t. ElisMH-Mtt
41 Zahrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Psennig B 45 Ä.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonelzetle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzeil» tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ofj.-Geb. 0,10 Goldmark. Port» extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besttz der Fuldaer Aetlendruckerei in Fulda sein.
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Wocheâlsnder.
Sonntag, 17. Mm. Sonntag in der Oktav von Christi Himmelfahrt. Paschalis Baylon, Bek. f 1572. 1. Aloisius-Sonntag.
Montag, 18 .Mai. Benanttus, Mart.
Dienstag, 19. Mai. Petrus Coelsstinus, Papst, Bsk. Pudentiana, Jgfr.
Mittwoch, 20. Mai. Bernharden von Siena, Bek.
Donnerstag, 21. Mai. Oktav des Festes Christi Himmelfahrt.
Freitag, 22. Mai. Vom Tage.
Samstag, 23. Mai. Vigil des Pfingstfestes. (Fasttag)
Sechster Sonntag nach Ostern.
Epistel: 1 pelrus 4, 7—11.
Evangelium. Johannes 15, 26—16, 4. Jüngerzeugnis
und Iüngerlos.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn der Tröster fommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis von mir geben, weil ihr von Anfang bei mir seid. Dies habe ich zu euch gesagt, damit Hr nicht irre werdet. Man wird euch aus den Synagogen ausschließen; ja, es kommt die Stunde, da jeder, der euch tötet, glaubt, Gott einen Dienst zu erweisen. So werden sie gegen euch verfahren, weil sie weder den Vater noch mich kennen. Aber ich habe das euch gesagt, damit ihr euch daran erinnert, wenn eure Stunde kommt, daß ich es such gesagt habe."
Abstieg und Ausstieg.
Sas Fest der Himmelfahrt unseres Herrn ruft mir seine Worte ins Gedächtnis: „Niemand steigt in den Himmel auf außer derjenige, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn." Ist das nicht die Parole und der unumstößliche Grundsatz auch für uns, wenn wir kvahre Jünger des Heilandes, wenn wir vollkommene Christen sein und werden wollen? Wir wollen in den Himmel aufsteigen, in den wahren Himmel, den ewigen Himmel, in den Himmel un- vusfprechlicher, unverwelklicher, verklärter Freuden. Welches ist aber der Weg zu diesem Aufstieg? Daß wir zuerst einen andern Himmel verlassen, den «Äetnhimmel, den irdischen Himmel, den Himmel Reichtums, der Behaglichkeit und Bequem- Mkent. Durch Abstieg zum Aufstieg, das ist das ^! das von der göttlichen Vorsehung aufge- ist. Hat es nicht der göttliche Heiland selber usgefprochen mit den Worten:
„Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht
werden?"---
liebe M Gesetz hat auch für unsere
e El,sah in gegolten. Einen großen körper
lichen Abstieg hat sie genommen und dadurch einen großen geistigen Aufstieg erzielt. Von der stolzen hohen Wartburg, von der Höhe des Besitzes, der häuslichen Behäbigkeit und Bequemlichkeit ist sie herabgestiegen und ist eben dadurch auf- gestiegen zu den Höhen der Heiligkeit und Vollendung und damit auch zu den Höhen des Himmels und der Verklärung.
