Sonnlag, 19. Januar 1930
Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A 40 «.-Pfennig B 45 «.-Pfennig (Zustellgebühr extra), Redaktionsschluß Montag. Anzetgen-Preike: Tolonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark. Colonelzelle im Reklameteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Geb. 0,10 Goldmark. Port» extra Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda fein.
—— Drud and Verlag der Fuldaer Actiendrurkeret. Verlagsort Fulda. '
Wochenkalender.
Sonntag, 19. Ian. 2. Sonntag nach Epiphanie. Marius and Gen., Mart. Kanut, König, Mart., t 1086.
Montag, 20. Ian. Fabian und Sebastian, Mart., f i. 3. Ihrh.
Dienstag, 21. Ian. Agnes, Igfr., Mart., f 304.
Mittwoch, 22. Ian. Bincentius und Anastasius, Mart. Donnerstag, 23. Ian. Raymund von Penenfor, t 1275. Emerentiana, Igfr., Mart.
Freitag, 24. Ian. Timotheus, Bisch., Mart.; t 97.
Samstag, 25. Ian. Bekehrung des hl. Paulus.
A o m 18. b i s 25. Januar Gebetsoktav u in die Wiedervereinigung im Glauben.
2. Smmlgg »ach Erscheinung des Herrn.
Epistel Römer 12,6—16.
Evangelium. Iohannes 2, 1—11. Die Hochzeit zu Kana.
In jener Zeit war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu war zugegen, und auch Jeius und seine Jünger wurden zur Hochzeit geladen. Als der Wein ausging, sprach die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr." Jesus erwiderte ihr: „Was willst du von mir, Frau? Noch ist meine Stunde nicht gekommen." Da sprach seine Mutter zu den Dienern: „Tut alles, was er euch sagt!" Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie sie bei den Juden für die Reinigungen üblich waren. Jeder von ihnen faßte zwei bis drei Maß. Jesus gebot ihnen: „Füllet die Krüge mit Wasser!" Sie füllten sie bis zum Rande. Und Jesus sprach zu ihnen: „Schöpfet jetzt und bringet davon dem Speisemeister!" Sie brachten es ihm. Der Speisemeister kostete nun das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wußte aber nicht, woher der Wein kam; nur die Diener, die das Wasser geschöpft hattet, wußten es. Da rief der Speisemeister den Bräutigam und sagte ui ihm: „Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste genug getrunken haben, den geringeren. Du aber hast den guten Wein bis zu jetzt auf= bewahrt." So machte Jesus zu Kana in Galiläa den Anfang mit feinen Wundern. Er offenbarte dadurch seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.
3m Hause der vier Jungfrauen. ^M^^^ehmen wir den Faden der Apostel- geschichie wieder auf, die uns im 21. Kapitel in das Haus der 4 Jung- freuen führt. Laßt mich die Ge- schichte zunächst im Zusammenhang erzählen:
„Wir rissen uns von den Christen in Milet los, fuhren ab und kamen in gerader Richtung nach nes und tags darauf über Rhodus nach Patara. Wir fanden ein Schiff, das nach Phönizien fuhr, bestiegen es und segelten ab. Cypern, das wir sich- teteik, ließen wir zur Linken liegen, steuerten auf Syrien zu und gelangten nach Tyrus; dort sollte Dos Schiff seine Fracht löschen. Wir suchten die Junger auf und blieben daselbst sieben Tage. Aut Umgebung des hl. Geistes rieten sie dem Paulus NlclU nach Jerusalem binauhuaehen. Nach Ablauf
dieser Tage machten wir uns auf den Weg, wobei uns alle mit Weib und Kind bis vor die Stadt das Geleite gaben. Am Strand knieten wir nieder und beteten. Dann nahmen wir von einander Abschied und bestiegen das Schiff; jene aber kehrten nach Hause zurück.
Wir legten den letzten Teil der Fahrt von Tyrus nach Ptolemais zurück. Dort begrüßten wir die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen. Am folgenden Tag reiften wir weiter nach Cüsarea.
Wir gingen in das Haus des Glaubenspredigers Philippus, der zu den Sieben gehörte, und blieben bei ihm. Dieser hatte vier Töchter, prophetisch begabte Jungfrauen." —
Bis hierher unser Text. Was für ein Philippus ist es nun, bei dem Paulus sein Absteigequartier genommen hat? Und zu welchen „Sieben" hat er denn gehört? Und was für eine Bewandtnis hat es mit seinen prophetischen Jungfrauen?
