reich und zur Anwartschaft auf den Lohn im Himmel. Dazu l-raucht es ungleich mehr als Worte. Das Tun vielmehr ist das Entscheidende, die Erfüllung jenes Willens des göttlichen Vaters, den der Heiland immer wieder uns als Richtschnur seines und unseres Handelns aufgibt. Es ist der Inhalt seiner Bergpredigt, deren Beschluß die Worte unseres Evangeliums bilden, uns diesen Willen seines himmlischen Vaters bis in die Einzelheiten auszudeuten. Da sind die acht Seligkeiten mit ihrer Forderung, sich loszulösen von dem Geiste dieser Welt, der Begier nach irdischem Besitz und ungerechter irdischer Macht, friedfertig zu sein und reinen Herzens, um der Gerechtigkeit willen nicht Verfolgung und Tod zu scheuen. Da drängt das Gebot wahrer Selbstlosigkeit und echter Nächstenliebe, bis zur Hingabe selbst des für den eigenen Bedarf Nötigen an den noch bedürftigeren Bruder. Da stehen sie alle vor uns auf, die Forderungen und Gebote christlich-katholischer Sitte, deren wir uns im modernen Leben so leicht überhoben glaubn. Mit unerbittlicher Folgerichtigkeit verlangt «er Heiland chre Befolgung im Werke, Gebot als Bebot, Rat als Rat.
Es gibt also nur ein Kennzeichen wahrer christ- icher Jüngerschaft. Glaube und aus dem Glau- ien hervorgehende Tat, sie beide müssen zusam- nen kommen, wollen wir vom Heiland als seine vahren Jünger anerkannt werden. Darum weg nit allem Namenchristentum, all jener inneren lnwahrhaftigkeit und all dem Selbstbetrug, mit nun leider nur allzu viele den wahren Christen- lamen schänden. Sein Erweis ist nicht Taufschein, kirchensteuerzettel und Parteibuch, nicht vor Gott, ler Herz und Nieren erforscht, und nicht einmal vor >en Menschen. Denn auch diese müssen nach den [Borten des Evangeliums den Baum beurteilen nach feinen Früchten. Es ist schon etwas Wahres Daran, daß die Entfremdung so vieler Menschen vom Christentum in unseren Tagen auch von jenen unter uns mitverschuldet ist, die es nicht verstanden, den Einklang ihres Lebens mit ihrem Glauben vernehmlich zu machen und so Zweifel erweckten an Kraft und Ernst des Glaubens selber. Wir Christen sind nun einmal und sollen nach den Worten des Heilandes sein die Stadt auf dem Berge, deren Leben und Treiben allen Blicken ausgesetzt ist, und der Leuchter, der nicht unter dem Scheffel steht, weil sein Licht den Menschen Leuchte und Ziel sein soll.
Einklang von Wort und Lehre, von Glaube und Leben, das ist die unerbittliche Forderung an uns Christen. Sie wird keinem erlassen, der ein Mensch persönlicher Wahrhaftigkeit sein will.
Einen EhrenkrnnZ der Müller.
Zum 26. Juli.
Das Fest der hl. Anna, an dem wir zu Füßen der Mutter der Gottesmutter knieten, darf nicht vorübergehen, ohne daß wir auch der irdischen Mütter gedenken und ihnen einen Ehrenkranz widmen.
Heute wird ja leider Mutterschaft und Mutter- würde weder in der Oeffentlichkeit noch in manchen Kreisen der Frauenwelt so geachtet, als es recht und billig wäre.
In der Ocffentlichkeit ist mit fortschreitender Entsittlichung auch eine Verachtung der Mutterschaft und Mutterwürde eingerissen. Schaut sie euch an, die „Berliner" und sonstigen illustrierten Zeitschriften, was für Bilder sie bringen! Mehr oder minder ausgezogene Frauenbilder, Bilder von Revuemädchen, von Tänzerinnen und Schauspielerinnen .... Bilder genug vom „Weib", aber keine Bilder von der „Mutter".
Oder wie steht es mit den Theatern und Filmen, mit den Romanen und Geschichten? Auch darin ist stets die Rede vom „Weib", und die Ausdrücke wie „Lebeweibchen", „Luxusweibchen", „Weibsteufel" kehren oft genug wieder. Aber wo bleibt die Verherrlichung der Mutter?
