Sonnlag. 20. Zull 1930.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra). Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse: Eolonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Eolonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extrL Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda fein.
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Wochenkalender.
Sonntag, 20. Juli. 6. Sonntag nach Pfingsten. Hieronymus Aemilianus, Bek, f 1537. Margareta, Jgfr., Mart., f 275.
Nontag, 21. Juli. Praxedes, Jgfr., f 2. Jahrh.
Dienstag, 22. Juli. Maria Magdalena, Büßerin.
Nittwoch, 23. Juli. Apollinaris, Mart., f 81. Liborius, Bischof, Bek., f 397.
Donnerstag, 24. Juli. Vigil des Festes des hl. Apostels Jakobus. Christina, Jgfr., Mart., f 303.
freitag, 25. Juli. Jakobus, Apostel. Christophorus, Mart., f 250.
Samstag, 26. Juli. Anna, Mutter der seligsten Jgfr. Maria.
Sechster Sonntag nach Pfingsten.
Epistel. Römer 6, 3—11.
Evangelium. 2Harfus 8, 1—9. Die zweite wunderbare Brotvermehrung.
In jener Zeit war eine große Volksschar bei Jesus. )a sie nichts zu essen hatten, rief er seine Jünger erbei und sprach zu ihnen: „Mich erbarmt des Volkes; hon drei Tage harren sie bei mir aus und haben ichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause gehen isse, brechen sie unterwegs zusammen; denn manche in ihnen sind weit hergekommen." Seine Jünger er- üderten ihm: „Woher soll man hier in der Wüste rot bekommen, sie zu sättigen?" Er fragte sie: „Wie- ele Brote habt ihr?" „Sieben," antworteten sie. Da eß er das Volk sich auf den Boden lagern. Und er ihm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie men Jüngern, sie sollten sie dem Volke vorsetzen, id sie setzten sie vor. Sie hatten auch noch einige schlein. Er segnete sie und ließ sie vorsetzen. Sie ;en und wurden satt. Von den Stücklein, die übrig leben, hoben sie noch sieben Körbe voll auf. Es aren gegen viertausend, die gegessen hatten. Und er i itließ sie.
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Goldene Freiheit
'e Jugend hat etwas unbändiges; sie bedarf gar vieler, die sie beaufsich- tigen, belehren, erziehen, ihr nach- gehen, sie großziehen. Und trotz so vieler Mühe läßt sie sich kaum im aume halten. Wie ein unbändiges Pferd, wie " '"''des Tier ist die Jugend. Wenn wir gleich
111 herein und von den ersten Jahren an ihr e richtigen Schranken stecken, dann brauchen wir iS hernach nicht mehr so viel Mühe zu geben. Die tte Gewohnheit wird ihm zum Gesetz. -
-User hat diese Worte geschrieben? Wer hat 1 liefen 5öanberfd)ein ausgestellt? Der Kirchenlehrer Chrysoslomus vor va 1o >0 Jahren., Hat er die Jugend richtig riert? Lder ist sie seitdem anders geworden? nn werdet ihr sagen; so ist sie geblieben. Die "ldene Fre, heil", das ist ihr Ideal, ihr Lust- loß, ihr Idol, ihr Traum, ihre Fata Morgana.
Besonders in den Jahren der Entwicklung. Da ist der Freiheitsdurst der Heranwachsenden Jugend wie ein feuriger Most, der im Fasse gärt und rumort und mit aller Gewalt die Fessel der schützenden Bretter sprengen möchte. Diesen Freiheits- mahn in die richtigen Grenzen zu leiten ist ein schweres, vielleicht das schwerste Stück der Erziehung. Darf aber die Jugend sich über die Vorschriften des Gehorsams, über die berechtigten Forderungen der berufenen Autorität Hinwegsetzen?
Keineswegs. Denn das vierte Gebot kennt keine Ausnahme: „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl ergehe." Ausdrücklich haben die Apostel diese alte Regel der Moral stehen lassen und wiederholt eingeschärft. Da iool= len wir heute unserer Gewohnheit gemäß beim Fürsten aller Apostel, beim hl. Petrus, in die Schule gehen und seine Ansicht über Gehorsam und Freiheit kennen lernen.
„Ihr Jüngeren sollt den Aelleren untertan sein."
Das ist alles. Wie kurz ist doch diese Pädagogik gefaßt. Der Apostel weiß wohl, daß lange Vorschriften bei der Jugend keinen Wert haben. Militärische Kürze und Kraft ist bei der Jugend am Platze. So ein kurzes, markiges Wort wirkt bei der Jugend oft faszinierend. Sie wird von einer klugen, zielbewußten, zielsicheren Hand einfach fortgerissen.