Um mit den Personalien des Philippus zu beginnen, so haben wir es in ihm keineswegs mit dem Apostel Philippus zu tun. Vielmehr mit bem Diakon Philippus, einem der sieben Diatone, unter denen Stephanus der berühmteste war. Schon einmal sind wir dem Philippus begegnet, als er in Samaria predigte und dem Kämmerer von Aethyopien jene bedeutungsvolle Erklärung gab. Hier taucht unser Philippus zum drittenmal auf, und wir lernen ihn als einen prächtigen Familienvater kennen. Da in jener Zeit des Urchristentums verheiratete Männer zu Kirchendienern genommen werden mußten, so braucht es uns nicht wundern, wenn auch Philippus im Ehestand lebte. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er nach Empfang der Weihe im Einverständnis mit seinem Weib d>e eheliche Gemeinschaft aufgehoben und sich dem apostolischen Lebens ausschließlich gewidmet. Nun war seine Ehe mit vier Töchtern gesegnet. Da wir von Söhnen nichts lesen, so ist die Annahme berechtigt, daß ihm männliche Nachkommenschaft versagt blieb — ein Trost für jene Eheleute, die eni- weder nur Söhne haben, denen trotz heißer Wünsche und Gebete eine Tochter versagt bleibt, oder nur Töchter haben und aus das Glück verzichten müssen, einen Sohn ihr eigen zu nennen. Und solche Fälle sind nicht selten Möchten alle Eltern die Gesinnung jener Frau besitzen, mit der ich vor einigen Tagen gesprochen. Hochwürden, sagte sie, ich habe einen ganzen Haufen Söhne und keine einzige Tochter. Das einzige Mädchen, das Gott
uns schenkte, sank ins Grab, froh darum und danke Gott, sich zu dem Heldenmut Helis sprach: „Es ist der Herr — er scheint in seinen Augen." —
Und heute bin ich Mögen alle Väter aufschwingen, der mag tun, was gut
vier Töchter blühten also im Hause des Philippus heran. Alle vier blieben ledig, blieben unvermählt, blieben jungfräulich. Das war wohl die Frucht der guten Erziehung. Nicht bloß den Töchtern der andern Familien, nein auch seinen eige
nen Töchtern, und diesen am meisten, schilderte bet Vater Philippus bte Vorzüge der Jungfräulichkeit in leuchtenden Farben und öffnete ihnen die Augen über das Paradies eines gottgeweihten, jungfräulichen Lebens. Und heule, wie machen es da so manche Väter und Mütter? Ach, sie werden nicht müde, ihren Töchtern vorzureden, s>e möchten doch ja dafür sorgen, daß sie eine gute Partie machen, daß sie unter die Haube kommen. Und die Töchter folgen solchen irdischen Ermahnungen gar zu gern. Und manche erobert einen Mann, auch wenn er ein Lump ist, ein Taugenichts ist, ein Tunichtgut ist, ein Akatholik ist, ein Geschiedener ist. Und manche verspielt bei diesem Ringen Ehre und Reinheit, Religion und Glaube! Und doch, ist es nicht tausendmal besser, ledig zu bleiben als eine notorisch schlechte, oder eine zweifelhafte, gewagte, kirchenfeindliche Ehe einzugehen?
Des Philippus vier Töchter blieben also ledig. Und sie blieben es nicht bloß auf Anraten ihres Vaters, sondern auch aus eigenem Antrieb. Mit voller Freiheit, mit Lust und Liebe wählten sie den Stand der Jungfräulichkeit. Aber, wird jemand fragen, sind sie denn nicht in der wirtschaftlichen Konkurrenz unterlegen? Sind sie nicht verelendet und Hungers gestorben? Keineswegs. Und wie war denn für ihren Unterhalt gesorgt? Unser Tert deutet es an mit den Worten: „prophetisch begabte Jungfrauen". Haben sie sich vielleicht auf die Wahrsagerei verlegt und dadurch ihr Brot redlich verdient, sonst wäre der hl. Paulus nicht in ihrem Hause abgestiegen. Wenn sie überhaupt mit der Erforschung der Zukunft sich abgegeben haben, so geschah dies nicht mit Kartenschlagen ober mit Traumdeuten, sondern ausschließlich mit religiösen Mitteln. Im Gebet suchten sie die Zukunft zu erkennen. Und der Allwissende hat ihnen die Schleier der Zukunft geöffnet. Das Prophetenamt in der Urkirche beschränkte sich indes keineswegs auf die Erforschung der dunklen Zukunft; vielmehr hatte es die reale Gegenwart im Auge. Die Prophetinnen waren eine Art Diakonissen, die an den Armen, an den Kindern, an den Katechumnen ihre Dienste leisteten und dafür von der Kirchengemeinde den Unterhalt bezogen
Unsere heutige schwere Zeit bietet den Töchtern keine glänzenden Heiratsmöglichkeiten. Darum sollen stich diejenigen, die es trifft, mit ihrem Lose abfinden und aus der Not eine Tugend machen. Die katholische Kirche sichert allen braven, sittenreinen Jungfrauen öffentliche Geltung und Achtung. Im Gegensatz zu den Protestanten und so vielen andern Sekten stellt sie den Jungfrauenstand sogar über den Ehestand. Ganz im Einverständnis mit dem hl. Paulus, der sagt: „Wer seine Tochter verheiratet, tut gut daran; wer sie aber nicht verheiratet, tut besser." Und diese Lehre hat S. Paulus nicht aus der Luft und nicht aus eigenem Denken geschöpft, sondern aus den Worten des Herrn: „Es gibt Menschen, die um des Himmels