denen sie wußte oder ahnte, sie möchten aus ungerechtem Besitze stammen. Auch ihre Dienerinnen mußten sich an diese Entscheidung halten. So kam es, daß die Fürstin etwas Brot oder Fleisch in den Teller nahm, aber davon nicht, sondern bloß zerklei­nerte und im Teller hin und her schob, um durch ihr Fasten nicht aufzufallen. Sie bemühte sich, aus Mitteln, die aus der Ungarischen Mitgift stammten, der mangelhaften Ernährung aufzuhel­fen. zumal im Interesse ihrer Dienerinnen. Pein­licher als der eigene Hunger war ihr der Hunger ihrer Mägde. Konnte sie diesen eine Erleichte­rung verschaffen, war es der Herrin eine große Genugtuung. Fand Elisabeth das einemal erlaubte

Speise, dann sagte sie zu den beiden Mägden: Heute dürft ihr nur essen." Fand sie nur er­laubten Trank, sprach sie:Heute dürft ihr nur trinken." Wenn sie jedoch beides erlaubt fand, klatschte sie heiter in die Hände und rief:Wohl uns: wir werden heute essen und trinken."

Mein und dein ein großer Unterschied. Zu­gleich mit dem Gewissen hat der liebe Gott nach dem Ratschluß seiner unendlichen Weisheit die Unterscheidung zwischen mein und dein in jedes Menschen Brust gelegt. Durch gegnerische Verhet­zung, durch eine mangelhafte Erziehung, durch eine entgegenstehende Praxis kann dieser Unter­schied zwar verwischt, niemals aber vollstärtöig ausgemerzt und ausgetilgt werden. Wenn es sich um den Schutz des eigenen Eigentums handelt, da sind alle Menschen unterschiedslos feurige An­hänger des Eigentums. Handelt es sich aber um fremdes Gut, dann hört die Begeisterung bei vie­len auf, und es beginnt theoretisch der Kommu­nismus und praktisch Diebstahl, Raub, Wucher und Betrug. Unter der Geißel der Ungerechtig­keiten seufzt und knirscht die ganze Menschheit. Unter der Frage des Privateigentums kracht die heutige Gesellschaft bis in die Fugen. Wer als Christ leben und sterben will, hält das Privat­eigentum in Ehren; wird kein Genießer oder Schmarotzer von fremdem Gut. Winkt jetzt so man­cher Obstbaum am Wege und im Feld, reift im Weinberg allmählich so manche Traube, so leistet ein gewissenhafter Mensch solchen Verlockungen tapferen Widerstand und hält es mit dem redlichen Tobias, der sprach:Etwas Gestohlenes dürfen, wir nicht essen und nicht einmal anrühren." Hälk es mit dem weisen Salomon:Besser ist wenig mit Redlichkeit als viel Gut in Ungerechtigkeit. Prov 16, 8. Der Talpfarrer.

Der heilige Kirchenlehrer Augustinus als Bekenner.

(28. August).

Ich warf mich unter einem Feigenbäume nie­der, ich weiß nicht wie. Ich ließ den Tränen freien Lauf, und die Ströme ergossen sich aus meinen Augen, zum angenehmen Opfer für dich, o Gott, unb vieles sprach ich zu dir, nicht zwar mit die­sen Worten, aber in diesem Sinne:Wie lange, o Herr, wie lange, Herr, wirst du zürnen ganz und gar? Gedenke nicht unserer alten Missetaten." Denn ich fühlte, daß sie mich festhielten, und mit lautem Klagen rief ich:Wie lange noch, wie lange noch wird es heißen: morgen und immer wieder morgen. Warum nicht jetzt, warum nich( in dieser Stunde das Ende meiner Schinach?"

Den Mann, der diese Worte medergaschrieben, oen. ehren nicht nur die Katholiken als einen der größ­ten Geisteshelden aller Zeiten. Du kennst ihn, wer­ter Leser. Wegen seiner außergewöhnlichen Got» tesgelehrsamkeit nennst du ihn mit der katholisches