Sonnlag. 25. Zanuar 1931
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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Wochenkalender.
Sonntag, 25. Januar. 3. Sonntag nach Epiph. Pauli Bekehrung.
Montag. 26. Januar. Polykarp, Apostelschüler, Mart, t 155.
Dienstag, 27. Januar. Johannes Chrysostomus, Kirchenlehrer, f 407.
Mittwoch, 28. Januar. Agnes, Jungfrau, Mart., zweite Festfeier.
Donnerstag, 29. Januar, Franz von Sales, Kirchenlehrer, f 1622.
Freitag. 30. Januar, Martina, Jungfrau, Mart., f 222.
Samstag, 31. Januar. Petrus von Nola, Bek., f 1256.
3. Sonntag noch Erscheinung des Herrn.
Epistel. Römer 12, 16—21.
Evangelium. Matthäus 8, 1—13, Glaubensstarkes Vertrauen.
In jener Zeit stieg Jesus vom Berge herab, und es folgte ihm eins große Volksschar. Und siehe, da kam ein Aussätziger, fiel vor ihm nieder und bat: „Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen." Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: „Ich will, sei rein!" Sogleich war er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: „Siehe zu, daß du es niemand sagst! _ Gehe vielmehr hin, zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses vorgeschrieben hat Das soll ihnen zum Zeugnis dienen."
er dann nach Kapharnaum kam, trat ein Hauptmann zu ihm und bat: „Herr, mein Knecht liegt zu Hause gelähmt darnieder und leidet große Qual."
Jesus sprach zu ihm: „Ich will kommen und ihn gesund machen."
Der Hauptmann aber entgegnete: „Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehsi unter mein Dach; sprich nur em Wort, so, wird mein Knecht gesund. Denn auch mi, obwohl ein Untergebener, brauche nur zu einem Soldaten, die ich unter mir habe, zu sagen: „Geh!" dann geht er; zu einem anderen: „Komm!" dann kommt .er; und zu meinem Knechte: „Tu das!" dann tut er es." Als Jesus das hörte, wunderte er sich und sprach zu denen die ihm folgten: „Fürwahr, ich sage euch, so großen Glauben habe, ich in Israel nicht gefunden. Über ich sage euch, viele werden vom Aufgang und Aâ^ng^der Sonne kommen und mit Abraham, Isaak und yatob im Himmelreiche zu Tische sitzen die A'"^ n ^ ■ ^t'^l "ber werden hinausgeworfen in Kastern, Strauße«; dort wird Heulen und Zähns- sprach zum Hauptmann: „Geh hm, dir geschehe, wie du geglaubt hast!" Und in derselben Stunde war der Knecht gesund
Doppeltes Glück
Jeder die Thüringischen Lande herrschte zu Beginn des 13. Jahrhunderts Z Landgraf Hermann, ein streitbarer S Degen, dem kein Strauß und kein A Kampf zu viel war, wenn es galt, Leines Hauses und Reiches Macht und Einfluß zu mehren, der sogar trotz seiner persönlichen Frömmigkeit mit Bischöfen die Klinge kreuzte, mochte ihm sein Beginnen auch den Kirchenbann eintra-. gen. Dem ward ein Söhnlein, Ludwig mit Namen geboren, der berufen war, des Vaters Nach
folger auf dem Thron zu werden und die edelste, gütigste und heiligste der deutschen Frauen als Gattin heimzuführen — die hl. Elisabeth. —
Sieben Jahre zählte Ludwig, als der Vater weitschanenden Blickes sich um eine künftige Lebensgefährtin für Ludwig umsah, die durch ihren Reichtum und ihre hohe Verwandtschaft seines Hauses Glanz und Ansehen zu mehren versprach. Seine Wahl fiel auf Elisabeth, des Königs Andreas zartes, jugendfrisches Töchterlein, das noch wie ein schmuckes Schneeglöckchen in der Wiege lag. So wurden denn — wie eine alte Chronik berichtet — gar ehrliche und edle Boten ins Ungarland geschickt, des Königs Tochter Elisabeth zu holen, mit einer großen Schar köstlich geschmückten Gefolges, wie das ihrer beider Adel wohl geziemte. Unter denen waren die obersten Graf Meinhard von Mühlenberg, der edle Walter von Varaula und Frau Berta, Eigelolfs von Bendeleben Witfrau. Die wurden gerüstet auf die Fahrt und von Fürsten und Prälaten unterwegs an allen Enden in den Landen, in Städten, durch die sie zogen, mit großen Ehren empfangen, bis daß sie kamen ins Ungarland, zu dem köstlichen Schloß des Königs, Preßburg genannt. Da wurden sie gar ehrlich aufgenommen.
