Sonntag, 5. Oktober 1930.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-Pfenntg 3 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra), Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Tolonelzetle (m Anzetgentett 0,15 Goldmark, Colonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bet Wiederholung Rabatt. Auskunft und Osf.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei io Fulda sein.
— -- Dturf anv Verlag der Fuldaer Actteadruekerel. Verlagsort Fulda. » -
WocherrkaSe^der.
Zonniag, 5. Oktober. 17. Sonntag nach Pfingsten. Montag, 6. Oktober. Bruno, Bek., f 1101.
Yenstag, 7. Oktober. Fest des hl. Rosenkranzes. Markus, Papst, Bek., und Sergius u. Gen., Mari., f 336. stittwoch, 8. Oktober, Brigitta,, Witwe, f 1375. 'onnerstag, 9. Oktober, Dionysius, Areopagita u. Gen., Mart., f 272.
»reitag, 19. Oktober. Franz Borgi», Bek., f 1572. amslag, 11. Oktober. Mariensamstag.
17. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Epheser 4, 1—6.
vangelium. Matthäus 22, 35—46. Das Hauptgebol.
In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus. Einer von nen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stel- n und fragte ihn: „Meister, welches ist das Hauptge- t im Gesetze?" Jesus antwortete ihm: „Du sollst den ernt deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, mit iner ganzen Seele und mit deinem ganzen Gemüte! as ist das höchste und erste Gebot, das zweite ist diesem eid): Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! n diesen 2 Geboten hängen das ganze Gesetz und die wpheten". Da die Pharisäer beisammen waren, richtete jus an^sie die Frage: „Was haltet ihr von Christus? essen Sohn ist er?" Sie antworteten ihm: „Davids 'hn". Da sprach er zu ihnen: „Wie kann ihn dann ivid, vom Geiste erleuchtet, Herr nennen, da er sagt: 1 fprad) der Herr zu meinem Herrn: Setze dich zu mei- r Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner iße mache? Wenn nun David ihn Herr nennt, wie er dann sein Sohn?" Niemand konnte ihm Antwort rauf geben. Und von diesem Tage an wagte niemand chr, ihm eine Frage vorzulegen.
Das weitgeöffnete Tor.
■ommen wir zu einem Palast, zu einer prächtigen Villa, zu einem ansehnlichen Herrschaftshaus, so finden wir Tür und Tor fest verschlossen und verriegelt. Meist liegt auch ein Wäch- c in Hundesgestalt davor und empfängt uns mit utem Gebell.
Weilgeöffnek ist aber das Himmelstor, wenn lr ein wahrhaft christliches, ein solides Leben hin- r uns haben. So ist es im Leben des hl. Jean- 5015 verzeichnet, dessen Andenken die Kirche am Oktober begeht. Arm und geplagt war sein den. Kein Enterbter des 4. oder 5. Standes, m Dtraßenvagabund, kein Gefängnisinsasse führt Zwungen ein so abgetötetes, so bedürfnisloses -’en, rcie eg Sankt Franziskus freiwillig und 5 Oiebe zu Gott geführt hat. Doch mit dem lgenblick feines Todes hat sich die Szenerie plötz- ) und für immer gewechselt. Höre, was tm Gra- ale der Franziskusmesse geschrieben steht: ranziskus, einst arm und niedrig, zieht reich in 'N Himmel ein und wird mit himmlischen Liedern gefeiert.--
Wenn wir einmal denselben Weg zum Himmel gehen wollen, wenn auch uns das Tor des Paradieses offen stehen soll, dann müssen wir auch einen Lebenswandel führen, der unserer ewigen Bestimmung würdig ist. Da hat uns nun der hl Petrus tm zweiten feiner Briefe ein inhaltreiches, zielbewußtes Programm entworfen. Vertiefen wir uns einige Augenblicke mit Sorgfalt in feine einzelnen Punkte.
„3eigt in eurem Glauben die Tatkraft, in der Tatkraft die Erkenntnis, in der Erkenntnis die Mäßigung,in der Mäßigung die Geduld, in der Geduld die Frömmigkeit, in der Frömmigkeit die Bruderliebe und in der Bruderliebe die Gottesliebe. Wenn diese Tugenden in reichem Maße bei euch vorhanden sind, so kann das für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus nicht ohne Wirkung und Frucht bleiben. Wer aber diese Tugenden nicht hat, der ist blind und kurzsichtig und hat vergessen, daß er von seinen früheren Sünden gereinigt worden ist. Seid darum, liebe Brüder, umsomehr daraus bedacht, eure Berufung und Auserwählung durch gute Werke sicher zu stellen; dann werdet ihr nie straucheln; es wird euch vielmehr der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus weit offen stehen." —
Es gibt manche Buchstabenchristen, Namenchri- strn, die sich entweder aus dem Himmel nichts machen oder aber meinen, es sei genug, den Namen eines Christen zu führen. Diesen Toren möchte der Apostelfürst in obigen Worten den Star stechen. Nicht weniger als acht Tugendübungen stellt der hl. Petrus an die Straße zum Himmel.
