Einzelbild herunterladen
 

iinUlll«lMll>»tWllM'

6t. MsMH-AM

Sonntag, 12. M 1931.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag and kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Pjennig B 45 K-Dfenntg (Zustellgebüin extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Tolonelzeite tm Anzeigenteil 0.15 Goldmark, Loloneizell» tm Reklameteil 0,60 Goldmark Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0.10 Goldmark. Port, extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetlendruckeret In Fulda sein.

-..... Druck und Verlag der Fuldaer AcNeadruckerel. Verlagsork Fulda. « > -

WochenkaLender.

Montag, 13. Juli. Anakletus, Papst, Mart., t 99. nes Gualbertus, Bek., t 1073. Nabor u, Felix, Mart.

Montag, 13. Juli. Anakletus, Papst, Mart., f 99.

Dienstag, 14. Juli. Bonaventura, Kirchenlehrer, f 1274.

Mittwoch, 15. Juli. Heinrich II., Kaiser, Bek., f 1024.

Donnerstag, 16. Juli. Skapulierfest.

Freitag, 17. Juli. Alexius, Bek., f 417.

Samstag, 18. Juli. Camillus v. Lellis, Bek., f 1614, Symphorosa u. Gen., Mart-, f 2. Jahrh.

Siebter Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Römer 6, 1923.

Evangelium Matthäus 7, 1521. Warnung vor fal­schen Propheten.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: »Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen in Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln? So trägt jeder gute Baum gute Früchte; ein schlechter Baum aber trägt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte üagen, ein schlechter Baum nicht gute Früchte. Jeder Baum, der nicht gute Früchte trägt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also könnt ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: »Herr, Herr!" wird in das Himmelreich eingehen, son­dern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der wird in das Himmelreich eingehen."

Angekleidel und doch in der IM.

U ur Zeit unserer hl. Elisabeth lebte drüben über den Alpen derBruder Habenichts und Jmmerfroh", Fran- Z Ziskus mit Namen. Freiwillige, fröh­liche Armut um Gottes willen war - ... der Inhalt feines wundersamen Le­vens. Die Annut nannte er seine liebe Braut, und die war ihm teurer als Gold, Edelstein und Kronen. Sein Beispiel war für viele in der Welt m unwiderstehlicher Magnet. Haufenweise verlie­bn die Menschen Hab und Gut, Haus und Hof, < ^Ern und Familie und schlossen sich als Brüder st» V m Franziskus an. Für alle, die im Ordens- I ans Gott dienen wollten, stiftete er einen Orden; »neo Mr die Männer und einen für die Frauen

'^' die Liebe zu Christus, die Liebe zu mR^ vsmen, gottgefälligen Leben zündete so tt^n der Christenheit, daß viele in den h;' "Vüensstand eintreten wollten, die doch durch in s «ne der Ehe oder andere Verpflichtungen erfind 77^ bleiben mußten. Doch die Liebe macht U"ii so gründete Franziskus einen jh^ V'"r die. Wellleute. Sie konnten ruhig in ften Min. te ""d auf ihrem unabkömmlichen Po- lewen, trugen aber dennoch ein besonderes

Kleid, verpflichteten sich zu einigen Uebungen und befolgten eine gemeinsame Regel.

Wer eröffnete nun den Reigen der Mitglieder des dritten Ordens in deutschen Landen? Nie­mand anders als eben unsere liebe hl. Elisabeth. Sie ist die erste Frucht vom Baume des hl. Fran­ziskus in unserm Vaterland, ein Ruhm und eins Zier für ganz Deutschland.

Wir haben in der letzten Lesung gehört, daß Heinrich Raspe mit seiner Schwägerin Elisabeth sich ausgesöhnt hat. Der Uebereinkunft gemäß überließ er ihr als Witwenteil den Ort Marburg, heute eine schöne Stadt mit Universität im Hessi­schen, dazu eine Abfindung in Bargeld und eine Rente mit verschiedenen Rechten und Einkünften.

