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«K ließen alles in Furcht vor dem Kommenden er­zittern.

Die deutsche Front im Westen wankte — die Bundes­genossen kapitulierten . . . Deutschland stand einsam und verlassen auf der Welt. Nicht ein Fünkchen Hoff­nung blieb.

Das Kommende lastete wie ein furchtbarer Alp auf den Truppen, die in fernen Ländern lagen.

Leutnant Cordt erhielt an einem Abend — es war sieben Uhr — den Befehl, noch in der Nacht mit seinem Zuge nach Bobr zur Bahn abzurücken, von wo er mit seinen Leuten nach der Festung Bobruisk transportiert würde. In Iosefowa solle ein kleiner Trupp Land­stürmer als Besatzung bleiben.

Cordt gab sofort den Befehl zum Abmarsch punkt zwölf Uhr in der Nacht. Der Zug habe in der Dorf- straße Aufstellung zu nehmen.

Dann eilte er zu dem Grafen Kyrill. Er traf chn in dessen Wohnung, die sich im Ostflügel des Schlosses befand. Auf Einladung des Russen nahm er auf einem Stuhle Platz.

„Wir rücken diese Nacht von Iosefowa ab!" begann er hastig und erregt.

Saratoff bot ihm eine Papyrus an, die der Deutsche dankend ablèhnte. Er stützte seine Ellenbogen aus die Knie und spielte mit der Mütze.

Der Russe lehnte sich zurück und rauchte. Anscheinend mit viel Behaglichkeit. Die Augen hielt er geschlossen.

„Oberstleutnant v. G. hat mir vorhin diese Neuigkeit überbracht," sagte er auffallend ruhig und leise, „Der Stab der 2. Staffel verläßt morgen in aller Frühe das Schloß!"

„Ich weiß," erwiderte Cordt und zog mit den Fin­gern der rechten Hand am Rockkragen, als ob er ihm zu eng fei. „Ich habe Ihnen vor einigen Wochen das Versprechen gegeben, während meines Urlaubs Ihre Werte in Deutschland sicherzustellen. Dieser Urlaub war längst fällig, ich habe ihn aufgrund der unsicheren Zei­ten und wegen dem Mangel an Offizieren bei unserer Division bis jetzt nicht antreten können. Der Haupt­mann vom Stab hat mich von Woche zu Woche ver­tröstet. Nun ist die politische Lage auch bei uns in Deutschland derart trübe, daß . . ." Cordt stockte.

„Daß auch die Deutschen mit einer kommunistischen Anarchie rechnen können!" vollendete der Russe.

„Das wollte ich gerade nicht sagen!"

„Aber die Möglichkeit besteht!"

„Ich bezweifle das nicht!"

„Sie wünschen — seien wir ganz offen, mein lieber Kamerad — von Ihrem Versprechen entbunden zu werden?!"

„Die Verhältnisse zwingen mich dazu, Sie darum zu bitten!"

„Sie werden keinen Urlaub mehr erhalten!"

„Nein — nach menschlichem Ermessen nicht!"

Der Russe beugte sich vor. Er verzog den Mund zu einem bitteren Lächeln und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, auf der sein blondes Haar in Strähnen lag.

(Fortsetzung folgt.)

Me 51 Antonius einst den Fischen predigte

Gar traurig steht St. Anton, der schlichte, liebe Bettelmönch, in seiner braunen Kutte auf dem Marktplatz des Städtchens Rimini. Ob der All­gewalt seiner Worte und Liebe hatte man ihn zu den Ketzern gesandt, auf daß er sie bekehre und die Abtrünninen wieder heimführe zum wahren Glauben und zur Lehre Christi. Mehrere Tage schon hatte er das Gotteswort den ketzerischen Menschen verkündigt, und wie ein Orkan war seine sonst so sanfte Stimme über die Aufrührerischen hingebraust. Aber die Finsternis war stärker wie das Licht. All seine Worte waren auf harten Felsen gefallen, hatten keine Wurzeln geschlagen in diesen verhärteten Herzen. Und nun wollten die Verblendeten und Verstockten ihn schon gar nicht mehr hören.

Niedergeschlagen und einsam steht der Predi­ger Gottes mitten in der Hochburg der Ketzer. Wie kann er den Weg zu ihren verschütteten Her­zen finden? In einer göttlichen Erleuchtung ver­läßt er die undankbare Stadt, geht hinaus an das Ufer des Meeres. Wie weit und groß ist das Meer, wie wogt es in ewigem Rhythmus auf und nieder! St. Antons Augen leuchten ob der Schönheit und Macht der Natur. Ja, die unver­nünftige Natur soll die Menschen bekehren. Ihr will er Gottes Wort predigen, da die Menschen die Wahrheit nicht hören wollen. Und nun hebt unser lieber Heilige eine gar wundersame Predigt ®n: »2hr Fische des Meeres, ihr meine lieben

