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Sonntag, 1. März 1831

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Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 A.-Vfennig B 45 L-Vsenntg (Zustellgebühr extra). Redaktiansschluh Montag. Anzetgen-Pretse: Colonelzeile im Anzeigentell 0,15 Goldmark. Colonelzelle tm Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0.10 Goldmark. Porto extra, Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aettendruckeret in Fulda fein.

Druck und Verlag 0 er Fuldaer AclieuSruckerel. Verlagsort Fulda.

Wochenkalender.

Sonntag, 1 März. 2. Fastensonntag.

Montag, 2. Mäxz. Vom Tage.

Dienstag, 3. März. Kunigunde, Kaiserin, t 1040.

Mittwoch, 4. März. Kasimir, Bek., 1 1484. Lucius, Mart., t 254.

Donnerstag, 5. März. Vom Tage.

Freitag. 6. März. Perpetua u. Gen., Mart., f 203. Herz- Iefu-Freitag.

«Samstag, 7. März. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer, t 1274.

NB.! Sonntag, 1 .März, Quartals-Kollekte für das Priesierfeminar.

Zweiter Faftenfsntilag.

Epistel. 1. Thessalonicher 4, 17.

Evangelium. Matthäus 17, 19. Die Verklärung Christi.

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie fernab auf einen hohen Berg. Da ward er vor ihnen verklärt. Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie Schnee. Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias und , .beten mit ihm. Da nahm Petrus das Wort und sprach zu Jesus:Herr, es ist gut, daß wir hier sind. Wenn du willst, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Moses eine und Elias eine". Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und aus der Wolke erscholl eine Stimme:Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Ihn sollt ihr hören!" Als dies die Jünger vernahmen, fielen sie auf ihr Angesicht nieder und fürchteten sich sehr. Jesus trat hinzu, rührte sie an und sprach:Steht auf, fürchtet euch nicht!" Als sie ihre Augen erhoben, sahen sie nie­mand als Jesus allein. Während sie vom Berge hinab­stiegen, gebot ihnen Jesus:Erzählt niemand etwas von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den H-oten auferstanden ist."

Die gSldenS Kuppel. grifft es nickt eine köstliche Aufklärung, die der hl. Erzengel Raphael seinem Schützling Tobias gegeben hat? Hat ihm nicht der Engel den Schlüssel in die Hand gegeben, um das Rätsel so mancher glücklichen aber auch so mancher unglück­lichen Ehe zu lösen? Raphael wollte bekanntlich seinem Schützling zu jenem Glück verhelfen, von dem der weise Sirach schreibt:Wer ein gutes Weib hat, ber legt den Grund zu seinem Wohl­stand." Und da lenkte der Himmelsbote das Au­genmerk des Tobias auf Sara, die Tochter Ra- guels. Kaum aber hatte er diesen Namen genannt, da ging dem Tobias ein Stich durchs Herz. War denn das nicht die Frau, von deren Unglück alle sprach? War sie denn nicht bereits der Reihe ach mit sieben Männern verheiratet gewesen? ^atte nicht der Teufel Asmodäus sie alle erwürgt?

Mußten nicht Raguels Knechte an jedem Morgen nach der Hochzeit ein Grab schaufeln, in das man den Hochzeiter bettete?

Was hat dieser Tatsache gegenüber der Engel gesagt? Hören wir seine Worte, die eine kostbare Weisheitsregel enthalten.

Ich will dir zeigen, wer diejenigen sind, über die der Teufel Gewalt hat. Die nämlich, die so. in den Ehestand treten, daß sie Gott von sich und ihrem Herzen ausschließen und nur an die Wollust denken wie Tiere, die keinen Verstand haben über die hat der Teufel Gewalt." (Tob. 6, 16.)

Das ist nun eine Klippe, an der so manches Eheglück zerschellt. Die überschäumende Sinnlich­keit, die ungebändigte Leidenschaft, die nur die rohe, brutale Selbstsucht zum Zwecke hat, die Liebe Gottes aber und die wahre Gattenliebe ausschaltet oder vernachlässigt. So soll und darf es nicht sein. Vielmehr soll die Liebe Gottes alle menschliche und auch die eheliche Liebe umschließen und veredeln, so wie eine goldene Kuppel das ganze Gebäude und alle seine Teile umfaßt, krönt und bedeckt. Diese schöngeordnete, wohlausgeglichene Liebe ist aber zu finden in der Ehe unserer hl. Elisabeth. Mit ganzem Herzen und Gemüte war sie ihrem Gatten zugetan, ohne dabei je zu vergessen, daß die Liebe Gottes jeder andern Liebe vorgehen muß. Geben wir hierüber einer alten Chronik das Wort:

