Sonnlag, 8. Februar 1930
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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Wochenkalender.
Sonntag, 9. Febr. 5. Sonntag nach Epiph.. Cyrillus von Alexandria, Kirchenlehrer, t 444. Apollonia, Sungfr., Mart, t 248. papfffonnfag.
Montag, 10. Febr. Scholastika, Aebtissin, f 543.
'ienstag, 11. Febr. Erscheinung der allersel. Jungfrau Maria in Lourdes.
liittwoch, 12. Febr. Sieben Stifter des Serviten- ordens, Bek. 13. Jhrh. 8. Jahrestag der Krönung unsere s Hl. Vaters Pius XL 'onnerstag, 13. Febr. Gregor II., Papst, Bet., t 731. reitag, 14. Febr. Valentinus, Bisch., Mart.; Valen- tinus, Priester, Mart.
-amstag, 15. Febr. Fauftinus und Jooita, Mart., t 122.
Sonntag nach Erscheinung des Herrn.
Epistel: Kolosser 3, 12—17.
vangelium. Matthäus 13, 24—30. Das Gleichnis vom Unkraut im Acker.
In jener Zeit trug Jesus dem Volke folgendes Gleich- is vor: „Das Himmelreich ist einem Manne gleich, der aten Samen auf seinen' Acker säte. Während aber die eute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut mitten vier den Weizen und ging davon. Als nun der Haim "fschoß und Frucht ansetzte, kam auch das Unkraut im Vorschein. Da traten die Knechte des Hausvaters inzu und fpradjen zu ihm: „Herr, hast du nicht guten 'amen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das nkraut?" Er entgegnete ihnen: „Das hat der Feind üan." Die Knechte fragten ihn nun: „Sollen wir hm- ehen und es einsammeln?" Er antwortete: „Nein, ir könntet sonst, wenn ihr das Unkraut sammelt, zueich auch den Weizen mit ausreißen. Laßt beides ineinander wachsen bis zur Ernte. Zur Zeit der Ernte üll ich dann den Schnittern sagen: Sammelt zuerst as Unkraut und bindet es in Büschel zum Verbrennen, rn Weizen aber bringt in meine Scheune."
Herr, was soll ich tun?
m „wilden Honig" überrascht uns Al- ban Stolz mit folgendem merkwür- digem Geständnis:
„Ich komme mir vor wie ein Mann, der helle, scharfe Augen hat dabei lahme Hände. Ich sehe viele schöne, reli- wse Gedanken; sie gehen in meinem Innern manchmal auf wie Sterne am Nachthimmel und 11 I ins schauende Auge des Bewußtseins. Ab''" o -e entsprechende Tat?"---
<a, der Gegensatz zwischen Ueberzeugung und at, zwischen Theorie und Praxis, zwilchen Glau- m und Leben ist oft ein schauderhafter Abgrund, ur jeden bedeutet es ein großes Stück Arbeit, neu harten, unerbittlichen Kampf, die richtige armonie herzustellen zwischen Gedanken und Tat. Enn jemals einem Sterblichen der große Wurf "Ungen ist seine reltaiöse Praxis vollkommen
ins Leben umzusetzen, so war es sicherlich der hl. Apostel Paulus. Hören mir heute aus seinem eigenen Munde den Bericht über seine Bekehrung und deren unmittelbare Folgen.
„Brüder und Väter! Vernehmt die Verteidigung, die ich nunmehr vor euch führe. Ich bin ein Jude, zu Tarsus in Zillzien geboren, hier in dieser Stadt Jerusalem erzogen und zu den Füßen Gamaliels in der Strenge des väterlichen Gesetzes unterwiesen. Ich war ein Eiferer für Gott, wie ihr alle es heute noch seid. Als solcher vei-folgte ich diese Lehre bis auf den Tod und ließ Männer und Frauen in Fesseln legen und in den Kerker werfen. Ich zog auch nach Damasfus, um die dortigen Brüder gefesselt zur Bestrafung nach Jerusalem zu bringen.
Als ich so dahinzog und mich Damaskus näherte, umstrahlte mich plötzlich zur Mittagszeit vom Himmel her ein starkes Licht. Ich stürzte zu Boden und hörte eine Stimme, die mir zu rief: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? Ich fragte- Wer bist du, Herr? Die Stimme erwiderte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Ich fragte weiter: Herr, was soll ich tun? Der Herr erwiderte mir: Steh auf und geh nach Damaskus Dort wird dir alles gesagt werden, was du tun sollst.