Lauschen wir nun der Erzählung, welche ihre Dienerinnen über das Verlassen der Wartburg niedergeschrieben haben:
„Nach dem Tode ihres Gatten wurde es der hl. Elisabeth nicht gestattet, die Güter ihres Mannes auf Lebenszeit zu benutzen, da der Bruder ihres Gatten sie daran hinderte. Wohl hätte sie den Lebensunterhalt gemeinsam mit dem Bruder ihres Mannes haben können, aber aus Raub und Plünderung, wie sie an Fürstenhöfen Vorkommen, wollte sie nichts annehmen. Deshalb wühlte sie lieber die Verbannung und somit den Erwerb des Lebensunterhaltes durch ihrer Hände Arbeit. Sie betrat die Stadt (Eisenach), die am Fuße der Burg liegt, und ging in ein armes Haus im Hofe eines Schankwirtes. Darin befanden sich Gefäße und Hausgeräte des Wirtes. Einst war es ein Schweinestall. Dort verbrachte sie die Nacht in großer Freude. Um 12 Uhr ging sie zur Matulis zu den Minderbrüdern und bat sie; ein Te Deum laudamus zu singen aus Freude und Dank für ihre Trübsal. Am andern Tage mußte Elisabeth ein Obdach suchen; doch keiner der reichen Bürger wagte, sie aufzunehmen. Endlich betrat sie mit den ihren eine Kirche und verweilte hier lange. Dorthin brachte man ihre Kinder vom Schlosse. Elisabeth wußte nicht, wohin sie die Kleinen bei der großen Kälte bringen sollte. Wo konnten sie übernachten? Und doch fiel ihnen nach des Vaters Tod die Herrschaft über die Stadt zu! In ihrer Not flüchtete sie zu einem Priester. Man befahl ihr, in das Haus eines ihrer Widersacher zu ziehen. Dieser fügte ihr und den ihren viele Beleidigungen zu. So verließ sie die Wohnung und nahm Abschied von den Wänden, die sie wenigstens vor Kälte und Regen beschützt haben. Dann sagte sie: gerne möchte ich auch den Menschen danken, doch ich weiß nicht wofür! Und wiederum begab sie sich zu dem schmutzigen Hause, in das sie zuerst geflüchtet war. Sie fand bei niemand Gastfreundschaft. Da sie von allen Freunden ihres Mannes Verfolgung erduldete und aller ihrer Habe beraubt war, schickte sie die Kinder an verschiedene, weit entfernte Orte, damit sie dort aufgezogen wurden. Das wenige, das sie noch besaß, gab sie den Armen hin." —
So wM der uralte Bericht der beiden Dienerinnen. Daraus ist zu ersehen, daß die Berichte von einer grausamen Vertreibung Elisabeths durch ihren Schwager Heinrich Raspe zum mindesten übertrieben sind. Nach dem Stand der historischen
Forschung von heute darf man annehmen, die fürstliche Witwe sei freiwillig vom Schlosse geschieden. Der Zwang war kein äußerer, sondern ein innerer. Elisabeth konnte es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren, ihren Lebensunterhalt aus der ungerechten Unterdrückung und brutalen Aussaugung der umliegenden Bauern zu genic» ßen. So wollte sie lieber arm sein und ein reines Gewissen bewahren. Mit ihrer Hände Arbeit trockenes Brot zu gewinnen, schien ihr begehrenswerter als an fürstlicher Tafel auf Kosten geplagter Menschen zu prassen. Darum das Verlassen der Wartburg. Darum der Aufenthalt in einer unwirtlichen Hütte. Darum strenge Arbeit am Spinnrocken mit ihren Mägden. Darum Verkauf und Veräußerung der Habseligkeiten und Loslösung von allem Pomp und aller irdischen Herrlichkeit. Je größer die Anhänglichkeit der Durchschnittsmenschen an Reichtum, an schöne Häuser und bequeme Versorgung ist, desto heller sticht davon ab der heroische Verzicht unserer Heiligen auf alle süßen Gewohnheiten der Welt.
So hat Elisabeth die Wege des Heilandes eingeschlagen, der den Himmelspalast verlassen und eine armselige Hütte zur Wohnung sich erwählt, der sein müdes Haupt auf das grüne Gras gebettet hat. Denn „Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, aber der Menschensohn bat nichts, wohin er sein Haupt legen kann." Mit Recht schreibt deshalb der hl. Kirchenlehrer Bernhard: „Wer da glaubt, man müsse nach dem Besstz von Palästen streben, um den König der Ehre, Jesus Christus, würdig darin aufzunehmen, der irrt sich gar sehr. Reichtum und Glück und Größe war im Himmel genug vorhanden, aber die Armut war nicht daselbst; auf Erden jedoch ist Armut und Mangel, aber der Mensch kannte nicht dessen Wert. Deswegen hat der Sohn Gottes, der die unbekannte Armut liebte, auf die Erde herabsteigen wollen, um sie für sich selbst zu erwählen und uns dieselbe durch sein Beispiel wert zu machen." —
Danken wir Gott, wenn wir eine anständige, menschenwürdige Wohnung haben. Ist noch Plag übrig, üben wir gerne Gastfreundschaft oder öffnen wir unser Haus gerne den Wohnungssuchenden. besonders den Kinderreichen. Bedenken wir, daß in jedem Palast vom Schreiner eine Türe gemacht ist, durch die man unsern Leichnam einstens hinaustragen wird. Hast du aber Ursache, über ungenügende Wohnung zu klagen, so füge dich um Gottes willen ins unvermeidliche, bis deine Wünsche erfüllt werden. Vergiß dabei nicht, daß selbst dem Obdachlosen und dem Kellerbewohner die Hallen des Himmels offen stehen.
Der Talpfarrer.