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Sonntag, 8. März 1931

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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels

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Pruts and Verlag 0 er $ulOaer Acttenüruckerot Verlagsort ^u'ta

WochenkaSender.

Sonntag, 8. März. 3. Fastensoicntag. Johannes von Gott, Stifter der Barmherzigen Brüder, * 1550.

Montag, 9. März. Franziska Romana, Witwe, * 1440.

Dienstag, 10. März. Vierzig Märtyrer, t 320.

Mittwoch, 11. März. Vom Tage.

Donnerstag, 12. März. Gregor I. der Große, Kirchen­lehrer, f 604.

Freitag, 13. März. Gedächtnis der hl. fünf Wunden un­seres Herrn Jesus Christus.

Samstag, 14. März. Mathilde, Königin, t 968.

NB. Am heutigen Sonntag beginnt die österliche Zeit und dauert bis zum 2. Sonntag nach Ostern.

Dritter Iaftenfonnrag.

Epistel: Epheser 5, 19. Evangelium: Lukas 11, 1428.

Austreibung eines stummen Teufels.

In jener Zeit trieb Jesus einen Teufel aus, der stumm war. Nachdem er den Teufel ausgetrieben harte, redete der Stumme. Die Volksscharen staunten darüber. Einige aber von ihnen sagten:Durch Belzebub, den Anführer der Teufel, treibt er Teufel aus." Andere wollten ihn auf die Probe stellen und verlangten von ihm ein Zeichen vom Himmel. Er aber kannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen:Jedes Reich, das in sich selbst uneins ist, zerfällt, und ein Haus stürzt über das andere. Wenn nun der Satan mit sich selbst uneins ist, wie soll da sein Reich bestehen? Ihr sagt ja, ich treibe die Teufel durch Belzebub aus. Wenn ich durch Belzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben dann eure Sühne sie aus? Sie werden darum eure Richter sein. Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn ein Starker bewaffnet feine Burg bewacht, so :st sein Besitz in Sicherheit. Wenn aber ein Stärkerer ibn überfällt und überwindet, so nimmt er ihm die ganze Waffenrüstung, auf die jener sich verließ, und verteilt, was er bei ihm erbeutet hat. Wer nicht mit mir ist, der ch wider mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist aus dem Menschen ausgefahren ist, schweift er durch öde Steppen und sucht sich eine Ruhestätte. Weil er aber keine findet, sagt er:Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich ausgewogen bin." ~enn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt, ânn geht er hin und holt noch sieben andere Geister, we schlimmer sind als er. Sie ziehen ein und wohnen oarm. Und die letzten Dinge eines solchen Menschen werden, ärger als die ersten " Während er noch redete, ergab eine Frau aus dem Volke ihre Stimme und sprach M r "belig der Leib, der dich getragen, und die » r . dich genährt hat!" Er aber sprach:Viel mehr noch selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen!"

Vom Bruder Esel.

s ist bekannt, daß der hl. Franz von Assisi, dieser fröhliche Spielmann Christi, seinen Leib scherzweiseden Bruder Esel" zu titulieren pflegte und ihn nicht anders behandelte wie man-

^seinen Esel behandelt mit kurzem Futter, empfindlichen Schlägen und schweren Lasten.

Fußtapfen ist auch unsere liebe hl. o ^"getreten, die ja auch als erste in deut- I Xtt Landen das Kleid des hl. Franziskus nahm.

In einem Elisabethenbuch finde ich darüber fol­gende Beschreibung:

Die unserm heutigen Gefühl widerstrebende Auffassung, daß der Mensch durch Kasteiung sei­nes Leibes und körperliche Selbstplagen Gott wohl­gefällig werde, lag im Geist jener leidenschaftlich gottsuchenden Zeit. Schon als junge Frau und längst ehe sie Meister Konrad kannte, pflegte Eli­sabeth sich heimlich in einer entlegenen Kammer von ihren Mägden geißeln zu lassen, entzog sich Schlaf und Speise und hielt ihren Leib hart. Wenn Meister Konrad seine geistliche Tochter mit äußer­ster asketischer Strenge leitete, sie körperlich züch­tigte und ihr zur Heiligung die Gesellschaft ihrer vertrauten Mägde entzog, so kam er damit nicht nur dem Verlangen Elisabeths entgegen, sondern er erreichte es noch nicht einmal. Denn ihr eigener verzehrender Uebereifer im Dienste Gottes und der Brüder war so groß, daß ihr geistlicher Führer, der davon Schädigung ihrer an sich schon schwachen Ge­sundheit befürchtete, ihr häufig durch strenge Ver­bote Einhalt tun und sie für deren Nichtbefolgung hart strafen mußte. Und wenn es unserm natür­lichen Empfinden völlig fremd, ja unmenschlich er- lchelnt, daß Elrabeth nicht nur ihre beiden älteren Kinder früh in fremde Hände gegeben hatte, son­dern im Jahre 1229 auch ihr jüngstes anderthalb­jähriges Töchterlein von stch zu den Nonnen ins Kloster Altenberg gab, so pries jene Zeit das als eine Tat höchster, opfernder Gottesliebe, und Eli­sabeth selbst dankt Gott aus demütigem Herzen, daß er ihr Gebet erhört und ihr Opfer angenommen habe. Die allerliebsten Kinder meines Leibes, die ich G herzlich in inniger Liebe und Freude um­fing, sind mir nun nicht anders, denn ein jeglicher meiner Nächsten, den ich sehe. Ich habe sie Gott gegeben und besohlen."

