Wer heutzutage mit offenen Augen und dem notwendigen Ernst Menschenleben und Weltgeschehen beobachtet, der wird zu der Erkenntnis kommen, daß die Oberflächlichkeit auch der größte Feind jeder ernsten Religiosität ist.. Wer sind die lautesten Rufer: Fort mit dem Christentum! Religion ist Opium für das Volk!? Diejenigen, die nie Christen gewesen sind, trotz Taufe und Taufgelübde, trotz Beichte und Kommunion. — Wer sind die ärgsten Feinde Jesu? Diejenigen, die nie auch nur das geringste Verständnis für seine gewaltige Persönlichkeit aufgebracht haben. — Wer leugnet am heftigsten die sittlichen Mächte des Christentums? Diejenigen, die die sittlichen Forderungen des Christentums kaum dem Namen nach kennen.
Aber auch in Kreisen, die noch ernstlich zur Kirche halten wollen, die sich auf ihren Katholizismus noch etwas einbilden, beobachten wir dieselbe Erscheinung. Oberflächlichkeit ist das Kennzeichen vieler Katholiken. Sie lassen taufen unb trauen, versehen und beerdigen, gehen in die Sonntagsmesse und zahlen auch Kirchensteuer, — aber es ist alles tote Form. Oberflächlichkeit ist die Art vieler katholischen Familien, die noch zur Kirche gehören wollen, aber doch mit den Forderungen Christi nicht ernst machen. — Oberflächlichkeit zeigen so manche katholiiche Frauen, die auf ihre Mitgliedschaft zum Katholischen Frauenbund und ähnlichen Organisationen Wert legen, sich aber um die Vorschriften ihrer Bifchöfe über Frauen- mobe und Frauenkleidung gar nicht kümmern. — Oberflächlichkeit! Steht dies Wort auch über der Türe deines Herzens? Glaubst du mit dem Munde oder mit dem Herzen? Betest du nur mit den Lippen oder auch mit zitternder Seele? Liebst du nur mit Worten oder auch mit der Tat? Stehst du im Vorhof des Wortchristentums oder bist du wirklich eingetreten in das Heiligtum des Tatchristentums? — Sobald diese Gewissensfragen lebendig werden, fühlen wir es alle: Eine der größten Gefahren für das christliche Leben ist die Oberflächlichkeit; was uns dringend nottut, ist Vertiefung unseres Lebens.
„Fahret hinaus in die Tiefe!" So lautete einst die Forderung Jesu an seine Apostel, von denen uns das Evangelium berichtet. Und erst als diese Forderung erfüllt war, da war auch de Erfolg gesichert. — In die Tiefe! Das n'. der Ruf der Kirche in der Gegenwart. Und mr diesem Ruf will sie der allgemeinen Verflachung und Veroberflächlichung der modernen Zeit, die auch das religiöse Leben nicht verschont hat, ernsteste Fehde ansagen. —> In die Tiefe! Kein Geringerer, als der Statthalter Christi, unser gegenwärtiger Heiliger Vater, hat zu wiederholten Malen diese Forderung an die Katholiken der Welt gerichtet, wenn er auf den Nutzen und die Notwendigkeit der geistlichen! Uebungen oder Exerzitien hingewiesen. Als zeitgeschichtliches Dokument von bleibendem Werte verdient in diesem Zulammenhang seine herrliche Enzyklika „Mens nostra" genannt zu werden, die er aus Anlaß seines goldenen Priesterjubiläums am 20. Dezember A929 uns beschert hat. Einige Gedanken dieses hochpriesterlichen Rundschreibens verdienen unsere ganz besondere Aufmerksamkeit.
Ausgehend von dem unermeßlichen Segen, den er selbst in seinem fünfzigjährigen Priesterleben aus der Teilnahme an den aeistlichen Uebungen geschöpft, stellt Pius XI. dieselben geradezu als Universalheilmittel gegenüber den sittliches Schäden der Gegenwart hin. Leichtsinn und Oberflächlichkeit haben nach des Papstes Worten die Atmosphäre geschaffen für die fast unersättliche Gier nach Reichtum und Genuß, die die Sehnsucht nach höheren Gütern allmählich in den Herzen der Menschen schwächt und erstickt und „sie so sehr in die äußeren und vergänglichen Dinge verstrickt, daß sie nicht mehr imstande sind, an die ewigen Wahrheiten, an das Göttliche, ja an Gott selbst, aller Dinge Ursprung und Ziel zu denken".
