Einzelbild herunterladen
 

Ausgabe B

Sonntag, 19. April 1831.

41. Zahrg

ÖS

Druck und Verlag der Fuldaer AcNeudruckerei. Verlagsort Fulda.

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K.-Pfennig B 45 L-Psennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Lolonelzeil» tm Anzeigenteil 0.15 Goldmark. Colonetzeil» tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Port« extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.

Wochenkalender.

Sonntag, 19. April. 2. Sonntag nach Ostern.

Montag, 20. April. Vom Tage.

Dienstag, 21. April. Anselmus, Kirchenlehrer, t 1109.

Mittwoch, 22. April. Festfeier des hl. Joseph (Joseph- Schutzfest).

Donnerstag, 23. April. Georg, Mart., t 303.

Freitag, 24. April. Fidelis von Sigmaringen, Mart., t 1622.

Samstag, 25. April. Marcus, Evangelist.

NB.! Mit dem heutigen SonntagGul-Hirt" schließt die österliche Zeit.

Zweiter Sonntag nach Ostern.

Epistel. 1. Petrus 2, 2125.

Evangelium. Iohannes 10, 1116. Der gute Hirt.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern:Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, verläßt die Schafe und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht. Und der Wolf fallt die Schafe an und zersprengt sie. Der Mietling flieht, weil er eben ein Mietling ist und chm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben für meine Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Schafstalle sind. Auch sie muß ich herbeiführen: sie werden auf meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirt sein."

Vrenusn-e Juckeln.

Mure Lenden sollen umgürtet und bren- nende Fackeln in euren Handen fem. So hat derjenige gesprochen derMe = U der das ewige Licht ist und derWelt das Wort zugerufen hat: ,,» » das ewige Licht der Welt; wer mir nochfolgt, wa - delt nicht in der Finsternis, sondern wird das Lay: des Lebens haben." Es ist der gute Hut, d r heute im Evangelium in so erhabenen und glenn- zeitig so einfachen Worten sich selber zeichnet. seiner Herde vorangeht mit den Verspielen ictne Liebe, seiner Sorgè, seines Opfertodes.

Brennende Fackeln sollen in unseren Händen Hn, indem wir mit dem Lichte reiner Gesinnun­gen, löblicher Handlungen uni) edler Werke unfern Mitmenschen vorangehen und sie dadurch emlader, an unserm gottgefälligen Wandel teilzunehmen.

Wenn wir nun die Tugenden unserer hl Eli­sabeth betrachten und uns verwundert fragen, wer denn sie emporgeführt hat zu so steiler Hoh- der Tilgend, zumal in einem so jugendlichen^ Al­ter, ob sie denn ganz allein und ohne lebe Huje den so beschwerlichen Pfad der Heiligkeit gefunden hat, so werden wir zunächst gestehen daß Gott selber in seiner grenzenlosen Güte der Anfang und das Ende aller Auserwählung und Heiligkeit in

und daß die Wurzeln eines Heiligenlebens in un­sichtbare Tiefen sich verlieren. Indes werden wir auch finden, daß unserer heiligen Elisabeth gute Menschen begegnet sind, die auf ihre Entwicklung großen Einfluß geübt haben. Und dieses edle Werkzeug der göttlichen Vorsehung, bie[e bren­nende Fackel, die der hl. Elisabeth vorangeleuchtet hat, ist ihre eigene Tante, Schwester ihrer Mutter Gertrud, die hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien. Ich will in einigen Zügen ihr Lebensbild zeichnen, wie ich es bei dem großen Schriftsteller Alban Stolz finde:

Sie. war verheiratet an den Herzog Heinrich von Schlesien. In ihrem ganzen Tun und Lassen überlegte sie sorgfältig, was vor Gott am wohl­gefälligsten und heiligsten sei. Unaufhörlich war ihre Seele andächtig; oft wenn die Kammerfrauen gegen Morgen aufwachten, lag die Herrin schon auf den Knieen im Gebet. Statt in der Schloß­kapelle bequem die Messe zu hören, ging sie täg­lich in die Hauptkirche und hörte so viele Messen, als sie nur konnte; wenn sie meinte, man be­merke es nicht, zog sie ihre Schuhe aus und kniete barfuß selbst im ärgsten Winter. Fleisch sie gar keines; am Mittwoch und Freitag nahm sie nichts zu sich als Wasser und Brot; sie ließ sich geißeln oder tat es selbst jeden Dog. Ihr Tagwerk bestand in Uebung der drei Tugenden: Beten, Fa­sten und Almosengeben. Die Güte und Menschen­freundlichkeit Christi hatte in Hedwig gleichsam ausgeschlagen wie die Frühlingswärme die Rebe zum Knospen und Blühen treibt. Sie war so gü­tig gegen Dienstboten, daß sie dieselben persönlich bediente, wenn eines derselben krank war. Sie bat den Herzog manchmal kniefällig, mit den Ver­brechern nicht so grausam zu verfahren, wie es damals üblich war. Die Armen folgten ihr scha­renweise, wie eine Herde Hühnlein der Henne; ja, die Fürstin hatte die eigentümliche Gewohnheit eingefiihrt, daß sie stets dreizehn arme Personen, welche unheilbar krank waren, um sich hatte und selbst auf Reisen mit sich nahm, wo sie dann in der Herberge immer zuerst für ihre Siechen sorgte und sie beim Essen bediente. Der andere Teil des christlichen Lebens, das Kreuz, fehlte der hl. Hed­wig auch nicht: sie hatte außerordentlich schwere Trübsale zu tragen und trug sie mit heiliger Er­gebung und Geduld.

