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Eme schlichte seelengrotze Arau.
Ein Bild aus dem Leben.
Ich stapfe zwei Stunden im Schnee vom einsamen Dörflein her durch den stillen Abend. Rechts und links liegen die weißen Felder, hin und wieder von tiefen Schluchten durchbrochen, in denen der Gießbach zu Eis erstarrte, und hinter dem weißen Leichentuche der Felder ragen dunkle Wälder zum dämmernden Himmel empor. Die Abendnebel sinken schon und helfen träumende Gedanken spinnen. Es sinnt sich gut da draußen bei einsamem Gang, wo nichts als das Knirschen der eigenen Schritte die Stille unterbricht. Man kommt vom Hasten und Treiben der Welt wieder zu sich selbst und merkt, daß es noch etwas anderes gibt als Vergnügen und lärmende Lustbarkeiten, das das menschliche Herz erfüllen und zum Schweigen bringen kann. Ich denke da an die schlichte, seelengroße Frau im Dörflein, die ich soeben verließ. Wir plauderten ein halbes Stündchen zusammen im Halbdunkel des Stübchens. Vom dunkelgebeizten Wandbrett her leuchtete friedlich eine kleine rosarote Ampel vor einer neuen, schönen Herz- Jesustatue und aus dem vergoldeten Bilderrahmen ichaute der Heilige Vater uns zu. Grüne Blattgewächse umsäumten die kleinen Fenster, die geliebten Pfleglinge der Greisin, und der mächtige schwarze Geselle von Kachelofen spendete behagliche Wärme.
Sie ist zart und schmächtig, so mager, daß man sie fast zerbrechlich nennen könnte, die nun siebzigjährige Frau, die das Stübchen im Hause ihres Schwiegersohnes inne hat. Was hat diese Frau aber alles geleistet im Leben! Die Namenlose, die aus Bescheidenheit nicht genannt werden will, entstammt einer Hirtenfamilie. Alle Vorfahren, soweit sie sich besinnen kann, waren Schäfer, der eine auf einer Domäne in Thüringen, der andere auf einem Rittergut und ihr Vater bei verschiedenen Dorfgemeinden, die sich zu einem Schäfereiver- bande zusammengetan hatten.
Nachdem j?tf) bei der Familie sechs Kinder eingestellt hatten, wurde ihnen von dem kinderlosen Hauswirt die Wohnung gekündigt, weil der Lärm ihn in seiner Beschaulichkeit störte. Zudem ging noch die Schäferei ein; denn die Schafzucht lohnte sich nicht mehr, seitdem die wohlfeile australische Wolle den deutschen Wollmarkt überschwemmte. So zog die Familie in ein anderes Dorf, wo sich auch bald für den Vater eine neue Arbeitsgelegenheit im Maurerhandwerk fand. Hier schenkte^ ihnen der liebe Gott noch zwei Kinder. Ein hoher Geistlicher, der die Familie gut kannte, sagte damals zur Mutter, (der Bekennerbischof Dr. Konr. Martin) indem er dabei auf das älteste Mädchen zeigte: „Sei nur zufrieden, Katterlieschen! Du bekommst nun bald Hilfe!" So war es auch. Das kräftige Mädchen stand bald der Mutter bei der Feldarbeit helfend zur Seite, während das zweite Kind, unsere Staatenlose, die etwas schwächlich war, die Hausarbeit versah und dieser auch zeitlebens ireu blieb. Der älteste Junge ging mit dreizehn Jahren in die Fremde. Ganz aus eigener Kraft lernte er ein Kunsthandwerk, das ihn wohlhabend machte. Er war später lange Jahre hindurch als Schulze der angesehenste Mann des Heimatdorfes. Von seinen zehn Kindern, die er gut anbrachte, leben heute noch sieben, die sich alle zu angesehenen Lebensstellungen emporgearbeitet haben. Auch
die übrigen Geschwister sind bis auf einen Bruder noch am Leben und haben weitverzweigte Familien gegründet. Der Vater erlitt leider beim Bau einen Unfall, der ihn arbeitsunfähig machte. Um den Seinen weiteren Lebensunterhalt zu bieten, pachtete er eine Wirtschaft und lebte dann noch neun Jahre. In hohem Alter ging er mit seiner Frau noch jeden Morgen trotz weiter Entfernung zur hl. Messe. Davon ließen sich die beiden alten Leute so leicht nicht abhalten. Der Vater starb im Frühjahr. Man hätte der Mutter bei ihrer Rüstigkeit wohl eine längere Lebensdauer vorhergesagt; doch begann auch sie bald nach dem Tode ihres Mannes zu kränkeln, und mit dem Sterben der Natur im Herbste ging auch sie ein zum ewigen Frieden.
