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Sonnèag. 28. Juni 1831
41. Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint sehen Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Pfenntg B 45 K-pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag, Anzetgen-Preise: Tolonelzetlr tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Cotonelzeü» tm Reklameteil 0,60 Goldmark Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osj.-Geü. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aettendcuckerei in Fulda leim
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WochenkaSender.
Sonnlag, 28. 3uni. 5. Sonntag nach Pfingsten. Jre- naeus, Bisch., Mart.
Montag, 2g. Juni. Fest der hl. Aposte (fürsten Petrus und Paulus.
Dienstag, 30 Juni. Gedächtnisfeier des hl. Paulus.
Mittwoch, 1. Juli. Fest des kostbaren Blutes « unseres Herrn Jesus Christus. Oktavtag vom hl. Johannes d. Täufer.
Donnerstag, 2. Juli. F è st Ma r i ä H e i m such u n g Freitag, 3. Juli. Prozeffus und Martinian, Mart. Leo II., Papst, Bek., Herz-Jefu-Freitag.
Samstag, 14. Juli. 6. Tag in der Oktav v. Peter und Paul.
Ärmster Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1. Petrus 3, 8—15.
Evangelium. Matthäus 5, 20—24, Die Gerechtigkeit des Neuen Bundes.
In jener Zeit sprach Jesus zu feinen Jüngern: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener fein wird als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, so werde! ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: „Du sollst nicht töten; wer aber tötet, soll dem Gerichte verfallen." Ich aber sage euch: Wer seinem Bruder zürnt, soll dem Gerichte verfallen. Wer aber zu seinem Bruder sagt: „Du Verfluchter!", soll dem hohen Rate verfallen/ Und wer zu ihm sagt: „Du Gottloser", soll dem Feuer Ser Hölle verfallen. Wenn du also eine Gabe zum Altare bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altare vnd gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder: dann tomm und opfere deine Gabe."
Fest $ec hl. Apostel Pelms und Paulus.
Epistel. Apostelgeschichte 12,1—11.
Evangelium. Matthäus 16, 13—19. Die Verheißung des Oberhirtenamtes.
In jener Zeit kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi. Da fragte er feine Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?" Sie antworteten: „Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elias, wieder andere für Jeremias oder einen der Propheten." ^sus fragte sie: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" «'w.on Petrus gab zur Antwort: „Du bist Christus, der «ohn des lebendigen Gottes." Da sprach Jesus zu ihm: «Selig bist du, Simon, Sohn des JoNas! Denn nicht »loisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern der im Himmel ist. Und ich sage dir: Du Petrus: und auf diesen Felsen will ich meine Kirche "uen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht über« «eh ^a' ^^ rE ich die Schlüssel des Himmelreiches im ^es' was du auf Erden binden wirst, soll auch wirs mtne^ gebunden sein, und was du auf Erden lösen ' wnd auch im Himmel gelöst sein."
Ein ftutratet Zweig.
nde Juni ragt wie ein Riesengebirge mit zwei Gipfeln das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus empor . Dieses echt katholische Feit sollte überall als froher Feiertag begangen werden. Wie kaum ein zweites ist es angetan, das Band zwischen der hl. Mutter, der katholischen Kirchesund ihren Kindern wieder fester und enger zu knüpfen. Unsere hl. katholische Kirche ist eben auf Petrus gegründet wie auf einen festen, unverrückbaren Felsen. Nur wer mit Petrus und seinen Nachfolgern und Stellvertretern in ständiger, lebensvoller Verbindung und Fühlung steht, ist auch mit Christus und dem himmlischen Vater organisch verbunden. —
Eine solche innige, festgefügte Verbindung treffen wir bei unserer lieben hl. Elisabeth.
Sie war ein fruchtbarer Zweig am Baume der hl. Kirche. 2(He übernatürliche Kraft, alle geistliche Freude, alle gesunde Anregung zog sie aus dem Riesenbaum der katholischen Kirche. In diesen Baum war sie eingepflanzt nicht nur durch die Taufe, nicht nur durch den Willen ihrer Eltern, nicht durch die Macht der Gewohnheit, sondern auch aus freier Wahl, aus voller Ueberzeugung und mit Lust und Freude. Gleich ihrem Zeitgenossen S. Franziskus war sie den Trägern der kirchlichen Hierarchie in Ehrfurcht ergeben. An unwürdigen Vertretern der Kirche, mochten es vielleicht Geistliche oder gar Bischöfe sein, die ein weltliches, herrschsüchtiges, üppiges Leben führten, nahm sie kein Aergernis. Der Unterschied zwischen Person und Amt war ihr leicht verständlich. Wußte sie ja, daß auch aus einem hölzernen Kanal reines Wasser fließen kann und daß Edelsteine sogar im Schmutze liegen können.