Der edle König von Ungarn, Andreas, Sankt Elisabeths Vater, war ein gütiger und friedesamer Herr, und seine Hausfrau, die Königin Gertrud, eine tugendreichs Fürstin und Frau. Die hatte bei weiblicher Zucht einen gar freudigen, männlichen Mut, also daß sie alle Geschäfte des Königreichs ausrichtete und regierte. Darum war sie besorgt, ihre Tochter reichlich und königlich ins Thüringer Land zu schicken. Als sie nun alle Dinge gerichtet, und die ehrbaren Boten reichlich mit Silber und Gold, mit köstlichen Kleinodien begabt hatte, überantwortete sie ihnen ihre liebe Tochter in einer silbernen Wiege mit köstlichen, seidenen Tüchern, sie ihrem Bräutigam zu bringen. Sie sandte auch mit ihr unzählige goldene und silberne Trinknefäße, goldene Kronen mit <Vstbarlich edlem Gestein, Svangen. Rinn»n und Wirfofn, dam Buntwerk und reiches Gewand, Goldtuch und Seidenwerk, Betten und Decken von Purpur und Seide. Auch ein Badekübelein von Silber, das Kind darin zu baden, rind allerlei kostbaren Hausrat, desgleichen in Thüringen nie gesehen war. Sie rühmte sich dessen läut, und mit Freuden, daß ihre Tochter dem edlen, jungen Fürsten. Landgraf Ludwig von Thüringen, sollte zum Ehegemahl werden, und sprach zu den werten Boten: „Saget eurem Herrn, daß er jetzund diese kleine Gabe nicht verschmähe. Läßt uns Gott das Leben, so wollen wir sie zu ihrer Hochzeit mit viel größerem Schatz und Gifte begaben."
Die Boten sind allo. mit großem Schatz und Gut wieder nach Thüringen gekommen und da mit hohen Ehren und Freuden ausgenommen. Da Landgraf Hermann und Frau Sophie, die Land
gräfin, ihre Ankunft vernahmen, gingen sie hinunter in die Stadt Eisenach, sie zu empfangen. Sie kehrten aber ein in Helgredenhof, der zu der Zeit die beste Herberge war, und die Landgräfin Sophie mit ihrem Hofgesinde blieb über Nacht bei dem Kind und war mit ihm fröhlich. Slnbem Tags aber, da die Gäste sich geruht hatten, zogen sie hinauf zur Wartburg. Allda hatte Landgraf Hermann die Vornehmsten aus der Stadt Eisenach geladen, daß sie das Kind S. Elisabeth sehen sollten, und wurden alle wohl bewirtet mit viel Fri^ lichkeit, Tanz, Singen und Springen.---'M,
Ja, doppelte Freude ist im Fürstenhaus zu v- Preßburg eingekehrt. Vater und Mutter sind froh und glücklich geworden, daß, sie ihrer Tochter zu einer glückverheißenden Zukunft verhelfen konnten. Und Elisabeth ist glücklich geworden für Zeit und Ewigkeit. Doppeltes Glück. Haben aber Elisabeths Eltern nicht töricht, ja lieblos gehandelt, daß sie die Freude und den Sonnenschein ihres Lebens dahingegeben haben! Ja, das wäre wohl Liebe gewesen — aber Selbstliebe, Eigenliebe, die nur das eigene Glück, das eigene Behagen im Auge hat und über fremdes Glück mit grausamen Füßen wegschrsitet. So kenne ich eine Mutter, die ihre Tochter nicht ins Kloster gehen lassen will, weil sie dadurch eine Hilfe und Stütze verliert, auf die sie aber nicht angewiesen ist. öo widersetzen sich manche Eltern, weil sie fürchten dabei Einbuße zu leiden an Ansehen, Bequemlichkeit und Wohlstand. Niemals dürfen die Eltern dem wahren Glück ihrer Kinder im Wege stehen. Manchmal scheint etwas ein Unglück zu sein für die Eltern und schlägt nachher doch in Glück und Freude um.- Wie war es doch mit den Geschicken des jungen Tobias? Der Vater hat ihn weit fort geschickt in ein fremdes Land, um eine Schuld einzufordern. Lange, lange blieb der Sohn aus. Täglich lenkte die Mutter Anna ihre Schritte zu einer benachbarten Anhöhe, um zu sehen, ob der geliebte Sohn immer noch nicht komme. Dann machte sie ihrem Manne noch die bittersten Vorwürfe, indem sie unter Tränen sprach: „Ach, lieber Mann, was hast du für ein Unglück uns aufgeladen. Wäre doch das Geld nie gewesen! Den Stab und die Stütze unseres Alters hast du weggenommen!" Doch siehe, endlich tauchte am Horizont eine Gestalt auf. Es ist Tobias. Freudig eilen Vater und Mutter ihm entgegen. Und was zieht der Sohn aus der Reisetasche? Die heilende Fischgalle, bestreicht damit des Vaters blinde Augen, und sie werden sehend. Bald kommt auch Sara, des Tobias würdige Lebensgefährtin, samt unendlichem Hausrat, Aussteuer und Kapital. So ist den Eltern aus dem vermeintlichen Verlust ein Segen geworden. Möge, liebe Eltern, eure Liebe zu den Kindern, frei sein von aller Selbstsucht, edel und opferwillig. Dann wird sich erfüllen das Wort des Psalmisten: „Die in Tränen säen, werden in Freuden ernten *
Der Talpfarrer.