Ausgabe B
Sonnlag. 12. Oktober 1930.
Nr. 41
Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K.-Pfennlg 8 45 K-Vfennlg (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzelle tm Reklometeil 0,60 Goldmark, Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porl» extra Anzeigen müßen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerel in Fulda sein.
Druck und Verlag der Fuldaer Acliendruckerei. Verlagsort Fulda.
Wochenkalender.
Sonnlag, 12. Oft 18. Sonntag nach Pfingsten.
Montag, 13. Oft Eduard, Bek., f 1066.
Dienstag, 14. Okt. Kallistus, Papst, Mart., t 752.
stittwoch, 15. Okt. Theresia, Jgfr., f 1582. ionnerstag, 16. Okt. Lullus, Bisch., Bek., f 786, Hedwig, Äitwe, f 1243.
Freitag. 17. Okt. Margarita Maria Alacoque, Jgfr. t 1690.
118. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1 Korinther 1, 4—8.
Evangelium. Matthäus 9, 1—8. Die Heilung des Gelähmten.
In jener Zeit stieg Jesus in ein Boot, fuhr über n See und kam in eine Stadt. Und siehe, da achte man einen Gelähmten zu ihm, der auf einem ette lag. Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu m Gelähmten: „Sei getrost, mein Sohn, deine Sun- [n sind dir vergeben!" Da dachten einige der Schriftlehrten bei sich: „Der lästert Gott!" Jesus durch- jaute ihre Gedanken und sprach: „Warum denkt ihr Ar- , s in eurem Herzen? Was ist denn leichter zu sagen: eine Sünden sind dir vergeben? oder zu sagen: Steh lf und wandle? Doch ihr sollt wissen, daß der Men- lensohn die Macht hat, auf Erden Sünden zu verge- n." Und nun sprach er zu dem Gelähmten: „Steh if, nimm dein Bett und geh nach Hause!" Und jener inb auf und ging nach Haus«. Als die Volksscharen das hen, gerieten sie in Furcht und priesen Gott, der solche acht den Menschen gegeben hat.
Lustige Tage.
erbst, Erntedankfest, Oktoberfest, Kirch- wech machen jetzt die Runde durch das Land. Da wollen sich die Menschen „lustige Tage" machen. Und was versteht man meistens unter „lustigen
M^ß^â Tagen?", Tage, an denen der Ge- ißsucht Tür und Tor geöffnet werden; Tage, an men man dem Gaumen nicht versagt; Tage, a denen man sich wahllos alles gestattet, was 15 Herz begehrt; Tage, an denen vor allen Din- 'n Essen und Trinken die Hauptrolle spielen; age, an denen das Fasten und die christliche Mä- stkeit in Scham ihr Haupt verhüllen. ---
Am zweiten Kapitel seines 2. Briefes hat es er hl Petrus mit Menschen zu tun, denen das Jr- Uche über alles geht. Er vergleicht sie den Menten der Sündflut, bei denen alles zu Fleisch ge- orden war; mit den Lüstlingen von Sodoma id Gomorrha, die der widernatürlichen Unzucht öhnten. Das ganze Kapitel hierherzusetzen wäre wünscht und interessant, aber es würde uns den lnzen Raum ausfüllen. Herzlich möchte ich dich lten, deine Bibel aufzuschlagen und einmal die- 3 stanze KaMel in einer besinnlichen Lesung vor
zunehmen. Nur wenige Verse feien hier abgedruckt, die den Sybariten u. Prassern ins Stammbuch geschrieben sind:
„Am Tage zu schlemmen, halten sie für Genuß; als Schmutz- und Schandflecken schwelgen sie in ihren Lüften, wenn sie mit euch zusammenschmausen. Ihre Augen sind voll Ehebruch und unersättlich im Sündigen; sie locken haltlose Seelen an sich; ihr herz ist in der Habgier bewandert." (2. Pe. 2, 13—15.)
Wenige Worte — aber voll Anklage gegen die Genußmenschen der damaligen Zeit. Die Andeutungen des Apostels sind zu dürftig, als daß wir daraus einen Steckbrief auf die Personen machen könnten, die er im Auge hat. Wahrscheinlich spielt er auf gewisse Jrrlehrer an wie z. B. die Gnostiker, die unter dem Vorwand der christlichen Freiheit alle Bande der Zucht und Sitte gelöst haben. Den Reinen ist alles rein — das war die Parole, auf die sie sich stürzten wie der Hund auf einen Knochen. Alles ist gut, was Gott erschaffen hat. Es genießen gereicht Gott zur Ehre. Daß es auch ein Maßhalten gibt, davon wollten diese Jrrlehrer nichts wissen. Auf keinen Fall wokkten sie erinnert werden an das Wort des göttlichen Heilandes:
„Hütet euch, daß eure Herzen etwa nicht belastet werden mit Böllerei und Trunkheit." Ein Dorn im Auge muß ihnen gewesen sein die berühmte Mahnung des Völkerapostels:
„Wie am Tage laßt uns ehrbar wandeln, nicht in Schmauserei und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht."
