Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 4 L.-pienmg
Pfennig (Zustellgebühr extra).
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Sonntag, 18. August 1930.
NedattionLschluh Montag. Anzetgen-Preise: Colonetzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Gsb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckeret in Fulda sein.
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels
WscheMuTeuher.
Sonnlag. den 10. August. 9. Sonntag nach Pfingsten Laurentius, Mart., f 258.
Montag, 11. August. 2. Tag i. d. Oktav des heiligen Laurentius. Tiburtius u. Gen., Mart., f 286.
Dienstag, 12. August. Clara, Jgfr., f 1253.
Mittwoch, 13. August. Oktav des Festes der Verklä- rung Christi. Hippotythus u. Kassianus, Mart., t 368.
Donnerstag, 14. August. Fest der Weihe der Kathe- dralkirche. Vigil von Mariä Himmelfahrt. Viqil- fasttag.
Freitag, 15. August. Fest Mariä Himmelfahrt.
Samstag, 16. Äug. Joachim, Vater der alldrseligsten Jungfrau Maria, Bek. Rochus, Bek., t 1327.
Neunter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. 1 Korinther 10, 6—13.
Evangelium. Lukas 19, 41—47. Jesus weint über
Jerusalem.
In jener Zeit näherte sich Jesus Jerusalem. Als er die Stadt erblickte, weinte er über sie und sprach: „Wenn du es doch erkenntest, und zwar an diesem deinen Tage, was dir zum Frieden dient! Aber es ist vor deinen Augen verborgen. Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde dich mit einem Walle umgeben, dich ringsum einschließen und dich von allen Seiten bedrängen werden. Sie werden dich und deine Kinder die in dir sind, zu Boden schmettern und keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast." Dann ging er in den Tempel und trieb die Käufer und Verkäufer hinaus. Er hielt ihnen entgegen: „Es steht geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht." Und er lehrte täglich im Tempel.
Fruchtbare Trauen.
iehst du, christliche Seele, wie dein ^MMO Hând heule weint? Weint auf dem Helberg droben über das unglück- liche, verblendete Jerusalem?--- Und ach, diese Tränen, obwohl so erschütternd, so schmerzlich, so bitter — sie sind un= vütz, umsonst und unfruchtbar. Sie sielen auf har- uw, steinigen Boden, weil die Bewohner den „Tag der Heimsuchung nicht erkannt haben" und nicht erkennen wollten.
Diese Tränen des Heilandes sind eine Tränen- guelle geworden für mitleidige, gute Menschen, ^um üerl°rene Kinder und Schützlinge geweint
.. $? ^änen glänzten auch in den Augen der " • Monika. Und diese Tränen waren wirksam, waren fruchtbar.
^v der Lesung vom letzten Sonntag haben wir von Monikas großem Sohn vernommen. Ein .einer Knabe war er •- «nu nyuu tm yiuDti ^woer. lind die Verirrungen wuchsen noch mit oen Jahren. Augustinus Mutter aber sah mit
— und schon ein großer
Schmerz die Irrwege ihres Sohnes und benetzte sie mit ihren Träne: Immer wieder kommt Augustin in seinen „Bekenntnissen" auf diese Tränen seiner lieben Mutter zurück. Er kann sich gar nicht ersättigen, auf diese Tränen immer wieder hinzuweisen. Wußte er ja nur zu gut, daß diese Tränen die Quelle seiner Bekehrung und seines Heils geworden sind. „Du hast, o Gott, die Hand ausgestreckt und hast meine Seele der tiefen Finsternis entrissen. Denn für mich weinte zu dir meine Mutter mehr als andere Mütter über den leiblichen Tod ihrer Kinder zu weinen pflegen. Du hast sie erhört und ihre Tränen nicht verachtet, die aus ihren Augen strömten und überall, wo sie betete, den Boden begossen." Als einst Monika einem Bischof ihre Angst und Sorge klagte, tröstete er sie mit den Worten: „Es ist unmöglich, daß ein Sohn so vieler Tränen zugrunde gehe." —
