Sonntag, 30. März 1930
Ausgabe B
6t. ElWeth-AM
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 ».-Pfennig B 45 ».-Pfennig (Zustellgebühr extra) Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Colonelzeile tm Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Tolonelzetle (m Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Port» extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda sein.
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Wochenkalender.
chiniilag, 30. März. 4. Sonntag in der Fastenzeit. Beginn der österlichen Zeit, die am 3. Sonntag nach Ostern schließt.
ontag, 31. März. Vom Tage.
enstag, 1. April. Vom Tage.
ittwoch, 2. April. Franz von Paula, Bek., f 1507.
'nnerstag, 3. April. Vom Tage.
eitag, 4. April. Isidor, Bisch., Bek., f 636. Herz- Jes u - F r s i t a g.
mslag, 5. April. Vincenz Ferrerius, Bek., f 1419.
Vierter Fastensonntag.
iangelium. Matthäus 8, 23—27. Der Sturm auf dem See.
In jener Zeit stieg Jesus in ein Boot, und feint nger folgten ihm. Und siehe, ein gewaltiger Sturm ob sich auf dem See, so daß das Boot von den Wogen wflutet wurde. Er aber schlief. Da traten seine nger zu ihm und weckten ihn und riefen: „Herr, rette j, mir geben zugrunde!" Jesus aber sprach zu ihnen: as seid ihr so furchtsam, ihr Schwachgläubigen'" in stand er auf, gebot dem Wind und dem See und ward tiefe Stille. Da staunten die Leute und sagten: er ist doch dieser! Selbst Wind und See gehorchen
Die rettende Mahlzeit.
in Heiliger von seltenem Ausmaß und unbestrittenem Ansehen ist der hl. Franz v. Paula, dessen Andenken unsere Kirche am 2. April begeht. Als er nun in seinem 91. Lebensjahre Ende nahen fühlte, pochte er keineswegs seine Verdienste, Arbeiten oder Tugen- , sondern empfing auf den Boden h'nge- ckt, mit bloßen Füßen, einen Strick um den s, zur letzten Wegzehrung und als letzte Vor- .'itung auf den schwersten Gang mit der größ- ^hrfurcht den Leib des Herrn.
Siehe, das ist jene rettende Mahlzeit, die uns Kirche zu empfangen so oft und eindringlich ans z legt und die sie uns zu empfangen au ns iigite vorschreibt und gebietet für die österliche t und für die Todesstunde. — mi hat der hl. Paulus einmal mitten in schwer- Seenot eine rettende Mahlzeit zu sich genom- i, die wir als ein Symbol der hl. Kommunion ' . ' rechen dürfen. Ueberaus spannend wie »in nan ist die Schilderung, die der hl. Lukas in Apostelgeschichte davon entwirft. Folgen wir ge Augenblicke feiner Erzählung.
'Auf dem Wege von Cäsarea nach Rom, den zu Schiff zurücklegten, brach von der Insel her ein Sturmwind los, der sogenannte 0|i= 'oft. Das Schiff wurde von ihm erfaßt und 'te dem Sturm nicht standhalten. So gaben es preis und ließen uns dahintreiben. Wir ka- an einer kleinen Intel, namens Kauda. vor
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bei. Dort gelang es uns mit vieler Mühe, des Rettungsbootes Herr zu werden. Nachdem es herausgezogen war, traf man Schutzvorrichtungen und untergürtete das Schiff. Aus Furcht, in die Syrte zu geraten, zog man die Segel ein und ließ sich so weitertreiben. Furchtbar setzte uns der Sturm zu Deshalb warf man am folgenden Tag einen Test der Ladung über Bord, am dritten Tag schleuderten die Leute eigenhändig das Schiffsgerät hinaus. Mehrere Tage sah man weder Sonne noch Sterne. Der Sturm tobte ungeschwächt weiter. Alle Hoffnung auf Rettung war geschwunden. Schon lange hatten die Leute nichts mehr zu sich genommen.
Da trat Paulus vor sie hin und sprach: ,Jhr Männer, man hätte mir folgen und nicht nach Kreta abfahren sollen; dann wäre uns dieses Ungemach und dieser Schaden erspart geblwben. Doch, wie die Dinge jetzt liegen, ermahne ich euch, guten Mutes zu sein. Kein Menschenleben wird verloren gehen, sondern nur das Schiff. Denn heute Nacht erschien mir ein Enge! des Gottes, dem ich angehöre und diene und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du mußt vor den Kaiser treten. Siehe, Gott hat dir alle deine Reisegefährten geschenkt. Darum seid guten Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue auf Gott, daß es so kommen wird, wie mir gesagt wurde. Wir müssen jedoch auf irgendeine Insel verschlagen werden.
