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gemein beglückendes und bekuhlgendes Fluidum ausgehk, zu denen man Vertrauen faßt, wenn sie uns zum ersten Male ansehen.

Also ich schlief ein, schlief den Schlaf des Gerechten, sorglos und ohne Kummer. Jetzt wirst du wieder ein- tvenden, lieber Freund, daß der Tausendste in meiner wenig beneidenswerten Lage nicht geschlafen hätte. Du wirst als Argument die Ungewißheit über mein zukünf­tiges Schicksal anführen. Aber ich bin nun einmal so.

Als ich erwachte, dämmerte es draußen. Ich war etwas verärgert, hatte ich doch die stille Absicht gehabt, möglichst bis mittags zu schlafen. Und nun meinte ich, es sei kaum der Morgen angebrochen. Ich stand auf und ging zum Fenster. Was ich vermißte, war die kühle Temperatur, die doch auch an Sommermorgen — zumal bei wolkenlosem Himmel — selten ausbleibt. Es strömte eine warme Luft in das Zimmer, eine Luft, vom Hauch einer üppigen Vegetation gesättigt. Im Westen ragte das letzte, ersterbende Rot der untergehenden Sonne über den Horizont empor. Schmetterlinge schwirrten müde und träge von Ast zu Ast, von Blume zu Blume.....

Abendfriede!.....

Ich lächelte vor mich hin, wunderte mich über mich selbst. Eine Nacht und einen Tag geschlafen — das war immerhin eine Leistung. Draußen war keine Straße zu entdecken, der Blick fiel auf einen wohlgepflegten Garten mit allen erdenklichen Pflanzen, die die Haus­frau in der Küche benötigt, auf Ziersträucher und rei­zende Blumenbeete. Dahinter war eine Wiese mit Obst­bäumen, rechts in einer Iägergrünhecke eine idyllische Laube, in der weißlackierte Möbel schimmerten. Es war ein reines Paradies, Oskar, ein wahres Paradies!

Aus dem Dorf drangen nur sehr schwache Laute an mein Ohr. Ab und zu vernahm ich einen Peitschenknall und das Aufstampfen von Pferdehufen auf die Straße

Und es legte sich mir auf die Seele, als in diese Ruhe plötzlich die Abendglocken läuteten, dumpf und feierlich. In diesem Augenblick überkam mich eine Sehn­sucht, eine Sehnsucht nach etwas Unbestimmtem, mein Herz schlug in starken Schlägen, ich spürte es bis zum Halse hinauf; ich erkannte auf einmal, wie furchtbar arm ich sei, und noch nie habe ich mein Einsamsein so schmerzlich empfunden als in jenen Minuten. Es würgte mir im Halse, ich war nahe dem Weinen, ob­wohl Sensibilität absolut bei mir verpönt ist. Aber es war plötzlich die schmerzliche Erkenntnis, daß ich heimat­los, elternlos sei, keinen lieben Menschen mein Eigen nannte, was mich unsagbar traurig stimmte.

Und nun ... wie soll ich weitererzählen? ... Ich glaube, ich dachte daran, wie ich mich nun im Hause be­merkbar machen müsse, überhaupt, was ich nun in diesem schweigsamen Gebäude noch für Menschen zu Gesicht bekäme, da vernahm ich, wie unter meinem Fenster eine Tür geöffnet und wieder geschlossen wurde.

Eine weibliche Gestalt huschte lautlos in den Garten und pflückte Bohnen und Salat. Das war an und für sich nichts besonderes, wenn mich nur nicht im Moment ihr Typus frappiert hätte. Ihre nackten Füße steckten in Sandalen, sie trug ein schwarzes, bis zum Halse ge­schlossenes Kleid, davor eine schwarze Schürze, die wie Seide schimmerte. Sie war mittelgroß und gertenhaft schlank, ihre Bewegungen konnten an Anmut nicht über- trofsen werden. Ihr Haar hing flockig bis auf den Nak- ken, woselbst es sich in Locken auslöste.

Nun wandte sie ihren Blick dem Hause zu. Ich mußte wohl ein Geräusch am Fenster verursacht haben. 5hr Gesicht war voll zu sehen, ein ovales ebenmäßiges Gesicht mit großen blauen Augen.

