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Sonnrag, 21. Zum 1931

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlitt) Ausgabe A 40 K-Pfenntg B 45 L-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Prelse: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolonelzell» tw Reklameteil 0,60 Goldmark Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Port» extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei to Fulda fein

-..... Druck und Verlag der Fuldaer Actlendruckerei. Verlagsorl Fulda.

Wochenkalender.

Sonntag, 21. Juni. 4. Sonntag nach Pfingsten. Aloisius von Gonzaga, Bek., f 1591.

Montag, 22. Juni. Paulinus, Bisch.; Bek., t 431.

Dienstag, 23. Juni. Vigil des hl. Johannes d. Täufers.

Mittwoch, 24. Juni. Fest der Geburt des hl. Johannes d. Täufers.

Donnerstag, 25. Juni. Wilhelm, Abt, Bek., f 1142.

Freitag, 26. Juni. Johannes u. Paulus, Mart., f 362.

Samstag, 27. Juni. 4. Tag der Oktav des hl. Johan­nes. Ged. der Vigil des Festes der Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Vierter Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Römer 8, 1823.

Evangelium. Lukas 5, 111. Der reiche Fischfang.

In jener Zeit drängte sich das Volk an Jesus heran, um das Wort Gottes zu hören. Er stand am See Ge- nefarcth. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Er stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Lande abzustoßen. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boote aus. Als er feine Rede beendet hatte, sprach er zu Simon:Fahr hinaus auf die hohe See und werfet eure Netze zum Fange aus!"Meister", entgegnete ihm Simon,die ganze Nacht haben wir gearbeitet und nichts gefangen. Aoer auf dem Wort hin will ich das Netz auswerfen." Sie taten es und fingen eine so große Menge Fische, ihr Netz zu zerreißen drohte. Da winkten sie ihren Gefährten im anderen Boote, sie möchten kommen und k helfen. Diese kamen, und sie füllten beide Boote, so daß sie beinahe versanken. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und rief aus:Herr, geh hinweg von mir, ich bin ein fündiger Mensch". Denn ^l"""en hatte ihn und alle seine Gefährten ergriffen

Fischfanges, den sie gemacht hatten; ebenso auch oen Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, me Simons Gefährten waren. Doch Jesus sprach zu ^lmon:Fürchte dich nicht! Von nun an sollst du senilen sangen." Dann zogen sie die Boote ans Land, verließen alles und folgten ihm nach.

verließen

Goldene Fesseln.

Ferrits in der Lesung vom 3. Mai ^^^g haben mir gehört, daß Elisabeth durch $en Tod ihres Gatten, den er zu Otranto in Italien erlitt, Witwe qe- s worden ist. Und eine junge Witwe, baLn e^ Hcmpt erst 20 Sommer geschienen bne x'rt Z" drei unversorgte Kinder, von denen nicbk"!- ste etwa fünf Jahre zählte. Wäre es da und ^e£at menschlicher Klugheit gewesen, sich stellen?^ ®mber durch eine zweite Ehe sicher zu Art^m? ^e Klugheit der Heiligen ist von anderer beth m c der Weltkinder. Der Weg für Elisa- ar frei. Doch in ihrem idealen Schwung,

und ganz erfüllt von ihrer sozialen Leidenschaft, hat sie sich selbstgoldene Fesseln" angelegt, Fes­seln opferwilliger, göttlicher Liebe, die nur das Wohlgefallen Gottes und den Dienst der Armen im Auge hat.

Und worin bestanden diese goldenen Fesseln? In dem unwiderruflichen Entschluß, in dem schwerverpflichtenden Gelübde, nach dem Tode ihres Gatten keine weitere Ehe einzugehen. Ir­dische Hände drohten aber, diese Fesseln zu zer­brechen. Kein geringerer als Elisabeths Onkel, Bischof Egbert von Bamberg, ging mit dem Plane um, seine Nichte Elisabeth durch eine zweite Ehe zu versorgen. Man munkelte sogar davon, Kaiser Friedrich H. habe um die Hand der verwitweten Fürstin angehalten. So lockten verführerisch die Welt, das Wohlergehen, die Herrschaft, der Glanz des Thrones und suchten Elisabeths Vorsatz zu erschüttern. Doch eher wäre ein Berg eingestürzt, eher wäre das Gewölbe des Himmels eingebro­chen, als daß Elisabeths Vorsatz gewankt hätte. Die heilige Frau erinnerte sich an das Wort der Schrift:Hast du ein Gelübde getan, so säume nicht, es zu erfüllen". In der Legende lese ich über diese Eheangelegenheit folgendes:

