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angehörèè und ebensolange die Kirchenkaff« verwaltete, ist' nahezu 80 Jahre all gestorben.

Bernterode. Der 29jährige Dachdecker Chn- stoph Böhning wollte in seinem Elternhause die elek­trische Leitung reparieren. Dabei stellte er sich aus den Herd und erlitt einen Schlag, der seinen sofortigen Tod herbeiführte.

Breitenworbis. Unsere Hebamme Kacharina Datteroth, die im 68. Lebensjahre steht, konnte ihr zyjähriges Berufsjubiläum begehen. Sie hat etwa 2300 Kindern auf dem Wege ins Leben geholfen. Ihr unbe­grenztes Gottvertrauen und ihr taktvolles Auftreten haben ihr die größten Sympathien erworben.

Ershausen. Der im St. Iohannesstift beschäf­tigte Geschirrführer Gustav Blochmann rutschte beim âeicholzfahren vom Wagen und geriet zwischen die Pferde, die ihn eine Strecke weit mitschleiften. Dabei fand er den Tod wahrscheinlich durch Ersticken. Der 31 Jahre alte Mann, um den die junge Witwe trauert, war ein besonnener und gewissenhafter Angestellter, dessen Tod allgemeine Teilnahme auslöst.

Kefferhausen. Der hiesige Gesellenverein be­ging mit gemeinsamer hl. Kommunion und einer nach­mittägigen Festversammlung sein 9. Stiftungsfest.

Kirchgandern. Seinen 78. Geburtstag konnte Heinrich Bachmann feiern, der 44 Jahre als Gemeinde- diener, Feld- und Forstaufseher der Gemeinde treu ge­dient hat.

Kirchworbis. Handelsmann Edmund Fiedler, der seit 1879 Schleswig-Holstein mit seinen Leinenwa­ren bereiste und lebenslängliches Mitglied der General­versammlung der Kacholiken Deutschlands ist, hat sich mit seinem 81. Geburtstage in den Ruhestand begeben.

Mühlhausen. Die katholische Kinderverwahr- fchule bereitete den Eltern der ihr anvertrauten Klei­nen eine Aufführung von Kinderspielen. Dechant Wie­gel konnte eine stattliche Zahl von Gästen begrüßen.

Niederorschel. In einer ungemein stark be­suchten Zentrumsversammlung sprach Rechtsanwalt Wirmer-Berlin überSechzig Jahre Zentrumsarbeit". In fesselnden Ausführungen zeigte er die Regierungs­arbeit der letzten 12 Jahre, bei der immer wieder das Zentrum eingreffen mußte, wenn andere Parteien den Staatswagen nicht mehr zu lenken wußten. Besonders eingehend beschäftigte sich der Redner mit dem National­sozialismus. Mit dem Wunsche, dem Zentrum die Treue zu bewahren, schloß der Redner seine mit stärk­stem Beifall aufgenommenen Ausführungen.

Schachtebich. Die Gemeindeversammlung, die sich mit dem Plane eines Wasserleitungsbaues beschäf­tigte, lernte den Bau wegen der hohen Kosten ab.

Der Stand im Ostern

Hatte staut BsgetamlteH von Stefan Mtftb.

Auf Grund eigener Erlebnisse hat Stefan Utsch unter obigem Titel einen Roman geschrie­ben, mit dessen Veröffentlichung wir heute be­ginnen. Die Erzählung des eigenartigen Lebens­schicksals eines ehemaligen Kriegsteilnehmers führt in die Handlung ein, die dann zurückgrefft in tragische Geschehnisse zur Zeit der bolschewisti­schen Revolution in Weißrußland. Eine aben­teuerliche Flucht über vereiste und verschneite Steppen, ein Wandern durch unsägliche Not in fremdem Lande, die gefahrvolle Fahrt über die deutsche Grenze und die Heimkehr am. Heiligen Abend 1918 bilden den Hauptinhalt der fesselnden Schilderung, deren besonderer Reiz darin liegt, daß ihr tatsächliche, wahrheitsgemäß dargestellte Vorgänge zugrunde liegen.