Die erste ist der Glaube. Ist ja der Glaube das Fundament und Prinzip jeder Rechtfertigung. Ohne Glaube, sagt der Apostel Paulus, ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Merke aber, daß der Glaube vom Hören kommt; der Glaube ist kein selbstgewähltes System von Wahrheiten, die du nach Belieben annehmen oder verwerfen könntest. Was der Papst sagt, was die Bischöfe lehren, das ist einem Katholiken maßgebend. Wie leicht, wie bequem hat es doch der Katholik in Sachen des Glaubens. Du hast keine Zeit, wissenschaftliche Werke zu studieren? Du hast nicht die nötige Bildung, die Hl. Schrift zu erforschen? Du hast nicht einmal das nötige Geld, um dir eine Bibel, einen Goffine, ein Religionsbuch zu kaufen? Vielleicht ist das zwar eine Einbildung oder ein leerer Wahn. Mögest du aber auch tatsächlich so arm am Geist und Beutel sein, so kannst du dennoch ein gesundes, ein starkentwickeltes Glaubensleben führen. Geh nur in die Gottesdienste und lausche auf den Unterricht und die Predigt der katholischen Geistlichen, und die Leuchte deines Glaubens wird nicht erlöschen, sondern hell und warm brennen.
Zum Glauben kommt die Tatkraft. Hast du es nicht schon selbst erfahren? Als Arbeiter, als Her
denmensch, ja selbst als Gebildeter mußt du stets deines Glaubens dich wehren. Regnet es nicht von allen Seiten von Angriffen, von Spott und Hohn! Da braucht es männliche Energie, da braucht es ein männliches, ernstes Wort, da braucht es eine männliche, entschlossene Tat, um dich durchzusetzen. Eine solche Tat ist das Halten einer katholischen Zeitung, die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gewerkschaft, zu einem katholischen Verein«
Als drittes nennt der hl. Petrus die Erkenntnis. Damit meint er wohl eine gewisse praktische Erfahrung, die Kenntnis des Lebens, seiner Schwierigkeiten, Gefahren sowie der Mittel, um ihnen wirksam zu begegnen. Da heißt es eben die Augen aufmachen, da heißt es lernen, da heißt es, sich selber kennen lernen. Durch stete Aufmerksamkeit wirst du schon sehen, wo der Versucher den Hebel ansetzt, wissen, ob du durch Reden oder kluges Schweigen dem Spötter den Mund stopfen kannst.
Als viertes nennt Petrus die Mäßigung. Nicht zu viel, war schon die Losung eines alten Philosophen. Ist es nicht eine merkwürdige Tatsache, daß es Menschen gibt, die Stein und Bein über ihre Not klagen, welche über Regierung und Parteien wie die Rohrspatzen schimpfen, dabei aber lange in Wirtschaften und Kneipen sitzen, dabei aber manches Glas über den Durst trinken, dabei aber jedes Vergnügen mitmachen, dabei aber eine Zigarette nach der andern anzünden. Ein Vergnügen, eine Abspannung ist jedem gegönnt, jedem notwendig. Wenn nur auch die Menschen lernen würden, sich zu bescheiden und Maß zu halten und nicht bloß gezwungen, sondern auch bisweilen freiwillig einen Verzicht zu leisten!
Als fünfte Tugend folgt die Geduld. Mit andern, die nicht deiner Gesinnung, nicht deinem Stand, nicht deiner Partei angehören, die vielleicht im Beruf oder in der Gesellschaft deine Konkurrenten, deine Gegner sind, mußt du Nachsicht und Geduld haben. Nicht sie beschimpfen, verdammen, verfolgen oder hassen! In Leiden und Heimsuchungen ist die Geduld so notwendig wie ein schützendes Dach bei Regenwetter!
Es schließt sich die Frömmigkeit an, die praktische Uebung der Religion, der Besuch der hl. Messe, der Empfang der hl. Sakramente.
Bruderliebe und Gottesliebe beschließen den Tugendreigen. Beide gehören zusammen, sind Zwillingsbrüder, sind unerläßliche, aber unfehlbare Führer zum Himmel. Diesen gewinnen ist wahrhaftig ein würdiges Ziel. Käme auch nur ein einziger Mensch in die Hölle, sagt der Bruder Aegidius, der Begleiter des hl. Franziskus, so würde ich mich aus Leibeskräften anstrengen, dieser einzige nicht zu sein. Umgekehrt: käme nur ein einziger in den Himmel, so müßtest du alles daran setzen, dieser einzige zu sein.
.f°©er Talviarrer.