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Amerika stunden imker 8er Bedingung, daß Frank­reich und die übrigen europäischen Siegermächte die deutschen Reparationen stunden. Einstweilen schweigen die französischen ©teilen sich noch aus. Ob sie aber bei der begeisterten Zustimmung fast der ganzen Welt dem rettenden Plane Hoo­vers sich widersetzen können? Aus Italien liegen zahlreiche Stimmen begeisterter Zustimmung vor. Es geht wie ein Aufatmen der Erleichterung durch die gesamte Oeffentlichkeit. Ja, man glaubt in Rom, daß jetzt die Zeit zu einer endgültigen Neu­regelung der .Reparationsfrage gekommen sei sonst warte man vergebens auf das Ende der Welt­wirtschaftskrisis.

Die Wirkung für Deutschland.

Wird Hoovers Plan zur Wirklichkeit, so ist das für Deutschland ein Ereignis von ganz außer­gewöhnlicher Bedeutung: Der amerikanische Vor­schlag geht weiter über das hinaus, was der Poung- plan an möglichen Erleichterungen für den Not­fall vorsah:

1. Hoover schlägt nicht nur einen Transfer, sondern einen Zahlungsaufschub vor.

2. Der Aufschub soll nicht erst nach den im Voungplan vorgesehenen Fristen, sondern bereits am 1. Juli eintreken.

3. Er umfaßt die geschützten und die unge­schützten Zahlungen, also auch die 660 Millionen, die mir bei einem regulären Joungmoratorium auf alle Fälle zu zahlen hätten.

Die Ersparnis des schuldenfreien Jahres würde für uns etwa 1500 Millionen Mark ausmachen.

Der Sturm auf die Devisen.

Die Anforderungen, die aus Furcht vor einer neuen Marktentwertung an den Devisenbestand der Reichs- bank in den letzten Tagen der vergangenen Woche gestellt worden sind, haben die Reichsbank ge­zwungen zu Kreditrestriktionen zu greifen, um dem Abströmen der Devisen entgegenzuarbeiten. Der erste Anfang wurde mit der Streichung der Privatdiskontierung gemacht. DieReichsbank muhte sich zu Kieser entscheidenden Maßnahme entscheiden, da eine Herabsetzung der Deckungsgrenze auf das Ausland und das Inland einen schlechten Eindruck gemacht hätte. Auch die Inanspruchnahme des Bereitschaftskredites, den die Reichsbank bei der Golddiskontbank für den Fall der Not zur Ver­fügung hat, würde leicht als Wegnahme der letz­ten Reserve gedeutet werden.

Durch die Botschaft des amerikanischen Präsi­denten Hoover ist eine neue Situation geschaffen worden, die die Reichsbank auf eine Besserung hof­fen läßt. Man rechnet damit, daß in der näch­sten Zeit der Abruf -ausländischer Kredite Nach­lassen wird. Deshalb wird die Reichsbank die Restriktionen (Einschränkungen) in der allermilde- stsn Form handhaben. Allerdings wird auch in der nächsten Zeit mit einer nochmaligen Einschrän­kung der Kreditgewährung seitens der Reichs­bank zu rechnen sein. Die Folge ist natürlich eine weitere Einschränkung des Notenumlaufes. Eine Erhöhung Les Re'ichsbankdiskonts kommt zunächst nicht in Frage. Man rechnet damit, daß das Vertrauen in die deutsche Währung durch die Botschaft des Präsidenten Hoover gestärkt wird und deshalb eine nochmalige Diskonterhöhung nicht mehr notwendig ist.

Die Oldenburgische Regierung zurückgekreken.

Im neu gewählten Oldenburger Landtag wurde nach längerer Debatte das Mißtrauenvotum der Nationalsozialisten gegen die oldenburgische Staatsregierung mit einem Ueberraschungsergeb- nis angenommen. Für das Ministerium stimmten lediglich vier Abgeordnete und zwar die Staats­partei, das Landvolk und die Deutsche Volkspartei. Gegen die Regierung stimmten 24 Abgeordnets, die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und die Kommunisten. Das Zentrum und die Sozialdemo­kraten enthielten sich der Stimme (zwanzig Abge­ordnete).

Nach der Annahme des Mißtrauensvotums im Oldenburgischen Landtag ließ die Regierung er­klären, daß sie nicht mehr länger als Geschäfts- Ministerium amtieren könne und deshalb zu­rücktrete. Sie bäte den Landtag, sich mit Beschleu­nigung die Regierungsneu- oder Regierungsum­bildung angelegen fein zu lassen. Die Aussichten für eine Regierungsneu- oder Umbildung, die nun­

mehr in den Händen der Rechtsparteien liegt, wer­den sehr skeptisch beurteilt.

