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Ausgabe B

Sonnlag. 8. November 1930.

Redaktlnndichluh Monlag. Reklometeil 0.60 Goldmark. Anzeigen müssen ipâlesten»

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Verlag der FaiSoer •Ucüenötudetei. Verlogaorl Fn da -»»

Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint fetten Sonntag und tostet monatlf® Ausgave A 40 R.- Pfennig 8 45 R.- Pfennig (Sufteügebühr extra)

Wochenkalender.

nlag, 9. Rooember. Fest der Weihe der Erlöser- isilikö zu Nom. 22. Sonntag nach Pfingsten. Theo- ir, Mart, f 303. Erntedankfe st. Kollekte r den Bonifatiusverein.

Jag, 10. Nov. Andreas Avellinus, Bek., | 1608. yphon u. Gen., Mart.

istag, 11. Nov. Martinus, Bisch., Bek., f 400. woch, 12. Nov. Oktav des Festes der Kirchweihe, artin L, Papst, Mart., t 655.

lierstag, 13. Nov. Didakus, Bek.

tag, 14. Nov. Josaphat, Erzbisch., Mart., f 1623.

istag, 15. Nov. Gertrudis die Große, Jgfr., 11302.

2. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Philipper 1, 6—11. gelium. Matthäus 22, 15—21. Die Steuerfrage, n jener Zeit gingen die Pharisäer hin und faßten Plan, Jesus in einem Ausspruche zu fangen. Sie ten also ihre Schüler mit den Herodianern zu chm ließen ihm sagen: „Meister, wir wissen, du bist haft und lehrst den Weg Gottes der Wahrhe.it ge- ohne nach jemand zu fragen; denn du siehst nicht Die Person des Menschen. So sage uns denn, was ft du, ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen nicht?" Jesus durchschaute ihre Arglist und ent- ete: „Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich? t mir die Steuermünze!" Sie reichten ihm einen ^r. Jesus fragte: „Wessen ist das Bild und die chrift?" Sie antworteten ihm: „Des Kaisers." Da h er zu ihnen: „Gebt also dem Kaiser, was dem er gebührt, und Gott, was Gott gebührt!"

Das Buch des Lebens.

feiner launigen Weise erzählt der be- ^âH kannte Augustinerpater Abraham fol- gende Geschichte:

Cäsar, der römische Feldherr und Monarch, halte einst eine Schlacht oren und mußte durch die Flucht sich retten * er aber zu einem großen Fluß kommt, allwo 'er Brucken noch Schiff vorhanden, so ist er ge- ingen worden aus dringender Not, seinen tai= ichen Purpur samt aller Pracht abzulegen, das- am Kestad liegen lassen und er nackend also "bergeschwummen, nichts mit sich genommen als ’ Auch seiner Kommentarien, welches er stets einer Hand in die Höhe gehalten. —

^ine ähnliche Flucht steht uns allen bevor, nn mir einmal besiegt smd vom Tode, dann hecht 'behen in das Jenseits. Den Leib wird man in ’ Grab betten und den Würmern und der Ver- un0 zur Speise geben. Die Seele aber wird Weg antreten zu ihrem Schöpfer, Herrn und ntcr. In diese Seele wird wie ein Buch einge= len das ganze Leben mit all seinen guten und 'N Werken. Darnach werden wir gerichtet: dar- 1 wird das Urteil und darnach wird unser icksal ausfallen für die Ewigkeit. —

Daß ein solches Gericht stattfindet, das glaube dem göttlichen Heiland, dem selbst seine Todfeinde im heutigen Sonntagsevangelium das Zeugnis ausstellen, daß er „den Weg Gottes in der Wahr­heit lehrt." Ich sage euch, so versichert der gött­liche Heiland, daß der Mensch über jedes unnütze Wort, das er redet, am Tage des Gerichtes Rechen­schaft ablegen muß.

Daß ein solches Gericht stattfinden wird, das glaube dem hl. Paulus, dem himmlische Geheimnisse geoffenbart wurden. Feierlich und zuversichtlich klingen seine diesbezüglichen Worte im Brief an die Korinther:

„Wir alle müssen erscheinen vor dem Richter­stuhl unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, damit ein jeder, je nachdem er in feinem Leben Gutes oder Böses getan, darnach empfange . ."

