Sonntag, 18. Mai 1930.
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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Wochenkalender.
mlag, 18. Mai. 4. Sonntag nach Ostern. Venan- tius, Mart.
nfag, 19. Mai. Petrus Cölestinus, Papst, f 1296. Pudentiana, Jgfr., f 159.
nstag, 20 Mai. Bernhardin von Siena, Bek.
twoch, 21. Mai. Vom Tage. inerstag, 22. Mai. Tom Tage. itag, 2-3. Mai. Vom Tage. nstag, 24. Mai. Mariensonntag.
Herter Sonntag nach Ostern.
Epistel: Jakobus 1, 17—21.
oangelium: Johannes 16, 5—14, Das machtvolle Wirken des heiligen Geistes.
in jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von fragt mich: Wohin gehst du? Vielmehr ist euer i voll Traurigkeit, weil ich euch das gesagt habe, in ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, kommt Tröster nicht zu euch; wenn ich aber hingehe, will ihn euch senden. Und wenn er kommt, wird er Welt deutlich zeigen, daß es eins Sünde gibt, eine 'chtigkeit und ein Gericht: Eine Sünde, weil sie vuch nicht glaubt: eine Gerechtigkeit, weil ich zum 'r gehe und ihr mich nicht mehr sehen werdet; ein cht, weil der Fürst dieser Welt schon gerichtet ist. I vieles hätte ich euch zu sagen, aber ihr könnt es noch nicht tragen. Wenn aber jener Geist der 'cheü kommt, wird er euch alle Wahrheit lehren, vird nicht aus sich reden, sondern was er hört, w'rd eben, und was zukünftig ist, euch verkünden. Er mich verherrlichen: denn er wird von dem Mei- 1 nehmen und es euch verkünden.
Gut gewogen.
eufe kam mir ein Brieflein zugeflogen, von einer besorgten Mutter unter dem frischen Eindruck des „weißen Sonntags" geschrieben. Als ich sah, schreibt diese erleuchtete Mutter, wie die Kinder im Schmucke ihrer neuen
oer und im Schmuck des Glaubens und der flen Unschuld zum Tisch des Herrn schritten, ihren Herrn und Gott zum erstenmal zu em- ißeH, da kam mir der Gedanke, es möchte doch s von diesen Kindern je verloren gehen. Und musste her hl. Königin Blanka beistimmen, die hrem Sohnlein Ludwig sprach: mein Kind, du vüe sehr ich dich liebe; dennoch möchte ich r' , p du heute noch iot zu meinen Füßen erfielest, als daß du deinen Gott jemals m*t r einzigen schweren Sünde würdest beleidigen, habe ich nur einen einzigen Sohn, fährt re Mutter weiter, und dennoch trage ich kein 'nken, ihn heute noch in der Blüte seiner Un- d dem Heiland zu opfern, als ihn noch Diete e in Ehren, Reichtum und Gesundheit um mich
zu haben und dabei erleben zu müssen, wie er seine Seele ruiniert, in Schlechtigkeit und Unglauben sich stürzt und so ewig verloren ginge. —
So weit die zärtlichen Worte dieser vom christlichen Geiste beseelten Mutter. O daß viele, daß alle Mütter so denken würden. Um wie viel besser märe es um unsere Jugend bestellt. Diese Frau hat den Wert der Seele mit gläubigem Auge erkannt. Äst ja die Seele mit dem Blute eines Gottes aufgewogen.
