Ausgabe B
Sonntag. 14. September 1930
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pfenr^ B 45 L-Psennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzeigen-Preise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzeile tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei tu Fulda sein.
"'" ■ Druck und Verlag Oer Fuldaer AcNendruckerel. Verlagsort Fulda. —-
wochenkalender.
onnlag. 14. Sept. 14. Sonntag nach Pfingsten. Kreuzerhöhung.
iontag, 15. Sept. Fest der 7 Schmerzen Mariä. Nico- medcs, Mart., t um 100.
ienstag, 16. Sept. Cornelius und Cyprianus, Mart., f 252. Euphemia, Mort., und Gen.
ittwod), 17. Sept. Einprägung der Wundmale des hl. Franziskus von Assisi. Öuatembermillwoch.
0unerstag, 18. Sept. Joseph von Cupertino. Bek. t 1663.
'eitag, 19. Sept. Januarius u. Gen., Mart., f305. Quatemberfreilag.
unstag, 20. Sept. Eustachius u. Gen., Mart., t 118. Vigil des Apostels Matthäus. Quatembersamslag.
14. Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Galater 5, 16—24. angelium. Matthäus 6. 24—33. Golles Valergüle. In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: iemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird den einen hassen und den andern lieben, oder er. rb zu dem einen halten und den andern mißachten, r könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum ie ich euch: Seid nicht ängstlich besorgt für euer den, was ihr essen sollt, noch für euren Lèib, was ihr siehen sollt. Ist denn das Leben nicht mehr als die chrung, und der Leib nicht mehr als die Kleidung? trachtet die Vögel des Himmels! Sie säen nicht ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen: euer nmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr ; sie? Wer von euch kann mit seinen Sorgen seiner 'stalt auch nur eine Elle zusetzen? Und was seid ihr ängstlich besort für die Kleidung? Betrachtet die ien des Feldes! Wie sie wachsen! Sie arbeiten ht, sie spinnen nicht, und doch, sage ich euch, nicht imal Salomon in all seiner Pracht war so gekleidet e eine einzige von ihnen. Wenn Gott nun das Gras ;. Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen vorfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, Kleinmü- e. Seid also nicht ängstlich besorgt und fraget nicht: as sollen wir essen? was wollen wir trinken? womit len wir uns bekleiden? Um all das sorgen sich die iden. Euer Vater weiß ja, daß ihr das alles nötig' bt. Suchet also zuerst das Reich Gottes und die nechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben nben."
legen den brüllenden Löwen.
Beuron, an der jungen, blauen Donau! Bei den schwarzen Söhnen des hl. Benediktus, dièfen Trägern der Religion, der Kunst und Literatur. Im Halbdunkel des Chores der Ab- Lärche die Mönche im Chorgestühl rechts und vom Hochaltar. Tiefergriffen knie ich in wr Bank im Schiff des Gotteshauses. Ringsum Stille. Die ehrwürdigen Gestalten im Chor ugen sich nieder vor Gott und sammeln sich im ebet. Da, auf ein Zeichen des Abtes mit einem lzernen Hammer richten sich alle auf, und aus m Mund des amtierenden Priesters ertönt wir ^Weckruf der Text:
„Fratres, sobrii estote et vigilate, quia adversarius vester diabolus tamquam leo rugiens Circuit quaerens quem devoret; cui resistite fortes in fide.“ —
Es ist die feierliche, stimmungsvolle Eröffnung des liturgischen Abendgebetes. Die Worte aber, deren sich der Mönch bedient, hat zuerst der hl. Petrus niedergeschneben in seinem ersten Sendschreiben. Und diese Worte bilden heute den Gegenstand unserer Lesung. Zu deutsch lauten sie:
„Brüder, seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender
Der heutige Sonntag — 14. September ist
Wahltag!
Jeder Wahlberechtigte, ob Mann oder
Frau, ist im Sewlssesr »eepfliditet, von feinem Wahlrecht Gebrauch zu
£ 4 machen«
Löwe umher, suchend wen er verschlinge. Ihm widerstehet standhasl im Glauben."
