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41. Zahrg

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ZL-Pfenntg B 45 ZL-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse: Eoloneizetle tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Eolonelzrü» tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Oss.-Geb. 0,10 Goldmark. Porl» extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruiterei in Fulda lein.

....... Druck und Verlag der Fuldaer Aclieadruckeret. Verlagsork Fulda. ............

Wochenkalender.

Sonntag, 10. Mai. 5. Sonntag nach Ostern. (Bittsonn­tag). Antonius, Bek., t 1459. Gordianus und Gen., Mart., t 362.

Montag, 11. Mai. 1. Bittag.

Dienstag, 12. Mai. 2. Bittag. Nereus u. Gen., Mart, i. 1. Jahrhundert.

Mittwoch, 13. Mai. Vigil des Festes Christi Himmel­fahrt.

Donnerstag, 14. Mai. Fest Christi Himmelfahrt.

Freitag, 18. Mai. Johann Baptist de la Salle, Stifter . der christl. Schulbrüder, t 1719.

Samstag, 16. Mai. Johannes Nepomuk, Mart., f 1393. ilbaldus, Bischof, Bek., f 1160.

NB! Am 15. Mai Beginn der Stägigen Andacht zum hl. Geist um Wiedervereinigung der Christenheit.

Zünsler Sonntag nach Ostern.

Epistel. Jakobus 1, 2227.

Evangelium. Johannes 16, 2330. Die Kraft des

Gebetes im Namen Jesu.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch ge­ben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Na- Mn. Bittet, und ihr werdet empfangen, und eure Freude wird vollkommen fein. Dies habe ich in Bil­dern zu euch geredet. Es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Bildern zu euch reden, sondern euch offen »om Vater Kunde geben werde. An jenem Tage wer­det ihr in meinem Namen bitten. Ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde; denn der Va­ter selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, daß ich von Gott ausgegangen und in die -blelt gekommen; ich verlasse wieder die Welt und gehe zum Vater.". Da sagten seine Jünger zu ihm:Siehe, M redest du offen und sprichst nicht mehr in Bildern. wissen wir, daß du alles weißt und niemand dich er|t Zu fragen braucht. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist."

Wir Bettler.

o oft wir etwas von Bettlern hören, ^ beschleicht uns ein unangenehmes Gefühl, wie wenn es im Mai regnet oder schneit. Manchmal will uns © auch ein Dampf von Hochmut in den steigen und mit Behagen wiegen wir uns w Aem Gedanken:Gott sei Dank, daß ich kein Bettler bin!"

Nur etwas gemach mit dieser schlecht- ^M^ten Empfindsamkeit, mit diesem ganz ®to[3- Gewiß darfst du dich freuen nA® ^mem Herrgott danken, wenn du in geord- innM. e«^nffen bist und nicht nötig hast, dein lg« N^^^Arot zu erbetteln oder dir schenken zu Cph ^/nn wir aber der Wahrheit die Ehre Gat?»?" roenn wir unsere armselige Rolle dasi m;9en«ber betrachten, so müssen wir gestehen, im3 binf? "A miteinander Bettler sind, ich, der l^n Artikel schreibe und ihr, die ihr ihn

leset. Leihen wir einen Augenblick dem großen Bischof von Konstantinopel, dem hl. Ehrysofèomns, Gehör und wir werden uns mit dem Gedanken an unsere Bettlerwürde leichter versöhnen.

Ihr alle wißt, schreibt dieser beredte Kir­chenvater, daß es durchaus unmöglich ist, ohne Gebet ein tugendhaftes Leben zu führen und se­lig zu sterben. Denn wie wäre es möglich, die Tugend zu üben, wenn wir uns nicht flehentlich zu den Füßen desjenigen werfen, der dem Men­schen alle Tugend mitteilt. Auch das beherzigt, meine Brüder, daß wir alle Bettler sind, welche vor der Türe des gerechten Gottes liegen. Wir sind nicht nur höchst armselige Bettler, sondern wenn wir die Wahrheit gestehen, so sind wir ebenso elend als geneigt und fertig zum Bösen. Wie kann uns da etwas anderes retten als das Gebet!"

Welche Haltung ziemt sich nun dem Bettler? Wird er mit anmaßenden Gebärden und hoch­mütigen Tönen etwas ausrichten? Im Gegenteil. Man wird ihm die Türe weisen. Bescheidenheit und Demut ist das erste, das wir von einem Bett­ler erwarten. So müssen wir auch, wenn wir vor Gottes erhabenen Thron treten, im Gewände der Demut erscheinen. Diese Seelenhaltung wahrer, aufrichtiger Demut können wir nun gerade an un­serer lieben hl. Elisabeth studieren und betrachten.

