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Sonntag, 2t September 1930

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint leben Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 «.-Pfennig B 45 «.-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzetle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckeret in Fulda fein.

--" Druck und Verlag der Fuldaer AcNendruckerei. Derlagsorl Fulda. -",

Wochenkalender.

Sonnlag, 21. Sept. 15. Sonntag nach Pfingsten. Matthäus, Apostel. Kollekte für das PrLe­st e r f e m i n a r.

Montag, 22. Sept. Thomas von Villanova, Bisch., Bek., f 1553. Mauritius, Mart., f um 300.

Dienstag, 23. Sept. Linus, Papst, Mart., Thekla, Jgfr., Mart., t im 1. Jhrh.

Mittwoch, 24. Sept Fest der allerseligsten Jgfr. Ma­ria von der Erlösung der Gefangenen.

Donnerstag, 25. Sept. Vom Tage.

Freitag, 27. Sept. Cyprianus u. Gen., Mart., t 303. Samstag, 27. Sept. Kosmas und Damianus, Aerzte, Mart., f 303.

15. Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Galaler 5, 256, 10.

Evangelium. Lukas 7, 1116. Der 3ünglinq zu Haim.

In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt mit Na­uen Naim. Es gingen mit ihm feine Jünger und viel 3olt. Als er in die Nähe des Stadttores kam, siehe, da rug man einen Toten heraus, den einzigen Sohn feiner Sutter, und diese war eine Witwe. Viel Volk aus der Stabt ging mit ihr. Als der Herr sie sah, ward er von Sitteib über sie gerührt und sprach zu ihr:Weine licht!" Dann trat er hinzu und rührte die Bahre an. )ie Träger blieben stehen. Und er sprach:Jüngling, ch sage dir, steh auf!" Da richtete sich der Tote auf mb begann zu sprechen. Und er gab ihn seiner Mut­er. Furcht ergriff alle. Sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden; Gott at sein Volk heimgesucht."

Leuchtende Sterne.

ch habe schon einigemal, wenn ich un­gewöhnlich stark von einem Leiden heimgesucht war, gleichsam ein feines Aroma darin gefunden, vergleichbar einer edlen Pflanze, wenn sie zerrie-

en wird, oder dem türkischen Kaffee, der ohne Nilch und Zucker getrunken wird. Die Seele scheint m Kreuz, wie gehämmertes Eisen, Wärme und W, Seelenäther zu entwickeln und so ihre eigene die Substanz inne zu werden. Nur muß das ^reuz nicht aus der Sünde herkommen, kein Ge- viffensbiß sein und' in religiösem Ausblick, sozu- agen in Andacht getragen werden. Mit unerhör- em Grimm, mit Ausdehnung und Ausdauer suchen ne feindlichen Zeitungen nebst ihren Anhängern nich zum Gegenstand der Verachtung und des has- >es zu machen. Es liegt etwas banges und schö­nes, ein edler Genuß und Gewinn für mich darin. Letzteres, wenn ich dies als ein Leiden mit und ür Christus betrachte; den es ist eine wundersame -uft welche gleichsam nur auf Erden sprießen ann, für den Erlöser leiden zu dürfen."

So schreibt einer unserer geistreichsten und olkstümlichsten Schriftsteller, Alban Stolz. Es hat ben dieser ehrwürdige Priesterleuchtende »lerne" entdeckt in der Nacht seiner Leiden. Er

empfand einen süßen Trost, ein feines Aroma, ei­nen wahren Genuß im Leiden. Der hellste Stern war ihm der Gedanken, Spott und Verfolgung leiden zu dürfen für eine gerechte Sache, für Chri­stus und die Kirche.

Unser Gewährsmann, der hl. Petrus, kommt in seinem ersten Sendschreiben immer wieder auf das Leiden zurück. Auch die Stelle, die heute an die Reihe kommt, handelt vom Leiden und zeigt uns die Sterne des Lichtes und des Trostes.

Wißt, daß die gleichen Leiden auch unfern Brüder in der Welt erdulden. Der Gott aller Gnade, der euch durch Jesus Christus nach kurzeirr' Leiden zur ewigen Herrlichkeit berufen hat, er wird euch vollenden, bestärken und befestigen. Ihm sei Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewig­keit. Amen." 1 Pe. 5, 911.