Ich trat vom Fenster zurück. Sie hatte mich an­scheinend nicht entdeckt. Ein unerklärliches Gefühl zwang mich, mich vor chr zu verbergen. Zufällig blickte ich in den Spiegel des Waschtisches und erschrak, erschrak über mein Aussehen, über mein mageres eingefallenes Ge­sicht. über die rötlichen Bartstoppeln, zwischen denen ekel­erregendes Geschwür nistete. Meine Haare waren schmutzig, lang und ungepflegt. Aufgeregt ging ich im Zimmer auf und ab, zum ersten Male die Ruhe ver­lierend. Weil ich mich schämte, weil ich nicht den Mut ausbrachte, in diesem Zustand unter Menschen zu gehen. Sie würden mich genau betrachten, dachte ich, würden denken, ich sei krank. Ich sah im Geiste schon Wre entsetzten Gesichter, in ihren Augen die Bange, von mir infiziert zu werden. Denn ich kam mir vor wie cm Aussätziger — wirklich wie ein Aussätziger! . . .

Lange saß ich auf dem Bettrand und stierte vor mich hin. Es mochte eine Stunde vergangen sein. Da ver­nahm ich endlich Tritte auf der Treppe und ein leises Klopsen an die Tür des Zimmers. Ich erhob mich und vitnete. Der Riefe stand vor mir, lächelte und trat ein. „Ich war schon fünfmal hier und habe gelauscht," logte er. „Ich wollte Sie nicht stören, denn Sie hatten >e Ruhe sehr nötig. Nun werden Sie Hunger haben!" in h os ^’tf haftete an meinem Gesicht. Ich hätte Den Boden versinken mögen. Die Kchle war mir wie rugeschnürt. (Forts. folgt.)

Vrok aus der Heimat

Es war im Jahre 1870. Napoleon hatte un­besonnenerweise Deutschland zu einem Kriege auf­gefordert, aus dem dieses rühmlichst hervorgehen sollte.

In Westfalen lebte ein biederer Landmann, der zwar nur eine Hütte und einen Acker besaß, de.- sich aber zu den glücklichsten Menschen zählte. Stand ihm doch zur Seite sein braves Weib, und Franz, sein Sohn, der Eltern getreues Abbild, war ihre beste Stütze in der Arbeit, ihre Hoffnung für das Alter. x

Da erscholl der Ruf: „Krieg' Krieg!" Deutsch­lands Söhne mußten zu den Waffen greifen. Trotz aller Bitten und gerechten Vorstellungen mußte auch Franz ins Feld rücken. Mit ihm waren Glück und Frohsinn aus der Hütte entschwunden. Was half das Klagen des Vaters, das Weinen der armen Mutter? Für beide gab es nur noch sorgenvolle Tage und schlaflose Nächte. Sie fan­den einzig Trost im. Gebete und im Vertrauen auf Gott. So vergingen Tag um Tag; jeder brachte Nachricht von neuen Siegen der Deutschen, von schimpflichen Niederlagen der Franzosen.

Tausende lagen aber erschlagen bei Weißen­burg, Wörth, Spichern, Sedan und auf vielen an­deren Siegesfeldern. Auch von Franz Hörre man nichts. „Er ist tot", jammerten die tiefbetrübten Eltern, „er ist tot! O lieber Herrgott, laß auch uns jetzt sterben, denn wir haben keine Freude mehr auf der Welt!" •

Doch siehe! Der Pfarrer des Dorfes bekam unerwartet die Nachricht: „Der Franz lebt, aber er ist stark verwundet. Er liegt fern in einem französischen Lazarett, und seine erschöpften Kräfte lassen sein nahes Ende befürchten." Welch ein Jubel und Schmerz zu gleicher Zeit für die armen Eltern! Wäre er ihnen nur näher gewesen, sie hätten sich beide mitsammen.ohne Bedenken auf den Weg gemacht. So aber durfte nur der Vater hoffen, das geliebte Kind vor dem Tode noch ein­mal zu sehen.