Und was war denn die Ursache dieser Tränen? Mit den Augen des Glaubens sah Monika ihren Sohn gebunden mit einer starken, doppelten Kette: mit der Kette der Irrlehre und mit der Kette der Smnenlust. Augustin huldigte damals der Irrlehre der Manichäer. Nach ihnen stammte alles körperliche vom Teufel und war böse und sündhaft. Wein und Ehe waren den Anhängern strengstens verboten. Unter dem Deckmantel solcher Strengheit trieben ste aber die abscheulichsten Ausschweifungen. Lange dauerte es, bis Augustins Scharfsinn, erleuchtet vom Schein der Gnade, diesen gefährlichen Irrtum erkannte, um ihn dann mit dem Schwert der Wissenschaft zu verfolgen und füi immer zu erledigen. Auch lebte Augustin, ohne von einem Ehebund etwas wissen zu wollen, mit einer Frau zusammen und hatte einen Sohn. Konnte da ein Mutterherz, zumal ein so weiches, frommes wie Monikas Herz, ruhig zusehen? Darum ihr jahrelanges Gebet, darum ihre unver- sieglichen Tränen, darum ihre unaufhörlichen, eindringlichen Ermahnungen.. Was tat aber Augustin? Um den lästigen Mahnungen der Mutter aus dem Wege zu gehen? In Kartago, wo er sich Studien halber aufhielt, schisfte er sich heimlich ein, betrog seine arme Mutter und fuhr nach Italien. Noch heute zeigt man in Karthago die Kapelle, in welcher Monika nach dieser schmerzlichen Entdeckung betete und weinte. „Lacrimae f. Monicae" — Tränen der hl. Monika — heißt dieser Ort bis heute. Als ich im Mai anläßlich des Eucharistischen Kongresses in Karthago weilte, habe ich auch diese Kapelle besucht, die auf einem Hügel nahe am Ufer steht. — Diese Tränen und diese Gebete sind aber herrlich aufgegangen. Augustin kam nach Mailand, wo er durch die Predigten des hl. Bischofs Ambrosius aufs tiefste erschüttert wurde. Die Fessel der Irrlehre hatte er bereits gesprengt. Aber von der Fleischeslust sich loszureißen, dazu brachte er den Mut nicht auf. „Ich betete: o Gott, mach mich keusch und ent
haltsam — nur jetzt noch nicht. Denn ich fürcht tete, du könntest mich sogleich erhören und sogleich von der Krankheit meiner bösen Begierden heilen, die ich lieber gesättigt als ausgelöscht haben wollte." Eines Tages wurde ihm erzählt, day zwei kaiserliche Beamte ihre glänzende Stellung am Hofe aufgegeben und sich ähnlich dem hl. Einsiedler Antonius in die Wüste begeben hatten. Da packte Augustin seinen Freund Alypius und ner aus: „Wie geschieht uns? Was hast du vernom- men? Die Ungebildeten stehen auf und reißen den Himmel an sich — und wir mit unsrer Gelehrsamkeit, siehe, wie tief wir in Fleisch und Blut begraben find." —
In Gedanken versunken begab sich Augustin in den Garten. Fast unwiderstehlich rüttelte die Gnade am Tor seines Herzens und begehrte stür- miM} Einlaß. Nur allein die Sinnlichkeit leistete hartnäckigen Widerstand. „Wie lange noch", so strafte Augustin sich selber, „Wie lange noch wird es heißen: Morgen und immer wieder Morgen? Warum nicht setzt, warum nicht das Ende meiner Schmach?"
Auf einmal hörte er eine Stimme, wie die Stimme eines Knaben oder Mädchens aus einem benachbarten Hause, die in einem fort rief: „Nimm und lies, nimm und lies!" Ich ging zu dem Platz, wo ich die Bibel liegen hatte, öffnete sie aufs Geratewohl und las die Worte, die mir zuerst vor die Augen kamen:
„Richt in Schmausereien und Trinkgelagen, Richt in Schlafkammern und Unzucht,
Richt in Zank und Reid,
Sondern zieht den Herrn Jesus Christus an."---
Es war die Stunde der Bekehrung, die Stunde der Entscheidung. Nicht nur wollte er die hl. Taufe empfangen, sondern auch seine Geliebte entlassen und ehelos leben. Wie freute sich die Mutter, als ihre Wünsche über alle Erwartung hinaus in Erfüllung gingen. Bald darauf begehrte er das Bad der hl. Taufe und begab sich mit der Mutter und einigen Freunden in die Einsamkeit. Nach dem Tode der überglücklichen Mutter kehrte Augustin nach Afrika zurück und wurde trotz seines Strebens auf den Bischofsstuhl von Hippo erhoben.
Der Talpfarrer.
Wie tröstest du ruhig sem,
wenn du eine schwere Sünde auf deiner Seele hast und von Gott getrennt bist! Mußt du nicht jeden Augenblick gewärtig sein, daß du die Rettungslinie passierst und daß dein Lebensschifflein in Nacht und ewigem Grauen versinkt? Muß dieser Gedanke nicht wie ein Schuß deine schlafende Seele auf- mecken? Weißt du nicht, daß die Axt schon an der Wurzel des Baumes liegt (Matth. 3, 10); mußt du nicht gewärtig fein, daß sie im nächsten Augenblick