Nicht bloß einen, sondern eine Reihe von Ster­nen hat Petrus in diesen wenigen Worten in die Nacht des Leidens hineingestellt.Wißt, daß die gleichen Leiden auch euren Brüdern in der Welt widerfahren. Legt ab. den Wahn, will Petrus sa­gen, als ob ihr die einzigen seid auf der Welt, die von Armut und Verfolgung bedrückt werden. Vielmehr ist das Leiden ein allgemeines Gesetz, das der ganzen Welt auferlegt ist.Ein schweres Joch liegt auf allen Kindern Adams vom Tage der Ge­burt bis zum Tage des Begräbnisses." Ob ihr nun auf die Christen schaut oder auf die Heiden, auf die Gläubigen oder Ungläubigen, auf die Na­hen oder Fernen alle ohne Unterschied trifft das Leid. Läßt ja Gott regnen über Gerechte und Ungerechte. Es wäre mithin verkehrt, von Gott abzufallen, um ein luftiges Leben zu führen ohne allen Dorn! Es wäre verkehrt, nur deshalb Gott zu dienen und nach den Vorschriften der Religion zu leben, um es auf dieser Welt gut zu haben. Das wäre ein großer Unverstand, eine große Torheit und nichts anderes als nackte Selbstsucht, Können etwa die Bösen, die Gottlosen, immer in Saus und Braus leben? Keineswegs. Auch dort reg­net es Geißeln und Skorpionen. W<e immer wir dieses Leben einrichten, es kann nicht ohne Kreuz sein. Klage also nicht und öffne nidjt die Lippen zu diesen oder ähnlichen Redensarten:Muß ich denn allein auf der Welt so viel leiden?" Denn diese Redensart ist voll Betrug und Lüge. Wenn du aber dich versteifen solltest in die Ansicht, es hätte niemand ein so großes Kreuz wie du, dann verfüge dich in ein Krankenhaus oder in ein Ir­renhaus und du wirft getröstet nach Hause gehen.

Ein zweiter Stern ist das Verhältnis zwischen Leid und Freud.Nach kurzem Leiden wird euch Gott zu ewigen Freuden berufen. O Kurzsichtigkeit der Menschen, o Sklaverei des Augenblicks! Wenn wir ein Stündchen, einen Tag, einen Monat, ein Jahr unter der Presse der Leiden sind, dann reden wir schon von einerEwigkeit". Und doch, was

sind tausend, was sind hundert Tausend Jahre im Vergleich zur richtigen, wahren Ewigkeit?*

Und welches ist der dritte Stern? Die Hilfe, die uns winkt im Leiden, und der Nutzen, den wir daraus ziehn. Liegt nicht schon eine große Hilfe in dem Gedanken, daß der unschuldige, ^ec reine, der Gottessohn selber, gelitten und für uns ge­litten und mit Geduld gelitten hat? Wohlan, willst du ein Christ sein, ein wahrer und echter Christ, trage deinem Meister und Führer das Kreuz nach.

Was aber den Segen des Leidens angeht, so beschreibt ihn der hl. Petrus mit den Worten: Gott wird uns vollenden, bestärken und befesti­gen." Schau in die Natur. Wird nicht die Traube um so süßer und köstlicher, je länger und heißer die Sonne darauf brennt? So wird auch der Mensch, zumal der Christ und Katholik, erst im Leiden reif zur Heiligkeit, reif für die Seligkeit. Drum sagt der hl. Apostel Jakobus: bJe Geduld führt die Menschen zur Vollkommenheit.

Welch ergreifende Leidensgeschichte bringt uns der 20. September. Die Legende vom hl. Eusta­chius, der unter die 14 Nothelfer gezählt wird? Feldherr und Liebling des Kaisers in Rom hatte er Reichtum und Ruhm und Weib und Kinder und alles, was das herz begehrt. Nur eines fehlte ihm, der christliche Glaube. Als nun Eustachius eines Tages auf die Jagd ging, erschien ihm ein Hirsch mit gewaltigem Geweih, in dessen Mitte sich ein Kreuz erhob. Warum verfolgst du mich? er­klang eine geheimnisvolle Stimme. Was soll ich tun, erwiderte Eustachius. Geh zu einem Prie­ster, der wird & dir sagen. Eustachius nahm Katechumenenuntetricht und wurde getauft. B.ald kam die Prüfung. Sein Vermögen, seine Frau, seine Kinder wurden ihm entrissen. Es kam aber auch der Trost. Frau und Kinder und Ruhm und Sieg, alles hat er wieder bekommen. Zuletzt aber, als er den Göttern opfern sollte, wurde er mit Weib und Kindern in einem gegossenen Stier lebendig verbrannt, herrlich und ewig leuchtet seine Krone.

Was die Schickung schickt: ertrage; Wer ausharrt, wird gekrönt.

Der Talpfarrer.

Erstorbene Jugend.

Zum Evangelium des 15. Sonntags nach Pfingsten.

Cs ist immer ein erschütterndes Bild, ein ju­gendfrisches Blut auf der Totenbahre liegen zu sehen. Aber der unerbittliche Menschenwürger Tod fragt nicht, ob jung oder alt, ob sein Opfer einer der unnützen und vielzuvielen, oder der Sohn einer armen Witwe, der einzige Ernährer und Trost ei­ner verlassenen Mutter.

Ein toter Jüngling wird zu Grabe getragen. Liebesworte einer Mutter^ der Zuspruch der