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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ZL-Pfennig B 45 ZL-Pfennlg (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzelgen-Pretse: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Porto extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
— ■— Druck und Verlag der Fuldaer AcNendruckerel. Verlagsort Fulda. -
Wochsnkalen-er.
onntag, 4. Mai. 2. Sonntag nach Ostern. Monika, Witwe, Mutter des hl. Augustinus, f 387.
ioutag, 5. Mai. Pius V., Papst, Bek. f 1572.
ienstag, 6. Mai. Johannes vor dem lateinischen Tore tittwoch, 7. Mai. Festfeier des hl. Joseph, des Schutzpatrons der Kirche. Stanislaus, Mart., t 1079.
onnerstag, 8. Mai. Erscheinung des Erzengels Michael.
renog, 9 Mai. Gregor von Nazianz, Kirchenlehrer. V 391.
amsrag, 10. Mai. Antonius, Bek., t 1459. Gardia- uus und Gen., Mart., t 362.
NB. Mit dem 3. Sonntag nach Ostern (11. Mai) h'ietzt die österliche Zeit.
Zweiter Sonntag nach Ostern.
Epistel. 1. Petrus 2, 21—25.
vongelium. Iohannes 10, 11—16. Der gute Hirt.
In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern: „Ich n der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für ine Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirt ist und m die Schafe nicht gehören, verläßt die Schafe und >>hi. wenn er den Wolf kommen sieht. Und der Wolf llt die Schafe an und zersprengt sie. Der Mietling t^L weil er eben ein Mietling ist und ihm an den 4) äsen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt. Ich kenne e Meinen, und di? Meinen kennen mich, wie mich der ater kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe ein Leben für meine Schafe. Ich habe noch andere ^»fe, die nicht aus diesem Schafstalle sind. Auch sie uß ich herbeiführen; sie werden auf meine Stimme -ren, und es wird eine Herde und ein Hirt sein."
Ein köstliches Erbe.
Sahre sind es her, als ich zu Ostia am Ufer des Adriatischen Meeres ,Ä| stand und seine Wellen auf meine £< Wi blossen Füße spritzen ließ. Und als Ä^Eâ^ ,v'r aus darnach in der Stadt um- sahen, die dort wie ein Pilz empor- /ieijt, ist es mir eingefallen, daß hier in irgend uem Hause vor mehr als 14 Hundert Jahren ne edle Dulderin ihre geläuterte Seele aus- j wchte Cs mar der edelsten Mütter eine, die bie Erde trug, die hl. Monika, Mutter des gra= n Kirchenvaters Augustinus. Und ihr Fest ird heute gefeiert. Als sie nun dem Verscheiden uhe mar und ihr Herz schon den Vorgeschmack r r n-nnelsfreuden genoß, da rief sie aus: „Mein und mein Fleisch frohlocken dem lebendigen ott entgegen. Wann darf ich endlich kommen id erscheinen vor Gottes Angesicht?"
Kein Wunder, daß diese edle Frau ein solches erlangen nach den jenseitigen Gütern trua. wßte sie ja, daß ihrer eine
köstliche Erbschaft
artete. Und sie wartet auch unser. Und es ist in gerade der hl. Apostel Petrus, der von diesem itlichen Erbe spricht in der Fortsetzung seines
ersten Briefes, der uns seit dem letzten Sonntag beschäftigt.
„Durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten sind wir wiedergeboren zu einem un vergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt wird."
Bleiben wir bei diesen Worten etwas stehen und lassen sie auf uns ein wenig wirken.
Jesus Christus, unser Heiland, ist für uns gestorben. Als Held ist er wieder erwacht aus dem Todesschlummer und aus eigener Kraft zum Leben zurückgekehrt. Gar schöne Geschenke hat er uns mitgebracht als Frucht feines Todes und seiner Auferstehung. Und dieses Geschenk ist die Teilnahme an seiner Herrlichkeit, an seiner Seligkeit, an seiner Glorie, an seinem ewigen Leben beim Vater. Alle diese Herrlichkeit und Seligkeit faßt der hl. Petrus zusammen mit dem einen Worte „Erbe".
Drei Auszeichnungen rühmt er diesem Erb? nach.