Es war wirklich ein Zufall, als sich Oskar Saynisch und Hans Breidenbach im Frühjahr dieses Jahres auf dem Frankfurter Hauptbahnhof trafen.

. Das muß gesagt fein, denn dieses Wiedersehen ist sie Ursache, daß ich die GeschichteDer Brand im Osten" erzählen will.

Hans Breidenbach kam, mit Koffern beladen, in den Wartesaal 1. und 2. Klasse, stellte die Gepäckstücke vor âea Tisch und fragte in galanter Weise den Herrn, der ba saß und mit einem ausgesprochenen Germanenappe- tit ein Filet verspeiste, ob noch ein Stuhl frei sei.

Die zwei jungen Männer sahen sich einen Augen- blttt an, wie man eben Fremde in solchen Situationen verachtet, dann rissen beide gleichzeitig die Augen auf, über ihre Gesichter huschte der freudige Strahl des Er- tennens und sie waren im Moment dermaßen Über­sicht, daß, als sie sich impulsiv die Hände drückten, nur " AusrufMsnschenskind" über ihre Lippen kam.

Auge hing an Auge, als sie sich langsam setzten, bcar Saynisch fand zuerst die Sprache wieder:

Das trifft sich aber, Hans! . . . Mein Gott wie ist es her? ...

.Ä wie lange? Junge, es sind nun zwölf «re. Was die Zeit fliegt! . . . Wo kommst du her?"

Weißenborn-Lüderode. Nazis suchten un­sere Gemeinde zu erobern. Da ihnen kein Gastwirt irgendwelche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte, zogen sie auf den Turnplatz, nachdem die aus wärtigen Hakenkreuzler einen Umzug durch das Dorf gehalten hatten. Noch bevor ein Redner zu Wort kom­men konnte, protestierten die auf dem Platze erschienenen Ortseinwohner gegen ein derartiges Treiben. Die sonst so stolzen Hitlerinner mußten betrübt abziehen.

Worbis. Die hiesige Landwirtschaftsschule kann auf chr SOjähriges Bestehen zurückblicken.

AuhrMder im Auldaer Land.

Die Not der Jndustriekinder stammt aus der Kriegs­zeit. Sie ist seitdem nicht mehr aus dem Industriegebiet gewichen. Bei der andauernden und immer größer wer­denden Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten ist sie er­heblich gestiegen. Heute, da in Essen 140 000 Menschen von der öffentlichen Hand leben, da jeder vierte Arbeit­nehmer arbeitslos ist, steigt die Not des Kindes, dasim Schatten der Schlote" aufwächst, ins Ungeheuerliche. In den kinderreichen Familien hat die Unterernährung bereits einen hohen Grad erreicht. Viele unserer Kinder sind wegen ihrer körperlichen Schwäche nicht in der Lage, eine Lehrstelle bei Entlassung aus der Schule anzutreten.

Schon seit Jahren ist christliche Liebe bemüht gewesen, diesen Kindern, die auf derSchattenseite des Lebens" ihr Dasein fristen, helfend zur Seite zu stehen. Seit Jahren hat da« Fuldaer Land gezeigt, daß Kindernot im Industriegebiet auch seine Not ist. Man kann, wenn für die ersten Christen der Satz galtSeht, wie sie ein­ander lieben", für die letzten Jahre im Hinblick auf die tatkräftige Hilfeleistung der Katholiken aus der Diözese Fulda den Satz prägenSeht wie sie einander geholfen haben und auch heute noch helfen". Die Katholiken des Industriegebiets werden ihren Glaubensbrüdern im Ful­daer Land für diesen Hilfsdienst auf immer Dank wissen.

Jetzt, da ins schöne Fuldaer Land wieder der Früh­ling einzieht mit all seiner Pracht und all seiner Herr­lichkeit, den die Kinder der Industrie und der Großstadt nur vom Hörensagen kennen, ergeht die herz­liche Bitte an all die vielen, die bisher geholfen haben und die außerdem noch helfen können:

Helft den Jndustriekindsrnl Stellt ihnen Pflege stellen in Euren Fami­lien zur Verfügung.

