Wochenkalender.
Sonntag, den 17. August. 10. Sonntag nach Pfingsten. Hyacinthus, Bek., f 1275. Oktav des hl. Laurentius.
Montag, 18. August. Wigbert, Abt, Bek., f 747. Agapitus, Mart., f 274
Dienstag, 19. August. Johannes Eudes, Bek. f 1680. Ilittwoch, 20. August. Bernhard von Clairvaux, Kirchenlehrer, t 1153.
Donnerstag, 21. August. Oktav des Festes der Weihe der Kathedralkirche. Johanna Franziska von Chantal, Witwe, t 1641.
Freitag. 22. August. Oktav von Mariä Himmelfahrt. Timotheus und Gen., Mart., f 311.
Samstag, 23. August. Philippus Benitius, Bek., f 1285. Vigil des Apostels Bartholomaeus.
Zehnter Sonntag nach Pfingsten
Epistel. 1. Korinther 12,2—11.
Evangelium. Lukas 18,9—14. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner.
In jener Zeit sprach Jesus zu einigen, die sich für .'recht hielten und die anderen verachteten, folgendes ileichnis: Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, m zu beten: der eine war ein Pharisäer, der andere n Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und betete: Bott, ich danke dir, daß ich nicht .bin wie die übrigen Menschen, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder ie dieser Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche >d gebe den Zehnten von allem, was ich besitze." Der illner aber blieb von ferne stehen und getraute sich cht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, adern schlug an seine Brust und sprach: „Gott, sei mir inder gnädig." Ich sage euch, dieser ging gerecht- tigt nach Hause, jener nicht. Denn jeher* der sich >öht, wird erniedrigt, und wer sich erniedrigt, wird )öht werden.
Zwei Lebensarten.
in Ereignis von ergreifender Lieblich- keit und zugleich von vielseitiger Be- deutsamkeit ist der Besuch unseres Herrn bei Martha und Maria, den unsere Kirche dem Feste Mariä Him- 'lfahrt als Evangelium einverleibt hat.
Es kam nämlich der Heiland auf seiner Wan- rung eines Tages in einen Flecken, und ein eib, namens Martha, nahm ihn auf in ihr ">s. Diese hatte eine Schwester ,namens Maria; 'ie fetzte sich zu den Füßen des Meisters und rte auf sein Wort. Martha machte sich indes- 1 ^ele Sorge, den Herrn reichlich zu bewirten, e stellte sich hin und sprach: „Herr, kümmert es 1) mcht, daß meine Schwester mich allein auf- nten läßt? Sag ihr doch, -daß sie mir helfe." .Eiland erwiderte aber: „Martha, Martha, bist bekümmert um gar viele Dinge: eins nur notwendig; Maria hat den besten Teil erwählt, nicht wird genommen werden." —
haben uns in den beiden vorhergehen- ‘ "esungen mit den Schicksalen des hl. Augu-
Ismus bekannt gemacht und haben ihn auf seinem Lebensgang begleitet bis zum Bischofsstuhl von Hippo. Heute nun fetzen wir uns unter seine Kanzel und vernehmen sein Wort. Hören wir zu, was dieser geistreiche Kirchenlehrer über die genannte Erzählung uns zu sagen hat.
Diese Worte des Herrn „eins nur ist notwendig", erinnern uns daran, daß es eine gewisse Einheit ist, der wir zustreben, wenn wir mit der Vielheit dieser Welt uns abmühen. Ja, wir streben noch, da wir noch wandern und noch nicht bleiben; noch sind wir auf dem Weg, noch nicht in der Heimat; noch im Begehren, noch nicht im Genießen. Und doch laßt uns streben und ohne Trägheit unb ohne Aufhören streben, damit wir einst das Ziel zu erreichen vermögen.
Maria und Martha waren zwei Schwestern, beide nicht bloß dem Leibe, sondern auch der Liebe nach verschwistert. Beide des Herrn, beide einträchtige Dienerinnen des Herrn, als er im Fleische wandelte. Martha nahm ihn auf, wie man Gäste aufzunehmen pflegt. Indessen nahm die Dienerin den Herrn auf, die Kranke den Heiland, das Geschöpf den Schöpfer. Selber bedürftig der geistigen Speise, bediente sie den Herrn mit einer fleischlichen Speise. Wollte ja der Herr Knechtsgestalt annehmen und in der angenommenen Knechtsgestalt von Knechten bedient werden, infolge seiner Herablassung, nicht infolge einer Verpflichtung. Er hatte zwar einen Leib, der hungerte und dürstete. Aber wißt ihr nicht, daß ihn in der Wüste, als er hungerte, Engel bedienten?
