Somlag, 11. Zanuar 1831.
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K.-Pfenntg B 45 L.-Vtennig (Znstellgebain extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse; Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Coloneizeile tm Reklameteil 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunst und Off.-Geb. 0.10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müffen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckeret tn Fulda (eia
Druck und Verlag der Fuldaer Ackieadruckeret. Verlagsort Fulda.
Wschenkarender.
^Sonntag, 11. Jan. 1. Sonntag nach Epiphanie. Fest der hl. Familie. Hyginus, Papst, Mart., ? 142.
Montag, 12. Ian. 7. Tag in der Oktav von Epiphanie. Dienstag, 13. Jan. Oktav von Epiphanie.
Mittwoch, 14. Jan. Hilarius, Kirchenlehrer, t 336. Felix von Nola, Mart.
Donnerstag, 15. Ian. Paulus, erster Einsiedler, f 342. Maurus, Abt, t 584.
Freitag, 16. Jan. Marzellus I., Papst, Mart., f 310.
Samstag, 17. Jan. Antonius, Abt, Einsiedler, f 356.
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Epistel. Römer 12, 1—5.
Evangelium. Lukas 2, 42—52. Der zwölfjährige Jesus im Tempel.
Als Jesus zwölf Jahre alt war, gingen seine Eltern der Festsitte gemäß hinauf nach Jerusalem. Nachdem die Tage vorüber waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem zurück, ohne daß seine Eltern es bemerkten. In der Meinung, er sei bei der Reisegesellschaft, gingen sie eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Da sie ihn aber nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel. Er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen an sie. Alle, die ihn hörten, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. Als sie ihn erblickten, verwunderten sie sich, und seine Mutter sprach zu ihm: „Kind, warum hast du uns das getan? L-iehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!" Er erwiderte ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet Ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?" Doch sie verstanden nicht, was er ihnen damit sagen wollte. Dann zog er mit ihnen hinab unb kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Seine Mutter bewahrte alle diese Dinge in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, an Alter und an Wohlgefallen vor Gott und den Menschen.
Auf weift versprochen.
ist die Kirche ihrem himmlischen ^ W Bräutigam verbunden worden, weil Christus ihrs Sünden ■ im Jordan wusch. So fingt die Kirche in den priesterlichen Tageszeiten am Feste Epiphanie oder Dreikönig, das wir am sechsten dieses Monats begangen haben. Noch zwei andere Geschehnisse aus dem Leben Jesu werden an diesem großen Festtag gefeiert: die An- betung der Weisen aus dem Morgenland und die Verwandlung des Wassers in Wein bei der Hochzeit zu Kana. Neben den beiden letzten genannten Wundern kommt das erstere gewöhnlich zu kurz und wird in die Ecke gestellt. Aber gerade dieses erste Geheimnis, die Taufe Jesu im Jordan, soll heute in unserer Lesung auf den Leuchten erhoben werden.
Unter Führung des hl. Geistes kam Jesu zum Jordan, als Johannes die Massen des Volkes in dessen heiligen Fluten taufte. Noch gänzlich unbekannt mischte sich Jesus unter die Bauern, Winzer, Kaufleute, Arbeiter und unter das gewöhnliche Volk und begehrte gleich einem sündigen Adamskind von Johannes die Taufe. Johannes aber kannte den Zimmermannssohn aus Nazareth und wußte, daß in dessen Brust höhere Kräfte verborgen waren und die Gottheit 'Aber darin ruhte. Aus diesem Grunde wollte er den Heiland abhalten und sprach zu ihm: „Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du tonnest zu mir!" Jesus aber erwiderte: „Laß es nur geschehen, denn es geziemt sich, daß wir jegliche Gerechtigkeit erfüllen", daß wir dem Willen des Vaters nachkommen. Da ließ Johannes ihn zu. Mit zitternder Hand taufte der Vorläufer die Sonne der Gerechtigkeit, die göttliche Reinheit. Und kaum war Jesus dem Wasser entstiegen, kniete er am Ufer nieder und betete. Da öffnete sich der Himmel, und der hl. Geist stieg herab in Gestalt einer Taube und ruhte über Jesus; und eine Stimme vom Himmel rief: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe; diesen sollt ihr hören!"
Mit und in Jesus ist die ganze Kirche getauft worden. In der Taufe Jesu waren die Taufen aller Menschenkinder enthalten bis ans Ende der Zeiten. Und darum singt die Kirche die eingangs erwähnte begeisterte Antiphon: „Heute ist die Kirche ihrem himmlischen Bräutigam verbunden worden, weil Christus ihre Sünden im Jordan wusch."
