Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-Pfenntg 0 45 L-Psenntg (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse: Eolonelzetle tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Eolonelzelle tm Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Ged. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Aetiendruckeret in Fulda sein.
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Wochenkalender.
Sonntag, 27. Juli. 7. Sonntag nach Pfingsten. Pantaleon, Mart., t 303.
Montag, 28. Juli. Nazarius u. Gen., Mart., t 68.
Dienstag, 29. Juli. Simplizius u. Gen.,' Mart., f 304. Martha. Felix II. , Papst, Mart., t 376.
Mittwoch, 30. Juli. Abdon u. Sennen, Mart., t 520.
Donnerstag, 31. Juli. Ignatius von Loyola, f 1556.
Freitag, 1. August. Petri Kettenfeier. 7 makkabäischs Brüder. Herz-Jefu-Freitag.
Samstag, 2. August. Alphons Maria von Liguori, Kirchenlehrer, t 1787. Stephan 1., Papst, Mart., * 257. Portivncula.
Siebter Sonntag nach Pfingsten
Epistel. Römer 6, 19—23.
Evangelium Matthäus 7, 15—21. Warnung vor falschen Propheten.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen in Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie reihende Wölfe. An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln? eo trägt jeder gute Baum gute Früchte: ein schlechter Baum aber trägt schlechte I Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte tragen, ein schlechter Baum nicht gute Früchte. Jeder Baum, der nicht gute Früchte trägt, wird ausgehauen und ins Feuer geworfen. An ihren Früchten also könnt ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr Herr!" wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der wird in das Himmelreich eingehen."
Eine glückbringende Revolution at nicht unser Heiland bei der Fuß Waschung alles auf den Kopf gestellt? Nach der richtigen Ordnung waren die Apostel die Diener. Christus, der Herr, hat sie ja herausgezogen aus der Verborgenheit und sie ins Licht 9CW; weggeholt von ihren Netzen und von ihrer Scholle und ihren irdischen Geschäften und sie zu Predigern und Wundertätern gemacht. Christus war ihr Herr und Meister. Die Apostel waren die Untertanen, die Jünger und Diener. Und nun, was tut der Heiland? Er schüttet Wasser in ein Bek- ken, bindet sich eine Schürze um, bückt sich nieder ^d wäscht seinen Aposteln die staubigen Füße. Wahrhaftig, da ist alle seitherige Ordnung auf den gestellt. Der Herr wird zum Diener, die U-ener werden zu Herren. Das ist richtige Re* $ Solution, Umkehr aller Sitte, Gewohnheit und Ordnung. Darum auch die Verwunderung der Apostel, larum ihr Befremden und Staunen, darum auch ne Weigerung des hl. Petrus: „Herr, in Ewigkeit vUst du mir die Füße nicht waschen."
Doch der Heiland besteht auf diesem Dienst Zum Schluß gibt er eine große, herrliche Lehre, die eine wahre, beglückende Revolution auf der Erde hervorbringen wird. „Wißt ihr, was ich euch getan habe? Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr tut, wie ich getan. Wenn ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen." —
Glaubt ihr nicht, der hl. Petrus wird diese Tat des Heilandes und diese seine Lehre ewig im Gedächtnis behalten haben? Glaubt ihr nicht, er wird die richtige Nutzanwendung daraus gezogen haben? Und nun kommen wir an seinen Brief, der uns schon einige Wochen beschäftigt. Die Stelle, die heute an die Reihe kommt, scheint gerade ein Niederschlag oder ein Echo von der Fußwaschung zu sein. Vernehmen wir mit gewohntem Lerneifer seine kurze, eindrucksvolle Mahnung:.
„Alle beherziget gegenseitig die Demut; denn den Hochmütigen widersteht Gott, den Demütigen aber gibt er seine Gnade." —
Von den beiden letzten Lesungen werdet ihr euch noch erinnern, daß Petrus den Vorgesetzten Weisungen gab über die Handhabung ihres Vorsteher- und Erzieheramtes, den Untertanen aber, zumal den Jünglingen, Weisungen der Zucht und des Gehorsams.
Werden sich nur die Vorsteher und die Untergebenen als Feinde gegenüberstehen? Keineswegs Das wäre nicht nach dem Willen Gottes; das wäre nicht nach den Vorschriften des Evangeliums. Wo findet sich aber eine Ausgleichung? Der hl. Petrus zeigt uns den Weg, der Priester und Laien, Eltern und Kinder, Obere und Untertanen, Herrschaften und Diener zusammenführt. Und dieser Weg ist die Demut.