Ausgenommen wurde der Herr als Fremdling, der in sein Eigentum kam und von den Seinigen nicht ausgenommen wurde; allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden. Er nahm die Knechte an Kindesstatt an und macht? pe frei. Er erlöste die Gefangenen und machte sie zu Miterben. Sage aber keiner: o glückliche Menschen, die Christus in ihr Haus aufnehmen durften; traure nicht, murre nicht, wenn du in Zeiten geboren bist, wo du den Herrn nicht mehr im Fleische siehst. Er hat dir jene Vergünstigung nicht genommen: „was ihr den geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan."
Martha bediente also den Heiland, und Maria hörte auf sein Wort. Jene arbeitete, diese feierte. Jene trug auf, diese wurde gesättigt. Indessen stellte Martha bei ihrer mühsamen Beschäftigung eine Anfrage an den Herrn und beklagte sich über ihre Schwester, weil sie ihr nicht helfe.
Doch der Heiland, als Anwalt angerufen, erwiderte als Richter. „Martha, Martha", sprach er, „du bist bekümmert um viele Dinge; nur eins ist notwendig. Maria hat den besten Teil erwählt, der ihr nicht genommen werden wird."
Maria mußte fürchten, der Herr möchte sagen: „Steh auf und hilf deiner Schwester." Siehe, da wurde sie entschuldigt und blieb um so zuversichtlicher fielen. Sie hielt sich an das Wort des Mal
misten: „Mein Glück ist es, Gott anzuhängen." Sie saß zuFüßen unseres Hauptes. Je niedriger sie stand, desto reichere Gnaden schöpfte pe. Sammelt sich ja das Wasser in den Niederungen, fließt aber ab von den Erhebungen des Hügels. Keineswegs hat der Herr den Dienst der Martha verworfen, fon« bcrn nur zwischen beiden Diensten eine Unterscheidung getroffen: eins nur ist notwendig; Maria hat es erwählt, und es wird ihr nicht genommen werden. Was aber Martha erwählt, wird ihr genommen werden, und zwar zu ihren Gunsten. Genommen wird die Arbeit, gegeben aber wird chr der Lohn und die Ruhe.
Ihr seht, Geliebteste, und versteht bereits, daß in diesen beiden Frauen, welche beide dem Herrn teuer und lieb, welche beide des Herrn Schülerinnen gewesen: ihr versteht eine große Wahrheit und sollt sie wissen und erfahren, auch wenn ihr es nicht versteht, daß in diesen beiden Frauen zwei Lebensarten vorgebildet sind, das gegenwärtige und das zukünftige, das tätige und das beschauliche, das mühsame und das selige, das zeitliche und das ewige.
Ja, es gibt zwei Lebensarten. Denket daran etwas ausführlicher. Was hat denn dieses irdische Leben? Mag es auch frei fein von Gottlosigkeit und Schlechtigkeit, so ist es doch nicht frei von Arbeiten, Sorgen, Mühen, Versuchungen. Wo Martha wohnte, da war keine Sünde; und sollte je Sünde dort gewesen sein, so ist sie mit dem Eintritt des Heilandes verschwunden. Sünde ist nicht dort gewesen — aber Arbeit und Plage. Und dies ist das eine Leben.
Vom andern aber, was steht geschrieben? Jede Träne wird Gott auslöschen aus unsern Augen; kein Jammer wird mehr sein, kein Schmerz, keine Plage. Das alles ist dann vergangen. Gott loben, Gott lieben ohne Unterlaß; ewiges Fest, Gesellschaft der Engel, Anschauung Gottes, Freude ohne Ende — das wird jenes andere Leben sein."
Der Talpfarrer.
Pharisäer und „Pharisäer"!
Znm Evangelium des 10. Sonntags nach Pfingsten.
Das ist einmal sicher: Es sind keine sehr liebenswürdigen Patrone, diese Herren Pharisäer, gegen die der göttliche Heiland immer wieder seine schärfsten Angriffe richten muß. Und schon gar nicht dieser Pharisäer unsrer Parabel, der da wie ein rechter Protz sich vorne in den Tempel hingepflanzt hat, und die Litanei seiner eingebildeten Vollkommenheiten herunterbetet. Daß er dabei immer wieder hämische Seitenblicke auf den armen Zöllner hinten an der Tempeltür tut, macht ihn uns nicht anziehender. So ist uns auch das Urteil des Heilandes aus dem Herzen gesprochen, nach dem zwar wohl der arme Sünder,. nicht aber der einaebildete