Die Einsamkeit der Exerzitien zwingt den modernen, rast- und ruhelosen Menschen zur Konzentration, zur Sammlung und Ruhe, bte eine unerläßliche Vorbedingung bilden für die so notwendige innere Einkehr. „Ser Geist gewöhnr sich auf diese Weise, die Dinge reiflich zu überlegen und unparteiisch abzuwägen; der Wille wird gefestigt, die Begierlichkeit gezügelt und das menschliche Handeln wird mit dem Urteil des Geistes in harmonischen Einklang gebracht." Gerade in unserer Zeit, wo dem übernatürlichen Geiste des Glau
bens so viele Hindernisse und Schranken entgegenstehen, während anderseits bet Naturalismus, der die Glaubensfestigkeit schwächt und das Feuer der christlichen Liebe erstickt, allenthalben die Herrschaft führt, ist es von der höchsten Wichtigkeit, daß der Mensch von jenem „Zauber der Eitelkeit, der das Getue verdunkelt", sich freimacht, und sich in jene selige Einsamkeit zurückzieht, wo er von Gott selbst unterwiesen wird. Da erst kommt er zur richtigen Einschätzung und Bewertung des menschlichen Lebens; da erst sieht er gleichsam unverhüllten Auges die Hinfälligkeit der irdischen Dinge und lernt erkennen, daß die schillernde Außenseite und gleißende Oberfläche unserer vielgepriesenen Kultur noch lange nicht das Wesen der Sache ausmacht.
Alsdann zeigt der Heilige Vater, daß die Exerzitien nicht etwa eine Neuerung in der Kirche darstellen, sondern seit den Tagen Christi und der Apostel in Uebung waren Ihre jetzige Form und ihre heute bewährte Methode haben sie allerdings vom heiligen Ignatius von Loyola erhalten, „den man den hauptsächlichsten und besonderen Lehrmeister der geistlichen Exerzitien nennen darf".
„Fahret hinaus in die Tiefe!" So lautete einst ein ermunterndes Heilandswort. Umsonst hatten die Apostel sich eine ganze Nacht beim Fischfang abgemüht und nichts gefangen. Aber auf des Herrn Wort fuhren sie hinaus in die Tiefe und machten wundervoll reichliche Beute. Diese Fahrt
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I Sonntag. $
A Die Nacht war kaum verblühet, a
X Nur eine Lerche sang Z y Die stille Luft entlang. y y Wen grüßt sie schon so frühe? y Ä fe y Und draußen in dem Garten U Sie Bäume übers Haus y
Ä Sahn weit ins Land hinaus, ß
Als ob sie wen erwarten. A
y In festlichen Gewänden g
X Wie eine Kinderschar, M
X Tauperlen in dem Haar, U y Sie Blumen alle standen. y
1 Ich dacht': „Ihr kleinen Bräute, § y Was schmückt ihr euch so sehr?" p ft Da blickt die eine her: y
Ä „Still, still! 's ist Sonntag heute.
Q Schon klingen Morgenglocken, 0 A Der liebe Gott nun bald A X Geht durch den stillen Wald." R y Da kniet ich froh erschrocken. J
y Joseph von Eichendorff. y
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in die Tiefe öffnete ihnen die Augen, und als kostbarste Beute brachten sie in ihren Netzen mit den Glauben an ihren Herrn, vor dem Petrus anbetend niederfiel. — „Fahret hinaus in die Tiefe!" Noch ist dies Wort nicht verklungen, es gilt auch unserer Zeit. Die Einladung zur Teilnahme an den heiligen Exerzitien, die fast an jeder Kirchentür zu lesen ist, die so und so oft im Laufe des Jahres von unseren Kanzeln und durch unsere ka- tholischen Tagesblätter ergeht, ist eine Aufforderung zur Fahrt in die Tiefe katholischen Glaubens unb" Denkens, katholischer Lebensführung und Lebensgestaltung. Wer ihr folgt, der wird heimbringen königliche Beute an Glaubensstärke und Glaubenstiefe. Und das ist es, was unserer Zeit notlut.
.NH liebt o GM, mein smyer Herr!"
Von Johannes L o h m ü l l e r,
Ihr Stiftungsfest feierten sie. Der katholische Arbeiterverein in ... . Zwei Nachbarvereine waren mit ihren Fahnen aud) dabei. Und abends gingen sie in den Saal. Einen Vorstadtsaal. Ein ärmlicher, grauer Raum. Kahl und kalt. An der Decke bunte Papiergirlanden, Weiße Papierdecken
auf den Tischen. Rohgezimmerte Bänke. Einspär- liches Licht. Alles schlicht, so bitter schlicht. Aber die Herzen der Männer und Frauen schlugen heute höher. Sie hatten ihr Fest.
Sie strömten von der Straße her durch die breite, offene Tür. Frohes Winken. Herzliche Begrüßung der Neuangekommenen.