Brüder, höret das Work Sattes!* Da rauscht das Meer gewaltig auf. Von allen Seiten wogt es heran, Fischlein an Fischlein, und immer mehr schwillt ihr Zahl an. Alle Fische aber halten die Köpfe außer dem Wasser und schauen zu St. Antonius hin; ganz vorn am Ufer die kleineren, hinter ihnen die mittleren Fische und weit drau­ßen die Ungetüme des Meeres. Als nun alle versammelt sind, beginnt Antonius seine Predigt. Eindringlich mahnt er sie zum Lobe Gottes und zum Preis ihres Schöpfers, der ihnen eine so köstliche Wohnstatt gegeben hat und soviele Zu­fluchtsstätten. Der sie in seiner Güte von allen Tieren und Menschen allein verschonte, als die Wasser der Sündflut über die Erde brausten. Der sie würdigte, Jonas den Propheten zu retten und ihn heik zu erhalten. „Und denket daran, meine Brüder Fische, ihr wäret die Speise des ewigen Königs Jesu Christi vor der Auferstehung und da­nach durch ein absonderliches Geheimnis. Um sel­biger Ursachen zusamt, seid ihr gar sehr gehalten, Gott den Herrn zu loben und zu benedeien, der euch also viele große Wohltaten verliehen hat, mehr denn den anderen Kreaturen."

Also sprach St. Anton in seiner Herzensein­falt. Die Fische aber beugten in Ehrfurcht die Köpfe und lobten so Gott den Herrn. Als das Antonius gewahrte, brach er in lauten Jubel aus und pries den allmächtigen Gott, da die ver­nünftige Kreatur ihn mehr ehrte als die ketzerischen Menschen. Von dem Wunder aber, das so ge­schehen, hörte auch das verstockte Volk in der Stadt, und in Scharen strömte es hinaus aus den Stadttoren an die Ufer des Meeres. Und als es nun sah die Menge der Fische und hörte die Worte des Heiligen, da ward das Volk in tiefster Seele erschüttert. Reuig und von der Gnade Gottes ge­troffen, warf sich die Menge St. Anton zu Fü­ßen, und alle Ketzer wurden an diesem Tage be­kehrt und wieder heimgeführt zu Gott dem Vater und unserer Mutter der Kirche. — Wenn aber St. Antonius noch einmal zur Erde käme, zu uns, um uns das Wort Gottes zu verkünden, müßte er nicht vielleicht auch wieder zum Meer gehen und dort den stummen Fischen predigen?

Das soziale Wirken des hl. Antonius.

Von P. Dr. Salesius Elsner O.F.M.

Der Jubelheilige St. Antonius war nicht nur der tiefgründige Prediger und Wundertäter, son­dern vor allem der Mann der sozialen Tat, der große Führer und das leuchtende Vorbild sozialer und karitativer Tätigkeit. Seine Zeit war nicht nur moralisch krank wie die unsrige, sondern auch wie die unsrige voller wirtschaftlicher, sozialer Konflikte.

In diese Konflikte griff Antonius ein mit einem Herzen voll flammender Liebe zum leidenden Volke, dessen moralische und wirtschaft!. Vernach­lässigung ihn mit großem Schmerze erfüllte. Wie hat er mit den Leidenden gelitten, wie das arme Volk, das zu Tausenden seine Kanzel umstand, getröstet und seelisch wieder aufgerichtet! Wie hat er mit flammenden Worten jegliches Unrecht, von wessen Seite es auch kommen mochte, verurteilt, mit welchem Nachdruck bestand er auf Gerechtigkeit und auf Sühne für alle Schuld! Das hat ihm für alle Zeiten die Liebe der Menschen errungen und seinen dauerndsten Ruhm begründet.

Als er im Jahre 1230 in Padua wirkte, nahm er sich vor allem der kleinen Leute an, die unter dem System der Aussaugung von feiten des Kapi­talismus schwer litten und oft ihre Existenz und Freiheit verloren. Der Kapitalismus, der ja wohl­verstanden nicht gleichbedeutend ist mit Privat­eigentum, sondern nur dessen Mißbrauch besagt, war die große Wunde jener Zeit. Und an die Heilung dieser Wunde trat Antonius heran mit dem glühenden Herzen eines Anwaltes für die Unterdrückten, der den Kampf gegen die Unter­drücker und Wucherer kräftig ausnahm und Großes erreichte. Pfarrer Dr. Wilk sagt in seiner neue­sten klassischen Biographie des hl. Antonius (Ader­holz, Breslau, kart. 4,50 Mk.):

„Die Oberschicht der Gesellschaft — so war es in Padua — bildete die Geldaristokratie, die nur eines kannte: verdienen! Darum ging es ihnen, es fiel ihnen aber nicht ein zu fragen, wes­sen Arbeit den Verdienst schaffen sollte. An das Wohl und Wehe des Nächsten dachte niemand von ihnen. Gewiß herrschte damals die christliche Welt­

anschauung, doch war sie für die Finanzgrößen nicht maßgebend und wurde beiseite gelegt, sobald matrielle Interessen in Frage kamen. Geradezu phantastisch lauten die Ziffern ihrer Gewinne. Sehr gern halfen sie mit Anleihen aus, verlangten aber so hohe Zinsen (bis 30 Prozent), daß sie die Schuldner in kurzer Zeit zugrunde richteten. Der Schuldner mußte alle Kräfte anstrengen, um die Zinsen zu bezahlen, schließlich war er aber doch zahlungsunfähig und mußte ins Gefängnis wan­dern; . . . Auf diese Art wurde mancher zum Sklaven, und die Abhängigkeit des armen Volkes von den Kapitalisten wurde unerträglich drückend."