Im Unterschied zum allgemeinen Gericht, das erst am. Ende der Welt stattfindet und sich über die ganze Menschheit erstreckt, meine lch hier das besondere Gericht, das über jeden einzelnen Men­schen gleich nach dessen Tode ergeht. Oder soll denn die Seele tausend oder 100 000 Jahre nach dem Tode warten müssen bis zur Entscheidung? Ist es denn nicht ein Martyrium, wenn jemand zur Un­tersuchung gerichtlich einqezogen ist und Tage ja Monate lang bis zum Urteil sich gedulden muß? Auf eine solche Mnrterbank wird die Seele nicht ge­setzt. Die Zeit der Ungewißheit ist dann endgistig vorüber. Hier in dieser Zeitlichkeit, da sollen wir nach Gottes weisem Ratschluß nie in Sicherheit uns einwiegen. Denn wir wissen nicht, sagt der Apostel, ob wir der Liebe oder des Hasses schuldig sind. Sobald wir aber die Augen geschlossen haben im Tod. geht uns ein anderes Licht auf; es fallen dann die Schleier der Ungewißheit und wir ernennen im Lichte der göttlichen Klarheit unsere Seele in ihrem wahren Zustand, sie wird uns wie in einem Spiegel qgenübergeftellt. Daß Tod und Gericht einander folgen wie Blitz und Donner, das lehrt ausdrücklich der Völkerapostel mit den Worten: „Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben ---und darnach kommt das Gericht!"

Worüber erstreckt sich dieses Gericht? Ueber das ganze irdische Leben ohne Ausnahme, über alle Gedanken, Worte und Werke, ja sogar über die Un­terlassungen. Wie werden wir uns da freuen über alle guten, edlen Gedanken gegen Go t u. die Mit­menschen, über alle Sammlung und Andacht beim Gebet, bei. der Betrachtung, beim Empfang der hl. Sakramente, beim Gottesdienst: über alle Gedanken der Teilnahme, der Hilfsbereitschaft. Wie werden wir uns dann freuen über alle Worte der Wahr­heit, der Güte und Liebe. Wie werden wir uns dann freuen, daß wir uns ferngehalten von der Sünde und von so manchen zweifelhaften Ver­gnügungen und Lustbarkeiten. Wie werden wir uns aber schämen aller Zerstreuung, aller Aus- schweifung. aller Regung des Hochmutes, des Nel­des, des Zornes, der Abneigung, der Sinnlichkeit.

Wie werden wir uns schämen so mancher Beschimp- fung. Ehrabschneidung, Heftigkeit, Lüge, Aufschnei­derei, so mancher zweifelhaften Zoten und Witze. Wie werden wir uns schämen aller Unkeuschheit. Trunksucht, Ungerechtigkeit, Betrügerei. Wie wer­den wir uns schämen, daß wir so manches Gebet, so manche Andacht, so manchen Gottesdienst, -o manche Kommunion, so manche Predigt, so manche gute Lektüre, so manches gute Wörtlein, so manche Gefälligkeit, so manches Liebeswerk, so manche gute Gelegenheit versäumt und unterlassen haben.

„Ach, was werd' ich Armer sagen, Welchen Anwalt werd' ich fragen, Wo Gerechte selber zagen?"---

Kommen wir dem Gerichte zuvor, indem wir das Rezept des hl. Paulus zu Rate ziehen: „Wenn mir uns selber richten, dann werden wir nicht ge­richtet werden." Wir richten wir aber uns selber? Wenn wir uns demü.ig an klagen im Richterstuhl der Buße vor dem verschwiegenen Priester. Wenn wir tagtäglich unser Gewissen erforschen. Selbst Heiden geben den Rat, täglich die Bilanz der Tu­genden und Fehler zu ziehen.

„Niemals lasse den Schlummer du nahn den ermattenden Augen, Ehe du dreimal das Tun des verflossenen Zages geprüft hast. Worin fehlt' ich? Was tat ich? Versäumt ich eine der Pflich en? Alles von vorn bis zuletzt durchgeh; und begingest du Fehler, führe sie dir zu Gemüt, doch der löb­lichen Handlungen freu dich!"

Der Talpfarrer.

Kaiser und Gott.

Zum Evangelium des 22. Sonntags nach Pfingsten.

„Politisch Lied, ein garstig Lied". Wir, die wir's Tag für Tag am eigenen Leibe erfahren, sind nur allzu geneigt, den Kehrreim mitzusingen, und uns dann verärgert von allem abzuwenden, was Politik heißt, erst recht dann, wenn der un­ersättliche Sammelteller eines verehrlichen Steuer­fiskus umgeht und uns zum so und sovielten Male mit sanftem Drängen unter die Nase gehalten wird.

Ihr denkt, was will denn der Sonn agsbetruck- ter heute mit diesem unerquicklichen Thema von uns. Sollen wir uns jetzt auch den Sonntag und das bißchen Lesung, an dem mir uns erbauen und aufrichten wollen, verekeln lassen?

Gewiß nicht. Aber da ja der Heiland selber das von seinen unversöhnlichen Feinden, den Pha­risäern und Herodianern, ihm aufgespielte arg gar­stige politische Rätsel nicht abwies, sondern di« Antwort zu einer uns alle gewaltig angehenden Belehrung benutzte, wollen mir ein wenig zusehen, was für uns daraus zu entnehmen ist.

„Gebet also dem Kaiser, was des Kasters ist, und Gott, was Gat es!" Sinn und Bedeutung dieses Heilandswortes gehen weit über den Sina