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^ es widerwillig, mit mürrischem Gesichte, un- ter Klagen und Beschwerden gehorcht, dann wer­den sie bald ein gutes Stück ihrer Autorität verlo­ren haben. Unbedingt muß auch die Mutter für eine Anordnung des Vaters und der Vater für einen Befehl der Mutter Gehorsam verlangen, denn beide müssen vor dem Kinde als eine durch­aus einheitliche Autorität dastehen. Dasselbe gilt auch von den Anordnungen des Lehrers oder Pfar­rers. Durch nichts untergraben die Eltern mehr das eigene Ansehen als durch Verletzung der Auto­rität von Schule und Kirche.

Von besonderer Bedeutung ist die Frage: Sol­len die Eltern ihre Befehle dem Kinde gegenüber begründen oder nicht? Es kommt hier auf die Art des Befehles und auf das Alter des Kindes an Dem Kleinkinde wird man im allgemeinen kein? Begründung einer Anordnung geben. Es soll ler­nen, den Willen der Eltern ohne weiteres als maß­gebend anzusehen. Jede Begründung eines unwill­kommenen Befehles fordert das Kind auch zur Kri­tik heraus. Verbietet ihm die Mutter zum Beispiel, mit dem Messer zu spielen, weil es sich sonst schneide, so wird ihr das Kind sofort mit großer Ueberzeu­gung erwidern: ,,O nein, ich schneide mich nicht!" Es wird also den Befehl als unbegründet betrach­ten und sich entsprechend verhalten. Anders liegt die Frage, wenn es sich um eine bloße Belehrung handelt, wenn also die Mutter etwa sagt: „Das darfft du nicht essen; denn das ist giftig!" Aber sobald die Begründung einer Anordnung einen Appell an die Einsicht des Kindes darstellt, fällt sie dèm Kleinkind gegenüber besser fort. Vielmehr muß es hier einfach heißen: Die Mutter, der Va­ter hat es befohlen; also wird so gehandelt.

Je älter und einsichtiger nun das Kind wird, desto mehr sollen die elterlichen Befehle begründet werden. Wir wollen es ja dazu erziehen, allmäh­lich selbständig aus eigener Einsicht und eigenem Willensentschluß heraus zu handeln. Das muß aber geübt werden. Zunächst werden deshalb die Eltern befehlen und begründen; dann werden sie mit fortschreitendem Alter des Kindes den aus­drücklichen Befehl immer mehr in den Hintergrund treten lassen und häufiger ihre Gebote als bloße Wünsche äußern, so daß die eigentliche Entscheidung dem freien Willen des Kindes überlassen bleibt. Das soll immer öfter geschehen, bis schließlich das Kind so weit herangereift ist, daß ihm die Eltern überhaupt keine Befehle mehr erteilen, sondern nur mehr als Freunde und Berater dem großge­wordenen Kinde mahnend und warnend zur Seite stehen. In dieser langsamen, zielbewußten Hin­führung vom Gehorchen zum Sichselbstbefehlen des Kindes liegt die eigentliche Kunst der Erziehung.

Das Kind aber, das in seiner Jugend gelernt hat, den rechten Gehorsam zu üben, wird sein gan­zes Leben hindurch nicht aushören, willig und ehr­fürchtig dem Rate und Wunsche seiner Eltern zu tauschen. H. Faßbender.

Maria hat geholfen.

Skizze von Johanna M o st e r t.

Im Allgäu, hoch oben auf felsiger Höhe und doch geschützt vom beginnenden Hochwald, steht ein Waldkirchlein, in dem Holzfäller, Senner und die Bewohner des hochliegenden Gebirgsdorfes im Borübergehen einsprechen, um Zwiesprache mit unserer Lieben Frau zu halten und die far­bigen Oelbildlein zu betrachten, die der Maler an- 'chaulich von den Wundern der Gottesmutter dar- gestellt. Von Perspektiven hat der Maler wenig Ahnung gehabt, und so stehen die Gestalten oft recht schnurrig neben- oder hintereinander. Aber frommer Glaube.und inniges Vertrauen sprechen aus den kunstlosen Darstellungen und erhöhen das Zutrauen so manches Leidgetroffenen zu Unserer sieben Frau im Wald, die schon so vielen gehol­fen.

Alliags ist eine Art Lattenverschlag vor dem Manenbild, und die Andächtigen können nur aus Entfernung mit der Heiligen verkehren. Aber wenn der Marienmonat angebrochen ist, wird das bolzerne Gitter geöffnet; ein Geistlicher aus dem kommt herüber, um alltäglich Gottesdienst halten, und wenn die Sonne glühend im Berg- lee versinkt, hallen fromme Marienlieder durch e milde Maienluft. Dann scharen sich die Wall­in?^ ?S $em ganzen Kirchenspiel um „Maria tn ' die jedem helfen will, wie es für ihn besten ist . . . Die Lönberger Alm hat einen

weiten Holzschragen und Strohlager darin für die Weithergekommenen, die nicht mehr nach Hause können, und die Sennerin hat Milch und Brot und weißen Käse genug, um sie alle zu speisen.