Werden nicht diese Beispiele einer so frommen Fürstin und Tante zu Bausteinen geworden fein im Tugendgebäude unserer hl. Elisabeth? Und ist Elisabeths Beispiel nicht wiederum ein Pro­gramm geworden für die Frauen der kommenden Jahrhunderte bis hinein in unsere Zeit? Erken­nen wir daraus die Macht des guten Beispiels! Vergessen wir es nicht, daß unsere Handlungen auf die Umwelt stärker wirken als eine Rede oder Predigt. Vom Künstler Achtermann lese ich, daß er durch eine ganz schlichte Handlung eine große Menge zu einem öffentlichen Glaubensbekenntnis

vermocht hat. Als er nämlich auf dem Plaß vor dem Dome zu Münster feine berühmte Pieta ab­laden ließ, da ertönte gerade die große Glocke, um denEngel des Herrn" anzukünden. Trotz der nervenanspannenden Arbeit nahm der Künst­ler schweigend seine Mütze ab und betete still sein Gebet. Und als die Arbeiter und Zuschauer das sahen, rissen sie alle ihre Mütze vom Haupt und beteten den Engel des Herrn, und keiner wagte es, sein Haupt eher zu bedecken, als bis Achter- mann seine Kopfbedeckung wieder aufsetzte.

Brennende Fackeln sollen in euren Händen sein! Befolgen wir alle diese Mahnung unseres Heilandes, besonders aber wir Eltern, Lehrer, Geistliche, Beamte, Meister, Prinzipale und Vor­gesetzte aller Art, die wir einen so großen Ein­fluß üben, ohne uns dessen bewußt zu werden. Soll denn nur das Böse Propaganda machen? Sollen nur die Gottesfeinde, die Freidenker, die Kommunisten, die Hakenkreuzler und andere Geg­ner unserer hl. Religion die Welt zu erobern su­chen? Nein. Auch wir Katholiken wollen unsere Gleichgültigkeit ausziehen und zur Tat übergehen, zur wahrhaftkatholischen Aktion". So hat vor einiger Zeit ein Postbeamter einen Kollegen mit­geschleppt zu einer Fastenpredigt. Und merkwür­dig, diese Predigt handelte über die Beicht. Und gerade in diesem Spital lag unser Freund krank. Im Ueberschwang der Begeisterung verstieg sich nun der Prediger zu den Worten: es sollten bei ihm ja keine fromme Seelen beichten kommen, sondern nur verirrte Seelen, die mindestens seit zwanzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Siehst du, sprach der Postbeamte zu seinem Kolle­gen, das ist dein Fall. Und richtig, die Predigt hat eingeschlagen und unser Freund, der tatsächlich bald 20 Jahre feine Osterpflicht versäumt hatte, kniete wieder zum erstenmal in den Beichtstuhl und empfing zu seinem größten Glück die hl Los­sprechung. Ich schließe mit den Worten des hl. Kirchenlehrers Chrysostomus:Wenn wir Christen alle so lebten, wie wir leben sollen, es würde bald keinen einzigen Ungläubigen mehr geben auf der ganzen Welt".

Der Talpfarrer.

Zum Hßrkenfonnkag.

Die 40 Tage, welche der Heiland nach seiner Auferstehung noch auf Erden wandelte, waren für die Apostel Tage anregendster Belehrung. Da er­hielten sie noch den abschließenden Unterricht über die große Aufgabe ihres Apostellebens. Der Hei­land übertrug ihnen in diesen Tagen alle feine Pläne und Sorgen, aber auch, soweit es möglich war, seine Liebe zu den Menschen und alle seine Erlösergewalten.

Einst hatte er, wie das heutige Evangelium berichtet, in wunderbar zarter Rede vor trn Pha­risäern sich als den guten Hirten gezeichnet. Er