Elisabeths beide Dienerinnen, mit welchen die Fürstin Elisabeth in wahrer Herzensfreundschaft stand, hatten mit ihr das Gelübbde lebensläng­licher Enthaltsamkeit abgelegt. Diese waren be­sorgt, daß der Bischof ihre Herrin zuletzt doch noch zu einer Wiederverehelichung nötigen werde. Eli­sabeth gab ihnen deshalb die bestimmte Versiche­rung, daß sie um keinen Preis wieder in den Ehe­stand treten werde; sie sprach: ich habe Gott ge­lobt und meinem Herrn, da er noch lebte, daß ich nach ihm keinem anderen Mann mehr angehören wolle. Gott, der die Herzen prüft und ihre Ge­heimnisse kennt, weiß, daß ich diefes Gelübde mit reinem, einfältigem Herzen und ungeheuchelter Treue abgelegt habe. Ich vertraue auf seine Barm­herzigkeit; er wird mich gegen die Anschläge der Menschen, selbst gegen Gewalt schützen. Ich habe mein Gelübde nicht bedingungsweise, nur für den Fall gemacht, wenn es meinen Verwandten und Freunden so genehm sei; es war ein freiwilliges, entschiedenes und unbedingtes Gelübde, daß ich nach dem Tode meines Geliebten meine Keuschheit rein bewahre zur Ehre des Schöpfers. Ja, wenn mich mein Onkel gegen meinen Willen einem Manne übergeben will, so werde ich mit Herz und Mund widersprechen, und wenn meine Weigerung nicht beachtet wird, so werde ich mir heimlich selbst die Nase abschneiden, damit jedermann einen Ab­scheu gegen mich bekomme, wenn ich so häßlich verstümmelt bin."

Schien dieser Entschluß der hochherzigen Für­stin nicht unbesonnen und unklug zu sein? Hätte sie nicht hoffen dürfen, an der Hand eines Fürsten oder gar als Kaiserin des ganzen Reiches nicht nur mitsamt ihren Kindern versorgt zu sein, son­

dern auch schrankenlose Wohltaten an die Armen und Notleidenden spenden zu können? Elisaüsh indes dachte nicht so. Sie orientierte sich am Wil­len Gottes, der durch den hl. Paulus folgende Norm aufgestellt hat:

Das Weib ist an das Gesetz gebunden, solange ihr Mann lebt; entschläft aber ihr Mann, so ist sie frei. Sie heirate, wenn sie will, doch geschehe es im Herrn. Seliger aber ist sie, wenn sie s q bleibt, nach meinem Rate."

Dieser Ansicht, daß eine zweite Heirat weniger zu empfehlen ist, hat bie Kirche zugestimmt und darum auch den Witwen, die ihren Witwenstand heilig gehalten haben, besondere Sorgfalt zuge­wendet, sie auch zu kirchlichen Aemtern, besonders zur Armenpflege und zur Hilfe bei der Taufe herangezogen. Darüber lese ich bei unserem Völ- kerapöstel'folgende Bestimmungen:

Witwen halte in Ehren, wenn sie wahrhaft Witwen sind. Wenn aber eine Witwe Kinder oder Enkel hat, so soll sie zuerst ihr eigenes Haus regieren lernen, daß den Eltern vergolten werde. Denn das ist angenehm vor Gott. Die wahrhafte Witwe aber, die verlassen ist, setze ihr Vertrauen auf Gott und verharre im Gebete und Flehen bei Tag und Nacht . . . Als Witwe werde gewählt, die nicht unter sechzig Jahre alt, nur eines Mannes Weib gewesen ist. Die in guten Werken Zeugnis hat, dâß sie Kinder erzogen, Fremde beherbergt, Heiligen die Füße gewaschen, Bedrängten Hilfe geleistet und jedem guten Werke nachgestrebt hat." 1. Tim. 5.

So war denn Elisabeth auf dem rechten Wege, als sie den Antrag zu einer zweiten Ehe zurück­wies. Ihre Klugheit war eine himmlische, über­irdische Klugheit, die ihr Ehre einbrachte vor Gott und ihr zum Segen gereichte für Zeit und Ewig­keit.

* Wie heilsam sind doch die Gelübde, wenn sie aus einem aufrichtigen, gottliebendsn, treuen Her­zen aussprossen. Wie wohlgefällig sind sie dem Himmel, welchen Segen ergießen sie über die Frommen. Die Gelübde des Patriarchen Jakob und der Mutter Anna sind bekannt. Ich selbst habe eine Frau gekannt, die an Schlingbeschwerden litt, so daß ihr bei vollbesetzter Tafel der Hunger­tod blühte. In dieser Not machte sie das Gelübde, vor jedem Bissen, den sie in Zukunft genießen werde, den katholischen Gruß zu sprechen:Gelobt sei Jesus Christus!" Und siehe, das Uebel war behoben, die Frau aber ist ihrem Gelübde treu ge­blieben. Der Talpfarrer.

ZÄhreeèrrm.

Ium Feste des hl. Aloisius am 21. Juni.

Wenige Gestalten aus der Heiligengeschichts sind so häufig falsch gezeichnet worden wie der Pa­tron der katholischen Jungmänner, der hl. Aloisius.