Sonntag. 19. Oktober 1930,
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 2L-pfennig B 45 L-Pfennig (Zustellgebühr extra)
wochenkalender.
Sonntag, IS. Oftober. 19. Sonntag nach Pfingsten. Petrus von Alcantara, Bek., t 1562.
Wontag, 20. Okt. Johannes von Kenti, Bek., t 1473.
Wendelinus, Bek., t 617.
Dienstag, 21. Okt. Hilarion, Bek., t 371. Ursula u. Gef., Mart., t 451.
Mittwoch, 22. Okt. Vom Tage.
Donnertag, 23. Okt. Vom Tage.
Freitag, 24. Okt. Raphael, Erzengel.
Samstag, 25. Okt. Mariensamstag. Chrysantus und Daria, Mart., t 284.
19. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Epheser 4, 23—28.
roangelium. Matthäus 22, 1—14. Das Gleichnis vom königlichen hochz^itsmahl.
In jener Zeit redete Jesus zu den Hohepriestern nd Pharisäern in Gleichnissen und sprach: „Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der feinem Sohne Hoch- eit hielt. Er sandte seine Knechte aus, die Geladenen ur Hochzeit zu rufen. Doch sie wollten nicht kommen. )a sandte er andere Knechte aus mit dem Auftrag: Sagt en Geladenen: Seht, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet; alles ieht bereit, kommt zur Hochzeit! Allein sie achteten nicht arauf und gingen weg, der eine auf sein Landgut, der ndere zu seinem Geschäfte. Die übrigen aber fielen lier seine Knechte her, verhöhnten sie, ja schlugen sie tot. Us der König das hörte, ward er zornig. Er sandte seine Truppen aus, ließ jene Mörder umbringen und ihre Stabt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knech- en: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet; doch die Ge- abenen waren seiner nicht wert. So geht denn hinaus n die Straßenkreuzungen und ladet zur Hochzeit, wen hr nur findet. Die Knechte gingen auf die Straßen Hin- U5 und brachten alle herbei, die sie fanden. Gute und 8öje. So füllte sich der Hochzeitssaal mit Gästen. Nun rat der König ein, um sich die Gäste anzusehen. Sein Alick fiel auf einen, der kein hochzeitliches Gewand trug. Er redete ihn an: Freund, wie bist du hier herein gekom- nen ohne hochzeitliches Gewand? Er aber schwieg. Da icbot der König den Dienern: Bindet ihm Hände urtb wße und werft ihn hinaus in die Finsternis! Dort wird )euten und Zähneknirschen sein. Denn viele sind beru- en, wenige aber auserwählt. "
■ Am Webstuhl.
indet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis; da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Und warum dieses schreckliche Schicksal? Diese ewige Verwerfung? Weil jener Tor es versäumt hat, sich rechtzeitig das hochzeitliche Kleid zu beschaffen, das doch für eine o große Festfeier geziemend und selbstverständlich
Dar.
Welche Wahrheit wollte uns der Heiland unter feiern Bilde vorstellen? Daß wir am Webstuhl der Zeit fitzen und alle Tage dieses Lebens arbeiten ollen am „hochzeitlichen Gewand", an der Ausrüstung der Seele, die allein uns würdig macht,
Hausgenossen der Engel und Tifchgenossen Gottes zu werden. —
Das ist die Lehre, die allerwärts in der Bibel aufleuchtet wie Sterne am Firmament. Das ist auch die Lehre des Apostelfürsten Petrus gegen Ende seines Briefes. Dieser Abschnitt möge heute unsere Aufmerksamkeit beanspruchen.
„Am Ende der Tage werden Spötter auftreten und sagen: „Wo bleibt die verheißene Wiederkunft? Seit die Vä^r entschlafen sind, besteht alles weiter, wie es von Anfang der Schöpfung war." Absichtlich übersehen sie nämlich, daß kraft des Gotteswortes der Himmel und die aus Wasser und durch Wasser gebildete Erde schon von alters her da waren, und daß dennoch die damalige Wett in der Wasserflut unterging. Der jetzige Himmel und die Erde find aber durch das nämliche Wort auf- gespart. Sie werden für das Feuer verwahrt aus den Tag des Gerichtes und des Untergangs der gottlosen Wenschen. Das eine aber sollt ihr nicht vergessen. Geliebte: ein Tag ist bei dem Herrn wie tausend Jahre. und tausend Jahre sind wie ein Tag. Der Herr säumt nicht mit der Erfüllung seiner Verheißung, wie einige das für ein Säumen halten; vielmehr übt er Langmut gegen euch. Denn er will nicht, daß jemand verloren gehe, sondern daß alle zur Sinnesänderung gelangen. Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb; da wird der Himmel mit zischender Schnelligkeit vergehen, die Elemente werden in glühender Hitze sich lösen, und die Erde wird verbrannt werden mitsamt allem, was auf ihr ist. Da nun das alles sich auflöst, wie sehr müßt ihr euch da eines heiligen Wan ■ dels und der Frömmigkeit befleißen und eure Aufmerksamkeit auf den Tag der Gottesankunft lenken und auf ihn harren! Mm deffentwillen wird der Himmel im Feuer vergehen und werden die Elemente in der Glut verschmelzen. Wir erwarten aber seiner Verheißung gemäß einen neuen Himmel und eine neue Erde, wo die Gerechtigkeit wohnt. Geliebte, da ihr solches zu erwarten habt: bestrebet euch, rein und ohne Fehl vor ihm in Frieden befunden zu werden und benutzt die Langmut des Herrn zu eurem heile." 2 Pe. 3, 3—15.