Zunächst nennt er dasselbe „unvergänglich". Es vergeht nicht, es nimmt niemals ab, es erleidet keine Verringerung oder Verkleinerung, es schrumpft nicht ein. Manches irdische, wenn auch noch so große Erbe an Wäldern, Liegenschaften, Häusern, Schlössern, Möbeln, Kunstgegenständen, Kapitalien verringert sich durch die große Zahl der Miterben. Manches irdische Erbe verliert mit der Zeit seinen Wert. Es nagt daran der Zahn der Zeit. Manches Erbe wird durch Inflation entwertet oder geht durch ungetreue Verwaltung, durch Bankerott oder Betrug, Raub oder Diebstahl zugrunde. Nicht so das himmlische Erbe. Der Heiland sagt davon, daß die himmlischen Schätze nicht von Rost oder Motten verzehrt werden, daß es die Diebe nicht ausgraben und nicht stehlen können. Vernimm über die Zuverlässigkeit und Vorzüglichkeit dieser Erbschaft die Worte des hl. Kirchenlehrers Augustinus:
„Es wird nicht verringert durch die große Zahl der Miterben. Es ist eben so groß für viele wie für wenige. Eben so groß für einzelne als für alle." —
„Unbefleckt" ist weiterhin die himmlische Erbschaft. Grobsinnliche Menschen, Häretiker, ine vom Glauben der katholischen Kirche abgewichen ünd, haben sich im jenseitigen Leben gutes Essen und Trinken und allerlei sinnliche Lüste ausgesonnen und ausgesponnen. Lüste, wie sie auf Erden von genußsüchtigen Menschen so fieberhaft begehrt und |o sündhaft genossen werden. Davon ist aber das himmlische Erbe frei. Es sind Güter der lautersten, edelsten Art, die weder den Leib nod) die Seele beflecken, die zu Gott erheben, die im Genusse Gottes, des höchsten, besten Gutes bestehen.
Endlich nennt Petrus unsere künftige Erbschaft eine „unverwelkliche". Durch öfteren, gewohnheitsmäßigen Genuß verlieren auch die höchsten, feinsten Genüsse an Reiz und Geschmack. Nicht
so die himmlischen Güter. Sie sind immer neu, immer reizvoll. Wer könnte auch nur vier und zwanzig Stunden lang die schönste Musik anhären? Ohne Unterbrechung anhören? Und wären es auch Symphonien von Beethoven, Arien von Mozart, Orgelstücke von Bruckner. Wer könnte auch nur 10 Stunden lang die interessanteste Rede anhören? Ganz anders im Himmel. Dort fließt der Gnadenbrunnen stets neu und frisch, und wir trinken davon mit immer neuer Freude, mit immer neuem Genuß. In tausend, in Millionen, in Billionen von Jahren wird unsere Seligkeit noch ebenso frisch, ebenso reizvoll, ebenso geschmackvoll, ebenso interessant sein wie am ersten Tag und in der ersten Stunde.
Wer sollte sich da nicht freuen? Wem sollte dieser Ausblick in die künftige Herrlichkeit nicht die irdischen Prüfungen versüßen? Diese Folgerung zieht denn auch der hl. Petrus und knüpfl an feine Betrachtung folgende Mahnung:
„Freut euch dessen, mögt ihr auch jetzt ein wenig, wenn es nötig ist, durch mancherlei Prüfungen Trübsale erleiden." Siehe, der hl. Petrus ist kein Wolkenfegler, kein Phantast, kein Schwärmer. Er ist ein Realist und steht mit beiden Füßen auf dem Boden der rauhen Wirklichkeit. Und stas sieht er da? Daß uns hinieden in diesen: Jammertal viele und schwere Leiden befallen. Das will wenig besagen; das soll euch nicht beunruhigen. Schaut aus zu dem herrlichen, köstlichen Erbe, und euer irdisches Los, mag es auch hart fein, wird euch vorkommen wie ein Traum. Wenn jene Herrlichkeit ewig dauern wird, wäre es ja gerecht, daß wir sie verdienten durch ewige Arbeit, ewige Schmerzen, sagt S. Augustin. In seiner Gnade aber und in seiner Freigebigkeit macht der liebe Gott die Arbeit und das Leid nur einige Jährlein, einige Tage, einige Stunden, einige Augenblicke. Da müssen wir es mit dem hl. Franziskus halten, der im Ueberschwang der Glaubensgewißheit und im Vorgefühl der künftigen, unverwelklichen Herrlichkeit ausrief: „Mich erwartet eine so große Herrlichkeit, daß mich jegliche Trübsal erfreut."
Der Talpfarrer.
Nai, du Wunderschöner tilonal Mi!
Bei diesen Worten, bei diesen Gedanken klop« fen die Herzen, weiten sich die Sinne, und eine Melodie nach der anderen klingt einem im Ohr, — ja, Mai! du wunderschöner Monat Mai! Der Winter hat uns verlassen. „Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte — süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land", singt es aus des Dichters Frühlingslisd. Ein Grünen, ein Blühen allüberall, Vogelsang und Drosselschlag. So ist es draußen vor den Stödten, so jauchzt und singt es aus Wiese und Wald, und ist es nicht beinahe wie ein Hymnus der jungerwachten Natur an ihren Schöpfer?