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Ratgeber für Landwirtschaft,

Gartenbau und Hauswesen.

nr. j6. « 4L Jahrgang, or □ o Gratisbeigabe zum Bbnifafiusboten. □ □ Zulda, den 9. August 193J.

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„Rediskonnt"und ^Restriktion^.

Was bedeuten diese Begriffe?

Die Verhandlungen in Paris und London ha­ben in der letzten Zeit die öffentliche Aufmerksam­keit verschiedentlich auf obige Begriffe gelenkt. Wir wollen im folgenden versuchen, eine Erklärung für diese finanztechnischen Ausdrücke zu geben.

Gibt eine Bank einen Posten in ihrem Besitz be­findlicher Wechsel zur Geldbeschaffung an eine zweite Bank weiter, so stellt diese Transaktion eine zweite (also Re-Diskontierung dar. (Diskontieren heißt: einen noch nicht fälligen Wechsel mit einem der Verzinsung bis zum Fälligkeitstage entspre­chenden Zinsabzug (Diskont) ankaufen. Bei kleine­ren Banken müssen dann die Originale der Wech­sel an die zweite Bank weitergegeben werden. Bei den großen Notenbanken, wie die Reichsbank wer­den jedoch bei der Gewährung eines Rediskontkre­dits die von der Notenbank diskontierten (bevor­schußten) Wechsel nicht direkt an eine zweite No­tenbank übergeben, sondern die Transaktion wik- kelt sich in Form eines Buchkredites ab, das heißt im Falle der Reichsbank: Für den der Reichs­bank gewährten Kredit bezeichnet diese der zweiten Notenbank gegenüber einen Posten bestimmter Wechsel, die erstklassig sein müssen, als Pfand und sondert sie in ihren Tresors zur Verfügung der den Rediskontkredit gewährenden Notenbank besonders aus.

„Restriktion" bedeutet Einschränkung im finanz­technischen Sinn und im Zusammenhang mit der Kreditgewähning der Reichsbank heißt es, daß das Währungsinstitut die auf Grund von Wechselein­reichungen bisher gegebenen Kredite einengt. Die Reichsbank kann das auf verschiedene Art machen. Sie bestimmt entweder eine allgemeine Herabset­zung der Kredite an alle Wechseleinreicher, d. h. sie gibt nur einen bestimmten Prozentsatz der in den letzten Monaten im Durchschnitt gewährten Kredi­ten an ihre Kundschaft, oder das Währungsinstitut behält sich vor, Wechsel von Fall zu Fall zu prüfen und eine, wie es in den letzten Wochen oft hieß, „individuelle" Einschränkung durchzuführen. Die Reichsbank ist zu diesen Maßnahmen durch die Ver­minderung ihres Gold- und Devisenbestandes und durch die sich hieraus ergebende Einschränkung des Notenumlaufs gezwungen.

Wie verkeilen sich 100 Mark Steuern?

Eine Berliner Zeitung hat die aktuelle Frage aus- gsworsen,. zu welchem Zweck 100 Reichsmark Steuerein- mchnien verwendet werden und kommt zu folgendem Ergebnis: Für Kriegsbeschädigte, Rentner, Kriegsschä­den 13,70 Mark, für die Wehrmacht (einschließl. Marine) Mark, für die Polizei 4,90 Mark, Kunst und Wissen- Ichast 2,20 Mark, Wohnungswesen 6,30 Mark, Schule

Mark, Fürsargewesen 13,10 Mark, Erwerbslosen- Arbeitsnachweis 6,90 Mark, allgemeine Verwaltung ^Ü Mark, Zinsendienst für Schulden 3,70 Mark, Wirt- und Verkehr 8,30 Mark, Finanz- und Steuerver- wa ung 4,70 Mark, Justiz 2,10 Mark, Kirche 1 Mark, ™®en an Kriegsgegner 9,60 Mark, Verschiedenes Mark.

®™ auch diese Zahlen vielleicht nicht haargenau geben sie doch als Prozentzahlen interessante llchiusse, zu welchen Zwecken und welcher Höhe die ^reuergelder verwendet werden.