Der hl. Petrus spielt also auf mancherlei Jrr- lehrer wie z. B. die Gnostiker und Dositheaner an, deren Namen des Nennens nicht wert sind. Wo bleibt die „verheißene Wiederkunft?" Dieses Schlagwort warfen sie in die zweifelsüchtigen Seelen wie Giftsamen. Alles bleibt wie es war. Die Himmelskörper bewegen sich in ihrem alten Trab weiter; die Erde bringt ihr Früchte, die Sonne spendet ihre Strahlen. Was die Propheten und Apostel von einem Weltende reden, ist ein albernes Gefasel! So predigten diese Irrlehrer und verleiteten damit die Menschen zu einem leichtsinnigen Leben ohne Halt und Zucht. Ganz dieselbe Afterweisheit, die, heute noch in manchen Köpfen spukt.
Was sagt nun dazu der hl. Petrus? Er weist die Behauptung der Jrrlehrer in ihre Schranken zurück. Es ist gar nicht wahr, sagt er zunächst, daß alles geblieben ist wie es war. Hat denn nicht die Sündflut eine große Veränderung des Weltbildes hervorgebracht? Und so wird eine zweite, weit größere Katastrophe aber mit Feuer stattfinden und der ganzen Welt ein neues Aussehen geben.
Warum aber dauert es so lange? Weil es uns so lange vorkommt. In Wirklichkeit, an der Ewigkeit Gottes gemessen, wird die Frist eine kurze sein. Denn „tausend Jahre find vor Gott wie ein Tag." Bei Gott gibt es eben keine Zeit. Er ist im glücklichen Besitz der Ewigkeit. Auch bei uns kommt mancher Tag nur wie ein Stündchen vor, wenn wir uns mit Lust und Liebe hl eine Sache versenken. Eine uralte, liebliche Legende mag diese Warheit veranschaulichen. Ein Mönch sang im Chor die Worte des Psalmisten; tausend Jahre sind bei Gott wie ein Tag. Als die Hore beendet war, begab er sich in den Wald und erging sich in frommen Betrachtungen über die Ewigkeit. Da zog ein Vögelein mit seinem Sang und Klang seine Aufmerksamkeit auf sich. Nach einem Stündchen, wie er glaubte, kehrte er in den Konvent zurück. Wie staunte er aber, als er den Pförtner, den Prior, den Abt nicht mehr kannte, und alles ihm so fremd und verändert vorkam. Da schlug der Abt in der Chronik des Klosters nach und fand geschrieben, daß vor drei Hundert Jahren ein Mönch das Kloster verlassen habe und nicht mehr zurückgekehrt sei. —
Die Frist nun, die verstreicht von heute bis zum Weitende uni) zum Gericht und zur letzten großen Entscheidung, ist nach Gottes Absicht eine Gnadenfrist. Keiner soll verloren gehen. Alle sollen sich zur Buße wenden und selbst die Gerechtem sollen diese goldene Gnadenfrist benützen zum Wachstum in der Liebe Gottes. Plötzlich aber wie ein Dieb in der Nacht wird der Tag Hereinbrechen, und jeder, der dann bereit ist, besteht das Gericht und wer nicht bereit ist, geht ewig verloren. —
Der Herbst schreitet durch die Lande und beweist wieder die Vergänglichkeit aller irdischen Herrlichkeit und redet mit dem Rascheln des dürren Laubes zu unsern Füßen eine deutliche Sprache. So wo^ len wir uns hinsetzen an den Webstuhl der 1 und wieder emsig arbeiten am hochzeitlichen Kleid zum Einzug in den himmlischen Hochzeitssaal, ein Kleid, das nicht zusammengesetzt ist aus Tuch oder Seide, sondern aus Tugenden und Verdiensten.
Der Talpfarrer.
Aeauenwürde.
Aus dem Tagebuche einer Hebamme.
Von Lisbeth Burger.
In den ersten Jahren hab' ich mir oft und oft den Kopf darum zerbrochen, worin es wohl