40. Zghrg.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 2L-Pfenntg B 45 L-Vtennig (Zusiellqevüyr extra) Redaktinnsschluß Montag. Anzeigen-Pretse: Eolonelzette tm Anzetgenteil 0,15 Goldmark. SotonelaeUe tm Reklametetl 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskuntt und Off.-Teb. 0,10 Goldmark. 'Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer "'eNendruckerei tu Fulda sein
—........- Druck und Verlag der Zulvaer AcNenvruckere». Declagsort Fulda. m
Wochenkalender.
Sonntag, 3. August. 8. Sonntag nach Pfingsten. Auffindung der Reliquien des hl. Stephanus.
Montag, 4. August. Dominikus, Bek., f 1221.
Dienstag, 5. August. Makia Schnee.
Mittwoch, 6. August. Fest der Verklärung Christi auf Tabor.
Donnerstag, 7. Aug. Kajetan, Bek., f 1547. Donatus, Mart., f 361.
Freitag, 8. August. Cyriakus u. Gen., Mart., f 303.
Samstag, 9. August. Johannes Baptista Maria Vian- ney, Pfarrer von Ars, f 1859. Vigil des hl. Laurentius. Romanus, Mart., t 258.
Achter Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Römer 8. 12—17.
Evangelium. Lukas 16, 1—9. Der untreue Verwalter.
In jener Zeit trug Jesus feinen Jüngern folgendes Gleichnis vor: „Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere seine Euter. Er ließ ihn rufen und hielt ihm vor: „Was muß ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein." Da dachte der Verwalter bei sich: „Was soll ich anfangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. — Ich weiß, ma sich tue, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin." — Er ließ nun die Schuldner seines Herrn kommen, einen nach dem anderen. Den ersten fragte er: „Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?" Er antwortete: „Hundert Krüge Del". „Nimm deinen Schein," sagte er zu ihm, „setz dich geschwind hin und schreibe:' Fünfzig". Einen anderen fragte er: „Wieviel bist du schuldig?" Er antwortete: „Hundert Malter Weizen". „Nimm deinen Schein", sagte er zu ihm, „und schreibe: Achtzig". Der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt habe. — Denn die Kinder dieser Welt sind im Verkehr mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Auch ich sage euch: Machet euch Freunde mit oem ungerechten Mammon; dann werden sie, wenn es mit euch zu Ende geht, euch aufnehmen in die ewigen Wohnungen."
An kleiner Knabe — ein großer Sauber.
m 28 ds. Mts. feiern wir das Fest «fâWWd ^s hl. Bischofs und Kirchenlehrers Augustinus. Von seinen Werken be- ^^ *d> ein großes, in Schweinsreder gebundenes Exemplar der Psalmen- enlarung, gedruckt 1662 in Antwerpen. Als Titel- vlid ist ein großer Adler aufgedruckt, der die Flü- gei ausbreitet und seine Jungen füttert mit bem das ihm aus der Brust s'-ckert. Dieser Adler ist eben Augustinus selbst, der unter allen Kirchen- lehrern den höchsten Flug genommen hat und der Geister vieler Jahrhunderte mit seinen Erkennt- lüssen erleuchtet und ernährt.
Nun sind es heuer 1500 Jahre, seitdem dieser große Geist zu Hippo in Nordafrika die Niederun
gen dieser Erde verlassen und sich zum Lichte der ewigen, unerschaffenen Wahrheit aufgeschwvngen bat. Die ganze katholische Kirche, die ihren Sohn dankbar verherrlicht, rüstet sich zu besonderen Feierlichkeiten bei diesem ehrwürdigen Jubiläum. Da wollen auch wir nicht zurückstehen und die Sonntagslesungen dieses ganzen Monats dem Bischof von Hippo widmen.