Solche Berichte zerreißen unsere Ohren wie scharfe Mißklänqe. Wir sind eben Kinder unserer Zeit und gar sehr verwöhnt und nervenschwach und ausgerieben und erpicht auf gute Haltung und Pflege des Leibes, auf Essen und Trinken, Schlaf und Erholung, Erleichterungen und Annehmlich­keiten. Durchleuchten wir nun Elisabeths peinliche Strenge gegen den Esel Leib mit den Röntgenstrah­len göttlicher Offenbarung, um zu prüfen, ob sie im Widerspruch oder im Einklang steht mit den Wor­ten und Taten Gottes Da fällt schon aus der Epi­stel des heutigen Sonntags ein leuchtender Strahl in unsere Frage.

Brüder", so ruft der hl. Paulus den Ephesern und uns allen zu,seid Nachahmer Gottes und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns ge­liebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer zu einem lieblichen Wohlgeruch."

Hast du dâs hohe Ideal vernommen, nach dem wir uns bilden sollen? Gott selber und fein Ver­halten soll uns Richtschnur und Maßstab sein.Seid Nachahmer Gottes." Was tut nun der himmlische Vater? Er opfert seinen eigenen Sohn und ver­

langt von ihm die Erlösung des.Menschengeschlc ° tes mit Einsatz seines eigenen Lebens. Und n s tut der Heiland, der Sohn Gottes? Er wird st ; eine Gabe und ein Opfer. Eine Gabe nicht t Brot oder Wein oder Mehl oder sonst eine i Gabe, die des Schmerzes unfähig ist, sondern Opfer, ein lebendiges, fühlendes Opfer gleich . Widder, den Abraham aus der Dornhecke zog mit dem Messer schlachtete. Ja, Christus hat seinen Leib hingegeben zur Entbehr.uw Ermüdung, zum Hungern und Schwitzen, zu Ta - wachen und Märschen, zu Geißelstreichen und nenstichen, zur Annagelung und schmählicher. - tervoller Kreuzigung.

Nun findest du selbst die Lösung in ur . friedlichen Streit, ob es recht ist vor Cott. Opfer zu bringen oder nicht. Siehe, das Bei Gottes, das Beispiel des Heilandes sprechen h als alle Einreden der Weltkinder und der bc men Opferscheu. Ob alle Abtötungen der hl. ' - sabeth lobenswert und nach^ahmungswürdig f. will ich nicht entscheiden. In vielen Dingen finö ja die Heiligen mehr zu bewundern als nachzu­ahmen. Aber den rechten Geist hat sie sicher ge­troffen, den Geist Gottes, den Geist des Evange­liums, den Geist der Vollkommenheit, den Ge st der Uebernatur. Damit hat sie nicht bloß den Leib, sondern auch die Seele mit all ihren Begehrunuen und Trieben in ihre Gewalt gebracht und uP ganz und gar mit Leib und Seele Gott dem Aller­höchsten als vernünftiges lebendiges, wohlgetc!- liges Opfer H'maegeben.

Strengheiten gegen den Bruder Esel, den Leib. Gewiß stellt dich das Leben selbst mit seinen Bit­terkeiten, mit seinen Arbeiten, mit seinen Kämo- fen vor manches harte schwere Opfer und oerei-t dich in die Notwendigkeit. den Leib zu plagen, zu ermüden, ihn einzuscbränken mit Essen und Hm- ken, mit Kleidung und Wohnung, mit Vergnüm-- gen und Annehmlichkeiten. Auch das ist verdienst­lich und löblich vor Gott, aber nur unter der Be­dingung. daß wir aus der Not eine Tugend ma­chen. Wenn wir solche Strengheiten, Entbehrun­gen und Opfer aus uns nehmen nicht so sehr aus dem eisernen Druck der Not, Gudern vielmehr aus reiner Liebe zu Gott und aus Sorge für die un­sterbliche Seele. Dabei wollen wir aber nicht ver­säumen, auch noch ganz freiwillige Abtötunam und Beschränkungen betzufügen in Speise oder Trank, in Alkohol oder Nikatin, in Süßigkeiten und Zuckerwerk, in Unterhaltungen, Vergnügungen, Besuchen und in Aufgabe lieber aber unnützer Ge­wohnheiten. Dazu stehen wir eben jetzt in der Fastenzeit. Schimpfe nicht wie die Weltkinder über das Fasten. Schließe dich luter dem Urteil jenes vernünftigen Mannes an, ' bezüglich des b(. Krifpin die Worte sprach: laßt ihn nur saften! Ist es doch besser, wir bekommen an ihm einen mageren Heiligen als einen fetten Taugenichts.

Der Talv-arrer.