Was tat Antonius? Mit tiefem Schmerze sah er die schrecklichen Folgen des kapitalistischen Gei­stes, sah die wachsende Empörung der Ausgeso­genen und Betrogenen, sah, wie zur selben Züt der Unglaube zunahm. Da mußte er helfen, nicht nur auf der Kanzel, sondern auch anders. Ein vom 17. März 1231 datiertes zu Padua aufbe­wahrtes Dokument verbot, einen zahlungsunfähig gewordenen Schuldner ins Gefängnis zu werfen, wenn er auf den Rest seines Eigentums Verzicht leistete. Das war gewiß eine ganz neue Ordnung des Konkurses und diese hatte eben Antonius ver­anlaßt, so daß niemand mehr seine persönliche Freiheit verlor. Ganz im Geiste des Christen­tums war er eingetreten für die Würde der Menschlichen Persönlichkeit, für wahre, echte Menschlichkeit und christliche Nächstenliebe. „Er betrachtete", sagt Dr. Wilk, ,Hen Reichtum als ein von Gott anvertrautes Amt, die Armut als eine erziehende Schickung Gottes, alle Menschen als Brüder, und das Erdenleben als eine Vorstufe der Ewigkeit. Unter diesem Gesichtswinkel ver­loren selbst die äußersten Vermögensunterfchiede ihre aufreizende und demoralisierende Kraft. Dagegen wird der Atheist und Materialist nur zu leicht Mammonist, und der arme Mammonist ge­rät nur zu leicht in jene Verzweiflung, welche die Welt in Brand stecken möchte, um dabei entweder zu plündern oder selbst zugrunde zu gehen; wäh­rend der reiche Mammonist gar oft durch die Un­sittlichkeit seines Erwerbes und Genusses allen Reichtum verdächtigt hat."

Dadurch, daß St, Antonius aber auch auf das Erdenleben als Vorstufe der Ewigkeit im Geiste des Christentums hinwies, hat er alle Verhältnisse des menschlichen Lebens zu tiefst beleuchtet. Fehlt dieser Ausblick auf die Ewigkeit, dann wird nicht nur die Zukunft schwarz, sondern auch die Gegen­wart unerträglich, weil dann der Mensch entweder dem brutalen Despoten oder der Masse unterliegt. Und das erleben wir heute wieder, wie St. An­tonius es erlebt hat. Möge darum der große so­ziale Heilige auch für unsere Zeit vorbildlich sein und der Anwalt unseres armen leidenden deutschen Volkes!

Wahrheil über das heutige Rußland.

Erlebnisse und Schilderungen eines deutschen

Spezialisten 1930 in Rußland.

Von Robert Misch (Fortsetzung).

Das unerträglichste Schicksal für die russische Bevölkerung ist die Kollektivwirtschaft. Jeder ein­zelne Bauer, Kaufmann und insbesondere der deutsche Kolonist leiden darunter sehr. Kein fenes Geschäft gibt es in Rußland, in dem ein Mensch das kaufen könnte, dessen er dringend be­darf. Alles ist den Kaufleuten, kleinen Gewerbe­treibenden, Handwerkern und Bauern weggenom­men worden. In Rußland darf es keine Reichen mehr geben, sondern nur Arme. Will heute je­mand etwas kaufen, so erhält er die Ware, es Kleidung, seien es Lebensmittel, nur gegen Buch, Talon oder Marken. Für alle außer Tä­tigkeit gesetzten Geschäfte gibt es nur noch staatlichen Kaufhäuser (Serokop). In diesen kann alles erworben werden, immer unter der Voraus setzung, daß die gewünschten Gegenstände aucy vorhanden sind. An Eßwaren wird nur ein oe stimmtes Quantum Schwarzbrot verabfolgt.

ner gibt es 50 Gramm Butter und 100 Gram Fleisch in der Woche, jedoch nur für Schwerstarou ter. Ein jeder ist gezwungen, sich in langen hen aufzustellen. Oft kommt es vor, daß bei au verkauftem Hause die Hausfrau mit der leer Tasche wieder den Heimweg antreten muß. " ist ein gewisser Zwang insofern, als niemand I kochen soll, sondern in den Stadtküchen 3U o hat. Auf diese Art wird jeder zur Sparsani erzogen. Auch andere Lebensmittel, z.