Elisabeth konnte nun wie ein pensionierter Staatsbeamter in Ruhe und Bequemlichkeit leben. Doch Elisabeth war aus einem andern Holze ge­schnitzt. Ihre Gedanken waren nach oben gerich­tet. Mit dem Völkerapostel konnte sie sprechen: Ich strecke mich aus nach dem, was vor mr liegt", nach dem Ideal der Vollkommenheit. Eli­sabeth wußte, daß der Weg zur Heiligkeit und Seligkeit nicht der breite, satte, anspruchsvolle ist, sondern der enge, schmale, abgetötete, bedürfnis­lose, der Weg der Armut, der Demut, der Rein­heit, des Gehorsams. Am liebsten wäre sie in ein strenges Kloster eingetreten. Doch Meister Konrad erlaubte es nicht. Auch das Leben einer Klausnerin in Verborgenheit und Einsamkeit hätte ihr zugesagt. Auch dafür war Konrad nicht zu haben. Und die Zukunft hat Konrads Ent­scheidung Recht gegeben. In weiser Voraussicht wollte nämlich Konrad das Vermögen der fürst­lichen Witwe zu eipem bleibenden Wert angelegt sehen. So bestand'Konrad darauf, daß Elisabeth in der Welt blieb und ihr Vermögen selbst ver­waltete zugunsten der armen, leidenden Mensch­heit. Doch erlaubte und billigte er Elisabeths Entschluß, dem 3. Orden des hl. Franziskus bei­zutreten.

Bald darauf es war gerade der Karfreitag, an dem unser Herr und Heiland nackt und bloß am Kreuze hing, geschah es, daß Elisabeth in der Franziskanerkapelle zu Eisenach die fürstlichen Kleider von sich tat und als Franziskanerin vom 3. Orden eingekleidek wurde. Sie legte ihre Hände auf den Altar und legte das Gelöbnis ab, daß sie dem eigenen Willen und aller weltlichen Pracht entsage. Es wurden ihr die Haare abgeschnitten, ein graues Kleid und ein Strick ihr angelegt. Bar­fuß, in grauem Büßergewand, gegürtet mit einem Seil das war von nun an der Anzug, worin die Königstochter von Ungarn, die Landgräfin von Thüringen, sich der Welt zeigte bis zu ihrem Tode.

Bald darauf siedelte sie mit ihren Dienerinnen Gudda und Jfentrud nach Marburg, baute sich dort ein einfaches Häuschen und führte mit ihren

gleichgesinnten Mägden in Gebet, Arbeit unk) Wohltun ein armes, aber glückliches Leben. Mit dem Apostel konnte sie sprechen:

Ein Schauspiel sind wir geworden für die Welt, für die Engel und die Menschen.

Wir sind Toren um Christi willen.

Wir leiden Hunger und Durst, Blöße und' Schläge.

Wir mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit.

Wir sind wie der Kehricht der Welt geworden bis zur Stunde, der Abschaum aller." (1. Kor« 4, 9 usw.

Rach einiger Zeit sagte Elisabeth zu ihren Die­nerinnen:Der Herr hat mein Gebet erhört; seht, alle weltlichen Güter, die ich einst geliebt, halte ich für Unrat. Ich finde jetzt ein Vergnügen dar­an, wenn ich beschimpft, verleumdet und verachtet werde; ich liebe nichts außer Gott allein."

Welch ein Edelstein ist doch die freiwillige Ar­mut! Wie glücklich macht sie die Menschen, die ihn erkennen und erwählen. Wie unglücklich aber sind die Menschen in der erzwungenen Armut, in der so viele schmachten wie Sklaven in Ketten, Wenn die Menschen reich sein wollen, um zu ge­nießen, um schrankenlos sich auszuleben aber nicht reich werden können. Löwen und Wölfen gleichen sie, die in ihrem Zwinger immer am Gitter hin und her rennen, ob sie nicht der Ge­fangenschaft entfliehen und die goldene Freiheit gewinnen möchten. Kürzlich wohnte ich einer Rie­senversammlung bei, in welcher man mit innerem Knirschen die Notverordnungen zur Kenntnis nahm, die nun jeden deutschen Reichsbürger zwin­gen, notwendige Abstriche in der Lebenshaltung zu machen. Gleichzeitig aber hatten die Kellner alle Hände voll zu tun, um Wein und Bier, Zi­garren und sonstige Genüsse aufzutragen, von de­nen doch kein Mensch behaupten kann, daß man ohne sie nicht leben kann! Wenn wir also trotz der Notlage noch manche entbehrliche Dinge uns leisten können, sollen wir dann nicht froh sein und Gott danken? Mögen die Mitglieder des 3. Ordens in der Einfachheit der Lebenshaltung allen vorangehen und mögen hochgemute Seelen sich prüfen, ob nicht auch für sie ein Plätzchen wäre bei denTerziaren", deren lichtvolle Reihe St. Elisabeth eröffnet. Der Talpfarrer.

Scheiftlesung.

Keuschheit.

Ich bitte euch, Brüder, um der Erbarmungen Gottes willen, daß ihr eure Leiber als ein leben­diges, heiliges, Gott gefälliges Opfer darbringt. (Römer 12, 1.)

Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzen? Ihr seid ein Tempel des lebendigen Gor­tes.' (2. Kor. 6, 12.)