Wie kommt der hl. Petrus dazu, ein solches warnendes Signal gegen den brüllenden Löwen zu geben? Zunächst aus dem Zusammenhang mit der unmittelbar vorangehenden Ermahnung. Wir haben dieselbe letzten Sonntag gehört. Gewiß habt ihr sie noch im frischen Gedächtnis; „All eure Sorge werft auf den Herrn." Was ist da natürlicher, als daß der Apostel eine Warnung vor dem Feind und Widersacher Gottes anbringt? Wußte ja S. Petrus aus dem Leben und Wirken feines Herrn und Meisters, welch unheimliche Rolle der Teufel auf der Welt spielt. Ja, der Heiland hat sich selbst mit den bösen Geistern herumgeschlagen und ihnen seine Uebermacht gezeigt. Ein Wort von ihm genügte, sie aus den Seelen der Besessenen hinauszuwerfen. Und ist es nicht unerhört? Ihn, den Heiligsten selber, den Sohn Gottes, wollte Satan in seine Netze ziehen. Dreimal hat er in der Wüste mit Sirenenstimme ihm zugeflüstert, bis ihm das Wort um die Ohren donnerte: „Weiche, Satan!" Und war der hl. Petrus nicht Ohrenzeuge von den Lehren seines Meisters über das Reich Satans? Wenn der böse Geist ausgefahren ist aus einem Menschen, hörte er den Heiland berichten, dann wandert er durch wasserlose Gegenden und sucht Ruhe. Und da er keine findet, spricht er bei sich selber: zurückkehren will ich in das Haus,
von dem ich ausgefahren bin. Wo er aber hinkommt, findet er das Haus mit Besen ausgefegt und geschmückt. Dann nimmt er noch sieben andere böse Geister, die schlimmer sind als er, und sie ziehen ein und wohnen in jenem Haus. Und ist nicht Satan in den Verräter Judas gefahren? Und warum konnte der Heiland festgenommen, verurteilt, gegeißelt und gekreuzigt werden? Höre die Antwort des Heilandes: „Das ist die Macht der Finsternis!"
Urteile also selbst, ob nicht der hl. Petrus allen Grund hatte, vor den Machenschaften des Teufels zu warnen. Einen Löwen nennt er ihn, und zwar einen „brüllenden Löwen". Wie der Löwe Tierr und Menschen frißt, so tötet der Teufel die Seelen, raubt ihnen das Leben der Gnade und. überant- wortet'sie der ewigen Verdammnis. Und wie der Löwe brüllt, so läßt auch der Teufel auf alle Arten die Stimme der Verführung ertönen. —
Sollen wir uns nun wehrlos dem Teufel preis» geben? Nein. Petrus gibt uns Waffen in die Hand zur Abwehr und Verteidigung. Welches sind diese Waffen? „Seid nüchterns Das erste ist also die Nüchternheit. Die Freunde des Wohllebens, die Freunde des Alkohols sind dem Teufel besonders zugänglich. Wie leicht werden diese willenlosen Menschen Sklaven der Unzucht, des Ehebruchs, der Verschwendung, des Betruges und dadurch auch Sklaven des Teufels. Unter der Nüchternheit ist indes nicht bloß die körperliche, sondern and) die seelische zu verstehen: die Bescheidenheit, die Demut, das Gottvertrauen. Ist ja Stolz und Hochmut das offene Tor für den Teufel. Brüder, seid nüchtern und wachet. Die Wachsamkeit ist also eine weitere Waffe gegen die Angriffe aus der Hölle. Aufmerken auf die schlechten Einflüsterungen und den Willen gleich abriegeln. — Widersteht ihm standhaft im Glauben. Nur diejenigen kann der Hund beißen, die sich ihm nahen. So kann auch der Teufel nur diejenigen packen, die sich mit ihm einlassen. Im Glauben, das heißt im Aufblick zu Gott und im Vertrauen auf seine Hilfe, mit einem Wort im Gebet. Denn das Gebet trifft den Satan wie ein Blitz. —
Ich höre aber nichts vom Brüllen des Löwen, wirst du mir vielleicht entgegnen. Da muß id) aber fragen: sind wir denn taub oder haben wir die Ohren zugestopft? Hören wir nicht das Tob^n und Schreien des Wahlkampfes? Hören wir nicht so manches Gebrüll gegen die Religion, gegen die Ordnung, gegen die Sittlichkeit, gegen die Verfassung? Stimmen, die nicht bloß von der äußersten Linken, sondern auch von der rechten kommen? Pfeifen es nicht die Spatzen von den Dächern, daß die Rechtsradikalen, die hinter dem Hakenkreuz hermarschieren, es nicht besonders gut meinen mit der katholischen Religion? Ihr Abgott, den sie anbeten, ist eben der Nationalismus, und dieser ist, rote Papst Pius XI. sagt, die Pest der katholischen Kirche! Von einem Gott, den auch andere Natio-