Wochenkalender»
Somrkog, 26 Ian. 3. Sonntag nach Epiphanie. Polykarp, Bischof., Mart., f 155.
Montag. 27. Jan. Johannes Chryfostomus, Kirchenlehrer, f 407.
Dienstag, 28. Jan. Agnes, Jgfr., Mart., zweite Festfeier.
Mittwoch, 29. Jan. Franz von Sales, Kirchenlehrer, t 1622.
Donnerstag. 30 Ian. Martina, Jgfr., Mart., t 222.
Freitag, 31. Jan. Petrus Nolaskus ,Bek., f 1265
Samstag, 1. Febr. Ignatius, Bisch., Mart., t 107.
3. Somtag nach Erscheinung des Herrn. Epistel Römer 12, 16—21.
Evangelium. Matthäus 8, 1—13. Glaubensstarkes
Vertrauet».
In jener Zeit stieg Jesus von» Berge herab, und es folgten ihm große Volksscharen. Und siehe, da kam em Aussätziger, fiel vor ihm nieder und bat: „Herr, wenn du willst, kannst du nud) rein machen." Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: „Ich will, sei rein!" Sogleich war er von seinem Aussatze rein. Und Jesus sprach zu ihm: H tu daß du es nie
mand sagest! Geh vielmehr hin, zeig dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses vorgeschriebsn hat. Das soll ihnen zum Zeugnis dienen." Als er dann nach Kavharnaum kam, trat ein Hauptmann zu ihm und bat: „Herr, mein Knecht liegt zu Hause gelähmt darnieder und leidet große Qual." Jesus sprach zu ihm: „Ich will kommen und ihn gesund machen." Der Hauptmann aber entgegnete: „Herr, ich bin nicht würdig daß du eingehst unter mein Dach: sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich, obwohl cm Untergebener, brauche nur zu einem der «Solbaten, die ich unter mir habe, tu sagen: „Geh!" dann .,eht er: zu einem andern: „Komm!" dann kommt er; und zu meinem Knechte: „Tu das!" dann tut er es " Als Jems das hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm folgten: „Fürwahr, ich läge euch, so großen Glauben habe ich Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch, viele werden vom Autgang und Niedergang der Sonne kommen und mit Abraham. Isaak und Iakob im Himmelreiche zu Tische sitzen, die Kinder des Reiches aber werden hinausgeworfen in die Finsternis draußen: dort wird Heulen und Zähneknirschen sein." Und Jesus sprach zum Hauptm r , Geh hin: dir geschehe wie du geglaubt haft!" Und in derselben Stunde ward der Knecht gesund.
Zweierlei Ketten»
Leben des hl. Bischofs und Mar- BEU Syrers Polykarp, dessen Gedächtnis ^^ s^rads heule am 26. Januar, be- fielen, leie ich die folgenden ergrei- senden Zeilen:
"Als in Smyrna eine Verfolgung ausgebrochen war, mürbe der hl. Bischof, der schon 86 Jahre zahlte, in den Zirkus geführt, und ein Herold riet ttrit lauter Stimme aus: Das ist der Lehrer Asiens, der Vater der Christen, der Zerstörer un
serer Götter. Das Volk verlangte stürmisch den Tod. Prophetisch rief der Greis aus: „Ich muß lebendig verbrannt werden."
Mit höchster Eile schleppten nun die Götzendiener Holz und Reisig herbei und schichteten einen Scheiterhaufen auf. In die Mitte wurde ein Pfahl gesteckt, an den man den Bischof annageln wollte, damit er in die Unmöglichkeit versetzt würde, dem schrecklichen Feuer zu entfliehen. Mit jugendlichem Heldenmut erwiderte aber der Greis: „Lasset mich so wie ich bin. Dec mir die Kraft gibt, das Feuer zu ertragen, wird mir auch die Kraft geben, unbeweglich auf dem brennenden Scheiterhaufen auszuhalten, ohne daß ihr mich fpftnagelt." Und als er oben stand in der Mitte des Holzstoßes, betete •h< n$ sprach: „Ich preise dich, o Gott, daß du an u^em Tage und zu dieser Stunde dich herab- lässesi, mich unter die Zahl deiner hl. Märtyrer anfzunehmen und mir Anteil zu geben am Kelche Christi." —
Mithin brauchen die Heiligen keinen Nagel, keine Kette und keine Banden, um im Dienste chr-s Herrn und Gottes zu verharren: ihnen genügt das unsichtbare Band und die unsichtbare Kette der Freiheit und der Liebe.
