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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint ,eden Sonntag und kostet monatlich Ausgave A 40 1L-Pfennig B 45 R.-Pfennlg (Zustellgebühr extra)

Wochenkalender.

sonnlag, 7. Sept. 13. Sonntag nach Pfingsten. Schutzengel fest.

Noncug, 8. Sept. Mariä Geburt. Hadrian, Mart.. T 306.

»ienstag, 9. Sept. Gorgonius, Mart., f 303.

Mittwoch, 10. Sept. Nicolaus von Tolentino, Bek., t 1308.

wnnerstag, 11 Sept. Protus und Hyazinthus, Mart., + 257.

^reitag, 12. Fept. Fest des hl. Namens Mariä.

-amstag, 13. Sept. Mariensamstag.

13, Sonntag nach Pfingsten.

Epistel. Galater 3, 1622.

vangelium. Lukas 17, 1119. Die zehn Aussätzigen

In jener Zeit zog Jesus auf der Reise nach Jerusa- ii zwischen Gamarin und Galiläa hin. Als er in ci- n Flecken hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aus- tzige entgegen. Sie blieben von ferne stehen, erhoben re Summe und riefen:Jesus, Meister, erbarme dich per!" Als er sie sah, sprach er:Gehet hin und zeiget ich den Priestern!" Während sie Hinqingen. wurden ; rein. Aber nur einer von ihnen kehrte zurück, als ' sich geheilt sah, und lobte Gott mit lauter Stimme, r fiel vor ihm nieder auf sein Angesicht und dankte m. Und dieser war ein Samariter. Da sprach Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind denn die >un? Hat sich sonst keiner gefunden, der zurückkäme ib Gott die Ehre gäbe, als dieser Fremde?" Und er rach zu ihm:Stèh auf und geh! Dein Glaube hat ch gesund gemacht."

Ein Meisterwurs.

N^^WZas Augustinusjubiläum hat in den ^JB Fortgang unserer Lesungen eine will- kommene Abwechslung gebracht. Er- aubt mir nun, daß ich zu unserm Petrusbrief zurückkehre, der uns heute I einem Meisterwurf einladet mit den kräftigeii Sorten:

,yu eure Sorge werfet auf den Herrn; denn er sorgt für euch."

Da wollen wir mit einer Geschichte aus dem lieg Bund die Einleitung machen. Zwei Menschen folgen einst den steilen Weg zum Berge Moria mpor. Der eine war ein Greis von über hundert ahren, der andere ein kraftstrotzender Jüngling, er eine trug in einer Hand eine Glutpfanne mit Was Feuer und in der anderen ein Schwert. Der Gigling aber trug auf seiner Achsel ein Bündel ^ Holz. Gewiß hast du den Namen der beiden Personen bereits erraten: Abraham und 3fat chweißtropfen rannen ihnen über das Gesicht, und irch die Seele schlichen unheimliche Gedanken wie Märze Gewitterwolken. Endlich brach der Sohn r§ unbehagliche Schweigen, öffnete das Ventil mer Seele und sprach: Mein Vater. Und Abra- im darauf: Was willst du, mein Sohn? Isak er- iderte: siehe, hier ist Feuer und Schwert; wo aber

ist das Brandopser? Kurz entschlossen gab der Vater die Antwort:Deus providebit" Gott wird schon für ein Brandopfer sorgen, mein Sohn!" O Antwort voll Klugheit, Wahrheit und Schonung! Deus providebit" Gott wird sorgen! Von die­sem Allsspruch erhielt der Berg den NamenGott wird sorgen."

AU eure Sorge werft auf den Herrn. Das ist der Inhalt der ganzen heiligen Schrift. Damit ist Petrus in den Bund aller hl. Schriftsteller ein­getreten, die uns mit den verschiedensten Worten, aber in demselben Sinn zum Gottnertrauen er­muntern, auffordern und ernu^ Wer kennt nicht die mutvollen Worte eines David?Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, u r Helfer in den Trübsalen, die uns hart getrost -1 haben. Darum fürchten wir uns nicht, mag selbst die Erde zittern unb die Berge sich stürzen mitten ins Meer. Wenn ich wandle mitten im Todesschatten, so will ich nichts Böses fürchten, weil du, o Gott, bei mir bist."

Der Prophet Jsaias aber ruft aus:Die auf den Herrn vertrauen, erneuern ihre Kraft, besie­del n sich wie ein Adler, laufen und werden nicht müde, gehen und werden nicht matt."

Jeremias beschreibt den Segen des Gottver­trauens mit den Worten: Gesegnet der Mensch, der sein Vertrauen auf den Herrn setzt, und dessen Zuversicht der Herr ist; er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und in feuchtem Grund wurzelt. Er fürchtet sich nicht, wenn auch die Hitze kommt. Sein Blatt bleibt grün, und zur Zeit der Dürre sorgt er nicht.