Es ist leider traurige Tatsache, daß man der ehrwürdigen Gestatt der deutschen Mutter kein Lebensrecht mehr zuerkennt. Als Sportheldin, Filmschauspielerin, Mode- und Weltdame, so erscheint die „Frau von heute" vor den bewundernden Augen der Welt. Mütterlich ist für viele ein überwundener Standpunkt. Die moderne Welt hat der Mutter den Ehrenkranz entrissen, den Ehrenkranz der Ehrfurcht und Hochachtung, und dafür der
Dirne einen Kranz aus Klatschrosen um me gemeine Stirn gewunden.
Das Weib als kostspieliges Spielzeug, als launenhafte Göttin, als pikantes Abenteuer, als tolle Lustbringerin — aber nicht mehr als die reine ehrfurchtgebietende Mutter!
Leider hat diese Auffassung auch in modernen Frauenkreisen viele Anhängerinnen. In Amerika legen die jungen Frauen ihren Männern eine Frage vor: „Kind oder Aula?" Und die meisten jungen Eheleute, so heißt es in einem erschütternden Brief aus diesem Lande, entscheiden sich für das Auto! Sie können keine Kinder mehr brauchen. Sie wollen keine Mütter mehr sein. Denn Kinder hindern beim Vergnügen!
O ihr lieben, guten Mütter, die ihr euer Leben wiederholt in kleine Kinderherzen ausgegossen habet, die ihr stark und treu gewesen seid und im Kranze eurer Kinderschar so schön seid, wie oft lacht man über eure „Rückständigkeit" . . . wie oft bringt ein Spottwort an euer Ohr, wie oft streifen euch verächtliche, geringschätzende Blicke . . . Wahrhaft, ihr seid Märtyrerinnen eurer Kinder wegen!
Euch wollen wir heute diesen Ehrenkranz winden. Euch, ihr guten und getreuen Mütter, in Stadt und Land, in Hütte und Villa, die das höchste Glück der christlichen Ehe in wahrer Mütterlichkeit ersannt haben. Euch, Mütter, die ihr alle Zeit vor Gott standet, ob euch nun der Schöpfer Gott mit
Mutter.
Mutter, sieh! In mancher stillen Nacht Wachte ich beim milden Licht der Sterne. Nur des Windes Rauschen müd und sacht Drang zu mir aus öder, fremder Ferne. Tiefer brannte schon der Lampe Schein. Auf den Straßen Tritt und Schritt verwehten. Doch in ferner Kammer, stumm, allein, Seh' ich dich noch vor dem Kreuzbild beten. Ach, das Leben streute Schnee ins Haar Dir schon längst. Die arbeitsfrohen Hände Wurden müd. Nur deine Liebe klar Wacht und fleht zu Gott bis an das Ende. — Ueber meiner Tage Wirrsal dicht, — Ueber Kampf und Streit in kalter Feme — Fließt aus deinem Mutterbeten Licht, Leuchtet deine Liebe gleich dem Steme! —
wenigen oder vielen Kindern gesegnet hat. Euch allen, die Mütter nach dem Herzen Gottes mnd nicht Müller nach dem Sinn der Welt sind!
Ich sehe sie vor mir, diese leibgebeugten, sorgengedrückten Attitter unseres Volkes, wie sie zu den Wallfahrtsorten ziehen. Ich sehe ihre guten Augen, ihre nie ermüdenden Hände, sehe das Grau ihrer Haare, das einfache, zumeist schwarze Kleid, das sie an den Feiertagen tragen, sehe sie in selbstvergessender Liebe, im heroischen Opferleben! Die Welt kennt sie nicht mehr. Für sie hat f^ keine Blumen und keine Diamanten...
Aber im Buch des Lebens seid ihr eingetragen mit unvergänglicher Schrift, und eine nimmerwelkende Krone erwartet euch: die Krone aus den Seelen eurer Kinder, die ihr von Gott empfangen und für Gott großgezogen habt. Und diese Krone wird ewig leuchten!
Der schwerste Tag im Lebeu der h!. Anna
Von Margaret Hohmann.
Eine frühe Sonne schien durch die kleinen Fenster des Hauses zu Nazareth, in dem Joachim und Anna wohnten. Der große bärtige Kopf Joachims lag noch im Frieden des Schlafes. Das süße Engelsgesicht der dreijährigen Maria lächelte, und ihre kleine Hand griff im Troum nach dem Schatten, den das Fensterkreuz auf ihr Lager warf.
Nur Mutter Anna wachte! Sie sah zu dem Kinde hin, und schwere Tränen rannen über die
Wangen der alten Frau. Ganz leise schluchzte sie, um Mann und Kind nicht zu wecken, aber desto heftiger war ihr Schmerz.
Heute sollte es sein! . . . Heute sollten sie ihre kleine Maria zum Tempel bringen, wie sie vor drei Jahren bei deren Geburt gelobt. Heute, heute sollte es sein . . .