Anmeldungen nimmt der Karitasverband für die Diözese Fuldâ in Kulda, Kanalstr. 22, entgegen.

Der Karitasverband für die Stadt Essen entbietet all denen, die bisher geholfen haben und all denen, die jetzt wiederum helfen werden, einen herzlich frohen Ostergruß.

Von München!"

Und wo willst du hin?"

Nach Muttern!" erwiderte Oskar strahlenden Auges.

Ah . . . nach Köln! In welchem Beruf steckst du denn?"

Betätige mich im Geschäft meines Vaters! . . . Bin immer auf Reffen! Und was treibst du?"

Bin Journalist! Komme soeben aus der Zeppe- tinftabt! .... He, Oder!"

Hans Breidenbach winkte dem Kellner, der sofort her­beigeeilt kam Mit der Miene eines Herrschers trug er ihm auf, eine Flasche hervorragenden Wein Jahr­gang 1921 zu bringen.

Weißt du, Oskar, ich sehe es dir an, daß du staunst", manbte er sich dann wieder an den ehemaligen Kriegs­kameraden,ich sehe dir an, daß du es vermessenttich findest, in diesen schweren Zeiten einen guten Tropfen Wein zu erstehen. Du darfst nicht denken, daß ich Kre­ditbriefe mit enormen Zahlen in der Tasche habe, bin kaum eine Stufe höher als ein armer Schlucker, aber dieses Wiedersehen muß gefeiert und nach Gebühr be­gossen werden!"

Bist doch immer noch der Bruder Leichffinn wie Häher!" sagte Saynisch und lachte mit dem ganzen Ge­sicht.Sogar physische Veränderungen sind bei dir nicht wahrzunehmen!"

Bin immer noch die lange Latte von ehedem, nicht wahr! Und um etwas zu dem Leichtsinn zu sagen: Cs ist mir durch den Zwang der Lebensverhältnisse nie die Möglichkeit gegeben worden, nach gutbürgerlicher Art auf der Skala eines Berufes schematisch hochgeschoben zu werden. In meinem Leben war alles absonderlich. Mein Vater, der, wie du weißt, als Arzt eine Praxis in einem rheinischen Städtchen ausübte, verunglückte töd­lich bei einem Eisenbahnunglück, als ich kaum vier Jahre zählt«. Ein Jahr später starb meine Mutter. Ich war einmal hier, einmal dort untergebracht und zog mit neunzehn Jahren ins Feld. Ms ich zurückkam, besaß ich

faum noch die Schulkenntnisse eines Sextaners. In der Inflation ging mein Vermögen drauf. Nun mit dem Studium war es Luft. Ohne Beruf ohne Geld, ohne Wohnung .... Das ist interessant, was?!

Ich habe mir manchmal gewünscht, einen Unterstand als Wohnung zu besitzen, weiht du, so einen ähnlichen Dreckkasten, wie wir ihn vor Smorgon besaßen. Im Sommer ging es, aber im Winter war es schlecht zum Heulen schlecht . . . Etwa dreißig Berufe bin ich in vier Jahren durchwandert, vom Kohlenschlepper an- gesangen bis zum Annoucen-Akquisiteur. Das letzte war eine drollige Sache: zur Vordertüre wurde man herausgeworfen unö zur Hintertür« ging man wieder herein, als fei nichts passiert. Gewiß, für Zeitungen kann man gehen, aber ich hatte nur faule Objekte: Adreßbücher, Ttlephoubücher usw. Man mußte förmlich die Fähigkeiten eines Hypnotiseurs besitzen, um Auf­träge hereinzuholen, denn die Kunden liehen sich nur im Traumzustand zur Ausgabe eines Inserats herbei. Nun war es immer so: hatte ich eine Wohnung, so besaß ich kein Brot, und hatte ich Brot, so war eine Wohnung Illusion .... Für beides zusammen reichten nie meine Einkünfte. Und ich kann dir sagen: nur eine cha­rakteristische Eigenart hat mir über den Damm geholfen. Du gibst dieser Eigenschaft den TitelLeichffinn". Gut, sie soll diese Bezeichnung behalten. Also: war ich satt­gegessen und wußte nicht, wo ich in der Nacht mein Haupt hinlegen sollte, so dachte ich: morgen abend liegst du in einem wunderbaren Bett, wohnst in einem feudal eingerichteten Zimmer, und streckte ich mich mit knur­rendem Magen auf Seegras in einem Dachzimmer aus, so dinierte ich im Geist an einer vornehmen Tafel. Darüber schlief ich gewöhnlich ein. Im Traumzustand nahm das Diner seinen Fortgang. Ich verspeiste die üppigsten Gerichte, trank auserlesenen Wein. Hinter mir und zu beiden Seiten standen Diener in devoter Haltung und boten mir im Flüsterton immer mehr der seltensten Leckerbissen an. Wenn ich wach wurde, sah ich gewöhn­lich durch das Fenster grauschwarzen Dunst aus hohen Fabrikschloten aufsteigen, dann die primitive Dachbude und auf einem Stuhl die abgegriffene schäbige Akten­tasche. Aber was macht« das, ich war satt! .... Von den Speisen, die man im Traume zu sich nimmt, wird man auch gesättigt. Das weiß die Wissenschaft noch gar nicht, aus dem einfachen Grunde, weil die prominenten Wissenschaftler nicht hungrig zu Bett gehen."