Nicht genug mit ihren eigenen Schlemmereien waren diese Genußmenschen auch darauf erpicht, andere in ihre Netze zu ziehen. Frech und unverschämt schlichen sie sich in die Versammlungen der Christen, wenn diese zu ihren „Agapen" oder Liebesmahlen zusammenkamen. Mit der unschuldigsten Larve von der Welt fragten sie die Einfältigen, was es denn böses sei um den Wein und um das andere Geschlecht. Unbefangene Neulinge besonders aus dem Frauengeschlecht, die mn den Tricken der Welt und des Teufels noch nicht bewandert waren, brachten sie mit solchen törichten Redensarten zum Abfall. Und die letzten Dinge solcher Neuchristen waren schlimmer, sagt Petrus, als die Werke, die sie im Heidentum begangen haben. Denn sie gaben s^ch allen Lüsten preis und schändeten den christlichen Namen. Da erfüllten sich die Worte des Völkerapostsls: „Derartige Menschen dienen nicht unserm Herrn Jesus Christus, sondern dem Bauche und mit süßen Worten und Schmeicheleien verführen sie die Herzen der Arglosen."
Im Zeitalter der Reformation feierte diese Irrlehre, diese Emanzipation des Fleisches wahre
Triumphe. Wozu sollte man sich auch plagen, wenn Fasten und die andern guten Werke unnütz oder sogar schädlich sind, wie die Reformatoren fälschlich behaupteten! Doch die Rache blieb nicht aus. Was man säte, mußte man ernten. Hören wir ein interessantes Geständnis aus dem Munde Luthers selber: „Im Papsttum haben wir wiche Ungeheuer von Taugenichtsen nicht gefunden; die Anhänger des „Evangeliums" werden „Reformierte" genannt, während es in der Tat eingefleischte Teufel zu sein scheinen."
Spielt aber die Genußsucht nicht auch heute eine Rolle sowohl bei Ungläubigen wie bei Gläubigen, bei Andersgläubigen und Katholiken? Schemen nicht für manche die Kirchweihen, die Oktoberfeste, die Hochzeiten, sogar die Patrozinien ein Freibrief für Fraß, Völlerei und Unzucht zu Mn?, Was sagt aber St. Paulus von solchen Helden? Ihr Gott ist nicht der Heiland — sondern — der Bauch!" —
In unsern Zeiten schwingt die Not ihre Geißel und nötigt fast alle zu Einschränkungen, zur Sparsamkeit und selbst zum Darben. Unheimlich ist es, wie die Straßen voll sind von Arbeitslosen, Handwerksburschen, Reisenden und Bettlern. Wäre es da nicht unverantwortlich, die Gaben Gottes in Unmäßigkeit zu verschwenden, die Armen dadurch zu beleidigen, Zündstoff anzuhäufen zur Unzufriedenheit und zur Auflehnung!
Ueben wir doch die alte, bestempfohlene, segensreiche Tugend der Mäßigkeit verbunden mit Wohltun. Eine große Täuschung wäre es aber zu wähnen, diese Tugend erwerben zu können ohne freiwillige Uebungen der Enthaltsamkeit und des Verzichtes. Da will ich zu guter Letzt noch Hinweisen aus das Beispiel des hl. Herzogs Franz von Gandia, dessen Andenken die Kirche am 10. Oktober begeht. „Wenn er als Stellvertreter des Kaisers glänzende Tafeln gab — so lese ich in einer Legende, — ließ er all die leckeren Gerichte an sich vorübergehen und genoß nichts als Wasser und Brot. Nie ging er zur Ruhe, ohne dem Herrn Rechenschaft abgelegt zu haben. Gegen die Armen hatte er stets eine offene Hand und linderte durch reichliche Almosen öfter ihr hartes Los.
Der Talpfarrer.
Ein Evangelium für unsere Arbeitslosen.
Zum Evangelium des 18. Sonntags nach Pfingsten.
Warum find mir eigentlich beim Lesen des heutigen Sonntagsevangeliums gerade unsere Arbeitslosen eingefallen? Man sagt ja wohl, daß die furchtbare Prüfung der Arbeitslosigkeit, das Bewußtsein von der Unsicherheit der eigenen Existenz und der von Weib u. Kind, von dem Ausgeschaltet- fein aus dem Kreise der Wirkenden und Schaf-