Da kommt uns nun der hl. Petrus zu Hilfe, der sich über den Wert des kostbaren Blutes in folgenden Worten ausspricht:»
„wandelt in Furcht zur Zeit eurer Pilgerschaft, so lange ihr noch in dieser Fremde weilt. Bedenket nur, daß ihr nicht mit vergänglichen Werten, mit Gold und Silber, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel, losgekauft seid von eurem verkehrten, von den Vätern ererbten Wandel. Ausersehen war er schon vor Erschaffung der Welt; erschienen ist er aber erst am Ende der Zeiten um euretwillen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Goll gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und verherrlicht hat, so daß euer Glaube zugleich Hoffnung auf Golk ist.“
Wohl wissend, wie groß die Versuchung einer uralten Tradition ist, wie schwer es die Neuchristen ankommen wird, die schlüpfrigen Sitten des alten Heidentums, den Götzendienst mit seinen Orgien von Unzucht lind Genußsucht nun mit einem Ruck zu verlassen, den Gürtel der Reinheit und Enthaltsamkeit anzulegen und einen wahrhaft gottgefälligen, ich möchte sagen einen engelhaften Wandel zu fuhren, fährt nun der Apostelfürst gleichsam sein schweres Geschütz in die (Stellung. Bedenket, will er sagen, was eure Erlösung gekostet hat, und ihr werdet euch bewußt werden, was eure Seele wert ist, und werdet sie nicht mehr dem Teufel verschreiben, nicht durch die Werke des Götzendienstes zugrunde richten und des Teufels Dank in der Hölle ernten. Losgekauft seid ihr „durch das kostbare Blut Christi, des Lammes ohne Makel und Fehler." Hiermit spielt Petrus auf das Osterlamm an, das bei den Juden alle Ostern geschlachtet werden mußte, an dem kein Fehler sein durfte. Dieses Lamm, will Petrus sagen, war seit Jahrhunderten schon ein Vorbild Christi. Jenes Osterlamm wurde geschlachtet, und sein Blut wurde an die Türpforten gestrichen, um den bösen Feind fernzuhalten. Auch Christus, der Herr, wurde grausam gekreuzigt und hat all sein Blut vergossen. Andere Schätze hätten der Sünde gegenüber nichts gefruchtet. Hütten die sündigen Menschen alles Geld und alles Silber und alle Metalle und alle Edelsteine der ganzen Welt zu einem großen Berge aufgehäust und zur Versöhnung Gott dargeboten, er hätte diese Herrlichkeit keines Blickes gewürdigt. Hätten sie. alle Schale, Rinder und Ziegen sann allen Haustieren und allem Wild in Feld und
Wald der beleidigten göttlichen Majestät dargebo- ten und hingeschlachtet, dieses Opfer wäre nicht imstande gewesen, auch nur eine einzige Sünde wieder gutzumachen. O mein Christ, bedenke die Ruchlosigkeit, die Bosheit der Sünde, die eine unendliche Beleidigung der göttlichen Majestät darstellt. Es bedurfte die Vermittlung eines Gottes, der fein Blut für uns vergießen sollte. Und er kam in der Zeiten Fülle in diese Welt. Und er vergoß am Oelberg und Kalvarienberg aus der Stirne, aus den Händen, aus den Füßen, aus seinem heiligsten Herzen sein Blut und vergoß es unter unsäglichen Schmerzen des Leibes und der Seele, vergoß es unter Seufzern und Tränen, vergoß es in Reue und Liebe, vergoß es bis zum letzten Tropfen. Und dieser Blutsstrom von unendlichen, Wert ward eingesetzt als Kaufpreis für die Seelen der Heiden und Juden, für die Seelen der früheren Jahrtausende und für die Seelen aller Jahr- taufene, die noch herausfließen werden aus bew dunklen Schoß der Zeit. Als Wert eingesetzt auch für deine unsterbliche Seele. —
Ja, der Herr hat unsere Seele gut gewogen! „Die Welt ist für die Seele erschaffen", sagt der hl. Kirchenlehrer Chrysostomus. Wollt ihr wissen, was unsere Seelen wert sind? Der eingeboren*’ Sohn Gottes gab, als er auf die Welt kam, nicht etwa einen Menschen, auch nicht die Erde oder das Meer, sondern sein Blut, dieses so kostbare Blut. Verachtet daher die Seele nicht und überlaßt sie nicht der Macht des Feindes." —
Da begreifen wir den Lebensernst der Heiligen, die als Fachmänner den Wert der Seele so hoch einschätzten. Auf den heutigen Tag fällt gerade das Andenken des hl. Kapuziners Felix. Als er um Aufnahme in den Orden bat, zeigte ihm der Obere ein mit Blut überronnenes Kruzifix und sprach zu ihm: „Diesem muß ein Ordensmann gleichförmig werden." Felix aber warf sich dem Oberen zu Füßen und sprach mit Tränen in den Augen: „Ich nehme Gott zum Zeugen, daß ich nicht- anderes suche, als ein gekreuzigtes Leben zu führen."
Deswegen kannten die Heiligen auch kein größeres Glück und keine wichtigere Aufgabe, als ihre Mitmenschen von der Sünde abzuhalten und sie zur Heiligung der Seele anzuspornen. Als einst genannter Felix sah, wie einige leichtsinnige Burschen in eine schlechte Straße einbogen, um lxh den Dirnen hinzugeben, lief er ihnen nach, warf sich ihnen vor die Füße und rief ihnen mit aufgehobenen Händen zu: „Meme Brüder, erbarmet euch eurer Seelen, eurer unsterblichen Seelen." Und siehe, dieses Wort drang den Leichtfertigen lo zu Herzen, daß sie das sündige Vorhaben aufgaben.
Mein Christ, erinnere dich heute an den Wert deiner unsterblichen Seele, für die ein Gott all sein Blut dargewogen hat. Laß sie nicht verwildern oder verderben, pflege sie, sorge für sie, heilige sie. Verwende auch von Zeit zu Zeit einige Tage dazu, um ganz ausschließlich das Seelengeschäft zu b>