An welche Adresse geht aber diese Mahnung? An die „Jüngeren". Wir gehen nicht fehl, darunter das gesamte, erziehungsbedürftige Jugendalter zu verstehen. Besonders aber scheint er mir die Heranwachsende Jugend vor Augen zu haben. Also nicht die Kleinkinder, die noch auf der Mutter Schoß sitzen, sondern die Schulpflichtigen und die Schulentlassenen, etwa das gefährliche Alter vom 14.—20. Lebensjahr. Und welche Personen haben wir uns unter den „Aeltercn" zu denken? Zunächst wortwörtlich die leiblichen Eltern. Dann aber auch alle Autoritätsperlonen der Kirche und des Staates, die Priester, die Lehrer, die Metzler, die Herrschaften, die geistlichen und weltbchen Obrigkeiten. Und welche Weisheit empfiehlt nun der Apostelfürst dieser Jugend? Die alte und immer neue, längst, erprobte und allzeit bewährte: „Unter tan" sein. Also Gehorsam, Unterwürfigkeit, Folgsamkeit, Gefügigkeit, fußend auf Ehrfurcht. Anerkennung und Achtung. Ihr hättet wohl etwas anderes erwartet, ihr Jungmänner und Jungfrauen? Ihr hättet vielleicht lieber das Evange- lium von der Emanzipation gehört, oder von der Gleichberechtigung oder vom parlamentarischen Regiment! Aber saget selbst, ihr jungen Leute, kann denn ein Apostel gegen seinen eigenen Meister auftreten? Wäre er dann nicht ein Verräter? Was hat aber der Heiland selbst gesagt? „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern zu erfüllen." Zu diesem Gesetz, zum Dekalos nämlich, Lehört auch das oben genannte
vierte Gebot. Und der Heiland, der Sohn Gottes ist, der dem himmlischen Vater ebenbürtig ist, hat sich längstens daran gehalten. Was lesen wir beim hl. Evangelisten Lukas? „Seins zog mit seinen Eltern nach Nazareth und war ihnen unler- kan.- Eine Untertänigkeit, die sich erstreckte bis zum 30. Lebensjahrl
Kann es also für dich, mein lieber Jungmann, etwas demütigendes, etwas gemeines, etwas entehrendes, etwas erniedrigendes sein, in solchen Fuhtapfen zu wandeln? Wenn der Offizier dem General folgt, betrachtet es dann nicht der Soldat als Pflicht und Ehrensache, dem Offizier Folge zu leisten? Mach es auch so, lieber Jüngling, wenn dich die Versuchung kitzelt, deinen Eltern und Vorgesetzten zu widersprechen, ihre Anordnungen zu mißachten, zu übertreten, zu sabotieren. Wenn der Teufel dir zuraunt: du bist jetzt alt und groß genug; du hast nicht mehr nötig zu folgen; es "ist für dich entehrend. Schlage doch dem Teufel die Waffe aus der Hand mit dem Gedanken: der Sohn Gottes hat auch gefolgt; und meine Eltern und Oberen müssen ebenfalls wieder foiaen; harUm will ich meinen Eltern Gehorsam entaegenbringen. Tu das, lieber Freund, und du wirst gut ^abet fahren. Und willst du das Geheimnis wissen, das dem Gehorsam alles scheinbar erniedrigende, alles knechtische und sklavische nimmt? Vernimm das Geheimnis: folge, aber nicht deshalb, weil du mußt, sondern weil du willst. Siehe, so vereinigst du deinen eigenen Willen mit dem Willen deiner Erzieher. So verdoppelt sich die Willenslr So ist in deinem Gehorsam Autorität und Freiheit im schönsten Einklang und in der wohltuendsten Harmonie.
Im übrigen läßt ja Sankt Petrus durchblicken, daß eure Eltern keine Gewaltmaßregeln ergreifen sollen, sondern mit verständiger Liebe zu Werke gehen. Sie werden es sich angelegen sein lassen, dem Gehorsam, der immer der menschlichen Natur schwer sein wird, die verletzenden Dornen auszubrechen. Diejenigen Eltern und diejenigen Erzieher, welche den Geist der Milde und den Geist helfender Güte haben, werden reine Wunder wirken. In dieser Hinsicht ist ein Traum äußerst lehrreich, den uns der sei. Don Bosco mit folgenden Worten erzählt:
„Ich sah in meiner Jugendzeit eine große Zahl von Knaben sich tummeln. Einige lachten, andere spielten und fluchten. Voll Zorn lief ich auf sie zu und teilte Schläge unter sie aus. In diesem Augenblick gewahrte ich einen Mann von ehrwürdigem gebietendem Aussehen; er rief mich bey« Namen und sprach: „Nicht mit Schlägen, 'andern mit Sanftmut und Liebe mußt du diese geirinnen und sie dir zu Freunden machen." —
Don Bosco befolgte später diese Methode und erfüllte die Welt mit Staunen über die Resultate einer solchen Erziehung. Der Talpfarrer.