Da ich infolge jenes Lichtglanzes nicht sehen konnte, wurde ick von meinen Begleitern an der Hand geführt und gelangte so nach Damaskus. Dort kam zu mir ein gewisser Ananias, ein gesetzestreuer Mann, der bei den dortigen Juden in großem Ansehen stand. Er trat herzu und sagte zu mir: Bruder Saulus, schau auf! Im selben Augenblick- konnte ich ihn sehen. Er fuhr fort: Der Gott unserer Väter bar dich dazu bestimmt seinen Willen zu erfahren, den Gerechten zu sehen und die Stimme seines Mundes zu vernehmen. Denn du sollst vor allen Menschen bezeugen, was du ge'ehen und gehört hast Was zögerst du noch? Steh auf, rufe seinen Namen an, laß dich taufen und von deinen Sünden reinigen!" — — — Apg. 22.
Zwei Fragen stellte also Paulus bei seiner wunderbaren Bekehrung. „Wer bist du, Herr?", das ist die erste Frage. „Herr, was soll ich tun?“, das ist die zweite Frage. Die erste scheint mehr eine spekulative, die zweite eine praktische Frage. Die erste geht auf den Glauben, die zweite auf das Tun. Paulus hat die Konsequenzen gezogen aus beiden. Zu Jesus hat er aufgeschaut ass zum Sohne Gottes und hat seine Gottes- und Messiaswürde vor Juden und Heiden, vor Philosophen und Analphabeten, vor Sklaven und Herren mit beredtem Munde verteidigt. Aber noch mehr hat er die Folgerung gezogen aus der zweiten. Er hat nach den Lehren und Beispielen des Heilandes gelebt in Freud und Leid, in der Öffentlichkeit und Verborgenheit. Bis zum Heroismus hat er z. B. das Hauptgebot des Herrn, die Liebe. geübt. Hat er nickt sogar seinen Todfeinden» den Juden,
von Herzen verziehen, für sie inständig gebetet und ihnen nach Kräften Gutes getan? War er nicht bereit, um ihres ewigen Heiles willen selbst die Verdammnis zu leiden ? Hat er nicht ohne Unter» laß die Werbetrommel gerührt und Almoien ge« sammelt für die Armen? Hat er nicht die Keuschheit geübt in ihrem höchsten Glanz? Hat er nicht eine Mäßigkeit an den Tag gelegt, die selbst vor dem Darben nicht zurückschreckt? So hat Vaulus für seinen Herrn und Gott ein durchschlagendes, doppeltes Zeugnis abgelegt, das Zeugnis des. Glaubens und das Zeugnis des Lebens. —
So sollte es auch bei uns sein. Herr, was soll ich tun? Diese Frage sollte immer wieder aii; unsere Lippen treten. Bemerke wohl, daß die Frage nicht heißt: was soll ich glauben? sondern: „Herr, was soll ich tun?“ Genügt ja der Glaube keineswegs für sich allein, sondern bedarf der notwendigen Ergänzung durch das Tun. So ist die ausdrückliche Lehre unseres Heilandes selber. „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird ins Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters tut." (Mt. 7, 21.) Selbst Wunder können die ewige Verdammnis nicht aufhalten bei Menschen, die keine Werke auf.zuweisen haben, deren Glauben durch die Schlechtigkeit aufgehoben wird. Denn, so spricht der Heiland, viele werden am Gerichtstag zu mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Flamen viele böse Geister ausgetrieben, geweissagt und Wunder gewirkt? Aber ich werde ihnen dann erklären: ich habe euch vis gekannt; weichet von mir, ihr Uebeltäter." (Mt. 7, 23.)---
Vom Unkraut unter dem Weizen ist im heutigen Evangelium die Rede. Unter dem Unkraut sind nicht bloß die Abtrünnigen zu verstehen, sondern auch die schlechten Katholiken. Zwischen einem Häretiker und einem schleckten Katholiken besteht nach dem hl. Augustinus der Unterschied, daß die Häretiker etwas Fal'ches glauben, die schlechten Katholiken aber zwar die Wahrheit glauben, aber ihr Leben nicht darnach einrichten. Wie paßt es z. B. zusammen, wenn ein Katholik glaubt, daß die Kirche das Haus Gottes ist und dennoch allerhand Unfug treibt? Wie paßt es zusammen, daß ein Katholik die heilige Messe für den erhabensten Gottesdienst hält und dennoch sie versäumt? Wie paßt es zusammen, wenn ein Katholik die Nächstenliebe als die höchste Pflicht erkennt, aber dennoch trieft von Haß und Zorn und Neid und Verleumdung und Betrug und Lieblosigkeit und Gehässigkeit?
Regeln wir also immer mehr unser Leben nach den Wahrheiten unseres Glaubens, und wir werden das Wort unseres Heilandes an uns erfahren:
„Wer nach meinen Worten tut, der wird groß genannt werden im Himmelreich."
Der Talpfarrer,