Wie sagt deshalb unser Apostelfürst?
„Alle beherziget gegenseitig die Demut."
„Alle". Selbstverständlich zunächst die Geringen, die Kinder, die ^öbne, die Töchter, die Schüler aller Schulgattungen von unten bis oben, die Lehrlinge, Gesellen, Arbeiter, Bauersleute, Angestellte, Dienstboten, Gehilfen, Bedienstete, Kellner, Kutscher, Beamte in gewöhnlilcher oder gehobener Stellung — alle sollen sie den Eltern, den Vorgesetzten, den Meistern, den Privatherrschaften und der Oeffentlichkeit, dem Staat oder der Kirche, in Demut dienen.
„Alle". Nicht bloß die Geringen, sondern auch die Großen, die Herrschenden, die Reichen, die Befehlenden, die Leute von Stellung, von Reichtum, von Adel der Geburt und des Geistes. Welche Auffassung sollen sie von ihrer bevorzugten Stellung haben? Die Auffassung der Demut. Verdanken wir denn nicht alle körperlichen oder geistigen, öffentlichen oder privaten Vorzüge, Auszeichnungen, Kenntnisse, Besitztümer, Fähigkeiten in erster Linie Gott, dem Spender aller Gaben? Darum sollen wir solche Gaben und Geschenke nicht an
wenden, um uns darin zu gefallen, um uns darin zu nennen, um uns damit zu überheben, um damit die unteren zu beherrschen, auszunützen, an unsern Wagen zu spannen, sondern um ihnen in Demut und Wahrheit zu dienen.
Selbst den Heiden blieb eine Spur dieser Wahrheit eingedrückt. So bestand im alten Rom das Fest der Saturnalien. Und da herrschte in der ganzen Stadt eine neue Ordnung, eine Umkehr der alten, gewöhnlichen, eine Art friedlicher Revolution. An diesem Fest wurden die Herren zu Sklaven, die Sklaven zu Herren.
Was im Heidentum an einem einzigen Tag des Jahres geschah, das soll im Christentum alle Tage im rechten Verstände geschehen. Hat es nicht der Stifter unserer hl. Religion so gewünscht? „Wer unter eilch der größte sein will, der sei der geringste; und wer unter euch der Herr sein will, der sei der Diener." Luc. 22, 26.
Haben wir nicht schon im Sprachgebrauch Andeutungen dieser Wahrheit? Wie heißen denn die obersten Beamten eines Reiches? Riinifter ist ihr Titel. Nun heißt aber Minister nichts anderes als Diener. Der Papst aber legt sich gern den Titel bei: servus servorum Dei, zu deutsch „Diener der Diener Gottes". So betrachtet der Stellvertreter Gottes, der Hl. Vater, der doch unter allen Menschenkindern die höchste Stelle einnimmt, dem unter allen Königen und Herren der erste Platz gebührt, seine Aufgabe als einen Dienst am ganzen Volk. Alle will er führen auf den Wegen des Glaubens und der Gebote, und damit auf den Wegen des zeitlichen und ewigen Glückes.
Hier liegt die Lösung der sozialen Frage. Kein Arbeitsverhältnis kann Dauer, Würde und Leistungskraft bewahren, wenn nicht „der Herr seinen Dienern die Füße wäscht." Damit ist uns ein Gleichnis gegeben, und wo das nicht verstanden, nicht in Haltung, Sitte, Ton und Gesinnung übersetzt wird, da laufen sich alle Räder heiß, da vergiften sich alle Seelen, da ballen sich alle Hände, und das letzte Wort spricht die Guillotine. So schreibt Professor Förster. So laßt uns des hl. Petrus Rat befolgen: „Beherziget gegenseitig alle die Demut."
Der Talpfarrer.
Work und Tat.
Zum Evangelium des 7. Sonntags nach Pfingsten.
Mit einem erschütternd ernsten Worte schließt unser heutiges Evangelium: „Nicht jeder, der zu mir sagt: „Herr, Herr" wird eingehen in das Himmelreich, sondern wer den Willen meines Vaters in dem Himmel tut."
Der Sinn dieses Wortes ist von schneidender Klarheit. Nicht die äußere Zugehörigkeit zu Christus und feiner Kirche, nicht das Lippenbekenntnis des Glaubens genügen zum Eintritt tn das Gottes-