Einen Genossen des Eottvertrauens hat Petrus auch an Paulus gefunden, wie denn diese beiden Apostelfürsten ein Herz und eine Seele gewesen sind. Seid ja nicht ängstlich und sorgenvoll, mahnt uns St. Paulus, sondern laßt all unsere Anliegen im Gebete zu Gott aufsteigen. Und mit hl. Zu­versicht ruft er aus: Ich kann alles in dem, der mich stärkt. Ihr seht, diese Aussprüche stecken sich Rammen wie die Blumen zu einem Strauß, reihen sich an einander wie Akkorde zu einer Sym­phonie.

Was tut aber ein Mensch, der ein vernünftiges Gottvertrauen hat? Unterläßt er sich untertänig den Schickungen von oben? Erwartet er mit träger Ruhe sein Schicksal? O nein; das wäre ein törichtes Gottvertrauen. Der liebe Gott macht es nicht wie eine Mutter, die dem Kinde den Brei in den Mund gibt. Vielmehr ist es sein Wille, daß wir uns auch selber regen und all unsere Kräfte und Talente anstrengen. Der gute, erleuchtete Christ stellt sich auf beide Füße des Vertrauens.

Der eine Fuß ist das Gebet. Denn an Gottss Segen ist alles gelegen. Gott selber ruft uns zu: Rufe mich an am Tage der Trübsal, so will ich dich erretten." Darum ist in unserer Zeit so wenig Gottvertrauen, weil so wenig Gottesgeist. Du hast aber schon manchmal in einer Not gebetet und bist unerhört geblieben? Darauf antworte rch

dir mit unserm großen Kirchenlehrer S. Augustins Verlange nicht etwas bestimmtes, vielmehr das, wovon Gott weiß, daß es euch nützlich ist. Ihr wißt ja gar nicht, was für euch gut ist. Manchmeck schadet das, was ihr für vorteilhaft haltet, und was ihr für schädlich haltet, das nützt. Ihr seid doch kranke und da dürft ihr dem Arzt nicht bareir^ reden, was für Medizin er euch verschreiben soll"

Der andere Fuß ist die Arbeit, das tätige Be­mühen. Denn wer nicht arbeiten will, sagt das Sprichwort mit Recht, der soll auch nicht essen. Keinem wird unser Herrgott die gebratenen Tau­ben in den Mund fliegen lassen, wenn er sich nicht um bas tägliche Brot bemüht. Dabei wollen wir ja nicht vergessen, daß die Wohlfahrt des einzelnen abhängig ist von der Wohlfahrt des ganzen, des Volkes, der Gemeinschaft, des Staates. Darum müssen wir die Staatsruder solchen Menschen in die Hände legen, die sich ein Gewissen daraus machen, ihre ganze Kraft für das Staatswohl ein­zusetzen. Männer, die aus ihrer Religionslosig­keit und Gottlosigkeit kein Hehl machen, kann man dazu nicht brauchen. Ebenso wenig solche radikale Elemente, die mit dem Säbel rasseln u. mit Umsturz um sich werfen. Oder sollen wir wieder gegen zehn ober zwanzig Feinde ziehen und Berge von Leichen auftürmen? Oder die Kriegsfackel ins eigene Land werfen, daß die Straßen vom Bruder­blut dampfen? Ist nicht jede noch so große Not golden gegen Krieg und Umwälzung? Darum wird der Katholik, der Hilfe von Gott erwarter, auch durch entsprechenden Stimmzettel seine Pflicht tun und für Männer und Parteien eintreten, die Ordnung und Religion auf ihre Fahne schreiben. Erst dann, wenn wir allseitig unsre Pflicht getan, dürfen wir uns trösten mit dem Spruch:

Vertrau auf Gott und laß ihn wallen, Er kann dich wunderbar erhalten."

Der Talpfarrer.

Wo sind die übrigen Neun?

Zum Evangelium des 13. Sonntags nach Pfingsten.

Warum nur der Heiland mit den neun Aus­sätzigen, die eben von ihm gegangen sind, so un­zufrieden ist? Er hat ihnen doch selber gesagt, daß sie hingehen und sich dem Priester zeigen sollten. Und sie gehen ganz korrekt nach seinem Befehl, bis auf den einen, den Samariter, der gleich zu ihm zurückläuft, da er die furchtbaren Male seiner Krankheit verschwunden sieht. Mit ein bißchen Pedanterie könnte man fast zur Auffassung kom­men, daß eigentlich der zehnte, der Samariter, der Tadelnswerte sei, weil er ja den Befehl des Hei­lands minder pünktlich ausführte als die neun Korrekten"?

Nun, es ist hier nicht so schwer, klar zu sehen, wo das Rechte ist. Der Samariter steht in seiner ehrlichen Herzensdankbarkeit die erste Pflicht, sei-