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Ausgabe B

Sonnlag. 16. November 1930.

Religiöses Wochenblatt katholischen Gemeinden Kassels

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Vtenntg B 45 R.-Pfennig iZustellgevühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretle: Colonelzetle >m Anzeigenteil 0.15 Goldmark. EolonelzetI» tm Reklametetl 0.60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ost.-Ged. 0.10 Goldmark. Porl» extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetiendruckeret tu Fulda sein.

~ Drues unö Verlag Der Fuldaer ArtteaSrukkeret. Declagsort Fulda. ^»

wochenkalender.

nr.!ag, 16. Rov. 23. Sonntag nach Pfingsten. ontag, 17. Nov. Gregor der Wundertäter, Bek., t 270. ensfog, 18. Nov. Einweihung der Kirchen St. Peter und Paul zu Rom.

ttwoch. 19. Nov. Elisabeth von Thüringen t 1231. Pontianus, Papst, Mart., st 235. ^ nnerstag, 20. Nov. Felix von Valois, Bek., t 1212. ütag, 21. Nov. Mariä Opferung.

mstag, 22. Nov. Caecilia, Jgfr., Mart., t 230.

23. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Philipper 3, 174, 3.

mgelium. rnatlhäus 9, 1826. Die Auferweckung der Tochter des Jairus.

In jener Zeit, da Jesus zu den Volksscharen redete, e, da kam ein Vorsteher, warf sich vor ihm nieder und ich:Herr, meine Tochter ist soeben gestorben. Aber im, leg ihr deine Hand auf, so wird sie wieder leben.' ns machte sich auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.. - siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren am Blutflusse trat hinter ihm heran und berührte den Saum seines vandes. Denn sie dachte bei sich:Wenn ich auch sein Gewand berühre, werde ich gesund." Jesus ibte sich um, sah sie und sprach:Sei getrost, meine hier, dein Glaube hat dich gesund gemacht.". Von der inde an war die Frau gesund. Als dann Jesus in das is des Vorstehers kam und die Flötenspieler und die nende Menge erblickte, sprach er:Geht hinweg! Das dchen ist nicht tot, es schläft nur". Da verlachten sie

Er aber wies die Leute hinaus und ging in das nach. Er faßte das Mädchen bei der Hand, und es ob sich. Die Kunde davon verbreitete sich in jener :zen Gegend.

In der Verbannung.

^^lbcin Stolz erzählt, er habe einmal einen Brief erhalten mit der Bitte, jeden Tag eine arme Seele zu Gast zu laden und sie mit einem Vater- unser zu speisen. Der fromme Priester hm diese Zudringlichkeit nicht übel, betrachtete 1 Vorfall vielmehr als eine Fügung Gottes, mehr seither für die Seelen des Römigungsortes zu en und zu büßen.

So möge denn auch unsere heutige Lesung da­beitragen, daß wir ein größeres Verständnis r das Schicksal der Verstorbenen bekommen, mehr itleid und Hilfsbereitschaft.

Wir haben in den letzten Lesungen gesehen, daß r alle ohne Ausnahme die Brücke des Todes isieren müssen und daß auf uns alle gleich nach m Tode das Gericht wartet. Welches wird aber r Ausgang des Gerichtes sein? Einer von drei ten wird unfehlbar uns zugesprochen werden: tweder das Fegfeuer oder der Himmel oder dte »lle.

Wer dürfte sich schmeicheln, sofort und direkt in 1 Himmel zu kommen? Mit Rücksicht auf die iligkeit Gottes, mit Rücksicht auf die Herrlichkeit

)es Himmels, mit Rücksicht auf unsere eigene Er- rärmlichkeit und Unvollkommenheit steht zu fürch­ten, daß wir alle mit dem Fegfeuer Bekanntschaft machen müssen. Die Worte der Schrift, daß manche selig werden wie durch das Aeuer, pflegt die Kirche auf das Fegfeuer auszulegen. Uralt ist sodann in )er katholischen Kirche der Brauch, für die Verstor­benen zu beten und zu opfern. Gäbe es in der Ewigkeit nur Himmel oder Hölle, so hätte es keinen Sinn, für die Verstorbenen auch nur einen Finger zu rühren. Denn die Seligen brauchen unser Ge­bet nicht- den Verdammten aber nützt es nichts. Wenn also unsere Kirche von Anfang an so großen Wert auf die Hilfsaktion für die Verstorbenen legt, so lebt f-e in der Gewißheit, daß es im Jenseits noch eine Zwischenstation gibt, wo Seelen noch ge­reinigt und gestraft werden und daß wir diesen Seelen Hilfe leisten können. In dieser uralten, allgemeinen Glaubensüberzeugung und Religions­praxis ist aber die Kirche vom hl. Geist geleitet und unfehlbar.

