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Sonnlag. 11. Ma! 1930

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 L-Pseantg B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Pretse: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Eolonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda fein.

Drutf und Vertag der Fuldaer AcNendrurkeret. Verlagsort Fulda.

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Wochenkalender.

ankag. 11. Mai. 3. Sonntag nach Ostern. Gedächtnis des hl. Joseph, des Schutzpatrons der Kirche.

ntag, 12. Mai. Nereus u. Gen., Mart. i. 1. Jhrh

nstag, 13. Mai. 7. Tag der Oktav des Schutzfestes des hl. Joseph.

ttwoch, 14. Mai. Oktavtag des Schutzfestes des hl. Joseph. Bonifatius, Mart., f 307.

werstag, 15. Mai. Johann Baptist de la Salle, Stif­ter der Schulbrüder, f 1719.

rütag, 16. Mai. Johannes Nepomuk, Mart., + 1393. Ubaldus, Bek., t 1160.

nstag, 17. Mai. Paschalis Baylon, Bek., f 1592.

Mit dem 3. Sonntag nach Ostern (11. Mai) schließt österliche Zeit.

Irttter Sonntag nach Ostern.

Epistel. 1. Petrus 2, 1119.

vangelium. Johannes 16. 1622. Trennung und Wiedersehen.

n jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:Noch kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, und wie- im eine kleine Weile, und ihr seht mich wieder; denn gehe zum Vater." Da sagten einige seiner Jünger «ander:Was will er uns damit sagen:Noch kleine Weile, und ihr seht mich nicht mehr, und w'.e- lm eine kleine Weile, und ihr seht mich wieder"? und I gehe zum Vater" ? Sie sagten also:was meint nt den Worten:Noch eine kleine Weile: Wir ver- m nicht, was er damit sagen will.Jesus wußte, sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen:Ihr t einander, weil ich gesagt habe: Noch eine kleine le, und ihr seht mich wieder. Wahrlich, wahrlich jage euch, ihr werdet meinen und wehklagen, aber Welt wird sich freuen; ihr werdet trauern, aber eure uer wird sich in Freude verwandeln. So hat das b Trauer, wenn es gebären soll, weil seine Stunde st. Hat sie aber das Kind geboren, so denkt sie nicht r an die Angst, aus Freude darüber, daß ein Mensch Welt gekommen ist. So habt auch ihr jetzt Iraner: ich werde euch wiedersehen, und euer ^erj wird freuen, und eure Freude wird niemand mehr von nehmen."

3n der Fremde.

m Erker eines katholischen Pfarrhau­ses las ich folgende vielsagende In­schrift:

Wir bauen hie so feste Und sind doch fremde Gäste! Doch, wo wir sollen ewig sein, Da tragen wir so wenig ein!"

-Ich gehe zum Vater, hören wir heute unsern and ausrufen. Und siehe, des Heilands Vater uch unser Vater. Ausdrücklich sagt ja der Hei- an einer anderen Stelle:

Ich steige auf zu meinem Vater und zu eurem zu meinem Gott und zu eurem Gott." Wo der Vater ist, da ist die Heimat. Nun ist

unser und des Heilands Vater im Himmel. Also ist auch unsere Heimat der Himmel. Dieses irdische Dasein aber, dieser Aufenthalt im Jammertal, das ist eine Fremde.

Dies ist auch die Auffassung des Aposlelfürsten, wie sie in der Epistel des heutigen Sonntags zum Ausdruck kommt.Geliebteste", so lauten die Worte des hl. Petrus,ich befchivöre euch, daß ihr als Fremdlinge und Pilger euch der westlichen Ge­lüste enthaltet."

Dieser Bitte des Felsenmannes reiht sich eine sènnverwandte aus dem ersten Kapitel an, die uns heute beschäftigt. Darin ermahnt uns St. Petrus, die sündhaften Gelüste und Werke wie unnützen, gefährlichen Ballast wegzuwerfen und einen gottge­fälligen, heiligen Wandel zu führen, wie es für Fremdlinge und Christen sich geziemt. Lassen wir diese kraftvolle Stelle in ihrem so wuchtigen Wort­laut auf uns einwirken:

Umgürlet euch also im Geiste; seid nüchtern und setzt eure ganze Hoffnung auf die Gnade, die euch bei der Auferstehung Jesu Christi zuteil wer­den soll. Als gehorsame Kinder laßt euch nicht wie früher zur Zeit der Unwissenheit von euren Begierden leiten; seid vielmehr heilig in eurem ganzen Wandel, wie derjenige heilig ist, der euch berufen hat. Cs fleht ja in der Schrift; »Seid hei­lig, wie ich heilig bin.' Wenn ihr denjenigen als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person jeden nach feinen Werken richtet, so wandelt in Furcht, so­lange ihr noch hienieden in der Fremde weilt."---

Kräftige, wahrhaft apostolische Worte aus dem Munde des Apostelfürsten! Einen Gürtel a(f' möchte er uns umlegen, den Gürtel der Mäßigkeit, den Gürtel der Keuschheit, den Gürtel des Ge­horsams, den Gürtel der Bereitschaft, den Gürtel der Pflichterfüllung, mit einem Wort den Gürtel der Heiligkeit.