Aus fieberglänzenden Augen sieht die Allinger Resi auf die Wallfahrer, die mit ihr hergekom­men sind.. So viele sinds und haben so schwere Anliegen. Und vornehm sind sie auch, wie die Reichenbach-Bäuerin, die für ihren Sohn pil­gert, der krank darniederliegt, oder die Kathrin, die den Gerstensepp gar zu gern hat . . . Wenn die Gottesmutter nur nicht so viel mit denen al­len zu tun hat, wenn ihr nur Zeit für die arme Resi bleibt, die so müde und schwach ist. Und nicht viel für sich reden kann ... Niemanden hat sie als den Franzl und dem ist sie eine Plag'. Wenn sie nur erlöst wäre von dem Leid und der Krankheit! Was hat ein armes Dirndl auf der Welt zu suchen, wenn es nicht schaffen und ar­beiten kann? Der Franzl freilich ist sehr gut und läßt sie nicht merken, daß sie ihm eine Last ist. Auf den Armen hat er sie heraufgetragen: sie dürfe sich nicht erregen und nicht anstrengen, hatte der Arzt gesagt, weit in der Stadt, zu dem Michel es gebracht hatte. Das Mädchen hatte sich wohl zu sehr erregt, als die Krankheit der Mutter so plötzlich ausgebrochen; die Wartung der Schwerkranken sei auch über seine jungen Kräfte gegangen. Dadurch sei das Herz angegrif­fen, denn alle Beschwerden über die es klage, kämen vom Herzen, so meinte der Arzt. Aber er mußte es wohl nicht gut verstanden haben; denn Resi wollte nicht genesen, so folgsam es auch die Ratschläge befolgte. Und Marieli, die Nachbars­frau, die im Dorfe die Rolle der weisen Frau spielte, schüttete die Tropfen des Arztes fort, machte heiße Umschläge und kochte wohltätige Kräuter­tees. Das Kind, das so gerne gesund geworden wäre, glaubte auch zuerst eine Besserung zu ver­spüren. Aber dann war alles wieder beim alten.

Den Franzl dauerte das Schwesterchen über die Maßen. Immer lag es matt und gotterge­ben auf feinem Lager und humpelte an feinen Krücken in der Sonne herum; niemand hatte es, der für es sorgen oder der es liebhaben konnte; es lebte ein Leben, das tèing war; denn ein Tag ohne Betätigung, ohne Frohsinn und Lust war dem Franzl undenkbar. Er hatte so viel von der nervenkranken Frau des Ortsvorstehers ge­hört, die auch gelähmt, vor langen Jahren vor dem Bildnis „Unserer Lieben Frau" den Gebrauch ihrer Glieder wiedererlangt hatte, daß er ent­schlossen war, mit Resi an der nächsten Wallfahrt teilzunehmen. Und wie dieser einst die kranke Frau, so wollte er das Schwesterchen den Berg hinantragen.

„Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn"; er­greifend klingt schon von ferne, trotz Hitze und Durst, noch laut und kräftig der ungeschulte Chor in das Kirchlein. Der Strom der Andächtigen drängt durch die weitgeöffneten Pforten vor das wundertätige Bild; und die im Inneren keinen Platz finden, lagern im Schatten der mächtigen Bäume. Ganz nahe vor der Heiligen hat man einen Stuhl für das kranke Kind hingeschoben, daß die wundertätige Wirkung es vor allem tref­fen möge. In der Bank daneben kniet der Franzl und betrachtet Resi von der Seite. Ist das blasse Gesichtchen nicht schon ein wenig gerötet? Haben die einst so schönen blauen Augen, die so schreckhaft aus den Höhlen treten können, nicht ihren frü­heren Ausdruck wieder? „Vitt' für uns, Maria!"

Wunde und sorgende Herzen stimmen in diese Bitte ein. Niemand inbrünstiger, als die beiden Geschwister. Dem Mädchen ist eigen zumute. Die große Erregung, die Hitze des Tages, das Singen und Beten hatten dem armen Kopf das Denken fast unmöglich gemacht, das kranke Herz zu wahn­sinnigen Schlägen veranlaßt. Nun in der Kühle und andachtsvollen Stimmung wird ihm eigen zu­mute. So still und feierlich und so glückselig . . . Freundlich blickt Maria aus den blinkenden Glas- sc^iben zu ihm hernieder, holdselig das Jesuskind. Und hinter dem Bildnis spannt sich ein blauer Himmel aus, in dem liebliche Englein schweben, aus Wolken nicken und Rosenketten in den Hän­den tragen. Wie schön muß es im Himmel sein, bei der Gottesmutter und den lieben Heiligen! O, wer doch auch erwählt wäre, die ewige Herrlich­keit zu schauen . . . !