Noch zu Lebzeiten der Eltern starb einem Maurer aus der Nachbarschaft die Frau beim fünften Kinde, als es erst siebzehn Tage alt war. Der Bedauernswerte sah sich vor die Notwendigkeit gestellt, seinen Kinder eine neue Mutter zu geben. Gar manche wäre wohl vor dieser gewiß nicht leichten Aufgabe zurückgeschreckt. Als aber die Wahl des Witmers nun auf unsere — nennen wir sie „Elisabeth" — fiel, erklärte sie nach kurzem Zögern ihr Einverständnis. Auch die Eltern waren dafür und redeten ihrer Tochter zu, sich der armen Halbwaislein anzunehmen. Sie zählte damals 22, ihr ältestes Adoptivkind 13 Jahre und das Jüngste ein Vierteljahr. Mit Mut und Gottvertrauen ging sie an ihre schwere Aufgabe und lebte sich bald so ein, daß sie den Kleinen die verstorbene Mutter ganz ersetzte, soweit das bei einer Mutter überhaupt möglich ist. Eine echte christliche Mutterliebe erfüllte sie ganz und eroberte ihr die Herzen der Kinder im Fluge. Dabei hielt sie die Zügel der Zucht und Ordnung fest in der Hand, sodaß die Kinder ihr auch die nötige Achtung und den Gehorsam nicht versagten. Wie ernst ès die Mutter mit der Erziehung ihrer Pflegebefohlenen genommen hat, erhellt aus einem drolligen Geschehnis jüngster Zeit. Ist da ein Enkelkind aus der Großstadt sagt zu einem Onkel: „Die Großmutter ist aber mal eine gute Frau! War sie früher auch immer so gut?" Darauf erwidert jener lachend: „O nein! Früher war sie ein Drache!" Das Kind überbrachte diese Aeußerung natürlich sofort entrüstet der Großmutter, worauf alle herzlich lachen mußten. Der Onkel wollte damit nur sagen, daß die Mutter sie als Kinder wie ein Drache vor allem Bösen behütet hatte und freute sich noch dieser ihrer mütterlichen Wachsamkeit, deren Nutzen er heute ruhig einzuschätzen weiß. ‘ I
In ihrer Ehe schenkte Gott den opferfreudigen Eltern noch acht Kinder. Unermüdliche Arbeit und stete Sorgen waren mit ihrer Aufzucht selbstredend verbunden. Auch die Heranwachsenden Kinder mußten sich fleißig in Haus und Feld rühren, um den Lebensunterhalt für die große Familie mitzuerwerben und um befähigt zu werden, sich später selbst ihr Brot zu verdienen. „Mutter", sagte nach der Inflation ein Junge zu ihr, „unser Geld ist verloren gegangen; aber es schadet nichts; wir haben bei dir arbeiten gelernt!" Gewiß ein treffliches Wort aus dem Munde eines Sohnes und ein ehrendes Zeugnis für die Mutter.
