Ausgabe B
Sonnlag, 24. August 1930
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Lolonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extrL Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei io Fulda sein.
—- - - Druck and Verlag der Fuldaer AcNenSruckerel. verlagsorl Fulda. —',
WMIIIIJ
Wochenkalender.
mntag, 24. Aug. 11. Sonntag nach Pfingsten. Bar- tholomaeus, Apostel.
cm tag, 25. Aug. Ludwig, Bek., f 1220.
enstag, 26. Aug. Zephyrinus, Papst, Mart., f 219. ittwoch, 27. Aug Joseph vonCalasanza, Bek., f 1648. nnerstag, 28. Aug. A u g u st i n u s. Bischof, Bek., f 430. Hermes, Mart., f 132.
eitag, 29. Aug. Enthauptung des hl. Johannes des Täufers. Sabina, Mart., t 126.
mstag, 30. Aug. Rofa ron Lima, Jgfr., f 1617. Felix und Gen., Mart., f 303.
Iffet Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1. Korinther 15, 1—10.
angelium. Markus 7, 31—37. Heilung eines Taubstummen.
In jener Zeit zog Jesus weg aus dem Gebirge von rus und kam über Sidon an den See von Galiläa tten in das Gebiet der zehn Städte. Da brachte man en Taubstummen zu ihm und bat ihn, er möge ihm Hand auflegen. Er nahm ihn vom Volke abseits, te ihm seine Finger in die Ohren und berührte seine nge mit Speichel. Dann blickte er auf zum Himmel, izte und sprach: „Effetha", das heißt: „Tu dich auf!" sleich öffneten sich seine Ohren, das Band seiner ige ward gelöst, und er sprach richtig. Er verbot >n aber, irgend jemand etwas davon zu sagen. Doch strenger er es ihnen verbot, desto weiter erzählten es, und desto mehr gerieten sie in Staunen und chen: „Er macht alles gut: die Tauben macht er ’n und dis Stummen reden."
Süße Einsamkeit.
einer Mönchszelle las ich die viel- MAW sagenden Worte: o beara solitudo, o solcrüeatitudo! — o selige Einsamkeit, o einzige Seligkeit!
An diese Worte werden wir er- ert, wenn wir aus dem heutigen Evangelium Worte vernehmen: Jesus nahm den Taubstum- 1 abseits, um ihn dann zu heilen. Ja, nur in Einsamkeit gedeiht die volle Heilung des eren Menschen, die Heilung von unseren Ver- idungen und Verwirrungen, von unseren Lèi- schaftcn und Sünden, von unseren Plänen und ihnen, nur in der Einsamkeit gedeiht der Fort- itt in wahrer Tugend, der Aufschwung zur iheit und zur wahren Freude.
Auch der hl. Augustinus, mit dessen Person wir ' schon seit drei Wochen beschäftigen und dessen * E Freitag, den 28. d. M., auf dem Erden >oe begangen wird, suchte und pflegte die Ein- aelt, so viel es dem Vielbeschäftigten möglich Y und fand in der Einsamkeit Ströme von Licht, st und Erhebung.
«on Ostia, wo er seine Mutter durch den Tod oren hatte, nach Afrika zurückgekehrt, begab er Zuerst in seine Vaterstadt Tagaste. Was ihm Vater an Hab und Gut hinterlassen verteilte
er unter die Armen. Sein väterliches Haus und Anwesen schenkte er der Pfarrgemeinde Tagaste und behielt sich die Nutznießung vor. Nun errichtete Augustin auf dem Grund und Boden seiner Eltern ein Kloster unter seiner eigenen Leitung. Sorgfältig hatte er bereits während seines Aufenthaltes in Mailand und Rom die dortigen klösterlichen Einrichtungen studiert, das Leben und die Art der Mönche aus eigener Anschauung kennen gelernt. Was ihn davon am geeignetsten dünkte, wählte er aus als Richtschnur für sich und seine Freunde. Später verfaßte Augustin eine Regel, die als erste Mönchsregel des Abendlandes zu betrachten ist und die auch Richtlinien enthält für die späteren Ordensstifter und Ordensgemeinschaften, eine Regel, voll Einfachheit und Tiefe, voll Kraft und Milde, ein Handbuch der Gottes- und Nächstenliebe, ein Leitfaden der Vollkommenheit, ein Pilgerstab zu den Gefilden der ewigen. Heimat.
Als Augustin nach etwa drei Jahren zum Priester und Bischof von Hippo wider Willen gewählt und geweiht wurde, verpflanzte er sein geliebtes Kloster dorthin und führte mit seinen Geistlichen einen gemeinsamen Haushalt, vila communis.