Nationalsozialismus und Bischöfe.

Die offizielle nationalsozialistische Parteizeitung für Thüringen,Der Nationalsozialist", deren Herausgeber der thüringische Fraktionsführer Sauckel ist, schreibt in Nr. 37 von diesem Jahr über die Erlasse der deutschen Bischöfe wörtlich folgendes:

Daß die betreffenden Pfaffenaufrufe kein .Gefühl einer Menschenrasse' anerkennen, ist ihr eigenes Pech. Entweder tun sie es nicht, weil ihnen die römische Kirche ihre Denk- und Ge- fühlsfreiheit geraubt hat oder weil sie jüdisches Blut wie so viele Jesuitengenerale der Welt- geschichle in ihren Adern haben und als Ba­starde kein Rassengefühl besitzen können."

Was dazu wohl diejenigen Katholiken sagen, die immer behaupten, der Nationalsozialismus stehe der katholischen Religion wohlwollend gegen­über?

Der Sozialetat des Reiches.

In der nationalsozialistischen und kommunisti­schen Presse wird die Auffassung vertreten, daß die ganzen Kosten des Sanierungsprogramms le­diglich die Arbeitnehmer, die Sozialrentner und die Kriegsbeschädigten zu tragen hätten. Das stimmt nicht. An dem Sozialetat sind vielmehr durch die Notverordnung folgende Aenderungen vorgenommen worden:

1. Verbesserungen bzw. neue Mittel.

1. Krisenfürsorge 385 Millionen RM.

2. Gemeindliche Wohlfahrts­pflege 300

3. Zuschuß zur Knappschaft 70

4. Arbeitsbeschaffung 200

5. Exportgarantiefonds 300

6. Ermächtigung der Reichsregierung zur Besei­tigung der Sonderumsatzsteuer für Lebens­mittel.

2. Verschlechterungen bzw. Einsparungen.

1. Arbeitslosenversicherung 350 Millionen RM. 2. Krisenfürsorge 60

3. Lohnsteuerrückerstattung 60

4. Kriegsbeschädigte 85

5. Kürzung der Tabakarbeiter­sonderunterstützung 10

6. Zuckersteuer 110

Es ist also in Wirklichkeit keine Verschlechte­rung, sondern eine Umlagerung am Sozialetat vor­genommen worden. Am meisten erregt natur- gemä§ in Arbeiterkreisen die Reform der Arbeits­losenversicherung Anstoß. Sie ist bis jetzt in drei größeren Novellen geändert worden (Oktober 1929, öuH 1930 und Juni 1931). Diese drei Novellen haben insgesamt eine Ausgabenersparnis von etwa 600 Millionen RM. gebracht. In England hat die Regierung der Labour Party (Arbeiterpartei) eine Kommission eingesetzt zur Ueberprüfung der Ar­beitslosenversicherung. Daß die englische Arbei­terregierung in diese Kommission nicht lauter Reaktionäre berufen hat, ist ohne weiteres anzu­nehmen. Und diese Kommission schlägt jetzt eben­falls Kürzungen an der englischen Arbeitslosen­versicherung mit 640 Millionen vor, also größere Kürzungen, als sie in Deutschland mit drei Ver­änderungen vorgenommen worden sind, obwohl England nur etwa 2% Millionen Arbeitslose hat gegenüber 4 Millionen in Deutschland, so daß auf die einzelnen Arbeiter in England nach dem Vor­schlag der Kommission größere Kürzungen als in Deutschland entfallen werden.

Kleine poU». Hathridtfen

Der Gegenbesuch der englischen Minister in Berlin ist für den 17. Juli angesetzt worden.. Bei der jetzigen politischen Situation ist er von hoher Bedeutung.

Deutsch-französische Ministerzusammenkunfl? Nach­dem zunächst die französische Oeffentlichkeit den deutschen Besuch in Chequers mit großem Mißtrauen ausgenom­men hatte, macht jetzt dasOeuvre" den Vorschlag, dem Gegenbesuch der englischen Minister in Berlin eine zwanglose deutsch-französische Ministerzusammenkunft in Paris folgen zu lassen. Aus einem Interview mit einem

ücht näher bezeichneten Freunde des Reichsaußenmink- sters glaubtOeuvre" auch schließen zu können, daß ,Brüning und Curtius sich freuen würden, die Reihe hrer Unterhaltungen fortzusetzen, wenn man es in Rom der in Paris wünschen sollte."

