Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 K-Pfennlg B 45 L-Pfenntg (Zustellgebühr extra) Redaktiansschlub Montag. Anzetgen-Pretje: Lolonetzetle hn Anzeigenteil 0,15 Goldmark. 6olaneizelle tm ReklameteU 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Ged. 0,10 Goldmark. Porl» extr» Anzeigen müßen spätestens bis Montag morgen» tm Besitz der Fuldaer Aettendruckeret te Fulda fein.
_ Onus and Declag Oec Fuldaer Actieadruekeret. Verlagsort Fulda. »
Wochenkalender.
Sonntag, 2. März. Sonntag Quinquagesima.
Montag, 3. März. Kunigunde, Gemahlin Kaiser Heinrichs II., f 1040.
Dienstag, 4. März. Kasimir, Bek„ t 1484. Lucius L, Papst, Mart., t 254
Mittwoch, 5. März. Aschermittwoch.
Donnerstag, 6. März. Perpetua und Felicitas, Start, t 203.
Freitag. 7 März. Thomas von Aquin, Kirchenlehrer, t 1274. Herz-Jefu Freitag.
Samstag, 8. März. Johannes von Gott, Stifter ber Barmherzigen Brüder, t 1550.
Sonntag Quinquagesima.
Epistel. 1. Korinther 13,1—13.
Evangelium. Lukas 18, 31—43. Das Geheimnis des Leiden».
In jener Zeit nahm Jesus die Zwölf zu sich und iprach zu ihnen: „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und alles wird in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben: Er wird den Heiden ausgeliefert, verspottet, gegeißelt und angespieen werden; und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten; doch am dritten Tage wird er auferstehen." Sie verstanden aber nichts davon; die Rede war für sie dunkel, und sie begriffen nicht, was damit gemeint war. Als Jesus sich Jericho näherte, saß ein Blinder am Wege u. bettelte. Er hörte, wie das Volk vorbeizog, und fragte, was das bedeute. Man sagte ihm, Jesus von Nazareth ziehe vorbei. Da rief er: .Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!" Die voraus gingen. fuhren ihn an, er solle schweigen. Doch er rief nur noch lauter: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!" Da blieb Jesus stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er herangekommen war, fragte er ihn: „Was soll ich dir tun?" Er bat: „Herr, daß ich sehe!" Jesus sprach zu ihm: „Sei sehend! Dein Glaube hat dich gesund gemacht." „Auf der Stelle konnte er sehen, pries Gott und folgte ihm nach. Und alles Volk, das dies gesehen hatte, lobte Gott.
Warum dieses Zittern?
eit dem 1. Marz sind wir in den Früh- tingsmonat eingetreten. Nicht bloß Veilchen, Maßliebchen und Schlussel- blumen sollten da erblühen, sondern auch Vernünftigkeit, Jucht, Ordnung Tugend. Was sagen dazu aber die Tatsache
und
und die rauhe Wirklichkeit? Frage die Starrheiten und Zügellosigkeiten der Fastnacht — und' jede Frage wird überflüssig. Viele ziehen als vollendete Narren und als die reinsten Heiden in das Land des Frühlings — und, was noch schlimmer ist, in < den Ernst der hl. Fastenzeit. —
Doch, da begegne ich einer Königsgestalt, die uns ein ganz anderes Bild darstellt: ein Bild der Frömmigkeit, der Enthaltsamkeit, der Nüchternheit, der Reinheit, der Gottesliebe. Es ist der hl. Kasi- / mir, den wir am 4. ds. Mts. ehren und feiern. Ein Vriwr mit könialtchem Geblüt, mitten in den
Reizen des Hoflebens, kehrt sich mit aller Entschiedenheit ab von den Genüssen dieser Welt, denen och so viele wie Schmetterlinge nachjagen. Streug- stens hielt er die Fasttage der Kirche und wies jedes Angebot einer Dispens weit von fxf). Dazu legte er noch freiwillig Fasttage ein und hielt sie strenger als selbst die gebotenen. Studieren, beten heilige Messen und Kommunionen waren ihm lieber als Jagd, Spiel und Tanz. Die junger äbl- liche Reinheit liebte er tn dem Grad, daß er lieber tausend Leben preisgeben wollte als sie aufs Spiel fetzen. Die funkelnde Königskrone hielt er für Staub und Asche. „3d> will keine Krone", ruft er aus, „die mit dem Blut der Untertanen errungen wird."
Glaubst du nicht, daß ein Kasimir mit Leichtigkeit die Fesseln dieses sterblichen Leibes wird ab- gestreift haben? Glaubst du nicht, daß er in lewer Todesstunde einen guten Tausch gemacht hat? Selbst seine irdischen Ueberreste sind noch verherrlicht worden. Nach 120 Jahren fand man seinen Leib im Grabe zu Wilna noch unoerwest. Selbst die Umschlagtücher waren trotz der Feuchtigkeit des Grabgewölbes noch vollkommen erhalten. Auf seiner Brust fand man ebenfalls noch unversehrt ein Blatt mit dem Anfang eines Mariannchen Liedes, das er selbst verfaßt: „Alle Tage, Seele, sage Lob der Mutter unsers Herrn." —
Welche Ehre wird der Selige erst genoßen im Himmel. Der Heiland deutet es an mit den Worten: „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anscvauen." —
Und abermals ein anderes Bild. Ein Wüstling in hoher Stellung, und an seiner Seite ein ausgeschämtes Weib als Gemahlin. Es ist der Statthalter Felix und seine Frau Drusilla. Damit komme ich wieder auf die Apostelgeschichte zurück und nehme den Faden der Erzählung wieder auf.
