Wochenkalender.
Sonntag, 3. Mai. 4. Sonntag nach Ostern. Fest Kreuzauffindung. Alexander I. u. Gen., Mart.
Montag, 4. Mai. Monika, Mutter des hl. Augustinus.
Godehard, Bischof, Bet.
Bienstag, 5. Mai. Pius V., Papst, Bek.
Mittwoch, 6. Mai. Johannes vor dem lat. Tore. Donnerstag, 7. Mai. Stanislaus, Bisch-, Mart. Freitag, 8. Mai. Erscheinung des hl. Erzengels Michael. Samstag, 9. Mai. Gregor von Nazianz.
Vierter Sonntag nach Ostern.
Epistel: Jakobus 1, 17—21.
Evangelium: Iohannes 16, 5—14, Das machtvolle Wirken des Heiligen Geistes.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Ich gehe zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer Herz voll Traurigkeit, weil ich euch das gesagt habe. Allein A sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich Gngche. Denn wenn ich nicht hingehe, kommt der Tröster nicht zu euch; wenn ich aber hingehe, will ich M euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt deutlich zeigen, daß es eine Sünde gibt, eine Ge- rechtigkeit und ein Gericht: Eine Sünde, weil sie an tdich nicht glaubt: eine Gerechtigkeit, weil ich zum Vater Mè und ihr mich nicht mehr sehen werdet; ein Gericht, weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird er euch alle Wahrheit lehren. Er wird nicht aus sich reden, sondern was er hört, wird er re- vem und was zukünftig ist, euch verkünden. Er wird mich vecherrlichen: denn er wird von dem Meinigen Nehmen und es euch verkünden."
Ein verkanntes Kleinod
Ws wird erzählt, daß bei einer Verstei- gerung auch ein Kreuz ausgeboten mj mnrbe mit Schmutz und Spuu â hudeln ganz bedeckt Ein, frommer
_ _ Mann machte ein Angebot und er hielt den Zuschlag und nahm unter Spott uno Gelächter das Kreuz in Empfang. Wie er nach Hause kam und das Kreuz von Schmutzuno Unrat reinigte, wie staunte er da und traute ka feinen Augen. Da trat ein Glanz zutage nie gesehen, und es stellte sich ^kaus. dasz wirklich ein Kleinod erstanden hatte; denn Kreuz war aus purem Gold. — . Mnrte
Diese Geschichte fiel mir ein, als uh dre *» des hl. Jakobus erwog, die in der Epistel des heutigen Sonntags vorkommen:
Jede vortreffliche Gabe und ledes vollkomme Geschenk stammt von oben, dem Vater der kr, .bei dem es keinen Wechsel gibt und k «chatten von Veränderung." . , ,
Sollte nicht auch das Kreuz ein Elches. Geschenk sein? Ein so kostbares, wenn auch vertonn «s Kleinod? Ganz gewiß. Denn auch das Kreuz,
auch bitteres Leid, auch herbe Heimsuchung haben ihren letzten Ursprung in Gott, in seiner Vorsehung, seiner Gerechtigkeit, seiner Güte. Es ist immer derselbe Gott, der Gott unendlicher Liebe, ob er nun Gesundheit schickt oder Krankheit, Freuden oder Leiden, Ueberfluß oder Mangel, Leben oder Tüd.
Ja, das Kreuz ein verkanntes Kleinod. Daran werde ich auch lebhaft erinnert durch das Fest Kreuz Auffindung, das gerade auf den heutigen Sonntag fällt, wo die Kirche einen Lobeshymnus auf Christi Kreuz anstimmt, durch das mir erlöst sind, von dem aber auch ein Strahl der Verklärung auf unser eigenes Kreuz fällt.
So will ich heute eure Aufmerksamkeit hinlenken auf eine stille, große fireusträgerin, die hl. Elisabeth von Thüringen, will erzählen von ihrem Trennungsschmerz, ihren Schicksalsschlägen und ihrem herben Witwentum.-----
Das Zeitalter der hl. Elisabeth war gleichzeitig das Zeitalter der Kreuzzüge. Eine unglaub» liche Liebe zu den Stätten, an denen der Heiland geboren, gelebt, gelehrt und gestorben, zog ein in die Herzen der Christen. Gleich einem unentrinnbaren Zauber hatte ein religiöser Schwung die Tapfersten erfaßt, von dem wir Kinder eines kühlen Jahrhunderts keine Ahnung mehr haben. Wird wohl ein Mann, ein Ritter, ein Fürst von dem idealen Schnitt des Thüringischen Landgrafen Ludwig, des Gatten unserer hl. Elisabeth, dem Zuge seines Jahrhunderts widerstanden haben? Im Gegenteil. Täglich wuchs in seinem edlen Herzen der Wunsch, am Kreuzzug teilzunehmen und sein Leben im Dienste des Erlösers aufs Spiel zu setzen. Sein junges Eheglück, seine zwei kleinen Kinder, seine zarte, vielgeliebte Elisabeth konnten ihn nicht hindern. Ihm schwebten die Worte des Herrn vor Augen:
„Wer das Kreuz nicht auf sich nimmt, ist meiner nicht wert."