Für heute soll uns feine Jugend beschäftigen. Tagaste in Numidien, dem heutigen Algser, ist seine Heimat. Vor zwei Monaten bin ich von Karthago aus, wo ich dem Eucharistischen Kongreß beiwohnte, dorthin gefahren. Heute heißt der Ort Souk Ahras und liegt in gebirgiger, fruchtbarel Umgebung. Der Vater hieß Patricius, Grundbesitzer und Mitglied des hohen Rates seiner Vaterstadt. Um Religion, Wissenschaft, Philosophie oder Erziehung kümmerte er sich wenig und war hauptsächlich darauf bedacht, aus seinen Gütern möglichst viel Nutzen zu ziehen, seine Familie zu ernähren und seinem talentvollen Sohn eine höhere Bildung zuteil werden zu lassen, damit er einstens in der Welt sich einen Namen mache. Mit beiden Füßen stand er noch im Heidentum und machte daraus gar kein Hehl. Seine Frau behandelte er ziemlich brutal und die Treue war ihm ein leerer Wahn. Gleichwohl hatte die sanfte Monika aus das Gemüt ihres Gatten einen heilsamen Einfluß, wie es auch wahrscheinlich ist, daß sie ihn für die Taufe gewann, die man damals gern bis an die Schwelle der Ewigkeit verschob. Die Frau, die er als Gattin heimgeführt— wer kennt sie nicht, Augustins zweifache Mutter, diese unermüdliche Seelenfischerin, die hl. Monika? Seit Kindheit mit Christus und seinen Lehren bekannt, pflegte sie mit seltener Liebe die Uebungen der Frömmigkeit, besuchte mit großem Fleiß die Gottesdienste, ging oft zum Tische des Herrn, hatte auch eine offene Hand für die Armen und Dürftigen. Als Mädchen wäre sie beinahe das Opfer einer unglücklichen Leidenschaft geworden. Von ihren Eltern damit beauftragt, den Wein aus dem Keller zu holen, naschte sie gern einige Tropfen des süßen, starken Afrikaners. Die gute, alte, treue Magd kam aber hinter diese Schliche und eines Tages schleuderte sie in der Erregung dem Mädchen das Schimpfwort entgegen: du Säuferin! Das wirkte wie ein Blitz auf Monikas ehrsüchtiges, stolzes Herz. Um keinen Preis wollte sie eine Säuferin sein oder werden. Das Wort wurde für sie zu einer Roßkur, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Gerne machte Monika auch die Sitte oder vielmehr Unsitte mit, Speisen an die Gräber zu tragen, in der Meinung, sie könnten den Verstorbenen etwas nützen. Von Ambrosius eines besseren belehrt, gab ste diese Unsitte auf. Mit wahrhaft leidenschaftlicher Liebe hing Monika an ihrem Augustinus. Doch war ihr mütterliches Wort zu schwach, ihren Liebling vor Fehlern und Ausschweifungen zu behüten. Ihn mit weltkluger Hand in den Hafen einer soliden,
chrijtlichen Ehe zu leiten, erschien ihr als Gipfel aller Weisheit. Doch zerriß Augustin, als er getauft war, diese ihm zugedachten Bande und fuhr mit vollen Segeln in den Hafen vollkommener Reinheit und Freiheit. Monika erlebte noch bett vollkommenen Triumph der Gnade an ihrem Sohn.
Einstweilen aber schien Augustin dem moralischen Untergang geweiht. Die Stürme der Jugend drohten sein Glück zu zerschellen. Von ausgezeichneter Begabung hatte der Knabe keinen Geschmack an der Schule und ihrem verhaßten Zwang. Sem kindlich törichtes Gebet ging dahin, „der liebe Gott möge doch machen, daß er keine Schläge bekomme." „Nichts häßlicheres in den Augen Gottes gab es damals", schreibt Augustin selbst, „als meine Seele. Durch unaufhörliche Lügen täuschte ich Erzieher, Lehrer und Ellern. Auch bestahl ich die Vorratskammern oder den Tisch meiner Eltern aus Leckerhaftigkeit oder in der Absicht, andern Knaben etwas zu schenken und dadurch mir ihre Spiel- gesellschaft zu erkaufen. Im Spiele selbst erschlich ich im eitlen Streben, mich auszuzeichnen, betrügerisch den Sieg. Heftig aber tadelte ich meins Kameraden, wenn ich sie an Dingen ertappte, wir ich sie selber tat. Wurde ich aber erwischt, dann tobte ich lieber, als daß ich nachgegeben hätte. Ist das die Unschuld der Kinder? — In blinder Leidenschaft stürmte ich weiter, so daß ich mich unter meinen Altersgenossen schämte, wenn ich an Schandtaten hinter ihnen zurückstand. Ich ergab mich dem Laster, um nicht von Kameraden getadelt zu werden. Und tat ich nicht wirklich, was mich meinen Genossen an Lasterhaftigkeit gleichwertig machte, so log ich ihnen vor, ich hätte getan, was ich tatsächlich nicht getan, damit ich ihnen nicht verächtlich würde durch zu große Unschuld und sie mich nicht germg- schätzten wegen zu großer Keuschheit! Mit solchen Gefährten trieb ich mich auf den Straßen Babylons herum und wälzte mich im Schlamme, als wäre es wohlriechendes Wasser und köstliche Salbe. Eines Tages half ich sogar, einen Birnbaum plündern, nicht der schönen Birnen wegen, sondern aus Freude an der Bosheit.
So war ich denn noch ein kleiner Knabe — Und dennoch schon — ein großer Sünder."
Der Talpfarrer.
In Die Tiefer
Ein Krebsübel der modernen Menschen ist ihre Oberflächlichkeit. Wie viele leben in den Tag hinein, ohne jemals ernstlich über Sinn und Zweck ihres Erdendaseins nachzudenken! Mit welcher Oberflächlichkeit, Urteilslosigkeit und Gleichgültigkeit stehen so viele der Religion und dem Gottesglauben, der Kirche und dem Christentum gegenüber! Für Höheres scheinen sie keinen Sinn zu haben. Essen und Trinken, Geldverdienen und Sichamüsieren ist ihnen die Hauptsache.