Da Elisabeth die Klippen und Gefahren des geistlichen Lebens wohl kannte, erwählte sie sick einen kundigen Führer. Wir haben in einer früheren Lesung bereits von ihm gehört. Es war Konrad von Marburg, der als „Meister" tituliert wurde. Ein edler Kern in einer rauhen Schale. Ein strenger, aber tadelloser Vertreter des Kirchenamtes. So weit es von seiner Person abhing, durften nur würdige, unbescholtene, sittlich hochstehende Männer dem Altare sich nahen und jenes Amt bekleiden, das nach dem hl. Chrysosto- mus zwar auf Erden verwaltet wird, feinen Rang aber unter den himmlischen Einrichtungen hat. „Mit Wissen und Willen das Priesteramt einem Unwürdigen übertragen, das ist ein größeres Verbrechen als sechzig Menschen umbringen", so sprach Meister Konrad zu seinem Herrn, dem Landgrafen Ludwig, dem Gemahl der hl. Elisabeth.
Ja, Elisabeth war ein guter, fruchtstrotzender Zweig am Baume der Kirche. Aus welchem Geiste
ließ sie wohl die Werke der Wohltätigkeit fließen? Aus dem Geist der katholischen Kirche, welcher der Geist des Heilandes selber ist. Was ist denn die katholische Kirche anders als der fortlebende Christus? Was anders als der Herold feiner Lehre, der Dolmetscher seines Willens, der Vollstrecker seines Testamentes, der Kanal seiner Gnaden und Segnungen! „Das ist mein Gebot, daß ihr ein- ander liebet" — dieses Gebot des Herrn, die Kirche verkündigt es von Geschlecht zu Geschlecht, Elisabeth hat es aus dem Munde der Kirche gehört und hochherzig in die Tat umgesetzt. Daß sie aber die Werke der Karitas nicht durch Unklugheit verpuffte oder durch Verschwendung verminderte, das danken wir dem Eingreifen des Meisters Konrad, dem sich Elisabeth gerne unterwarf. Das wahllose, unüberlegte, blinde Almosengeben billigte Konrad nicht. Er brachte Sinn, Plan und Ord- ming hinein. Er dachte auch an die Zukunft. So stiftete Elisabeth auf seine Anregung nicht weniger als drei Spitäler: eines am Fuße der Wartburg, eines zu Gotha und eines zu Marburg. —
Seien auch wir fruchtbare Zweige am Baume der Kirche. Halten wir uns an ihre Glaubenslehre, die sie aus den Quellen der Offenbarung schöpft und als echten, naturreinen, unverfälschten Wein uns darbietet. Halten wir uns auch an die Entscheidungen der Kirche in den „Grenzfragen", welche Theater und Literatur, Kunst und Mode, Sittlichkeit und Sport betreffen. Wie können denn Katholiken eine Mode mitmachen, die der Schamhaftigkeit Hohn spricht, und solche Mode 'o- gar mitschleppen ins Heiligtum des Gotteshauses, und das auch dann noch, wenn eine solche Mode von den Bischöfen ausdrücklich verurteilt ist? Wie können Katholiken Strand- und Familienbäder besuchen, wo die von der Natur selbst gezogenen Schranken zwischen den verschiedenen Geschlechten: niedergerissen werden, nachdem doch die Bischöfe solche Unsitte gegeißelt haben? Wie können Katholiken Parteien angehören, deren Tendenzen von den Bischöfen als unverträglich mit den Grundsätzen des Christentums bezeichnet werden? Warum treten manchs Katholiken die Bestimmungen über die Ehe, über Scheidung und Trennung sowie über die Heilighaltung der Ehe mit Füßen? Weil sie durch das Beispiel der Welt und von der eigenen Leidenschaft betört, zur unerbittlichen Konsequenz und zum schmerzlichen Opfer sich nicht aufraffen können. Und doch liegt nur in der Konsequenz der Segen. Durch dick und dünn mit der Kirche! So wird uns die Zugehörigkeit zur hl. katholischen Kirche ein Anker im stürmischen Meer, ein Trost in den Kümmernissen dieses Erdentales, eine Garantie für ein besseres, mkünf- tiges, ewiges Reich Was eine empfängliche Kon. vertitin schon vor ihrer Konversion niedergeschrieben hat, das soll von heute ab wieder unser aller Testament sein: „Crsdo in unam sanctam, catho-