Ich stand im Halbdunkel, nicht weit von der Tür. Die meisten kannte ich. Vielen drücke ich die Hand. Da kamen auch Cremers. Das freute mich besonders. Der Mann stand in harter Arbeit, am Hochofen. Ihn bekam man selten zu sehen. Und seine Frau mit ihren Fünfen, die hatte das Krabbeln.
„Das ist aber vernünftig von Ihnen, daß Sie sich auch sehen lassen", begrüßte ich sie mit warmem Händedruck.
„Ach, es hat Mühe genug gekostet", gab Fraa Cremer zurück. „Mein Mann ist erst heute früh von der Schicht gekommen und hat kaum tagsiiber geschlafen. Aber heute wollten wir dabei sein."
„Das ist recht", erwiderte ich. „Aber wie macht sich unser Paul in der Schule", fragte Frau Cremer, die sich zum Weitergehen anschickte. „Sie sind noch immer mit ihm zufrieden?" Ich bejahte. Da kam die Frau noch einmal näher heran: „Mem Mann hatte eigentlich gar nicht Lust, heute noch hinauszugehen. Aber Paul hat ihn richtig darum gebettelt, daß er sich mal was Gutes gönnt. Und wissen Sie, Herr Lehrer, der Junge ersetzt mir fast ein Mädchen. Der versorgt die Kleinen, daß wir beruhigt auch einmal hmausgehen können. Eben brachte er sie zu Bett, als täte ich es selbst."
Am nächsten Morgen. Ich stehe mit drei anderen Lehrern am Fenster im Flur und blicke auf den Schulhof hinaus. Der wird allmählich leer. Es geht auf acht Uhr. Nur ab und zu kommt noch eilig ein Kind, das sich verspätet hat. Jetzt schellt die Glocke. Acht Uhr! Wir wollen in die Klasse.
Da bleiben wir wie angewurzelt stehen. Eben biegt eine Frau in raschem Lauf in den Schulhof. Der Wind zaust an ihren Kleidern, an ihrem Haar. Sie achtet nicht. Sie läuft dem Schulhauie zu. Nein, sie rennt, man sieht es, so schnell fy eben kann. Jetzt bleibt sâe stehen. Mit beiden Händen greift sie nach der Brust. Den Kopf hat sie weit zurückgebogen. Sie scheint zu wanken. Und wieder jagt sie weiter.
Starr blicken mir hinaus. Und wieder das Taumeln. Wir sehen es ganz deutlich, daß sie ihre letzte Kraft zusammennimmt. Jetzt ist sie verschwunden an der Schulhausmauer. Wir eiley wie auf ein Kommando den weiten Flur des Schulthauses entlang dem Eingang zu, wo die Frau erscheinen muß.
Da ist sie. Ich traue nicht meinen Augen. Frau Cremer! Ehe wir es hindern können, bricht sie ohnmächtig zusammen. Ein Gedanken blitzt mir durch den Kopf: ich eile zur Klasse. Ich schreit in das Stimmengewirr der Kinder: „Paul, Paa Cremer! Komm schnell her!" Ich will wiedei zurück. Da schallt die vielstimmige Antwort zurück „Der ist noch nicht hier."
Ich laufe zu der Ohnmächtigen. Sie hat inzwi schen ihre Besinnung wiedererlangt. Ich blick« die Frau genauer an und bin entsetzt. Ist da die Frau von gestern? Blutleer das Antlitz. Di Augen verstört. Hilfesuchend. So leidgequält, da es erschüttert. Wirr hängt das Haar. „Um de Himmels willen, Frau Cremer", rufe Id) sie ai „was ist denn mit Ihnen?"
Sie will sprechen. Sie bewegt ihre Lipper Aber sie bringt keinen Ton heraus. Schwer rint sie nach Atem. Dann ein Zittern des Körper daß sie an der Wand stützende Hilfe sucht. Ei krampfhaftes Aufschluchzen. Ein Aufschrei: „To —. — Er —> ist — tot! Mein Paul!"
Wir fahren zurück. Wie ein Donnerschlag tris uns die Nachricht. Hat die Frau den Verstal verloren? Sie liest in unsern entsetzten Miene Hochauf richtet sie sich. Eine Willensstärke Fra Sie hat sich wieder in der Gewalt. Da fasse i ihre Hand: „Frau Cremer! Sie haben uns eb« Unfaßbares gesagt. N'cht wahr, der Paul . . Sie läßt mich nicht ausreden. „Der Paul ist toi bringt sie matt heraus. Wir fragen, wir stell Vermutungen an, sprechen von einem Unfall. E schüttelt den Kopf. Dann erzählt sie. Und m steht es ihr an: die Worte klingen ih^ selbst, c spräche:sie ein anderen