. Zunehmende Fortschritte genossenschaftlichen Eier-Verwertung.

genossenschaftliche Eierverwertung, deren u^SP^e Organisation zum Absatz des „Deut- den » ' eheies" erst Ende 1928 begonnen wer- erinu„ " b, hatte im Jahre 1929 eine Gesamt- reit- £Dn 80 Mill. Stück zu verzeichnen. Be- jehr , „s^ee 1930 konnten die Anlieferungen iamtnM ?l$ gesteigert werden, so daß ein Ge- uuvsatz von rund 250 Mill. Stück erreicht

wunde. Im laufenden Jahre hat sich diese an­steigende Tendenz in sehr erheblichem Maße ver­stärkt. War es doch möglich, schon in den Mo­naten Januar bis Juni durch die 17 dem Reichs­verband der deutschen landwirtschaftlichen Genos- senschaften-Raiffeisen angeschlossenen Eierabsatzzen­tralen insgesamt 330 Mill. Stück Eier zu erfas­sen. Die Absatzziffer des ganzen Vorjahres ist also schon im ersten Halbjahr 1931 sehr erheblich überboten worden — eine Entwicklung, die als ein. sehr erfreulicher Fortschritt auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Absatzorganisation bezeich­net werden muß.

M*5M- Md HeiliWsnngen.

Die außerordentlich große Boden- und Luftfeuchtig­keit dieses Jahres läßt im Verein mit der augenblick­lich herrschenden Wärme die Annahme gerechtfertigt er­scheinen, daß der Schweine-Rotlauf in besonders gefähr­licher Form und großer Ausbreitung austreten wird. Die schwer ringende Landwirtschaft wird daher gut tun, um sich vor weiteren Verlusten durch das Herrschen des Rotlaufs zu schützen, ihre Schweinebestände, soweit dies noch nicht geschehen ist, der Rotlauf-Schutzimpfung zu unterwerfen. Tritt bei nicht geimpften Schweinen die Erkrankung auf, so ist die beschleunigte Durchführung der Heilimpfung der erkrankten Tiere allein mit Rotlauf- Serum, ebenso die Serum-Schutzimpfung (Notimpfung) des übrigen Bestandes angezeigt. Besonders in solchen Fällen ist dringend zu raten, die notgeimpften Tiere 8—10 Tage später mit Kultur nachimpfen oder, besser, nochmals mit Serum und Kultur schutzimpfen zu lassen. Bei bereits schwerer erkrankten Schweinen hat die reine Rotlauf-Seruin-Jmpfung oft nicht die genügenden Er­folge aufzuweisen. Eine gleichzeitige chemo- bezw. zellulartherapeutische Behandlung durch den Tierarzt er­höht die Serum-Heilwirkung. Die Verluste werden ruf diese Weise um ein bedeutendes herabgemildert.

Vereinigung zur experimentellen Erforschung und Bekämpfung von Tierseuchen, Jena, Unterer Philo- sophenweg 44.

Ein Aergernis — schlechte Butter!

Soll die Butter ihren Wohlgeschmack und. ihr Aroma möglichst lange behalten, so muß ihr auch eine zweckentsprechende Behandlung zuteil werden. Vor allen Dingen darf sie niemals in warmen Räu­men aufbewahrt werden, da durch die Wärme das Fett weich, somit die Butter schmierig wird und ihre ursprüngliche Festigkeit einbüßt. Außerdem hat die warme Aufbewahrung der Butter den au­ßerordentlich großen Nachteil, daß sich das Fett da­bei sehr rasch zersetzt und so ein Ranzigwerden der Butter Hervorrust. Wichtig ist fernerhin, die But­ter an einem Orte aufzubewahren, der möglichst vor Licht geschützt ist. Wirkt nämlich Licht auf die But­ter ein, so findet ebenfalls eine Zersetzung des Fet­tes statt, wodurch die Butter wiederum ranzig oder talgig wird. In dem Aufbewahrungsräume der Butter muß reine Luft herrschen. Denn es gibt vielleicht keine Nahrungsmittel, das so schnell schleck­ten Geruch und Geschmack aus seiner Umgebung annimmt, wie gerade die Butter. Man sorge da­her für ausgiebige Lüftung im Aufbewahrungs­raum der Butter und vermeide namentlich, die Butter mit stark riechenden Stoffen im selben Raume zu lagern.

Die Hausfrau tut wohl am besten, wenn sie die Butter in einen Steintopf legt und sie leicht zuge­deckt, an einem kühlen, dunklen Orte mit reiner Luft aufbewahrt. Die Haltbarkeit der Butter kann noch erhöht werden, wenn man oben auf die Butter Salzlake in einer Höhe von 1—2 Zentimeter gießt, braucht nicht befürchtet zu werden, daß die Butter dadurch weiterhin noch Salz annimmt. Man muh nur, bevor man Butter aus dem Topfe nimmt, die Salzlake erst abgießen, hernach die Oberfläche der Butter wieder vollkommen glattstreichen und dann wieder Salzlake darüber geben. Auf diese Weise läßt sich die Butter wochenlang in gutem Zustande erhalten.