Und nun mit einem Ruck des Geistes vom Jordan weg an die Ufer der Donau in den Dom von Preßburg. Wie wir in der vorigen Lesung gehört haben, war dort dem König Andreas und der Königin Gertrud im Jahr 1907 eine Prinzessin geboren worden. Nur 24 Jahre hat sie auf Erden gelebt und starb im Jahre 1231. — Somit sind Heuer sieben Hundert Jahre verflossen, feit diese gotterfüllte Seele den Flug zum Himmel genommen ha^ Nun ist aber die heilige Elisabeth die bekannteste und volkstümlichste Heilige in deutschen Landen. Darum ist es eine Ehrenpflicht für ganz Deutschland, in diesem Jahre ein würdiges Jubiläum zu begehen.
Welcher Tag war nun der wichtigste im Leben der hl. Elisabeth? Nicht derjenige, an dem sie zur Welt geboren wurde, sondern derjenige, an dem sie für den Himmel geboren wurde: der Tag der hl. Taufe.
Frauen von Stand und Adel trugen das erlauchte, rosige Kind zur Kirche, und Herren mit Gold und Kronen waren in der Begleitung. Unter einem Baldachin zog die kleine Prozession durch die Straßen zur festlich geschmückten Kir.be. Dar- heilbringende Wasser ward aus dem Taukbrunn,^ geschöpft; der Priester kam und machte über das Kind eine Menas von ® reimeichen. hauchte es an.
gab ihm Salz in den Mund, berührte es mit Speichel, salbte es mit Del und goß über keinen Scheitel in drei Absätzen die Gnadenflut mit den mächtigen Worten:
„Elisabeth, ich laufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Zum Schluß reichte er ihr ein weißes Kleid mit der goldenen Mahnung: „Nimm hin das weiße Kleid und bringe es unbefleckt vor Gottes Richterstuhl, damit du das ewige Leben habest."
Und bitte Mahnung, wahrhaftig, Elisabeth hak sie befolgt. Mit den Edelsteinen guter Werke geschmückt hat Elisabeth das weiße Kleid der Unschuld und Heiligkeit dem Schöpfer zurückgebracht. Mein Christ, auch du hast die hl. Taufe empfangen. Alich deine Erbschuld mitsamt allein Sündenschmutz wurde von deiner Seele abgewaschen. Auch du hast das weiße Kleid empfangen saint der Mahnung des Priesters: „Nimm hin das weiße Kleid." In Frankreich und Spanien gibt es gutkatholische Familien, die den schönen Brauch haben, ihre Kinder bei der hl. Taufe „auf weiß zu versprechen". Diese Kinder tragen dann irgend ein weißes Abzeichen, besuchen täglich die hl. Messe, zieren die Altäre mit Blumen und sind ernftlia) bemüht, mit ihren Taufverpflichtungen Ernst zu machen, jede schwere Sünde zu «leiden und ein tugendhaftes Leben zu führen. Sind wir aber nicht- alle „auf weiß versprochen" worden? Haben wir nicht dem Satan widersagt samt seiner Lust und seinem Pomp? Sind wir nicht zu einem Leben mit Christus verpflichtet worden? Ja, die Taufe ist eine gxoße Kraft, ein heiliges Geheimnis. eine ernste Verpflichtung. Sie ist nach den Worten des Herrn nichts anderes als eine zweite, bessere Geburt, eine Neugeburt, eine Wiedergeburt, wodurch wir vor Gott neue Geschöpfe, Kinder Gotts und Erben des Himmels werden. Denn so sagt der göttliche Heiland: „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem hl. Geiste, kann er in das Himmelreich nicht eingehen."
Vergessen wir also nicht, was wir in der hl. Taufe geworden sind. Arbeiten wir selbst am Weiterbau und an der Vollendung der Taufe durch ein christenwürdiges, tugendhaftes Leben. Auf weiß versprochen! Das Strahlengewand der Gnade b.e= wahren, ist der Sinn des Taufversprechens. Keine schwere Sünde begehen und dadurch in die Gewalt des schwarzen Höllenfürsten geraten und Gefahr laufen, hinausgeworfen zu werden in „die Finsternis", wo Heulen und Zähneknirschen sein wird. Auf weiß versprochen — bedeutet, daß wir als Kinder des Glaubens und als Kinder des Lichtes wandeln und unserer Kirche Ehre machen, deren Glieder wir durch die Taufe geworden imd.
Ich will zu meinem Taufbund stehn, Die Kirche kindlich ehren;
Sie soll mich allzeit gläubig sehn
Hub folgsam ihren Lehren.
Ber Talvsarrer.