W Ausgabe B
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 R.-Pjenntg B 45 R.-Pfennig (Zustellgebühr extra).
Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preise: Cotonelzetle im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzelle tm Neklametetl 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Teb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens tm Besitz der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda fe-rt
-----Druck und Declag der Fuldaer Actiendruckeret. verlagsorl Fulda. ........-
Sonntag, 23. Februar 1930
Wochenkalender.
Sonntag, 23. Februar. Sonntag Sexagesima.
Petrus Damianus, Kirchenlehrer, t 1072. 23. Jahrestag der Erwählung unseres H. fj. Bischofs Joseph Damian.
Montag, 24. Febr. Matthias, Apostel.
Dienstag, 25. Febr. Vom Tage. Walburga, Jgir., t 779.
Mittwoch, 26. Febr. Vom Tage.
Donnerstag, 27. Febr. Vom Tage. Üeanber, Bek., t 601.
Freitag, 28. Febr. Vom Tage.
Samstag, 1. März. Marien-Samstag.
Sonntag Sexagesima.
Epistel. 2. Korinther 11,19—12,9.
I Evaugel. Lukas 8,4—15. Das Gleichnis vom Sämann.
In jener Zeit, als eine sehr große Volksmenge zusammenkam und Leute aus den Städten zu Jesus ströni- ten, trug er folgendes Gleichnis vor: „Ein Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Beim Säen fiel einiges an den Weg, wurde zertreten, und die Vögel des Himmels pickten es aus. Anderes fiel auf steinigen Grund. Es g.ng zwar auf, verdorrte aber, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Wieder anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen mit auf und erstickten es Anderes endlich fiel auf gutes Erdreich, gmg auf und trug hundertfältige Frucht." Bei diesen Worten rief er aus: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!" Da «ragten ihn feine Jünger, was dieses Gleichnis bedeute Er antwortete ihnen: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu verstehen; den anderen werden sie nur in Gleichnissen dargeboien, damit sie selten und doch nicht sehen, hören und doch nicht verste- hen Das Gleichnis bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes Die am Wege sind jene, die es hören; dann kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und nicht gerettet werden Die auf steinigem Grund sind jene die das Wort zwar hören und mit Freuden aufnehmen. Doch sie haben keine Wurzel, eine Zeitlang glauben sie. aber zur Zeit der Versuchung fallen sie ab. Was unter die Dornen fiel, sind jene, die das Wort zwar hören aber dann in den sorgen, Reichtümern und Genüssen des Lebens aufgehen und es ersticken und so keine Frucht bringen. Was endlich auf gutes Erdreich fiel, sind jene, die das Wort hören, in einem guten und edlen Herzen bewahren und Frucht bringen mit Beharrlichkeit."
Ein „Lautsprecher" ohne Technik am 22. dieies Monats nennt uns die Legende die große Büßerin Alorga reta v. Korona. Neun Jahre lang i'ihrte sie an der Seite eines schamlosen Lüstlingx ein Leben der Sünde und des Aergernisses. Da kam der Wendepunkt. Ihr Liebhaber war längere Zeit auf Reisen, n obel « auch sein Hündchen mitgenommen hatte. Aus die Zeit, wo er von seiner Reise zurückkehren ollte. chng ihm Margareta eine Strecke entgegen. Da sprang plötzlich das Hündchen an ihr empor und zerrte sie heulend 3u einem nahen Gehölz. Dort
bot sich der Unglücklichen ein gräßliches Bild. Wer lag da im vertrockneten Blute, von Würmern halb zerfressen, als stinkender Leichnam? Ihr einst so geliebter Buhle. Er wär von Räubern überfallen und erschlagen worden. Margareta starrte entsetzt den Leichnam stumm an. Dann aber rief sie in wilder Verzweiflung: „Wo wird seine Seele sein?" Und plötzlich erwachte in ihrem Herzen eine Stimme und machte ihr die lautesten, stechendsten Vorwürfe. Du bist eine Sünderin, sprach die Stimme. Kehre um zu Gott. Was für ein „Laut sprechet" ist das gewesen, der ohne Mechanik unb ohne Apparat so laut und deutlich gerufen hat? Es war die Stimme des Gewissens. Margareta ha: diese Glimme nicht bloß gehört, sondern auch befolgt Sie wurde eine Büßerin, sie wurde eine große Heilige.---
Wohl demjenigen, dem der „Lautsprecher" immer ein gutes Zeugnis ausstetlt. Zu diesen glücklichen Menschen gehörte nun der hl. Apostel Paulus, der ja in der Liturgie des heutigen Sonntags Sexagesima eine so überragende Rolle spielt. Wir wollen heute sein Schicksal an Hand der Apo-el- geschichte weiter verfolgen —
Erinnert euch an die letzte Lesung, in der wir gesehen haben, wie die gottlose Verschmorung von 40 Juden gegen das Leben des Apostels zu Wa'- ier geworben ist. Unter sicherem Geleit wurde Paulus nach Cäsarea transportiert. Damit hatten aber die Juden noch keine Ruhe. Sie suchten b - m Statthalter Felix um eine Audienz nach und begaben f?d) in der Begleitung eines zungensect- zen Anwalts nach Cäsarea. Dieser nährn den Mund sehr voll und spie eine Menge von Verleumdungen gegen den Apostel. Diesem war es inbes ein leichtes, das Lügengewebe zu zerreißen unb sich zu rechtfertigen. Hören wir die wenigen, kraftvollen Worte seiner Verteidigung:
„Ick) weiß, daß du schon viele Jahre Richter über dieses Volk bist. Deshalb gehe ich guten Mutes an meine Verte-digung. Wie du keststeilen kannst, sind es nicht mehr als 10 Tage, seitdem ich nach Jerusalem hinaufgezogen bin, um den Herrn anzubeten. Weder im Tempel, noch in der Synagoge, noch in der Stadt hat man mich getroffen, daß ich mit jemand gestritten oder einen Volks aulruhr verursacht hätte. Auch können sie dir keinen Beweis für ihre Anklagen gegen mich bringen; doch das bekenne ich bir: ich diene dem Gott meiner Väter nach der Lehre, die sie eine Sekte nennen. Ich glaube an alles, was im Gesetze und in den Propheten geschrieben sieht, und heg? zu Gott die Hoffnung, die auch diese hier teilen, daß es dereinst eine Allserstehung der (Bereisten und Ungerechten gibt. Deshalb bemühe ich mich vor Gott und den Menschen jederzeit ein reines Gewissen zu haben."