Oskar Saynisch schaute zuerst mit viel ausrichtigem Mitleid auf seinen früheren Kameraden, dann, als er dessen elegante Kleidung und fein gutes Aussehen mabr» nahm, erhellte sich sein Antlitz.

Du haft es leichter gehabt als ich!" fuhr Breiden­bach fort.Shi fühlst dich wohl in dem Bett, das dir dein Vater baute, gehst auf Reisen, besuchst die Kunden, die auf dich warten, denn euer Geschäft ist, so viel ich mich entsinne, seit über sechzig Jahren eingeführt und hat seine Stammkundschaft, die aus die Firma deines Vaters schwört. Und um nochmal auf den Wein zurück- zukommen da, der Ober kommt schon: wir haben genügend SMammwasser aus Pfützen zusammen ge­trunken, jetzt lassen wir auch einmal den edlen Reben­saft durch die Kehle rinnen!"

Der Kellner schenkte den eisgekühlten Wein in Gläser.

Auf unsere alte Kameradschaft!" Saynisch hob das Glas.

Auf ewige Freundschaft, alte Grabenratte!" Brei­denbach trank langsam und bedächtig sein Glas leer.

Saynffch beugte sich über den Tisch.Nun sage aber mal, Hans: wie hast du dich denn so herausgeschafft" Du sagst, du seiest Journalist! Wie bist du zu dem Berus gekommen?"

Na, wenn ich dir das erzählen soll! ... Kind, du darfst aber nicht lachen, denn die Geschichte hat sehr viel humorfftische Seiten, obwohl sie einer gewissen Tragik nicht entbehrt. Also damals, das war, als ich noch akquirierte hatte ich ein Zimmer in einem uralten Haus in der Peripherie von D. gemietet. Kostete zehn Mark im Monat ohne Möbel. Das war sehr viel Geld für mich. Es war eigentlich gar kein richtiges Zimmer, sondern nur ein Eckteil eines Speichers, der jedoch durch eine rechtwinklich gesetzte Bretterwand abgeschlossen war. Meine Wirtin sprach stets von derspanischen Wand". Sie sah auch wirklich sehr spanisch aus, ich meine die Wirtin . . . Da ging eines Tages der Verlag in Bruch. Ich hatte noch eine Prooffion von 170 Mark stehen. die mir aber erst der Konkursverwalter acht Monate nach dem Zusammenbruch der Firma übereignete. Aber was nützte das, als ich sie benötigte, war ich mittellos. Dabei besaß ich Schulden etwa 150 Mark. Beim Bäcker beim Metzger in der Speisewirtschaft usw. Du kannst dir denken, daß plötzlich mein Kredit überall ge­sperrt war. Das war vor zwei Jahren. Das Jahr 1928 bedeutete für mich in bezug auf Hungerleiden die 2. verbesserte Auflage des Jahres 1917.

Es kam ein heißer Sommer. Schon am frühen Mor-