St. Wwth-Altt
Sonnlag. 29. NAZ 1931.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L.-Vtennig B 45 R.-Pfennlg (Zustellgebühr extra). Redaktlonsschlutz Montag. Anzetgen-Preise: Tolonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Port» extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei la Fulda fein.
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WocheNkalender.
Sonntag, 29. März. Palmsonntag.
Montag ,30. März. Vom Tage.
Dienstag, 31. März. Vom Tage.
Mittwoch, 1. April. Vom Tage.
Donnerstag, 2. April. Gründonnerstag.
Freitag, 3. April. Karfreitag.
Samstag, 2. April. Karsamstag.
NB.! Am Gründonnerstag und Karfreitag ist Kollekte für das Hl. Land.
Palmsonntag.
Epistel. Philippen 2, 5—11,
Evangelium. Matthäus 21, 1—9. Jesu Einzug in
Jerusalem.
In jener Zeit näherte sich Jesus Jerusalem und kam nach Bethphage am Oelberge. Da entsandte er zwei von seinen Jüngern mit dem Auftrage: „Gehet in den Flecken,. der vor euch liegt. Alsbald werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen dabei. Bindet sie los und bringt sie mir. Wenn euch jemand darüber zur Rede stellt, so sagt: „Der Herr bedarf ihrer", und sogleich wird man sie freigeben. Dies alles ist geschehen, damit das Wort beim Propheten in Erfüllung gehe: „Saget der Tochter Sion: Siehe, dein König kommt zu dir in Sanftmut, er sitzt auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres." Die Jünger gingen hin und taten, wie Jesus ihnen befohlen hatte. Sie brachten die Eselin und das Füllen herbei, legten ihre Kleider auf sie und ließen ihn daraufsitzen. Sehr viele aus dem Bolle breiteten ihre Kleider auf den Weg hin, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Volksscharen, die ihm vorauszogen und die ihm nachfolgten, riefen mit lauter Stimme: „Hofanna dem Sohne Davids! Hochge- lvbt, der da kommt im Namen des Herrn!"
~ Das SchmerzensbilÄ»
es Königs Banner wallt hervor:
Das heilge Kreuz glänzt hoch empor.
Diese Worte eines kirchlichen Hym- nus geben eine sinnvolle Parole für die hl. Karwoche, deren düsteres Tor sich heute am Palmsonntag vor uns auftut. Wenn wir djpse große, diese heilige, diese stille Woche gut vnwenden wollen, müssen wir das Kreuzbild, Jesu Schmerzensbild in den Mittelpunkt unserer Seele stellen. Der Karfreitag aber, der uns so drama- tisch den Kreuztod Jesu vorführt, soll uns zu Füßen des Gekreuzigten in der Kirchs sehen, wo wir nach dem Vorbild des Priesters die hl. fünf Wunden durch einen andächtigen Kuß verehren wollen. — _ Lenken wir nur unsere Gedanken auf die große Kreuzverehrerin und Kreuzträgerin Sankt Elisabeth, die Lieblingsheilige dieses Jubeljahres, und die richtige Karwochenstimmung wird uns aufleuchten wie ein liebliches Morgenrot. Zwei Züge aus dem ^-eben unserer lieben Heiligen wollen wir heraus- Srerfen, in denen wir St. Elisabeth in vertrauter
Beziehung zum Schmerzensbild unseres Heilandes erblicken lassen.
Einmal begab sich Elisabeth — es war gerade das hohe Fest Mariä Himmelfahrt — mit ihrer Schwiegermutter Agnes und den anderen Hofdamen in königlichem Putz zum Gottesdienst hinab nach Eisenach. Auf Geheiß der Mutter hatte es Elisabeth an Samt und Seide, an Ringen und Edelsteinen nicht fehlen lassen und trug sogar auf ihrem Haupte ein funkelndes Krönlein. In der Kirchs angekommen kniete Elisabeth in dem Betstuhl, der gegenüber einem großen Kruzifix angebracht war. Je länger nun Elisabeth den dornengeschmückten, durstgequälten Heiland ansah, desto unerträglicher wurde ihr die goldene Krone auf ihrem Haupt, bis sie endlich mit großer Be-
Der Monat des hl. Joseph
neigt sich zum Ende. Hast Du schon Deine Spende zum Zosephspsennlg
gegeben? Wenn nicht, dann ist es höchste Zeit!