Die offizielle Einladung zur Weltabrüstungskonferenz, Wie vom Völkerbundssekretariat mitgeteilt wird, hat der Generalsekretär des Völkerbundes jetzt die offiziellen Einladungen für die Weltabrüstungskonferenz, die am 2. Februar 1932 in Genf beginnt, ergehen lassen. Es sind sämtliche dem Völkerbund angehörende Staaten ein­geladen worden, außerdem noch Afghanistan, Brasilien, Eostarica, die Vereinigten Staaten von Nordamerikas Aegypten, Ecuador, Mexiko, die Türkei und Sowjetruß­land. Die Eingeladenen sind gebeten worden, dem Völ­kerbundssekretariat zu gegebener Zeit die Benennung und Zusammensetzung ihrer Delegation mitzuteilen.

In Baden ist der Versuch einer Regierungserweite- rung dadurch zunächst gescheitert, daß die Sozialdemo­kratie sich weigert, der Ausnahme der Deutschen Volks­partei in die Koalition zuzustimmen, wenn nicht -auch die Demokraten eintreten. Daraufhin hat das Zentrum erklärt, daß im Falle der Unnachgiebigkeit der Sozialde­mokraten eine Regierung nach redjts gebildet wird.

Nationalsozialistische Rohlinge. Während der Reichs- taguyg der katholischen Jugendverbände in Trier hatten einige nationalsozialistische Rowdis das Bedürfnis, ihre .anständigen" Sitten zu beweisen, als eine Gruppe katholischer Jungmänner, die an der Tagung teilgenoni- men hatte, durch die Simeonstraße zog. Eine Anzahl Nationalsozialisten versuchte, ihnen die Fahnen und Wimpel zu entreißen. Die katholische Jugend bewahrte äußerste Zurückhaltung und setzte sich erst zur Wehr, als ihre Fahnen bedroht waren. In diesem Augenblick er­schien aber die Polizei und ging sofort gegen die Natio­nalsozialisten als Ruhestörer vor. Einer von ihnen ver­setzte einem Schutzmann einen Schlag ins Gesicht, worauf er verhaftet wurde. Die katholischen Jungmänner konn­ten dann unbehelligt weiterziehen.

Arbeitszeilkürzung in Staatsbetrieben? Nach der Notverordnung kann die Reichsregierung für einzelne! Gewerbezweige oder Gruppen von Arbeitnehmern eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche durch Verordnung vornehmen. Die Reichsregie- rung will in ihren eigenen Betrieben mit einem Beispiel vorangehen. Es haben deshalb Verhandlungen zwischen dem Verbände der Behördenangestellten und den Ver­tretern schntlicher Reichsressorts, der Reichsbank, der Reichsbahn, der Reichspost und der Länder Preußen und Sachsen stattgefunden. Sie haben zunächst noch nicht zu einem Ergebnis geführt, da die Vertreter der Angestell­ten eine entsprechende Arbeitszeit- und Gehaltskürzung auch für die Beamten forderten und zugleich geltend machten, daß eine weitere Gehaltskürzung über die Be­lastung der Notverordnung hinaus nicht tragbar fei. Zur Durchführung der Arbeitszeitverkürzung für die private Wirtschaft hat das Reichsarbeitsministerium die Spitzen- verbände der Gewerkschaften zum 22. Juni zu Bespre­chungen gebeten. In diesen Besprechungen sollen die wichtigsten Voraussetzungen, insbesondere die Behand­lung der einzelnen Gewerbezweige, beraten werden.

Kath. RelchsZugendkag.

Das Work des Bischofs von Trier.

In Trier hielten in diesen Tagen die katholi­schen Jugendverbände ihre Reichsverbandstagung ab, die glänzend verlaufen ist. An der Hauptver­sammlung nahm auch Bischof Dr. Rudolf Borne- wasser von Trier teil. Er wurde von den Iung- mannen mit jubelndem Beifall begrüßt. Der Reichsobmann Albert Steiner entbot den Erschie­nenen und besonders dem Bischof Willkommens­gruß, der in einem Treugelöbnis zu Kirche und Bischof gipfelte. Unter den Heilrufen der versam­melten Jugend bestieg dann

Bischof Dr. Bornewasfsr das Rednerpult, um in einer programmatischen Ansprache das Verhältnis der katholischen Jugend zum Gokkesreich der Kirche darzulegen.

Nirgendwo, betonte der Bischof, kann die katholische Jugend diese Frage mit mehr Wärme betrachten in der ältesten Bischofsstadt Deutschlands. Gesegnet durch viele Heilige und geweiht durch vieler Märtyrer kann diese Stadt sagen:Auf mir ziehen die tausende zu Gott!" Gerade die Geschichte der Kuch Triers wird zu einer Lehrmeisterin für unsere Sie lehrt die Jugend heilige Ehrfurcht und darum Liebe zu ihrer geistigen Mutter, ruft sie auf zu vollem Mute, sie zu schirmen in den Stürmen e neuen Zeit.