Am Karfreitag war es damals Gebrauch so lesen wir in der Chronik daß die Leute in den Kirchen, welche sie der Andacht wegen be- sucksten, Opfer auf die Altäre legten, jedes nach Stand und Vermögen. Die hl. Elisabeth schaute aber in schmerzlichem Mitleid, wie gerade an die­sem Tage der Gottmensch eine grenzenlose Armut trug, dergleichen der elende Bettler nicht zu tra­gen hat. Im Angesicht des Volkes, von allen Kleidern entblößt, im grimmigsten Durst, wie ihn großer Blutverlust mit sich führt, ohne einen Trop­fen Wasser und in der schweren letzten Not nichts, wohin er sein sterbendes Haupt legen konnte. An diesem Tage wollte die treue Magd des Gekreuzigten, in keiner Weise als Fürstin sich zeigen: sie sprach zu ihren Kammerfrauen: heute ist ein Tag der Verdemükigung. In dem Kleid eines Bettelweibes und barfuß mischte sie sich un­gekannt unter die Volksmenge, so daß sie gedrückt und gestoßen wurde. In ihrem Schurze trug sie die geringen Opfergaben, wie sie damals von armen Leuten gebracht wurden, kleine Bündel Leinwand, Weih­rauch und Wachskerzchen. Auf diese Weise besuchte sie die verschiedenen Kirchen, kniete vor jedem Altar nieder und legte ihre Gabe darauf. In ähnlicher Weise machte es Elisabeth auch zur Zeit der Bittgänge. Damals waren bei dieser Ge­legenheit mancherlei Lustbarkeiten üblich, und insbesondere zogen die, welche es machen konnten, bei den Bannprozessionen in größtem Kleider­staate auf. Die Landgräfin tat das Gegenteil. Sie

kleidete sich mit einem Rock von grober Wolle und folgte dann barfuß dem Kreuz. Bei den Pre­digten aber, welche an diesen Tagen gehalten wur­den, setzte sie sich unter die Bettlerinnen und wollte selbst als solche erscheinen. Sie meinte, es ge­zieme sich auf solche Art am besten für sie, mit dem Kreuz zu gehen."

So betrachtete sich S. Elisabeth als Bettlerin vor Gottes unendlicher Majestät. Dabei dürfen wir nicht vergessen, daß diese hohe Frau eine Krone trug, über Juwelen und Kostbarkeiten ver­fügte und in Thüringer Landen den ersten Platz einnahm. Wenn sie trotzdem in so seltenem Grade sich vor ihrem Gott und vor ihrem Volk ver- demütigte welche Anmaßung wäre es dann für uns gewöhnliche Menschenkinder, wollten wir uns der Demut entschlagen. Gerade beim Gebel hoben wir die beste Gelegenheit, uns immer wie­der tief zu verdemütigen. Ob wir nun im Got­teshaus dem öffentlichen Gottesdienst beiwohnen, ob wir an den Bittagen hinter dem Kreuz in der Mitte des Volkes herschreiten und gemeinschaftlich den Rosenkranz beten, oder ob wir zu Hause stil­ler Privatandacht obliegen, immer und überall sei die Demut der schönste Schmuck unseres Ge­betes. Gibt es da nicht Katholiken, die aus be­wußtem oder unbewußtem Hochmut sich von Bitt­gängen fernhalten? Das ist etwas für Kinder und Frauen, denken diese Katholiken: das ist etwas für Bauern und Bettler. Ich brauche Gott fei Dank nicht ums tägliche Brot zu bitten. Meine gute Stellung bürgt mir ein sicheres Einkommen O wie stolz und töricht zugleich wäre ein solcher Ge­danke. Wo willst du denn Brot hernehmen, wenn keine Frucht auf dem Acker wächst? Woher willst du Gemüse, Obst, Wein beschaffen, wenn unser Herrgott diese Dinge nicht gedeihen läßt! Richt nur der Bauer, auch der Beamte, nicht nur der Proletarier, sondern auch der Millionär sind je­den Augenblick abhängig von unserm Herrgott. Nehmt darum alle, denen ihre Zeit es erlaubt, die nicht durch schwere Pflichten verhindert sind, Teil an den uralten, ehrwürdigen Bittprozessionen, und schämen wir uns nicht, der Wahrheit Ausdruck zu geben, daß wir Bettler sind an Gottes Thron. Welch großen Segen solche Demut im Gefolge hat, das deutet Sirach an mit den Worten:Des De­mütigen Gebet dringt durch die Wolken."

Der Talpfarrer.

Unser tägliches Bros gib uns heule".

Nach einer wahren Begebenheit.

Wütend warf der Vater die Türe ins Schloß und verließ das Wohnzimmer.Das ist ja nicht zum Aushalten mit dem Bengel. Mach deine Er­ziehung so weiter, dann erlebst du noch dein blaues Wunder an dem Nichtsnutz", poltert er draußen weiter, seinem Zorn Luft zu machen. Aus der Küche trat ihm eine Frau entgegen. Seine Mut-