Ist wohl diese süße Einsamkeit ein dolce far mente gewesen? Solche Untätigkeit, solche Gemächlichkeit wäre mit einem Geist von Augustins Ausmaß unvereinbar. Im Gegenteil: diese Einsamkeit war angefüllt mit Arbeit, Studium, Gebet, Unterweisung und Schriftstellerei, so daß er kaum Zeit fand zum notwendigen Schlaf. Im Frieden von Tagaste, so schreibt sein feinsinniger Biograph Bertrand, vollendete oder verbesserte Augustin die didaktischen Schriften, die er in Mailand begonnen batte. Diese Bücher handeln über die freien Künste, Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Geometrie, Arithmetik, Philosophie und Musik. Er vollendete nur das erste Buch, eine Abhandlung über die Grammatik. Die anderen Werke, die nur eine kurze Zusammenfassung enthielten, smd uns verloren gegangen. Dafür sind uns 6 Bücher der Musik erhalten geblieben. Es sind Zwiegespräche zwischen ihm und seinem Schüler, dem Dichter Licentius, und zwar über Metrik und Rythmus. —
Auch unter der Kutte des Mönchs setzte Augustin seinen Beruf als Rhetor weiter. Er kam nach Tagaste, um sich von der Welt zurückzuziehen und nur für Gott zu leben. Und siehe: er disputiert, befaßt sich mit Auslegungen und Abhandlungen mehr als zuvor. Selbst'bis in seine Einsamkeit verfolgt ihn die Welt. Immer wieder hält er sich vor Augen, daß in Rom, in Karthago und Hippo Menschen auf den Plätzen und in den Basiliken Reden halten und in geheimen Versammlungen flüstern, um arme Seelen, die wehrlos der Irrlehre ausgeliefert fmd, zu verführen. Diese Betrüger muß man möglichst bald entwaffnen, entlarven und zum Stillschweigen bringen. Vor allen Dingen hatte er viel gegen die Manichäer, in deren Netzen er sich sa_ selbst in der Jugend ver
fangen hatte, zu kämpfen, zu reden und Zu schreiben. Auch führte er eine ausgedehnte Korrespondenz mit seinen Freunden und schrieb Briefe, deren einzelne zu Enzykliken wurden, an Nebridius, Romanianus, Paulinus und Nola, ân bekannte und berühmte Menschen in Afrika, Italien, Spanien und Palästina. Er schrieb so viel, daß es ihm manchmal an Papier mangelte.
Trotz aller Arbeiten genoß aber Augustin zu Tagaste einen Frieden, der ihm niemals wieder zuteil werden sollte. Mit innigen Blicken betrachiete er die ihm vertraute Landschaft. Von den Fenstern seines Zimmers konnte er die Föhren des Waldes sehen. — Seine vernarbten Lungen atmeten mit Wonne die harzigen Düfte der schönen Bäume ein und als begeisterter Musiker lauschte er auf das Gezwitscher der Vögel.--
Süße Einsamkeit! Ach, wie sehr mangelt sie dem modernen Menschen. Er ist eine Welle im Meer, die ruhelos hin- und hcrgetrieben wird. Um ein ruhiges Stündchen zu haben, mußt du schon einen Spaziergang allein machen am Ufer eines Stromes, oder an einem verlassenen Feldweg oder am Waldesrand entlang oder inmitten der Buchen, Eichen und Tannen. Und siehst du nicht das Kirchlein dort mit ragendem Turm, der dir zuwinkt aus weiter Ferne? O, folge der stummen Einladung und knie oder setze dich einige Minuten in eine Kirchenbank und laß dir einen Strahl des ewigen Lichtleins in dein Herz zucken. Gönne dir einen Augenblick der Einsamkeit zur Rechenschaft deines Gewissens jeden Abend, bevor die Nacht hereinbricht, die Schwester des Todes. Reiß dich los vom Trubel des Geschäftes, des Amtes, der Familie, vom Schwarm der Sorgen und Vergnügungen und ziehe dich drei oder vier Tage zurück in ein geistliches Haus und mache die hl. Exerzitien mit und führe dir wieder jene granitenen Wahrheiten zu Gemüt, denen gegenüber alle irdischen Belange winzige Sandkörner sind. So wird dein Auge wieder voll Licht und dein Wille voll Kraft und dein Mut voll Zuversicht, um das Leben wieder zu meistern und als glückliches Los die Anwartschaft auf den Himmel zu ziehen.
Der Talpfarrer.
Epheka!
Zum Evangelium des 11. Sonntags nach Pfingsten.
„Sie brachten dem Heiland einen Taubstummen und baten, ihm die Hände aufzulegen." Ein Taubstummer, das ist einer jener Unglücklichen, von denen man mit Recht sagt, daß sie schlimmer daran seien, als die Blinden, weil ihre Absperrung von der Mitwelt eine viel vollkommenere und undurchdringlichere ist, und darum auch ihre Hilflosigkeit so groß und ihr Mißtrauen so quälens. Eben um dieses aus der kilkloliakeit herooraehenbe