Eines Tages, als. Elisabeth wie im Scherze in der Tasche des Landgrafen kramte, zog sie ein kreuz aus rotem Wollstoff daraus hervor, das Wahrzeichen der Kreuzesfahrer. Elisabeth wußte genug. Ohnmächtig brach sie zusammen. Doch bald ermannte sie sich und sprach: „Hast du es gelobt, so gebe ich dich frei; reite fort in Gottes Namen."
Herzzerreißend war der Abschied. Ludwig befahl sich in das Gebet seiner Angehörigen, seiner Untertanen und der Mönche seines Landes, besonders der Benediktiner von Reinhardsbrunnen, mit denen er in Freundschaft verbunden war. Auch gab er reichliche Opfer für einen glücklichen Ausgang des Kreuzzuges. Wohlgefällig nahm Gott diese Gebete und Opfer auf, ohne indes Erhörung zu gewähren. In den Plan seiner unbegreiflichen Vorsehung war für Ludwig ein Sterbe- kreuz eingezeichnet, für Elisabeth ein Witwenschleier.
Nur langsam konnte Elisabeths zartfühlendes Herz sich losreißen von ihrem Gemahl. Sie ließ es sich nicht nehmen, ihm noch mehrere Tagreisen das Geleite zu geben. Die Chronik von Reinhardsbrunnen schreibt: „Cs folgte mit traurigstem Herzen das getreueste Weib dem süßesten Fürsten, dem liebevollsten Ehegatten, da er über die Grenzen Thüringens in weite Ferne abging, und sie sollte ihn, o Schmerz, niemehr sehen. Das Band der Liebe und die Gewalt des Schmerzes vermehrten das Verlangen, immer noch weiter ihn zu begleiten."
Endlich hatte doch die Abschiedsstunde geschlagen. Ludwig stieg vom Pferde, öffnete eine Tasche, zog einen Ring hervor und sprach: „Meine allerliebste Schwester, siehe, dieser Ring, in dessen Edelstein das Lamm Gottes mit der Fahne ein- gegrahen ist, soll dir ein Wahrzeichen sein, wie es mit mir steht. Wer dir eine Schrift bringt, gesiegelt mit diesem Ringlein, dem sollst du gänzlich glauben, mag er dir Botschaft bringen von meinem Leben oder von meinem Tod. Herzallerliebste Schwester Elisabeth, mein edler Schatz, der treue, allmächtige Gott vom Himmel gesegne und bewahre dich! Vergiß mein nicht in deinem Gebet. Leb wohl, ich kann nicht länger weilen; die Herren warten auf mich; Gott sei mit euch in alle- weg." —
So zog denn Elisabeth nach Thüringen zurück, wo sie sogleich allen Schmuck ablegte und sich mit schwarzen Witwenkleidern bedeckte, allen Freuden aus dem Wege ging und nur in der Wohltätigkeit einen Balsam fand für die schwere Herzenswunde. Ludwig aber zog die Straße durch Bayern, durch die Schweiz, durch die Alpen, durch ganz Italien und kam bis zur Hafenstadt Otranto, wo Kaiser Friedrich mit einer Armee von 60 Tausend Mann die Verstärkung freudig begrüßte und von wo man nach Asien übersetzen wollte. Indes war nach Gottes Ratschluß für Ludwig bereits fein letztes Stündchen gekommen. Von einer Seuche ergriffen, gab er, mit den hl. Sterbesakramenten gestärkt, in echt christlichem Heldenmut seinen Geist auf. Als Elisabeth durch Extraboten mit dem Siegelring die Todesbotschaft erhielt, brach sie unter der Wucht des Schmerzes zusammen. Bald aber gewann sie durch die Kraft der Religion wieder die Fassung und nahm einen neuen Aufschwung zur Höhe der christlichen Vollkommenheit. „Im Kreuz ist Heil."
Der Talpfarrer.
Maigedanken.
Die Knospen brechen auf, die Blumen blühen, und ein Duft hält die ganze Erde umsangen — Maienduft! Es jubilieren die Vöglein und jauchzen in das Himmelsblau. Aber auch der Regentropfen, der blanke, der leise, der an die Fenster und Gesimse klatscht, hat eine wundersüße Melodie