Unb der Erfolg dieser Rede? Felix versagte die Angelegenheit mit den Worten: „Wenn der Befehlshaber Lysias herabkommt, will ich eure Sache ent
scheiden." Dem Hauptmann gab er den Auftrag, den Angeklagten in milder Haft zu halten und keinen von den Genügen zu hindern, ihm ihre D'euste zu leisten." (Apg. 24.)
Wohl hörte Paulus bemnad) die Borwurfe seiner Todfeinde. Aber noch viel lauter sprach hie Stimme seines Gewissens. Weit entfernt, ihm irgend welchen Vorwurf zu machen, gab ihm das Gewissen das Zeugnis einer guten, tadellosen Führung. Und so will er es halten bis zu -einem Lebensende. „Ich bestrebe mich", sagt er, „vor Gott und den Menschen allzeit ein reines Gewissen zu haben." Das gab unserm Paulus immer jene Festigkeit, mit der wir ihn vor Tyrannen, Dbrig- feiten und Bolkshaufen auftreten sehen. So le'en wir schon zu Beginn des 23. Kapitels der nämlichen Apostelgeschichte, daß Paulus festen Blickes den hohen Rat angeschaut hat und zu den Ratsherren die selbstbewußten Worte sprach: „Männer, Brüder, bis zum heutigen Tag bin ich mit ganz gutem Gewissen vor Gott gewandelt." Im Briel an Timotheus schreibt er: „Ich danke Gott, dem ich von meinen Vorfahren an mit reinem Gewissen diene." Helle Freude -pricht aus ben Worten bes Apostels, die er den Korinthern schreibt: „Das ist unser Ruhm, das Zeugnis unseres Gewissens, daß wir in Einfalt des Herzens und Aufrichtigkeit vor Gott, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes in dieser Welt und vorzüglich unter euch gewandelt sind." (2 Kor. 1, 12.) Und welch große Zuversicht beseelt den Völkeraposte! in seinem letzten Stündlein, so daß er seiner Sache ganz gewiß ist. Denn „ich habe den guten Kampf gekämpft", schreibt er, „den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt; dafür ist mir auch die Krone her Gerechtigkeit hinterlegt, die der Herr mir geben wird am Gerichtstag." (2 Tim. 4, 6.)
Die Korinther und uns alle ermahnt Paulus in heiliger Gorge, durch einen Wandel ohne Anstoß für ein gutes Gewissen zu garantieren. „Lebt ohne Anstoß vor Heiden und Juden und vor der Kirche Gottes, wie auch ich allen Menschen in allen Stücken zu Gefallen bin und dabei nicht meinen Vorteil suche, sondern den Vorteil aller, damit sie gerettet werden. Nehmt mich zum Vorbild, wie auch ich meinerseits Christus zum Vorbild habe. (1 Kor. 10, 31.)
Wohlan, sorgen wir alle für diesen Lautsprecher eines guten Gewissens. Es braucht dazu weder Apparat, noch einen Fackmwnn, noch einen Platz, noch irgend welche Anschaffungskosten. Denn der Lautsprecher ist schon da. Nur wird er bis* weilen durch ^Nebengeräusche in seiner Wirkung gestört und beeinträchtigt. Sobald nämlich die Leidenschaften dir die Nerven etwas peitschen, verliert der Lautsprecher an Präzision und Deutlichkeit, Unb wenn wir gar den Leidenschaften Gehör listen* ken, ihnen schmeicheln und sie befriedigen, dann kommen aus dem Lautsprecher ganz greuliche Laute, und unerträgliche Mißtöne. Das ist nämlich diA