Als wir die 14. Nacht im Adriatischen Meer umhertrieben, vermuteten die Schiffsleute um Mitternacht Land in der Nähe. Sie warfen das Senkblei und fanden eine Tiefe von 20 Faden. Als ste in kurzer Entfernung wieder das Senkblei warfen, fanden sie nur noch 15 Faden. Aus Furcht, wir möchten auf Klippen auflaufen, wcnfen sie vom Hinterteil des Schiffes vier Anker aus unb sehnten Öen Anbruch des Tages herbei. Die Schiffsleute machten nun den Versuch, aus dem Schiffe zu fliehen. Bereits ließen sie das Rettungsboot ins Meer, angeblich, um auch auf dem Vorderteil Anker aus- mwerfen. Paulus aber erklärte dem Hauptmann und den Soldaten: .Wenn diese nicht auf dem Schiffe bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden.' Da hieben die Soldaten die Taue ab um ließen das Boot ins Meer fallen.
Sobald der Morgen dämmerte, ermunterte Paulus alle, Nahrung zu sich zu nehmen:
.Heute sind es 14 Tage', sprach er. ,daß -hl ohne Nahrung, ohne etwas zu genießen, in einem fort wartet. Darum ermahne ich euch etwas w genießen; das dient zu eurer Rettung. Keinem von euch wird auch nur ein Haar verloren gehen. Darnach nahm er das Brot, dankte Gott vor aller Augen, brach es und fing an, zu essen. Da faßten alle Mut und nahmen ebenfalls Nahrung zu sich." (Apostelgeschichte Kapitel 27). —
Sieht es nicht aus, als hätte Paulus einen Schiffsgottesdienst gehalten? Eine hl. Messe gelesen? Die heilige Eucharistie gefeiert? Denn was hat er getan? Genau dasselbe, was der Herr und
Meister beim letzten Abendmahl tat. „Er nahm Brot, dankte Gott und brach es." Diese Zeremonien gleichen auf ein Haar jenen, die der Heiland zuerst gebraucht und welche unsere hl. katholische Kirche bis zum heutigen Tage in der hl. Messe anwendet. Ich will aber keineswegs als unzweifelhafte Tatsache hinstellen, der hl. Paulus hätte bei dieser Gelegenheit die hl. Kommunion empfangen. Aber sicher ist das eine, daß diese rettende Mahlzeit viel Aehnlichkeit mit der hl. Kommunion hat. Denn die Speise, welche Paulus und seine Gefährten zu Schiffe einnahmen, hat diesen abgearbeiteten, mit den Elementen ringenden und schier der Verzweiflung nahen Menschen neue Kraft und neuen Mut gespendet. Ohne diese Speise wären f'e der Ermattung erlegen. Genau jo wie die Männer im heutigen Evangelium, denen der Heiland das Wunderbrot in der Wüste gereicht hat, „damit sie nicht auf dem Heimweg vor Hunger und Erschöpfung erliegen."
Und nun, liebe Christen, befinden wir uns nicht auch auf einem gefährlichen Meere? Toben nicht ringsum die Elemente der Versuchung und Verführung? Droht uns nicht bisweilen die Kraft auszugehen? Will uns nicht manchmal der Abgrund verschlingen? Steht nicht der Schiffbruch nahe bevor? Scheint es uns nicht oftmals unmöglich, in den schützenden Hafen der Ewigkeit einzugehen? Wo finden wir Kraft, Licht, Trost, Mut und Beharrlichkeit? Eben :n jener himmlischen Kraftspeise, von der unser Heiland sagt: „Wer mein Fleisch ißt und mein Slut trinkt, der bleibt in nrr und ich in ihm; der hat Las ewige Leben." Wenn aber Jesus bei uns ist, dürfen wir die Worte des Psalmisten uns aneignen: „Wenn ich wandle mitten im Todesschatten, so will ich nichts übles fürchten, weil di!, o Gott, bei mir bist. Vor meinem Angesicht bereitest du mir eine Speise gegen alle, die mich bedrängen, und mein berauschenderBecher, o wie lieblich ist er!" (Ps. 22.)
Darum auf, ihr Seelen, zur öfteren hl. Korm munion; darum auf zur hl. Osierkomwumon.
„Das Heil der Welt, ^err Jesus Christ, Wahrhaftig hier zugegen ist;
Im Sakrament das höchste Gut Verborgen ist mit Fleisch und Blut. Das wahre Manna, das ist hie, Das Heer der Engel beugt die Knie. Dies ist das wahre Lebensbrot, Es schützt uns vor dem em'gen Tod."
Der T a l p f a r r e r.
Der schmerzhafte Rosenkranz.
Das vierte Gesetz.
Die Via dolorwa! Wie oft haben wir seit um serer frühen Kindheit mit unserer Phantasie dieses Bild gestaltet! Rings am Wegrand dichtgedrängt die Vylksmenae, mitleidslos, feniutionshungria wie