Und kommt damit unsere hl. Mutter, die Kirche, nicht unserem tiefsten Ahnen und Fühlen entgegen? Haben wir nicht das Bedürfnis, für unsere lieben Verstorbenen etwas zu tun? Falten wir nicht von selbst die Hände, um für Eltern, Geschwister und Freunde zu beten? Hören wir auf diese Stimme der Natur und verstärken sie noch durch die Stimme des Glaubens, welche sagt:Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten."

Welche Vorstellung sollen wir uns denn machen vom Zustand der Seelen, die im Reinigungsorte sind? Der große Schmerz, der an ihnen nagt, heißt Heimweh. Denn diese Seelen leben in der Verban­nung. Ihre Heimat ist der Himmel, ist am Herzen Gottes. Da es trotz mancher Mängel heilige Seelen sind, erleuchtete Seelen, so haben sie einen großen Begriff vom lieben Gott und wissen, daß nur in der Anschauung und im Besitze Gottes, des höchsten Gutes, ihr Glück und ihre Seligkeit bestehen kann. Wie brennend, wie unerträglich muß da der Schmerz sein, bis auf unbestimmte Zeit dieses große, unschätzbare Gut entbehren zu müssen.

Einst lebten die Israeliten in der Verbannung zu Babylon. Da konnten sie sich mit den Sitten und Bräuchen ihrer heidnischen Umgebung nicht be­freunden, sondern wurden verzehrt und geplagt von Heimweh nach Jerusalem, nach dem Tempel, dem Gottesdienst, den Opfern. Der Psalm 136 ist ein rührender Ausdruck dieser wehmütigen Stim­

mung:

Wir saßen fremd an Babels Flüssen

Und weinten Tränen bittern Heimwehs.

Wir hingen an den Trauerweiden Die Harfen auf, so stumm und traurig.

Da baten uns mit kaltem Spotte Die uns hinweggeführt, die Feinde: Singt uns ein Lied von Sions Liedern

Und preiset euren Gott Jehova.

Wie sollten wir ein Lied anstimmen

Auf unsern Gott im Heidenlande?

Jerusalem, vergesst ich deiner, So sei verdorren meine Rechte.

Am Gaumen klebe meine Zunge, Wenn du entschwindest meinem Sinne, Wenn ich Jerusalem nicht fetze Zum Grund- und Eckstein meiner Freude. lPs. 136).

So geht es auch den armen Seelen. Vergessen wir dabei nicht, daß der Tempel von Jerusalem nur ein Schatten ist vom Tempel des Himmels.

Allerdings stand im Tempel die Bundeslade und goldene Engel daneben. Im Himmel aber sitzt Gott selber, der dreieinige, dreimal heilige, tront voll Majestät, Herrlichkeit und Größe, umringt von den Ehören aller seligen Geister. Muß nicht die Seele brennen vor Schmerz, von dieser Himmelsherrlich­keit ausgeschlossen zu sein und nicht zu wissen, wie lange!

Auch der königliche Sänger ward einst vom Heimweh erfaßt, das er ausgesungen hat in einem herben, schmerzlichen Lied, in einem Psalm, den die Kirche auch den armen Seelen in den Mund legt:

Wie der Hirsch nach Wasserquellen, So lechzt nach dir, o Gott, die Seele.

Ich dürste nach dem starken Gotte;

Wann darf ich kommen, ihn zu schauen? Ein süßes Brot sind mir die Tränen, So lang ich fern der Heimat weile.

Mich faßt ein Heimweh nach dem Himmel; Zum Zelte Gottes möcht' ich wallen.

Betreten möcht' ich seinen Tempel

Mit Lobgesang und Festesjubel. lPs. 41.)

Du kennst nun die Stimmung der Seelen des Reinigungsortes und kannst dir etn Bild ihres Schmerzes, ihres Heimwehs machen. Wenn du nun imstande bist, dieses .Heimweh abzukürzen, die­sen Seelen ihre so schmerzliche Wartezeit abzukür­zen, braucht es da noch einer besonderen Aufmun­terung?

Ach, höret die Klagen, Ach, sehet die Plagen,

Erwäget der armen Gefangenen Leid.

Helft liebevoll sie retten

Von Banden und Ketten,

Worin sie geschlagen die Schuld in der Zeit.

Mit Seufzen und Weinen

Die Seelen in Peinen

Verlangen sehnsüchtig zur ewigen Ruh.

Ihr lieben Verwandten,

Ihr Freund' und Bekannten,

Wf Beten und Opfern verhelft uns dazu.

Die Werke, die du den armen Seeleu zukommen lässest, sind auch für dich keineswegs verloren. Sre erwerben dir den Anspruch aus die Verheißung des Heilandes:Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen."

Der Talpfarrer.