Obgleich alt und schwach und arm, machte er sich dennoch zur Reise bereit. Die betrübte Mutter gab ihm unzählige Worte der Liebe mit für den sterbenden Sohn, der ach, fern von ihr die Augen schließen sollte. Da plötzlich leuchtete ein Ge­danke in ihrem Geiste auf. „Wie wäre es", sagte sie, „wenn Du dem armen Franzl dieses VrK mitbringen tätest, das ich heute frisch gebacken habe? Sage ihm, feine Mutter hätte mit eigener Hand den Teig geknetet, es sei dies' Brot von jenem schönen Weizen, der auf unserm Acker wächst und den er selber noch bestellt hat."

O Mutterliebe, schönste Erdenblume!

Wer fingt ein würdig Lied zu deinem Ruhme?

Richtig, das Heimatbrot wurde also in ein Tuch gewickelt, und der Vater zog von dannen Nach Tagen unsäglicher Mühe, fast bis zum Tode er­schöpft, kam er endlich in N. an, wo Franz im Lazarett lag. Noch lebte er, aber die Wunden und mehr noch die Strapazen des Krieges hatten seine Kräfte erschöpft. Er iah seinem Ende entgegen. Unendlich war die Freude, aber auch unbeschreib­lich der Schmerz, als Vater und Sohn sich um­armten. Sprechen konnte der arme Kranke kaum mehr, doch kam das Wort „Mutter, die gute Mut­ter!" wiederholt über feine Lippen. Traurig saß der Vater lange und schweigend neben dem Bette. Plötzlich griff er in die Tasche, langte das Brot hervor und sagte: „Da schau her, Franzl! Dies Brot hat Deine Mutter eigens für Dich gebacken! Das Mehl ist von unserem Weizenfeld, das Du noch geackert hast"

Da feuchteten die Augen des Kranken freudig auf. „Brot aus der Heimat! Brot von der Mut­ter!" seufzte er mit heiserer Stimme, und streckte verlangend die abgemagerten Hände aus, um es zu fassen. Seit mehreren Tagen hatte der Aermste jede Nahrung verweigert. Aber von diesem Brote aus der Heimat, von der Mutter, wollte er verkosten. Und der Vater schnitt ihm ein Stück­lein herunter und gab es ihm. O das schmeckt gut!

Am andern Morgen schon ging es dem Patien­ten etwas besser, er verlangte mit Heißhunger wie­der nach jenem „Brote' aus der Heimat". War es das Brot selbst, war es die Freude, mit der es genossen wurde? — Kurz, seit jenem Tage ging es mit dem armen Franzl wieder vorwärts. Er konnte wieder essen und sammelte allmählich neue Kräfte. Der Tod ließ sein Opfer fahren, und schon nach sechs Wochen kehrte der Sohn in die Heimat, in die Arme seiner glücklichen Eltern zurück.

Das ist auch dein Bild, liebes Kind! Du stehst ja auch, wie jeder Christ, auf dem Schlachtfelde bie* ses Lebens. Der Teufel, die Welt und deine eige­nen bösen Neigungen haben sich verschworen wi­der dich. Sie wollen die Palme des vieges, dein ewiges Heil, rauben. Vielleicht wirst du manche schwere Wunde im heißen Kampfe davontragen, vielleicht erschöpfen sich deine Kräfte, du möchtest vielleicht sogar vom Kampfplätze Zurücktreten, ja sogar dich schmählich dem Feinde übergeben, oder dem geistlichen Tode anheimfallen. Hättest du dann doch auch nur wie jener Soldat so-ches Brot aus der Heimat zur Verfügung, das dir Kraft und Leben verleihen könnte! O freu' dich! Dir bietst deine Mutter, die heilige Kirche, das „lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist" (Joh. 6), Jesu Christi Fleisch und Blut in der hl« Kommunion. Wahrlich, das ist Brot aus deiner ewigen Heimat. Hier auf Erden bist du ja nicht zu Hause. „Brot vom Himmel hast du ihnen ge­geben", betet die Kirche so oft, „das alle Süßigkeit in sich enthält". Ebenso wahr könnten wir sagen, das alle Stärke, alle Kraft in sich enthält. Und warum auch nicht? Ist doch die heilige Kommu­nion der wirkliche Genuß des Leibes und Blutes Josu Christi. Fühlst du dich daher ermattet, so komm zum Tische des Herrn, genieße dieses Brot aus deiner himmlischen Heimat; es ist die Stärke der Schwachen, die Erquickung der Seelen, dis Labsal der Hilfsbedürftigen. Hat die Sünde deine Seele verwundet, so eile wiederum zur Kommu­nionbank. empfange das Brot aus der himmlischen Heimat, es wird die Wunden deiner Seele heilen; „die Kranken bedürfen ja des Arztes, nicht die Gesunden." Wenn die Versuchung dich quält und dein Mut zu sinken anfängt, so komm, genieße das Brot aus der Heimat, dieses himmliche Schutzmittel wider die Sünde, diese Quelle jung­fräulicher Seelen, diese Arznei der Unsterblichkeit. Es wird dieses göttliche Himmelsbrot dich stärken, ermutigen, und vor dem geistigen Tode bewah­ren. Ist so die heilige Kommunion im Leben dein Trost, deine Kraft, deine Labung gewesen, dann wird sie dir in der letzten Stunde des Lebens als heilige Wegzehrung Vorgeschmack der himmlischen Herrlichkeit sein und dich stärken auf dem Wege zur ewigen Heimat.