Etwas ähnliches lese ich in der Apostelgeschichte, in der wir heute »weder weiter fahren wollen. Unsern Apostel Paulus haben wir das letztemal in Cäsaren verlassen, wo er im Hause der drei prophetischen Jungfrauen Unterkunft gefunden hatte Nun kam in selbige Stadt auch ein gewisser Aga bus, der dem Apostel Verfolgung, Bänder» und Gefangenschaft voranssagte für den Fall, daß er nach Jerusalem reifen würde. Ueber diesen merkwürdigen Vorgang lese ich im 21. Kapitel folgende Darstellung:
„Agabus trat in das Haus des Philippus, in welchem Paulus wohnte, nahm den Gürtel des Apostel, band sich selbst Hände und Füße damit und sprach: „So spricht der Geist: den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem also binden und der Gewalt der Heiden aus- lie.ern."
Als mir das vernahmen, erzählt der Chronist Lukas weiter, baten wir und die Einheimischen den Apostel inftän big, nicht nach Jerusalem hiuaufzu- gehen. Aber Paulus entgegnete: „Warum weint ihr und macht mir das Herz schwer?
Ich bin bereit, für den Namen des Herrn Jems mich in Jerusalem nicht bloß binden zu lassen, sondern auch selbst den Tod zu erleiden." — Da er sich nicht überreden ließ, gaben wir nach und sagten: „Des Herrn Wille geschehe." Hierauf maa^n wir uns reifefertig und zogen nach Jerusalem hinauf. Auch einige Jünger aus Cüiarea gingen mn uns und brachten uns zu einem gewissen Wachsn aus Cypern, einem allen Jünger, bei dem wn gastliche Aufnahme finden sollten. (Avg. 21. 10 bis 16.i ---
Welch große Gesinnung offenbart sich wieder bei diesem Vorfall im Herzen Pauli. Was kämmen» ihn Ketten, Stricke und Bande? Was Füm» wert ihn Beraubung der Freiheit, Kerker und Gefängnis? Diesen seltenen, diesen hochherzigen Mann, dem das alles zu wenig ist, der vielmehr es als die größte Gunst ansieht, für Christus, den Herrn, sein Leben aufzuopsern. Was sage ich, sein Leben? Tausend Leben, nicht bloß eines, war er willens, für den geliebten Meister zu lassen. „Christus ist mein Leben, Sterben mein Gewinn." Und ein andermal ruft er aus: „Täglich sterbe ich dahin", als ob er sagen wollte: täglich opfere ich mein Leben auf. Und hätte ich der Leben tausend, so wollte ich jeden Tag eines davon unter Schmerzen bereitwilligst daranrucken für Christus und die Seelen. Leiden wurden ihm von Agabus ge- weisiagt. Aber was fragt Paulus nach den Prophezeiungen aus Menschenmund? Hat er bemt nicht schon längst aus Heilandsmund sein Schicksal vernommen? „Ich will ihm zeigen, wie er um meinetwillen leider» muß", so hat der Geist zu Ananias gesprochen, zu dem Paulus nach der Be« kehrung geschickt wurde. Jetzt beginnen die Verheißungen sich zu erfüllen. Darüber gerät unser Paulus nicht einen Augenblick ins Wanken. W»e manchmal die Feuerwehr sich freut, wenn ein Brand ausgebrocherr ist, weil sie bann ihre Ueber» legenheit gegen das Feuer bewähren kann- wie manchmal ein Soldat sich freut, wenn die Schlacht donnert, weil er da seinen Mut beweisen kann — so freut sich Paulus und frohlockt im Geiste, wenn der Tag herannaht, wo er seinem geliebten Herrn und Meister feine Liebe und Treue bewähren kann. Und beachte, daß Paulus nach einer wichen Prophezeiung die Möglichkeit hatte, und daß es ihm von den Jüngern direkt nahe gelegt mürbe, Jerusalem zu meiden unb hf) ein anderes Feld der Wirksamkeit aufzusuchen. Doch nein. Paulus ergreift keineswegs die Flucht. Das schien ihm ich-mpflich und verächtlich. Er geht der Gefahr erhobenen Hauptes entgegen. Ibn bindet nicht eine äußere Kette, sondern das Gewissen, bi# Pflicht, die Liebe.
Fo'gen wir seiner Großmut nach. Der Wille Gottes.' die erkannte Pllicht über alles. Und wenn auch niemand uns bindet und nötigt, io soll das Pflichtgefühl, die Verantwortung, die Liebe zu Gott uns Bindung fein. Die Matrwen des Altertums wurden mit Ketten an ihren Platz festgevun- den, damit keiner im Falle der Gefahr entrinne. Cm Christ soll keine Kette brauchen, um auf seinem Pollen auszuharren. Des Christen kette ist der Wille Gottes. Ich schließe mit den Worten des hl. Kirchenlehrers Johannes Chryfostomus, dessen Fest auf den morgigen Tag fällt (27. Jan.):
Beten wir, daß wir nicht in Versuchung fallen, daß mir nicht in eine allzuschwierige Lage geraten. Wenn wir aber dennoch vor eine heikle St»