Es trug aber St. Elisabeth zu ihrem Gemahl Landgraf Ludwig und dieser wiederum zu ihr eine so herzliche Liebe, daß keines lange ohne das an­dere sein konnte und mochte. An ihres Herrn Tische pflegte sie an seiner Seite zu sitzen, wie das an an­dern Fürstenhöfen nicht Gewohnheit war, mit ihm zu essen und freundliche Gemeinschaft und Ge­spräch mit ihm zu halten. Da wo ihr Herr war, folgte ihm S. Elisabeth nach, fei es nah oder fern und scheuste nicht Regen, Wind, Kälte, Schnee oder Frost. So lieb sie aber ihren Herrn auch hatte, so vergaß sie doch Gottes Liebe und Dienstes nim­mer, daran der fromme Fürst sie auch nicht hin­derte. Alle Nacht, wann ihr Hausherr schlief, stand sie auf, fiel vor ihrem Bette nieder und lag da in inniglichem Gebet. So er aber erwachte, nahm er ihre Hand in seine und hielt sie also, bis sie ihr Gebet vollendete, und wann ihn deuchte, daß sie zu lange betete und sich mit Wachen übermühte, bat er sie, daß sie sich zur Ruhe legte. S Elisa­beth hatte aber so große innerliche Begehr nach Gott, daß sie ihren Dienstmägden gebot, daß sie sie wecken sollten zu ihrem Gebet, wen» sie das ver­schliefe und sie heimlich an den Füßen zögen. Und es geschah einstmals, daß die tugendsame Eisen- trud, ihre liebste Dienerin, versehentlich des Herrn Füße in seinem Schlafe rührete, daß er davon wach ward. Da merkte er wohl, von wem und weshalb das geschah, und duldete das stillschweigend S. Elisabeth kasteiete auch ihren Leib mit Falten und Geißeln, sonderlich an den Fasten und an den Frei­tagen, ging in eine eigene Kammer und ließ sich

daselbst von ihren Mägden schlagen, wenn sie aber wieder zu ihrem Herrn kam, erzeigte sie sich lieblich und fröhlich. In dem allem tat Landgraf Ludwig S. Elisabeth, seiner Frauen, keinen Widerstand, sondern freuete sich in Gott der heiligen Sitten sei­nes lieben, auserwählten Gemahls, tat ihr auch Liebes und kein Arges alle seine Tage. Es ge­schah aber zu Zeiten, daß er aus seinem Fürsten­tum reiten mußte und lange Zeit außen sein. So sie ihm dann nicht folgen konnte, tat sie die Zeit feines Abwesens alle Zierde von Kleidung, Kleinodien und Schleiern ihres Hauptes ab, trug ein demütig Kleid gleich einer Witfrauen, vertrieb sich die Zeit geistlich und innig mit Wachen, Knie­beugen und Fasten Tag und Nacht. Und betete um die Heimkunft ihres Herrn mit herzlichem Verlan­gen. So sie aber vernahm, daß der Fürst kommen wollte, so begann sie sich zu schmücken, tat ihre gu­ten köstlichen Kleider wieder an und sprach: diese guten Kleider trage ich nicht um Hochmutes oder Wollust willen, sondern daß ich meinem lieben Hauswirt durch rechte, eheliche Liebe wohlgefalle und ihm nicht Upsach werde, wider seine Ehe zu sündigen."---

Prächtige Worte über den harmonischen Aus­gleich der Gatten- und Gottesliebe, über den End­zweck des Ehebundes, die gegenseitige Heiligung, die ja der hl. Paulus in der Epistel des heutigen zweiten Fastensonntags allen als Lebensaufgabe setzt, lesen wir auch in der Enzyklika des Hl. Va­ters üb&r die christliche Ehe. Hören wir mit Ehr­furcht die Stimme des Statthalters Christi:

Die eheliche Treue verlangt, daß Gatte und Gattin durch eine besondere reine und heilige Liebe miteinander verbunden sind. Diese Norm hat der Apostel aufgestellt, da er sagte:Ihr Männer, liebt eure Frauen wie auch Christus seine Kirche geliebt hat." Wir meinen «also eine Liebe, die nicht nur auf sinnlicher, schnell verfliegender Neigung beruht und nicht nur auf Schmeichelworten, son­dern in der tiefen Zuneigung der Seelen begrün­det ist. Die Gatten müssen einander behilflich sein, den inneren Menschen immer mehr zu gestalten und zu vollenden. So sollen sie durch ihre Le­bensgemeinschaft in den Tugenden immer mehr Fortschritte machen und vor allem in der wahren Golkes- und Nächstenliebe wachsen."---Eine schöne Aufgabe für das ganze Leben, eine schöne Aufgabe für die Fastenzeit, eine schöne Vorberei­tung auf das Osterfest.

Der Talpfarrer.

Voltslremerkag.

Der 1. März dieses Jahres ist als Volkskrauer- , lag festgesetzt. Der heldenhaften Männer und Jünglinge aus Deutschlands Gauen soll gedacht wer­den, die in dem furchtbaren Ringen des Weltkrie­ges in pflichttreuem Dienste am Vaterland dahin­gerafft worden sind. Ob der gierige Schlund des