Ein Sohn war schon drei Jahre lang bei den Barmherzigen Brüdern, als ihn der Weltkrieg zu den Fahnen rief. Gottes Wille nahm ihn aus der
Schlacht sicher in feinen schönen Himmel; demii man hat nie wieder etwas von lhm gehört. Nach langen Jahren schmerzlicher Ungewißheit muhten dir betrübten Eltern sich wohl in die Gewißheit seines Todes schicken und ertrugen dieses Leid mit christlicher Ergebenheit. Dann kam eine neue schwere Heimsuchung. Der Vater stürzte im siebzigsten Lebensjahre von der Scheune ab. Welch ein Schreck für die Frau, die ihn als erste besinnungslos auf der Tenne liegend fand! Wohl lebte er noch ein Jahr; doch die Voraussage des Arztes, daß er binnen Jahresfrist einer Lungenentzündung erliegen werde, erfüllte sich leider. Nun sind die überlebenden Kinder alle verheiratet. Die Mutter zog zu ihrer Tochter, die acht Kinder gehabt hat, von denen drei starben. Frau und Großmutter! Und doch hat sie auch im Dienste christlicher Nächstenliebe gearbeitet, was hier nicht verschwiegen werden soll.»
Etwa eine Stunde von ihrem Heimatorte befindet sich das Kloster einer männlichen Ordens- niederlassung, das auf das Wohltun der Bewohner der Umgebung angewiesen ist. Diesem Kloster ist Elisabeth eine wahre Mutter gewesen, die lange Jahre hindurch für die Bedürfnisse seiner Insassen gesorgt und gearbeitet hat. Viel hundertmal hat sie die Gepäckstücke der Patres und Brüder durch die bergige Landschaft zur Bahn oder von ihr zurückgebracht, Lebensmittel in den Dörfern gesammelt und ihnen zugetragen. Kein Weg war ihr dabei zu weit und keine Last zu schwer. Noch heute macht sie täglich den beschwerlichen Weg zum Kloster, um irgend welche Anliegen der Mönche entgegenzunehmen und ihnen irgendwelche Gefälligkeit zu erweisen. Auch wirkt sie noch eifrig für die katholische Presse, besondrs die der Missiönsdruckereien durch Umhertragen von Zeitschriften, Büchern und Kalendern. Die Hoffnung auf die ewige Vergeltung ist ihr Lohn, wenn es ihr zu sauer wird. Ein Laienbruder jenes Klosters hatte jüngst einen Traum, in dem er sich in den Himmel versetzt sah und dann den feierlichen Einzug der braven „Klostermutter" mitmachte. Möchte der schöne Traum einst Wirklichkeit werden!
NWS der Heimat
Breitenworbis. Entgegen allen Bemühungen wurde der Betrieb des Kaliwerkes geschlossen. Damit wurden 262 Bergknappen arbeitslos, die sich auf die Gemeinden Bernterode, Breitenworbis, Haynrode, Gernrode, Kirchworbis, Ascherode und Ruhla verteilen. Nun ist auch der letzte der Eichsfeldischen Schächte, deren Errichtung s. Zt. mit so großen Hoffnungen begrüßt wurden, stillgelegt.
Dingelstädt. Die Ehrenurkunde der Handwerkskammer erhielten anläßlich ihres 3vjährige.n Arbeitsjubiläums die Dachdecker Alois Freund und Alois Martin. — Im Alter von 85 Jahren gestorben ist der Altveteran und Mitkämpfer von Mars la Tour Andreas Ballhaus. Vor sieben Jahren konnte er seine goldene Hochzeit feiern. — Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude und Backhaus des Bäckermeisters Otto Heddergott fielen einem nächtlichen Schadenfeuer zum Opfer. Auch das Anwesen des Sattlermeisters Iffland wurde vernichtet.
Heiligen st ad t. Im Redemptoristenkloster leitete der Generalpräses Mfgr. Hürth einen Schulungskursus für die Präsides der Gesellenvereine, an dem etwa Geistliche teilnahmen. Für die weitere Vereinstätigkeu dürfte der Kursus fruchtbringend sein.
Hildebrandshausen. Der weit bekannte ehemalige Besitzer der hiesigen Ziegelei, Thomas Diete, M 96 Jahre alt, gestorben.