Anna bedeckte beide Augen mit den Händen, al, ob sie so das Licht dieses schreckhaften Tages ver. dunkeln könnte. Dieses Tages, der ihr das einzige, das heiß ersehnte und so wunderbar spät ge- schenkte Kind nehmen sollte.
Sie begehrte in Gedanken auf. Weshalb eigentlich? Konnte Maria nicht auch im Elternhause dem Herrn dienen?? ....
„Du hast versprochen", warnte eine Stimme.
„Gewiß, gewiß", wehklagte Anna, „ich habe versprochen, das Kind dem Dienste des großen Gottes zu weihen, aber ich wußte damals noch nW. wie schwer es ist." Und ihr müder Kopf sank Ms das Lager zurück.
Aber bald hob er sich wieder. Wie durfte sie ruhen! Es war das letzte Mal, daß es ihr vergönnt war, ihr Kind im Schlaf zu sehen. Das letzte Mal, daß sie die kindlichen Atemzüge hörte. Ein letztes Mal wird es dann sein, daß sich runde Aermchen um ihren faltigen Hals schlingen und ein süßer kleiner Mund Liebste Mutter" flüstert..
Und wie sehr hat sie sich nach all diesem gesehnt ... ein ganzes langes Leben . . . und nun gab es nur drei Jahre Mutterseligkeit für fiel
Sie blickte zur Seite und sah, daß Joachim immer noch schlief. Wie konnte er schlafen? Er wußte doch, daß diese Nacht die letzte war, in der sie ihrer beider Kind im Hause hatten. Er wußte, daß es morgen schon im Tempel schlafen würde mit den Gefährtinnen zusammen, die sich gleich ihm dem Dienste Jahwes weihten, er wußte es, und doch schlief er.
Annas Lippen wurden ein wenig bitter. „Ich bin eben die Mutter", dachte sie, „ich liebe Maria am meisten . . .", und unter solchen hin und her gewandelten Gedanken rückte der Tag grausam schnell vor.
Die kleine Maria erwachte, und ihr Kinder- stimmchen durchläutete den Raum zum letzten Male. Die täppische, heute etwas traurige Zärt« llchkeit des alten Vaters klang hinein und die viel zu laute Geschäftigkeit der Mutter Anna, die sich mit dem Frühmahl zu schaffen machte.
Bald danach machte man sich auf den Weg zum Tempel, wie mit dem Priester Zacharias verabredet war. Joachim und Anna nahmen ihr Kind in die Mitte, und so legten sie schweigend noch einmal die innige Liebe ihrer Seelen kostend, den Weg zurück.
Zacharias harrte schon an der Pforte, die zum Hause des Herrn führte. Maria hatte nur We Stufen emporzusteigen und war bei .ym in guter Hut.
Nachdem sie sich von den Zärtlichkeiten del Eltern gelöst, schritt die Gottgeweihte, Gott« erwählte langsam die vielen Stufen hinan.
Ein kleines Kind allein die große Treppe hinan! Doch schritt die Gnade nebenher und stützte sie. Sc warf sie keinen Blick zurück. Sie hörte nicht dm leise Weinen ihrer Mutter, die sich nun des Schulzes sehr bedürftig an den Gatten lehnte. Sie stie; zum Haus ihres Herrn, die erste Stufe zum Kalvarienberg.
Doch ehe f^ oben in dem großen Tor verschwand, das sich wie eine Wand zwischen alles was ihr bisher lieb war, schieben sollte, bog fid der kleine Kopf nochmal zurück. Sie sah die alten gramgebeugten Eltern an der Treppe stehen, uni eine Ahnung von dem Leid der beiden stieg in bii frühgereifte Kinderseele. Sie wandte ihnen ih Gesichtchen zu und lächelte, ein himmlisch-schöne- Lächeln. Nicht wie Maria tat, als sie im Hau von Nazareth den Eltern folgte und die Elten liebte, es war ein Lächeln, das vom ersten Schmer erzählte und von manchen ungeweinten Tränen
Als Mutter Anna dieses Kind, ihr Kind auf recht und frei und lächelnd bei dem ersten Schmer erblickte, "vergaß sie einen Atem lang ihr eigne: Leid; ja, etwas wie ein Freuen über ihrer alle Opfer bog sich um ihr Herz. . J
Da merkte sie, wie sich das Kind bewegte un' nun halb im Schatten eines Baumes stand, der tot ein großes Kreuz auf ihrer linken Schulter tot Auch Joachim sah dieses Kreuz, und es dura schauerte sein Vaterherz, und er hielt seine Ga-