Fromm und gottesfürchtig ist Resi immer ge­wesen: der Herr Pfarrer, der sie oft auf ihrem Schmerzenslager besuchte, hatte eine helle Freude

an ihr. Aber so losgelöst von allem Irdischen, so weltentrückt war ihr noch nie zumute. - Fast ist ihr, als müsse ihr das Herz springen vor reiner Seligkeit. Ist das durch die Bäume auf dem Glasschrein blitzende Sonnenlicht die Ursache, oder hat die Jungfrau Maria sich wirklich zu ihr her­niedergeneigt, streckt ihr das Jesuskind wirklich die Hände entgegen, es zu sich emporzuziehen?

Eine Wolke lagert vor den Augen des Mäd­chens; eine angenehme Mattigkeit zieht durch seine Glieder, und das Herz, das unruhige, ge­quälte Herz schlägt langsam, scheint fast stille zu stehen. Ein jähes Angstgefühl beschleicht das Kind« es streckt die Hände aus: „O Maria hilf!" . . , Und „Maria von der immerwährenden Hilfe^ neigt sich von ihrem Himmelsthron hernieder, des kranken Kindes frommes Seelchen in Empfang zu nehmen.

Ein kurzer Wehelaut geht in dem Beten und Singen unter ...

Franz hat aus ganzer Seele mitgebetet und immer ein heimliches „Bitt' für sie" gesetzt, wenn der Chor „Bitte für uns" antwortet. Ihm ist, als müsse das Schwesterchen nun geheilt von dem Stuhle aufstehen, wie er es von anderen vernom­men Aber es antwortet nicht auf seinen Zuruf, als die Menge nun das Kirchlein verläßt, um draußen zu rasten. Die ausgestreckten Hände sind kalt und bewegungslos. Die bläulich blassen Lip­pen lächeln, aber sie öffnen sich nie wieder . . , Fassungslos steht der junge Bursche vor dem ftit* len blassen Gesichtchen der Schwester, auf dem ein Abglanz seligen Himmelsfriedens liegt, indeß die letzten frommen Lieder harmonisch verklin­gen. Ist das Erlösung von Leid und Krankheit, um die er so inständig gefleht hat? O Resi, arme; Resi!

Der greise Stiftsherr legt dem Entsetzten friw stend die Hand auf die Schulter: „Willst Du kla­gen, daß Unsere Liebe Frau Deine Bitte erhört und sie von Leid und Erdennot befreit hat, daß sie im Lichte wandelt, indeß wir in Dunkel und Finsternis schreiten?"

Und es segnet das friedliche Totenantlitz, auf dem das letzte glückselige Lächeln noch haftet: „Des Herren Wege sind nicht die unseren."

In kaum verhaltenem Schmerze sinkt der kräf­tige Bursche in die Bank nieder und birgt auf­schluchzend den Kopf in die Hände. „Maria im Walde" hört seine ungestümen Klagen, sieht sei­nen Schmerz und seine Not; und sie sendet ihm lindernden Trost ins Herz, daß sein ungestümes Leid in milder Wehmut endet. War es nicht wirk­lich besser so für das Schwesterchen? Was wäre das Los des armen Kindes auf dieser Welt ge­wesen . . . ?

Sein Blick gleitet über die Marmortafeln an der Wand, in denen Unzählige, der Heiligen ihren Dank für die Erfüllung ihrer Wünsche bekunden und unwillkürlich, wenn auch das Auge noch tränt« stimmt sein Herz mit deren Inschrift überein:

„Maria hat geholfen."

Ein dunkles Bild.

Ihr wisset, wie heute unser Volk in schlimm­ster sittlicher Gefahr schwebt. In Zeitungen und Broschüren wird die Heiligkeit der Ehe geleugnet. Vergessen wird, daß die geheimnisvollsten Kräfte des menschlichen Körpers nur dem einzigen Ziele, nur dem Kinde dienen dürfen. Hunderttausend« suchen Befriedigung der geschlechtlichen Lust un­ter Mißbrauch der gottgegebenen Einrichtung des Leibes. In Theater und Kino wird die Lüstern­heit geweckt. Illustrationen schamloser Nacktheiten in uferloser Flut locken die Neugierde Jugendlicher an. Ehebruch wird in Romanen verherrlicht. In den Parlamenten wird die Erleichterung der Ehe­scheidung erstrebt. Pädagogen stehen ratlos und feige dem Verderb der Jugend gegenüber. Die Eltern geben selbst den Kindern das Beispiel der Feigheit und nennen das natürliche Harmlosigkeit.

O wie gerne möchten wir das Loblied anstim­men, das vor Jahrhunderten unserem Volke ge­sungen wurde von Züchtigkeit der Frauen, von Reinlichkeit des Familienlebens, von edler Pietät im häuslichen Kreise. Aber das Lied würde auf unseren Lippen sich verwandeln in die Klage des Isaias: „Mein Volk, die dich glücklich nennen, be­lügen dich; die dich glücklich preisen, sind Ver­führer; und die sich selbst glücklich preisen, stürzen in den Abgrund." (Is. 3, 12; 9, 16.)

Kardinal Bertram.