schämung zum Haupte griff, ihre goldene Krone herunter nahm und sie vor sich auf den Betstuhl niederlegte, dazu warf sie sich selbst auf den Boden, Hände und Gesicht zur Erde gekehrt. — Was soll .das sein, Jungfrau Elisabeth, fragte die Land- gräfin in stolzer Entrüstung; ihr benehmt euch ja wie ein ungezogenes Kind; ist euch die goldene Krone zu schwer? Oder was meint ihr mit dem wunderlichen Benehmen? Und warum liegt ihr so krumm da wie ein Bauer? —
Auf diese Scheltworte richtete sich Elisabeth auf und sprach demütiglich zu ihrer Herrin: Liebe Frau, verargt mir das nicht; es steht hier vor mir so erbärmlich das Bild Christi. wie der süße, milde Heiland mit scharfen Dornen gekrönt ist. Meine Krone würde ihn ja verhöhnen, wenn ich so üppig dastünde, gekrönt mit einem Kranz von Gold und Perlen und Edelsteinen. Darauf fing sie an, bitterlich zu weinen nicht ihretwegen; denn sie ließ sich gern schelten für Gott, sondern um Christi Leiden willen, die ihr tief zu Herzen gingen. Hiernach beugte f5e sich wieder nieder, ließ Mutter und Tochter reden, was sie wollten, und betete und weinte mit großer Inbrunst, so daß ihr Mantel, den sie vor die Augen hielt, ganz naß wurde von den Tränen herzinniger Andacht. Eine alte
Handschrift setzt hinzu: die Minne Jesu Christi hatte jetzt ihr Herz verwundet, und das Schwert seiner Marter hat ihre zarte Seele mit peinlichem Schmerz und mit Leiden durchdrungen.--
Beklage dich also nicht, liebe Seele, wenn du keine Krone auf dem Haupte trägst und wenn du feine Kleider aus Samt und Seide anlegen kannst und weder Goldstücke noch Juwelen und Wertpapiere dein eigen nennst. Begnüge dich mit deine Stand und fasse im Ängesicht deines gekreuzigten Erlösers, der arm und bloß am Kreuze hängt, Liebe zur Einfachheit und Anspruchslosigkeit —
Die zweite Begebenheit. Ebenfalls beim Gottesdienst. Wieder in Eisenach. Eine ansehnliche Kirche gefüllt mit viel Volk und den Mitgliedern des königlichen Hauses; am Altar die Geistlichkeit, beschäftigt mit den Funktionen des hl. Dienstes« An Elisabeths Seite Landgraf Ludwig, ihr Gemahl, ein Mann von stattlichem Wuchs und sprechender Schönheit. Da geschah es durch einen Trick des bösen Geistes, daß Elisabeth ihre Aufmerksamkeit der hl. Messe entzog und Herz und Augen weiden ließ an der lieblichen Gestalt ihres Gemahls. Da schellte es zur Wandlung, und Elisabeth sammelte sich zur Andacht. Indem aber der Priester die hl. Hostie erhob, kam es ihr vor, als sähe sie Blutstropfen herunterfliehen oder -wie der Beichtvater des Landgrafen in dessen Leben erzählt: sie sah in des Priesters Händen einen gekreuzigten Menschen mit blutenden Wunden. Dieser Anblick zündete plötzlich in ihrem Gewissen, so daß sie mit bitterem Schmerz ihre Sünde erkannte- Sie warf sich mit Magdalena Jesu zu Füßen und bat unter vielen Tränen Gott um Verzeihung. Und so blieb sie, das Angesicht auf dem Boden, Herz und Geist bei Gott, betend und weinend liegen, als schon alle aus der Kirche fortgegangen waren. —
Brauche ich da noch mit einer Nutzanwendung lästig zu fallen? Wahrhaftig nicht. Dieser Vorfall und Elisabeths Buße verweisen'uns besser als eine Strafrede unsere unehrerbietigen und neugierigen Blicke, unsere Zerfahrenheit und Abwesenheit beim hl Meßopfer und predigen uns mit Engelsstimme Eingezogenheit und Sammlung. Ist nicht die Karwoche mit ihren fesselnden Zeremonien und ihrem erschütternden Bußernst eine günstige Gelegenheit, alle Unehrerbietigkeit im Gotteshaus wie Spinngewebe wegzuräumen und sich wie eine Lerche zu wiegen auf den Flügeln der Andacht und Liebe?
Und noch eins. Das Kreuz, vor dem Elisabeth sich niederwarf, ist das wahre, eigentliche, christliche Kreuz gewesen. Jetzt gibt es aber verblendete Menschen, die anstatt des Christenkreuzes ein andres, verschnörkeltes, verzerrtes, heidnisches Kreuz auf den Schild erheben, das Hakenkreuz! Bereits haben unsere Bischöfe dieses Kreuz und die Lehren und Pläne, die dahinter stecken, als unvertr'^ lich mit dem katholischen Glauben bezeichnet. Da-