Wir haben das letztemal gehört, daß Paulus vor den Statthalter Felix gerufen wurde, der aber die Entscheidung vertagte. Von diesem Felix wissen wir aus anderen Geichichtsauellen, daß er an Grausamkeit und Wollust nichts zu wünschen übrig ließ. Seine Grausamkeit beweisen unzählige Morde die er sogar an Unschuldigen ohne jedes Verfahren vollbringen ließ. Don seiner Wollust aber legt Zeugnis ab die Verbindung eben mit der genannten Drusilla, die er von der Seite eines anderen Gatten wie ein zweiter Herodes wegriß. Nun kamen beide auf den Einfall diesen berühmten Lehrer Paulus zu hören. Nicht aus Wissensdrang oder Heilsbegierde, sondern aus bloßer Neugier. um ihre Launen zu befriedig,n, um etwas Abwechslung zu haben, um im Kreis der Freund- mit Neuigkeiten aufwarten zu können. Doch die 'Sawe fand einen ernsten Ausgang, wie ihn die b-iden vergnügungssüchtigen Menschen nicht gewünscht haben.
Geben wir jetzt dem heiligen Lukas das Wort zu seiner Erzählung.
„Einige Tage später kam Felix mit seiner Gemahlin Drusilla, die eine Jüdin war. Er ließ Paulus rufen und hörte ihn über den Glauben an Christus Jesus. Als er aber auf Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und auf das künftige Gericht zu sprechen kam, befiel den Felix ein Zittern, und er sagte: Für diesmal kannst du gehen; zu einer andern Zeit werde ich dich wieder rufen lassen." (Apg. 24, 24 ff.)
Warum dieses Zittern? Der Mann, der wels andere zittern gemacht hat. der zitten jetzt selbst am ganzen Leibe und noch mehr an der Seele. Und doch ist niemand da, der ihm Furcht einflößt. Kein Richter, kein Dieb, kein Räuber, kein Mörder kein Auflauf, kein Gewitter. Und mit ihm zittert eine Frau, die für menschliches Weh bisher nur ein Lächeln hatte. Warum dieses Zittern? Aus Angst vor den Strafgerichten, auf die Paulus auf* merksam macht. Denn Paulus lenkte ja lernen Vortrag auf die Gerechtigkeit und die Enthalstam- keit, die beide Herrscher mit Füßen getreten. Wiederholt hatten He an fremdem Eigentum sich widerrechtlich vergriffen, und alle beide schändeten die Ehe und gingen in einem Luderleben auf. Bewundere den Freimut dieses Paulus, der diesen hohen Persönlichkeiten ungeschminkt die Wahrheit sagte und ihnen auf den Zahn fühlte. Mit Glaubensmacht stellte er ihnen das strenge Gericht vor Augen und die ewige Verdammnis. Ob es etwas genützt hat Ich möchte es bezweifeln. Denn die Rede Pauli ist ihnen ungemütlich geworden. Felix ließ sie plötzlich abbrechen mit dem Bescheid: ein anders- maè will ich dich wieder rufen. —
Liebe Christen! Haben wir dieses Gericht vor Augen, vor das auch wir eines Tages gestellt werden, und die Reize der Fastnacht werden unberührt an uns vorübergehen. Geschehen in diesen Tagen nicht Ungerechtigkeiten in Menge? Verwendet manchetner nicht das Geld für Schund und Trunk und Vollerer, mit dem er seine Schulden zahlen, seinen Verbindlichkeiten nachkommen, seine Familie ernähren sollte? Mancher, der 'eine Steuern und Umlagen und Privatschulden noch lange nicht bezahlt hat, macht Ausgaben für Narretei und Genußsucht. Ist das nicht eine schreiende Ungerechtigkeit? Und wie manche Unschuld wird zu Grabe getragen, ww viel Unzucht in Worten Witzen, Gebärden und Wirken wird verübt. Gelüstet es dich, das Christentum einer heidnischen Unsitte zuliebe für einige Tage abzuwerfen? Gelüstet es dich, mit dem gelüpften Scherz zu treiben? Halten wir es lieber mit dem heiligen Pru'zen Kasimir und v erlagen mir uns wenigstens die Sünde und hüten wir uns vor dem Aergerms. Auf alle Fälle werden mir dann ruhiger st den und mit größerer Zuversicht vor Gottes Ri.i ter« stuhl hintreten, als wenn wir dem Prinzen Karneval gehuldigt haben! —
* Der Talpfarrer,