Nüchternheit, ist die erste Forderung, die Pe­trus an den Fremdling richtet. Denn wer in der Fremde ein ausschweifendes Leben führt in Saus und Braus, wer der Trunkenheit und dem Wohl­leben sich hingibt, der wird in der Fremde hangen bleiben und sich aus dem Vaterlande nichts mehr machen. Fern von allen Idealen, wird er sich den Spruch mancher Lotterbuben zu eigen machen- Wo es dir gut geht, wo du ein lustiges Leben führen kannst, da ist dein Vaterland, ist deine Heimat!" Ja, die Unmäßigkeit im Essen und erst recht im Trinken hat schon manchem den Weg ins wahre Vaterland versperrt. Diese Menschen ver­legen die Glückseligkeit in das Diesseits. Ihr Gott ist der Bauch, ihre Heimat ist das Wirtshaus, die Kneipe! All ihre Würde als Christen und Men­schen treten sie mit Füßen und wälzen sich wie Schweine im Kote der Völlerei. Es gibt keine Schandtat, keine Gemeinheit, keine Unzucht, keine Schlechtigkeit, kein Verbrechen, dessen die armen Sklaven der Trunksucht nicht fähig wären. Drum,

mein Christ, wenn du auch nur die geringste unge­ordnete Steigung zum Alkohol verspürst, so folge dem Apostelfürsten und halte Ordnung, Mäßigkeit und Nüchternheit.

Laßt euch nicht von euren Begierden leiten, ist eine weitere Forderung unseres Apostels. Die »Begierde" schlechthin ist die Fleischeslust, die Un- keuschheit, die ihren Zunder und ihren Bundesge­nossen in den Gliedern und Trieben des Leibes hat. Der Lüstling hat, wie der Psalmist bemerkt, seine Menschenwürde vergessen und sich den unvernünf­tigen Tieren gleichgestellt. Neunzig Prozent der Unglücklichen, die ihre Seligkeit verscherzt, die ihre ewige Heimat nicht erreicht, die vielmehr in das Exil der Hölle verbannt wurden, verdanken ihr schreckliches Schicksal dieser blinden törichten Lei­denschaft, der ach so viele fröhnen. Denn der Un­keuschen Anteil, sagt die Schrift, wird im Pfuhle sein, der von Feuer und Schwefel brennt.

Alsgehorsame" Kinder sollen wir heilig sein, sagt Petrus. Der Gehorsam ist eben der senkrechte Flug zum Himmel. Merke es dir, du Kind des 20. Jahrhunderts, das alle göttliche und menschliche Autorität über Bord werfen will. Seine Quelle ist der Hochmut, dem der hl. Geist folgende Worte ins Stammbuch schreibt:Ein hoher Grad von Stolz ist es, wenn jemand von Gott abfällt und ihm den Gehorsam aufkündigt. Der Stolz ist der Anfang aller Sünde und ist Gott und den Men­schen verhaßt." Ungehorsam ist Umkehr der Ord­nung, Auflösung aller Zucht und Bande, Chaos und Durcheinander, ein Hexenkessel von Aufleh­nung, Genialität, Krawall und Blutvergießen. Tu also das dein'ge, um der verlästerten gekreuzigten Tugend des Gehorsams wieder zum Siege zu ver­helfen. Fange jeder bet sich selber an und schneide die Schößlinge der Selbstsucht, der Auflehnung, des Widerspruchs rücksichtslos ab. Hast du Sinn und Praxis des Gehorsams deinem Herrgott und deinen Vorgesetzten gegenüber, dann hast du auch das Recht, von deinen Kindern und Untergebenen einen vernünftigen Gehorsam zu fordern. Mit einem kühnen Gedankenflug schließt Petrus seine Mah­nung:Seid heilig." Eine große, eine herrliche, eine schwere, aber keine unmögliche Aufgabe. Hütte er gesagt: werde reich, werde gesund, werde stark, werdL^berühmt, werde alt hättest du vielleicht eine Entschuldigung, daß dies über deine Kraft geht. Doch das Heiligwerden ist allen möglich. Sprechen wir also mit dem jugendlichen Berch­manns: Ich will ein Heiliger werden.

Der Talpfarrer.

VsK der ShrMsnfrsude.

Zum Evangelium des dritten Sonntags nach Ostern.

Es scheint zunächst wenig zu dem Osteijubsl des Alleluja zu stimmen, wenn uns die Kirche im heutigen Evangelium in jene wehmütige Abschieds­stunde am Gründonnerstag zurückfübrt, da der Hei-