Die Mchbehandlung im Haushalt.

Kaufen soll man die Milch grundsätzlich in einem zuverlässigen, sauberen Milchladen. Der Verkaufswagen oder der Laden soll stets einen peinq lich sauberen Eindruck machen.

Der Milchtopf muß täglich gründlich mit Soda gereinigt werden, Milchstein darf sich nicht ansetzen. Als Milchtopf verwendet man keine eisernen Töpfe, sondern solche mit gutem Emaille-Ueberzug, Alu­miniumkessel. Kurz vor dem Eingießen der Milch in den Milchtopf, schwenke man diesen mit klarem Wasser aus, um ein Anbrennen zu verhindern, falls man die Milch zu kochen wünscht. Eine Asbest­platte unter den Topf gelegt, verhindert ebenfalls das Anbrennen. Wenn man die Milch aufkocht, io soll man dies möglichst schnell machen und nur einmal kurz aufkochen lassen. — Ein langes Ko­chen vermindert die Nährkraft der Milch. — Nach dem Kochen ist die Milch so schnell wie möglich abzukühlen. Man kann den Milchtopf in kaltes Wasser stellen (möglichst fließendes Wasser) und die Milch muß von Zeit zu Zeit umgerührt wer­den, sodann ist sie weiterhin an einem kühlen, luf­tigen Ort aufzubewahren. Der Milchtopf ist zu­zudecken, damit kein Staub und keine Fliegen hin- eingelangen. Da Milch leicht fremde Gerüche annimmt, darf die Aufbewahrung nicht in der Nähe von Heringen, Petroleum, Essig, Räucher­waren, Fischen usw. erfolgen. Milch darf niemals in der Sonne stehen: — In der warmen Jahres­zeit empfiehlt es sich, die Milch möglichst bald nach dem Einkauf abzukochen. Besteht die Gefahr, daß die Milch das Kochen nicht aushält, so mache man eine Kochprobe mit einem kleinen Quantum. Ge­rinnt die kleine Probe, so kann man den Rest der ungesehen Rohmilch zu Dickmilch aufstellen.

(„Die Volksernährung", Berlin.)

Der grüne KnoNenbZütterpilz

unser gefährlichster Giftpilz.

Die Kenntnis dieses gefährlichsten Giftpilzes ist leider noch viel zu wenig verbreitet, was durch die alljährl. wiederkehrenden Pilzvergiftungen bewiesen wird. Der grüne Knollenblätterpilz ist dabei der Hauptübeltäter. Auf sein Schuldkonto sind die mei­sten tödlich ausgehenden Pilzvergiftungen zu ver­buchen, in manchen Jahren bis zu zirka 100 Todes­fälle in Deutschland,

Sein Hut ist gelblich bis grünlich, meist etwas faserig geflammt; er kann aber auch ganz weißlich vorkommen, und somit Anlaß geben zu einer leicht­sinnigen Verwechslung mit dem Champignon. Blätter, Fleisch und Stiel des Knollenblätter­schwammes sind weißlich. Der Stiel ist zuweilen et­was gelbgrünlich getönt. Das wichtigste Merkmal des Knollenblätterpilzes ist der Knollen am Stiel­grund, oft allerdings ganz unsichtbar, weil er mehr oder weniger in den Boden eingesenkt ist. Die weißlichen Hautfetzen am Rande des Knollens um­schließen in der Jugend den ganzen Pilz. Diese Jugendformen des Knollenblätterpilzes sind ganz weiß und kommen ähnlich wie Boviste aus dem Bo­den. In seinem oberen Teil trägt der Stiel einen herabhängenden weißen Ring, welcher als Schleier die Blätter in der Jugend schützend überspannt. Der ganze Pilz wird gewöhnlich ungefähr 10—12 cm breit und ebenso hoch. Der Geruch dieses gefährli- sten Giftpilzes ist honigartig-süßlich, bisweilen wi­derlich-süßlich. Der grüne Knollenblätterpilz wächst im Laubwald, besonders unter Eichen.

Eine Verwechslung des grünen Knollenblätter­pilzes z. B. mit dem Champignon, dem Grünling oder mit grünen Täublingen kann nur durch gröb­lichen Leichtsinn entstehen. Der Champignon ist leicht an den anfangs rosa, zuletzt dunkel-schoko­ladebraun werdenden Blätter auf der Hutunterseite zu erkennen. Eine knollige Scheide am Stilgrund fehlt ihm; der Geruch der Champignonarten ist an-