Vor meinem Tod, in letzter Not, Gib mir dies Brot!

Es stärkt zum Streit, gibt gut Geleit Zur Ewigkeit.

Aus der „Kommunionkinder Glück" A. Laumann- sche Buchhandlung. Dülmen i. V.

Frühlingssahrl zu heiligen Stätten.

1. Lourdes.

Es war ein strahlender Frühlingsmorgen mitten in der Osterwoche, als ich nach stundenlanger Bahnfahrt in Lourdes ankam. In der Heimat waren die Rhönberge noch mit Schnee bedeckt. Selbst Paris, das Herz Frank­reichs, zeigte noch ein regnerisches, trübes Gesicht. Aber hier im Süden, am Abhang der Pyrenäen, ist schon alles Frühling, leuchtender, lachender Frühling voll Duft und schillerndem Glanz. Mit staunenden Augen betritt man das Städtchen. Wie jungfräulich rein ist das Grün der Bäume und Hecken. Wie schmuck die Häuser und Straßen im Morgensonnenlicht! O, Lourdes ist ein einzig großer Frühlingsgarten, mehr noch, ein kleines Paradies, von Gott und seiner Mutter wunderbar gesegnet!

Wer hätte noch vor hundert Jahren die Bedeutung dieses stillen Erdenwinkels geahnt. Geahnt, daß einmal von hier aus ganz neue, wunderbare Kräfte der Kirche sich erschließen sollten. Mit Ehrfurcht und Andacht be­tritt man daher die Stätte und den Ort, wo die Gottes­mutter zu einem schlichten, frommen Bauernmädchen ge­sprochen hat. Wie mag Bernadette erschrocken sein, als eines Tages hier in der Felsengrotte, wo heute das Bild der Gottesmutter steht, plötzlich eine vornehme Dame sich zeigte, in strahlendem schneeweißen Gewand, von einem wunderbaren Leuchten umgeben! Noch mehrere Male zeigte sich die Erscheinung dem staunenden Hirtenmäd­chen. Sorgfältig hütete Bernadette ihr Geheimnis. Eines Tages aber befahl ihr die Erscheinung, den Priestern zu sagen, daß sie hier an dieser Stelle eine Kirche errichten sollten. Am Feste Mariä Verkündigung zeigte sich dann die Erscheinung zum letzten Mal und entschwand mit den Worten: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis". Lour­des wurde nun über Nacht berühmt. Von allen Seiten, von allen Ländern strömten Wallfahrer herbei, tausende und abertausende . Gar bald erhob sich über dieser denk­würdigen Stätte eine riesige Marienkirche und zu ihr strömen noch • heute all die Menschenscharen, ' nach Lourdes eilen.

So knie auch ich nun vor der Grotte, knie an der Stelle, wo Bernadette die Erscheinung hatte. Hunderte von Kerzen brennen vor der Allerreinsten und flehen um Erbarmen und Erhörung in schwerer Not des Leibes und